- Die gefährliche Normalisierung staatlichen Versagens
Das „Bleiberechtsprojekt“ für Ausreisepflichtige in Köln ist nur die Spitze des Eisbergs. Und auch außerhalb der Migrationspolitik gibt es systemische staatliche Defizite, die das elementare Gerechtigkeitsempfinden aller Menschen berühren.
Wir erleben seit Jahren an vielen Stellen Dinge, die auf ein strukturelles Problem des Staates beim Vollzug seiner originären Aufgaben hindeuten. Das Wort „Staatsversagen“ ist in diesem Zusammenhang natürlich schnell zur Hand, aber allzu oft ist dieser Befund nicht übertrieben. In keinem Bereich ist die staatliche Dysfunktionalität seit mehr als einem Jahr so breit diskutiert worden wie in der Migrationspolitik. Und trotzdem hat sich zu wenig geändert. Während Deutschlands Redakteure im Vorfeld der Sachsen-Anhalt-Wahl ihr Publikum mit spektakulären Thesen zu den Gründen des Aufstiegs der AfD beglücken, bleibt ein Grund so banal wie offensichtlich: die verfehlte und teilweise katastrophale Migrationspolitik der vergangenen Jahre.
Man darf sich natürlich die Frage stellen, warum so viele Menschen ausgerechnet einer chaotischen Gurkentruppe wie der AfD die Lösung des Problems zutrauen und den anderen Parteien nicht mehr. Die Antwort darauf dürfte schmerzlich sein, weil ich nicht glaube, dass man der AfD in der Breite eine besondere Problemlösungskompetenz zuspricht. Vielmehr wurde die Migrationspolitik in einem Maße von der Politik vermasselt, dass viele Menschen glauben, sie könnten diesen Befund nicht anders artikulieren als durch die Wahl der AfD. Und obwohl die Diagnose einer verfehlten Politik inzwischen wirklich beim Letzten angekommen sein müsste, reißen die Nachrichten nicht ab, die bei jedem Bürger mit klarem Verstand einfach nur Kopfschütteln und Entsetzen auslösen.
Wie ein staatliches Bauprojekt zur Legalisierung illegaler Schwarzbauten
Ein aktuelles Beispiel sind die Berichte über das Ausländeramt in Köln, das die Abschiebung von 471 Ausreisepflichtigen hintertrieben haben soll. 200 davon sollen in ein „Bleiberechtsprojekt“ des Landes Nordrhein-Westfalen überstellt worden sein, obwohl bei 119 polizeiliche Erkenntnisse vorgelegen haben sollen. Der Irrsinn hinter dem Skandal zeigt sich manchen erst auf den zweiten Blick: Ein „Bleiberechtsprojekt“ für Ausreisepflichtige? Das ist ungefähr so, als gäbe es ein staatliches Bauprojekt zur Legalisierung illegaler Schwarzbauten im Naturschutzgebiet. Das ist schlicht nicht vermittelbar.
Und gleichzeitig schüttelt man immer wieder den Kopf, wenn es Berichte darüber gibt, dass ausgerechnet die gut integrierten und arbeitenden Menschen mit größter Vehemenz von den Ausländerbehörden verfolgt werden. Kriminelle ins Bleiberechtsprojekt, gut Integrierte in den Abschiebeflieger? Das ist zumindest auch eine Realität in Deutschland und weit mehr als eine Einzelfallbeschreibung, was schon der schiere Umfang des Kölner Falles zeigt.
Aber auch außerhalb der Migrationspolitik gibt es systemische staatliche Defizite, die das elementare Gerechtigkeitsempfinden eines jeden Menschen berühren müssen, ohne dass die Politik hierauf reagiert. Hierzu gehört die Tatsache, dass in Deutschland immer noch Grundsicherung gezahlt wird, obwohl der Leistungsempfänger per Haftbefehl gesucht wird. Ja, auch das ist eine Realität in Deutschland. Sie ist bekannt und wurde sogar schon von der Bundesregierung adressiert. Passiert ist aber: nichts.
