Cicero im Mai - Chinas Verantwortung und unser Leben im Corozän

Ein winziges Virus hat die Weltherrschaft übernommen. Wir leben auf nicht absehbare Zeit im Corozän. Was das für unser Leben und die Welt bedeutet, beschreiben wir in der Cicero-Ausgabe im Mai.

Gruß aus Wuhan: Cicero im Mai

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Das Erlebnis gehört zu den Sternstunden meines Journalistenlebens. London, Frühjahr 2009, G20-Gipfel unmittelbar nach Ausbruch der globalen Finanzkrise, die von den USA ausging, aber Europa besonders hart getroffen hatte, auch weil deutsche Landesbanken dumm genug waren, den verpackten Müll der faulen Immobilienkredite in den USA gekauft zu haben. Durch puren Zufall und die Unachtsamkeit der Security konnten zwei Spiegel-Kollegen und ich die hitzige Sitzung live verfolgen. Was wir sahen, war großes Kino. Der damalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi nagelte den US-Präsidenten so lange fest, bis Barack Obama klein beigab. „Ich übernehme die Verantwortung!“ lautete die Überschrift des Protokolls, das wir in einer Nachtsession verfassten und das weltweit Wirbel machte.

Kann China belangt werden?

Die Schuldfrage stellt sich auch jetzt wieder, bei der nächsten Krise, die die Welt in die Knie zwingt und gegen deren Gewalt sich die Finanzkrise wie ein laues Lüftchen ausnimmt. Fakt ist: Das Virus brach im chinesischen Wuhan aus und machte sich von dort auf seine furchtbare Reise um die Welt. Wenn ein Land nachweislich die Welt verheert, dann wird dieses Land dafür völkerrechtlich zur Rechenschaft gezogen. Aber wie ist das in diesem Fall? Kann China gerichtlich belangt werden, wie es der US-Bundestaat Missouri versucht? Oder ist es am Ende nicht nur Exporteur, sondern auch Profiteur der globalen Corona-Krise, weil es die insolventen Firmen aufkauft, die bald am Wegesrand liegen? Die australische Außenministerin Marise Payne hat als erstes Regierungsmitglied weltweit eine unabhängige Untersuchung gefordert, inwieweit China zu lange vertuscht habe, was da auf die Menschen zukommt.

Unser Titelautor Matthias Küntzel rekonstruiert den Fall und skizziert die Möglichkeiten der Sanktionen. Der amerikanische China-Experte Minxin Pei kommt zum Befund, dass der ohnehin wankende Riese China geschwächt aus dieser Weltkrise hervorgehen wird.

Man sagt, dass wir bisher im Anthropozän gelebt haben, im menschengemachten Zeitalter. Jetzt hat ein winziges Virus die Weltherrschaft übernommen. Wir leben auf absehbare Zeit im Corozän. Was das für unser Leben und die Welt bedeutet, beschreiben wir in dieser Ausgabe.

CoverDiesen Text finden Sie in der Mai-Ausgabe des Cicero, die Sie am Kiosk oder direkt bei uns portofrei kaufen können.

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Michaela 29 Diederichs | Mi, 29. April 2020 - 13:05

Die Glückskatze mit Mundschutz ist in jedem Fall schon mal ein gelungenes Titelbild. Bin gespannt auf die Ausgabe.

zum Kiosk, Frau 29 Diederichs (nächsten Jahr dann: 30 Diederichs?).
Der Satz des Chefredakteur Schwennicke: " China...Oder ist es am Ende nicht nur Exporteur, sondern auch Profiteur der globalen Corona-Krise, weil es die insolventen Firmen aufkauft, die bald am Wegesrand liegen?" beflügelt meine schlimmsten Befürchtungen. Bin mal gespannt, ob das der Cicero genauso sieht?
Seitdem Deng Xiaoping 1979 die Führung in China übernahm, beobachte ich mit Argwohn die Entwicklung dieses autoritären Regime/Staates. Seit Xi Jinping das Zepter inne hat, sind wohl die letzten Skrupel gefallen.
Ich weiß, ich wiederhole mich aber ich kann nur jeden empfehlen den Dreiteiler: "Der entfesselte Riese" auf ZDF Info (Mediathek) sich anzuschauen. Eine hervorragende BBC Produktion.
Auch im parteieigenen Manifest: „Made in China 2025“ ist genau aufgeführt, wohin Chinas Weg gehen soll.
Salute oder auch 欢呼声

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 29. April 2020 - 13:42

die Verantwortung und wenn China verantwortlich wäre, sollte es das auch tun.
Ich bin sehr gespannt auf die Mai-Ausgabe.

Christa Wallau | Mi, 29. April 2020 - 14:49

Wenn Menschen sich allzu übermütig gebärden und anfangen sich einzubilden, sie seien die Herren der Welt und könnten diese nach ihren Vorstellungen gestalten, zeigen ihnen immer wieder "Einschläge" von außen, wie klein und ohnmächtig sie doch in Wirklichkeit sind - völlig abhängig von der Natur und ihren urgewaltigen Kräften.
Dasselbe gilt für den Irrglauben, daß die Menschen alle im Grunde gut seien, wenn man sie nur gerecht und freundlich behandele. Immer auf's Neue beweisen ungeheuerliche Taten von menschlichen Monstern das genaue Gegenteil.

Wie Sie in einem anderen Artikel geschrieben haben, lieber Herr Schwennicke:
Wir Menschen sollten das alles endlich d e m ü t i g anerkennen und uns danach verhalten:
um- und vorsichtig, maßvoll, bescheiden und dankbar für alles erreichte Gute, das wir nach Kräften verteidigen müssen!

Juliana Keppelen | Mi, 29. April 2020 - 18:13

Puh, da haben wir aber nochmal Glück gehabt, dass das Virus sich nicht einen Putenstall in Niedersachsen ausgesucht hat oder eine Kückenschredderanlage.
Wie war das nochmal mit Aids oder BSE usw. wer hat sich eigentlich dafür schuldig bekannt.
Bei der "Immobilienblase" war eindeutig das Virus "Gier frisst Hirn" schuld und das haben wir bis heute noch nicht ganz im Griff.