Magazin Cicero im Juli - AfD oder FDP: Wer ist die Alternative?

Für die Juli-Ausgabe des Magazins Cicero haben wir Alexander Gauland (AfD) und Wolfgang Kubicki (FDP) zum Streitgespräch der außerparlamentarischen Opposition eingeladen. Beide Parteien profitieren derzeit von der Unzufriedenheit mit der Großen Koalition

Der Cicero-Titel im Juli 2016: Ein Boxkampf zwischen Alexander Gauland und Wolfgang Kubicki
Martin Haake

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

So erreichen Sie Christoph Schwennicke:

Das Projekt trug in der Redaktion den Namen „AFDP“. Wir wollten eine prominente Paarung aus den Reihen der beiden Parteien zusammenstellen, die derzeit von der Enttäuschung vieler bürgerlicher Wählerinnen und Wähler profitieren und sich ihnen als politische Zuflucht anbieten. Diesen Gipfel der außerparlamentarischen Opposition von AfD und FDP in Zeiten einer informellen Größtkoalition aus CDU, SPD und Grünen hatten wir schon länger geplant. Die Frage war: Wer würde sich aus den Parteien einem solchen Duell stellen?

Bei den beiden Parteivizes Alexander Gauland und Wolfgang Kubicki ging es nach der Anfrage ganz schnell. Was schon mal zeigte, was sie eint: Unerschrockenheit und intellektuelle Rauflust. Im Streitgespräch auf neutralem Boden der Cicero-Redaktion gingen Kubicki und Gauland durchaus respektvoll miteinander um, schenkten sich zugleich nichts und waren erkennbar um Abgrenzung bemüht – selbst wenn sie in manchen Fragen inhaltlich gar nicht so weit auseinanderlagen. Etwa in der Einschätzung des Rechtsbruchs bei Angela Merkels Flüchtlingspolitik und auch in der Bewertung der Kanzlerin selbst.

Hätte eine bundesweite CSU Chancen?

Immer wieder aber verbat sich Kubicki verbale Umarmungen seines Gegenübers und hielt Gauland in diesem politischen Schlagabtausch demonstrativ auf Distanz. Schlagfertig sind sie beide, den markantesten Wirkungstreffer setzte Kubicki, als sich Gauland gegen den Vorwurf der geistigen Brandstiftung verwahrte: Karl Marx sei auch nicht für Stalin verantwortlich zu machen. „Aber Lenin schon“, gab Kubicki trocken zurück – was dann auch Gauland einräumen musste (ab Seite 16).

Eine andere bürgerliche Alternative ist derzeit bundesweit nicht wählbar – und dennoch der politische Sehnsuchtsort vieler Bürgerlich-Konservativer. Für Cicero hat sich das Meinungsforschungsinstitut Insa mit der Frage beschäftigt: Wie viele Bürger wünschen sich eine CSU auch außerhalb Bayerns? Und wie stehen CSU-Chef Horst Seehofer und Angela Merkel im direkten Vergleich in den Augen der Wähler da (ab Seite 37)?

Seine ganz persönliche und für ihn selbst gewöhnungsbedürftige Präferenz in dieser Frage offenbart in einem markanten Essay der Regisseur und Autor Oskar Roehler. Ab Seite 34 rechnet er mit der Politik ab.  

front im juli

Das Magazin Cicero (Juliausgabe) mit dem Titel „Gauland vs Kubicki. Der Kampf um das enttäuschte Bürgertum“ erhalten Sie ab sofort am Kiosk oder in unserem Onlineshop. Sie können auch einzelne Artikel über den Online-Kiosk Blendle kaufen.

Michael Fischer | Do, 30. Juni 2016 - 11:46

In reply to by Hans Dampf

Man hätte als dritte "Kleinpartei" ja auch die SPD noch dazunehmen können.

Günther Grossmann | Do, 30. Juni 2016 - 21:14

In reply to by Michael Fischer

Wenn das der Gabriel hört wird er aber sehr schimpfen, ob dieser Idee......