Verantwortlich gemacht wird dafür – wie so oft, wenn die Union oder die SPD etwas nicht auf die Kette bekommen – der Datenschutz. Das ist natürlich nur eine ziemlich hanebüchene Argumentation. Unsere Rechtsordnung ist gespickt mit allerlei Mitteilungspflichten von Behörden untereinander. So auch das SGB X, in dessen § 68 es unter anderem um die Übermittlung von Daten an Polizei, Gerichte und Strafbehörden geht. Es wäre wirklich ein Klacks, diese Vorschrift anzupassen. Inzwischen dürfen Waffenbehörden auf Verdachtserkenntnisse der Verfassungsschutzbehörden zugreifen, aber die Information über einen Haftbefehl eines deutschen Gerichts soll am Datenschutz scheitern? Das ist wirklich lächerlich. Der Grund für das Versagen ist nicht „der Datenschutz“, sondern legislativer Unwille oder Unfähigkeit.
Nichts zu erklären und nichts zu rechtfertigen
Dass solche Umstände trotz besserer Erkenntnis nicht abgestellt werden, ist wie ein Brandbeschleuniger für die um sich greifende Entfremdung zwischen staatlichen und politischen Institutionen einerseits und den Bürgerinnen und Bürgern andererseits. Zumal auch völlig unterschiedliche Maßstäbe zu gelten scheinen. Wer einem per Haftbefehl gesuchten Verurteilten als Privatperson den monatlichen Lebensunterhalt bestreiten würde und so das Untertauchen überhaupt erst ermöglichte, sähe sich völlig zu Recht mit dem Vorwurf der Strafvereitelung nach § 258 StGB konfrontiert. Beim Staat nimmt man denselben Sachverhalt einfach so hin. Da gibt es nichts zu erklären und nichts zu rechtfertigen. Und jeder, der das versucht, muss wirken, als verhöhnte er die Bürgerinnen und Bürger.
Die dumme, in Medien und Politik verbreitete Angewohnheit, Dinge zu rechtfertigen, die nicht zu rechtfertigen sind, war ebenso dankbares Futter für jeden Populisten. Man schützt das Vertrauen in die Demokratie nicht, indem man mündige Bürger behandelt wie kleine Kinder, die die volle Wahrheit nicht vertragen können. Man beschädigt dieses Vertrauen vielmehr, weil man unter Beweis stellt, dass man in Wahrheit gar nicht an die Mündigkeit der Menschen glaubt.
Ohne diese Mündigkeit gibt es aber keine echte Demokratie. Ich wäre dankbar, wenn das der eine oder andere selbsternannte Retter der Demokratie verstehen würde. Dann wäre unserem Gemeinwesen viel geholfen. Noch mehr wäre uns geholfen, wenn unhaltbare Zustände auch wieder wie unhaltbare Zustände behandelt würden – indem man sie einfach konsequent abstellt.
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erscheint vielen Wählern und Wählerinnen offensichtlich immer noch deutlich besser als eine unwillige, unfähige und despotisch agierende (Grüne) ebenfalls chaotischen Gurkentruppe wie unsere aktuelle Regierung... ... 🤔
Es gilt das Prinzip Hoffnung...
wissen - zu krass.
Ich habe den Eindruck das Herr Kubicki ganz bewußt provozieren wollte. Entweder aus persönlichen Motiven gegenüber der AfD oder die Reaktionen darauf zu testen. Das Erstere ist unprofossionell. Das Zweite hätte er sich doch denken können, dann wäre es auch unprofessionell. Es schadet seiner Glaubwürdigkeit. Bin auf die heutige Diskussion gespannt.
wusste er schon was Sie (oder andere hier...) dazu schreiben werden... ... - das ist offensichtlich.
"Es schadet seiner Glaubwürdigkeit." -- aber nicht innerhalb seiner 60:40-Partei..., für diese 40% schreibt er so wie er schreibt..., die müssen auch 'bedient' werden... ... 😉 (konkret: Frau Agnes Strack-Zimmermann und Genoss:innen... 🤣)
Deshalb: 'Alles gut!' für Kubicki himself... 😉
er denn hier! gewinnen bzw. zurück-gewinnen, würde er anders tonal 'pro AfD' schreiben...? >> 5-15 Stück FDP-Wähler:innen (😉) - pro Monat...? 🤔
Also...
Wir brauchen mehr Kubickis, auch in den anderen Parteien! Was Kubicki da schreibt ist nahe dran am "gesunden Volksempfinden" ... Jehova, er "Volk-" gesagt ...
1 Kubicki ist schon einer zu viel!
schreiben..., und auch garnicht Kubicki lesen..., oder täusche ich mich da...? Es "widert" Sie an..., und "Es ist schade um die Zeit."... ... 🤔
"Quod scripsi - scripsi!"
