- Cicero Podast Politik: „Quereinsteiger haben in der Politik nahezu keine Chance“
Warum kandidiert ein CSU-Mitglied für die FDP? Holm Putzke, Strafrechtsprofessor und langjähriges CSU-Mitglied, spricht über verkrustete Strukturen in der CSU und Parteiapparate, die sich vor allem selbst erhalten.
Holm Putzke, Strafrechtsprofessor an der Universität Passau, sorgt für Aufsehen: Als langjähriges CSU-Mitglied kandidiert er bei der Kommunalwahl 2026 für die Freien Demokraten als Oberbürgermeister. Im Cicero Podcast Politik mit Clemens Traub erklärt er seinen ungewöhnlichen Schritt: „Die CSU spült Mittelmaß nach oben. Nach vorn kommen nicht die Besten, sondern die Anpassungsfähigsten.“
Wer Leistung zeigt, stoße schnell an Grenzen – so wie er selbst, als der Kreisvorstand ihn trotz einstimmiger Nominierung seines Ortsverbands nicht auf die Stadtratsliste setzte. „Ein Ausdruck des fortschreitenden Zerfalls: Einzelne Funktionäre treiben interne Konflikte voran – nicht um die Sache, sondern um persönliche Befindlichkeiten.“
Die FDP bot ihm daraufhin die Möglichkeit, als unabhängiger Kandidat auf deren Liste anzutreten – ein Angebot, das er annahm. „Bei den Freien Demokraten zählt Leistung, nicht, wie gut man anderen nach dem Mund redet. Sie geben mir den Freiraum, endlich konsequent aufzuräumen.“
Putzke kritisiert nicht nur die CSU, sondern das deutsche Parteiensystem insgesamt: „Schlechte Politik entsteht, weil Leute nach oben kommen, denen fachliche Tiefe, Verantwortungsbewusstsein und Urteilsfähigkeit fehlen. Quereinsteiger haben nahezu keine Chance.“ Strukturell verfestige sich Macht über Amtszeiten, regionale Proporzlogik und loyalitätsbasierte Netzwerke – auf Kosten von Innovation und Qualität. „In der CSU muss alles kalkulierbar sein. Wer wie eine ungelenkte Rakete denkt oder spricht, wird nicht gewünscht.“
Die Konsequenzen seien deutlich: Politikerverdrossenheit und Vertrauensverlust. „Die Leute interessieren sich für Politik, aber sie treffen auf Menschen, die ihre Versprechen nicht einlösen können.“
Für Putzke ist die Kandidatur bei der FDP ein Zeichen, dass politische Gestaltung möglich sein muss, ohne sich an verkrustete Apparate anzupassen. „Wer das System nicht verändert, vertreibt die Menschen, die wirklich etwas bewegen können.“
Das Gespräch wurde am 13. Februar 2026 aufgezeichnet.
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