Cicero im März - Wie Ernie und Bert

Barack Obama ist vor sieben Jahren mit großen Versprechen als US-Präsident gestartet. Gehalten hat er nur wenige. Auch die neuen Kandidaten für das Amt stimmen alles andere als zuversichtlich. Wir stellen in unserer März-Ausgabe die Frage, ob sich der Sitz im Weißen Haus erkaufen lässt

Martin Haake für Cicero

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Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist für mich die größte Enttäuschung, seit ich politisch denken kann. Ein Absturz sondergleichen ist mit seiner Amtszeit verbunden. Barack Obama wurde gerade in Europa messianisch erwartet, als er vor sieben Jahren George W. Bush ablöste, der die Welt nicht eben zu einem sichereren Ort gemacht hatte. Obama, der erste farbige Regierungschef im Weißen Haus, brillierte auch von Anbeginn mit schönen Worten. Es folgten aber keine Taten. Obamas Außenpolitik blieb erratisch, seine Anhänger in Europa interessierten ihn mäßig, den Bellizismus seines Vorgängers ersetzte er durch Zaudern, Zögern und Lavieren. Dem Ziel einer atomwaffenfreien Welt (ein Versprechen, das ihm zu Beginn seiner Amtszeit voreilig den Friedensnobelpreis einbrachte) ist er nicht näher gekommen. Ebenso warten wir bis heute vergeblich auf die angekündigte Schließung des Skandalgefängnisses von Guantánamo.

Es könnte nicht schlimmer kommen, möchte man meinen. Aber es kann schlimmer kommen. Die Vorwahlen in den USA haben bis hierher ergeben, dass möglicherweise zwei Radikale als Präsidentschaftskandidaten im Herbst dieses Jahres zur Wahl stehen und die Gefahr besteht, dass das nach wie vor wichtigste Land der Welt entweder von einem Mann regiert wird, der unaufhaltsam durch den Wahlkampf trampelt wie eine Büffelherde durch die Grassteppe von Montana. Oder aber von einem leicht greisen Retrosozialromantiker, der mit Mitte 70 die Jugend Amerikas mitreißt.

Der Rächer der Enterbten gegen den Milliardär ohne Manieren
 

Reicht es, ein heißes linkes Herz zu haben oder viel Geld, wenig Grips und ein loses Maul, um Präsident der Vereinigten Staaten zu werden? Der Buchautor und USA-Experte Josef Braml geht in unserer Titelgeschichte der Frage nach, ob es sich bei den USA inzwischen um eine gekaufte Demokratie handelt. Der frühere Koordinator der deutsch-amerikanischen Beziehungen der Bundesregierung, Karsten D. Voigt, nimmt sich den Demokraten Bernie Sanders kritisch vor, der Kollege Ansgar Graw gruselt sich beim Gedanken daran, dass Donald Trump seine Stampede wirklich bis ins Weiße Haus fortsetzt.

Bernie, der Rächer der Enterbten, oder Donald, der Milliardär ohne Manieren. Man wünschte sich sehnlichst, es käme doch noch ein Deus ex Machina des Weges, ein Kandidat aus der Kiste, der diesen Unterbietungswettbewerb verhindert.

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