"...einer chaotischen Gurkentruppe wie der AfD..." Was die chaotische Gurkentruppe FDP anbelangt erwarten sie nicht, Herr Kubicki, daß hier großartige Begründungen erfolgen. Es seien ja nur die Namen Lindner (Egotrip) und Buschmann (Selbstbestimmungsgesetz) genannt. Gurkenhaft war es im übrigen Überhaut in eine Koalition mit linksgrünen Ideologen einzutreten. Naja, daß chaotische Ende und der darauf folgende politische Abstieg der FDP lassen das gurkenhafte Gebaren dieser Truppe nicht kleiner werden. Vielleicht hilft ihnen diese Erinnerung, zukünftig, etwas weniger von oben herab zu formulieren. Interessantes Interview in der heutigen Onlineausgabe der NZZ mit Andreas Rödder zum Umgang mit der AfD. Vielleicht ist auch das hilfreich für sie. Der Rest, des Inhaltes, ihrer Kolumne war ja hinlänglich bekannt.
Angenehmes Wochenende.
morgen wird gewählt... ... /😉
Natürlich ist die völlig aus dem Ruder gelaufen Migrationspolitik ein Hauptmotor für die Zustimmung zur AfD. Aber es wäre wieder eine Unterschätzung des Wählers, würde man seine Entscheidung darauf reduzieren. Es ist zu einem guten Teil eben auch diese ultralinke Gesellschaftspolitik,es ist die grünsozialistische Wirtschaftspolitik mit ihren interventionistischen, Steuergeld fressenden Maßnahmen, vor allem bei der völlig verfehlten Energiepolitik,deren katastrophalen Auswirkungen jetzt alle zu spüren bekommen.
Gerade im Osten hat man doch noch gut in Erinnerung, wie ein Staatswesen in den Niedergang rutscht.Auch damals wurde beschönigt, beschwichtigt oder gedroht:Klappe halten! Wegtreten!
Die Bürger wollen eine pragmatische, vernünftige, sachorientierte Politik, die ihr Leben besser macht oder wenigstens den status quo erhält.Diesen Auftrag erfüllt die Politik seit gut 20 Jahren nicht mehr. Im Gegenteil, der nettosteuerzahlende Bürger ist mehr und mehr der Dumme. Das ist das Problem.
"Diesen Auftrag erfüllt die Politik seit gut 20 Jahren nicht mehr." 👍
sehr guter Kommentar-ich stimme Ihnen zu, meine Sicht, allerdings sind gerade jüngere Frauen (und Männer) in Grossstädten sehr verfänglich für grüne Weltrettungsparolen-11 Jahre nach 2015!
weiter, die Türen für unkontrollierte Migration bleiben offen, die Integration kümmert niemanden (positives Beispiel ist der Europapark Rust), die Bewältigung der von den Altparteien selbst geschaffenen Problemberge kommt nicht in Gang und wird auch durch den "Kampf gegen Rechts" nicht gelöst. Ungeheure Geldausgaben für fragwürdige Projekte, deren Abschaffung Steuern senken könnte. Wenn die dafür zuständigen Machtverwalter glauben, wählbar zu sein ist das des Nachdenkens wert, bei wem auch immer.
Um das ganze Problem zu beschreiben, muss man nur einen Berliner Landespolitiker der Grünen zitieren: „Wir haben die gesamte Führung fast aller Berliner Sicherheitsbehörden ausgetauscht und dort ziemlich gute Leute reingebracht.Bei der Feuerwehr,bei der Polizei, der Generalstaatsanwaltschaft. Auch beim Verfassungsschutz. Ich hoffe sehr, dass sich das in Zukunft bemerkbar macht“. Tut es. Umfassend und bundesweit. Nachdem es sich hier weitgehend um Beamtenstellen oder ähnlich geschützte Stellen im ÖD handelt, wird sich das Problem nicht lösen lassen.
Die Bürgerlichen, die Konservativen haben den Machtwillen, die Entschlossenheit der Linken unterschätzt.
In Köln wurden bestehende Gesetze einfach nicht angewandt.Weil sie nicht ins ideologische Weltbild passen.
Ich glaube, die Dimension dieses Verhaltens wird unterschätzt. Was geschieht mit einem Rechtsstaat, wenn die Exekutive demokratisch beschlossene Gesetze nicht anwendet, obwohl sie nach Rechtslage zwingend dazu verpflichtet wäre?
für die Ablehnung der etablierten Parteien, aber hinzu kommen bürgerfeindliche Politik wie gescheiterte Energiewende, Steuern und Abgaben in astronomischer Höhe, Aushebelung der Schuldenbremse mit fragwürdigen Methoden, nicht eingehaltene Wahlversprechen und vieles mehr. In der Summe löst das beim Wähler Unwillen und Widerstand aus.
Was der Autor hier schreibt, mag alles richtig sein, aber welchen Beitrag leistet er mit SEINER FDP (deren überzeugter Wähler ich einmal war)? KEINEN!
Statt sich einer Koalition seiner Partei mit der AfD in S-A zu verpflichten, damit das Land unter einer AfD Regierung von der Erfahrung profitieren kann und eine zu radikale Politik vor Ablauf der Legislaturperiode beendet werden kann, verpflichtet man sich dem „weiter so“.
Sorry, Chance vertan und nicht mehr benötigt. Denn Worte zählen nicht, nur Taten.
@Hans Jürgen Wienroth, absolut richtig. Die FDP hat ein Wählerpotential von rund 15% leichtfertig "vergeigt", und neben Lindner und Buschmann (Geschlecht-Selbst-Ermächtigungsgesetz) hat auch der Kolumnist aus dem hohen Norden einen ordentlichen Anteil daran. Politiker sollten erkannte Missstände in ihrer aktiven Zeit zu verändern versuchen, und diese Grundtugend ist Herrn Kubicki sehr spät eingefallen.
Die Union und die SPD regieren seit 2015 Miteinander außer der 3 Jährigen Ampel an der auch Sie Herr Kubicki beteiligt waren.
Was ist in dieser gut 10 Jährigen Zeit an den durchaus richtigen Befunden passiert ? Alle Probleme wurden weg diskutiert oder mit Steuergeld und Schulden zugekleistert. Und nun hat das Volk mit Recht begriffen, dass es so nicht weiter gehen kann mit der Diskrepanz zwischen denen da Oben und dem gemeinen Volk da unten …..und das Volk will, wie in SA verständlicher Weise, den politischen Wechsel … weil eben sonst in den nächsten 10 Jahren dieses Land kaputt gewirtschaftet ist wenn diese etablierten Parteien weiter an der Macht bleiben.
Und ob die AfD es kann oder nicht, ist weder in die eine noch in die andere Richtung bewiesen, sondern pure Kaffeesatzleserei
MfG a d Erf. Rep.
Die FDP wäre froh, wenn sie eine solche *Gurkentruppe* hätte. Aber was sage ich. Die sind eh in den Landtagen raus und im nächsten Bundestag dürften sie wahrscheinlich auch keine Rolle mehr spielen. Jedenfalls ist das keine Werbung für Wähler, die man an die AFD verloren hat und wieder zurückgewinnen will.
'der Wind gedreht' haben..., die Brandmauer evtl. gefallen oder gerade am Fallen sein..., dann wird auch die 'neue FDP' respektive Herr Kubicki der AfD eine Zusammenarbeit anbieten - praktisch von Gurkentruppe! (FDP) zu *Gurkentruppe*... ...
>> SO! ist FDP-Realpolitik... ... [...und bisher hat's ja auch immer noch gereicht..., de facto 👍🤣]
Das Problem hinkt schon bei der Gesetzgebung, jeden reinzulassen, der es will. Dafür braucht man kein Gesetz, wenn Nicht-Staatsbürger darüber entscheiden, warum man selbst länger in Deutschland bleiben und die Sozialkassen in Anspruch nehmen darf. Die z.B. australische Gesetzgebung ist völlig konträr zur deutschen Gesetzgebung. Und das keineswegs aus rassistischen oder inhumanen Gründen. Australien bleibt trotz der Gesetzgebung ein attraktives Einwanderungsland. Australien weiß, für wen man die Einwanderung attraktiv macht: für Menschen, die Australier werden wollen, deren Sprache spricht (neben der Heimatsprache) und arbeitswillig sind, um niemanden auf der Last zu liegen.
Es kommt nicht oft vor, dass ich mit Ihnen völlig einer Meinung bin, aber diesem Beitrag stimme ich voll und ganz zu.