Bernd Fischer | Do, 30. Juni 2016 - 12:27

In reply to by Hans Dampf

das ist kein Witz sonder ganz einfach Kalkül vom Cicero.

Man stelle sich vor der Cicero hätte nur einen Vertreter von der AFD eingeladen, da hätten dann die Kollegen von der "Kükenpresse" ein gefunderes Fressen gehabt und den Cicero ( moralisch ) in der Luft zerrissen.

Schlauer Schachzug, finde ich jedenfalls.

Bin ganz neugierig wer das journalistische Interview führen wird?

Detlev Bargatzky | Do, 30. Juni 2016 - 11:49

Welcher Wirtschaftszweig braucht denn aktuell eine besondere Unterstützung und ist deshalb bereit, eine kräftige Finanzspritze zugunsten der FDP zu zahlen?

man, hört den dieser Schwachsinn mit Mövenpick nie auf. Wie kann man so einen Blödsinn jedesmal vorholen. Und- wenn Sie sich mal richtig informieren würden würden Sie feststellen, das es die CSU war. AUFWACHEN!

Andreas Schmidt | Mi, 27. Juli 2016 - 04:43

In reply to by Ulrich Tessmer

Eben, die Umsatzsteuermässigung für Hotelübernachtungen war eine CSU-Idee, wobei auch die CSU eine Parteispende in gleicher Höhe vom Freiherrn von Finck
(Mövenpick-Eigner) erhielt. Darüber hinaus haben die Hoteliers keinen finanziellen Vorteil von einer Senkung der Umsatzsteuer für Übernachtungen von Privatkunden!
Mövenpick betreibt ausserdem nur wenige Hotels und Restaurants in Deutschland
und vermarktet Gastronomiebedarf. Der hat nun mit der Umsatzsteuer auf Hotelübernachtungen rein gar nichts zu tun.

Alois Fuchs | Do, 30. Juni 2016 - 12:08

... ist eine neue Partei "Radikale Mitte", die sich als erste Maxime auf die Fahnen schreiben sollte: "Ächtung von Neusprech und PC!", und sich somit schon in ihrem Programm von Nebelkerzen und Geschwurbel befreien müsste. Und dann als erstes alle Probleme ungeschminkt auf den Tisch, um die unsere politische und mediale "Elite" einen Bogen macht wie die Katze um den heißen Brei, damit der tumbe Bürger nicht merken soll, in welche Bredouille sie ihn geritten hat!

Christa Wallau | Do, 30. Juni 2016 - 12:24

Ich freue mich auf das neue CICERO-Magazin.

Bei der FDP handelt es sich um eine zur reinen
Wirtschafts- und Karrieristenpartei degenerierte, personell ausgedünnte, einst jedoch gesellschaftspolitisch wichtige Partei, die sogar über zwei (!) Flügel verfügte.

Die AfD - ganz jung - ist dabei, sich weiter auszubauen. Sie hat ein umfassendes und unter starker Mitgliederbeteiligung entwickeltes, tatsächlich a l t e r n a t i v e s (!) Programm vorgelegt und besitzt das Potential,
Volkspartei zu werden, falls sie genügend fähige und begeisterte Leute rekrutieren kann.
Bei den heutigen, wenig politisierten jungen Leuten, die dem Konsumismus und einem oberflächlichen Moralismus huldigen, fällt das aber schwer.
Warten wir die weitere Entwicklung in Ruhe ab...

Peter Noist | Do, 30. Juni 2016 - 13:29

Bin mal gespannt, ob sich auch der FDP-ler gegen den Vorwurf der geistigen Brandstiftung hat verwahren können.
Schließlich höre ich aus dieser Partei keine klaren Stellungnahmen gegen die deutsche Diktatur der politischen Korrektheit, gegen die europaweite Bürokratiediktatur und gegen die NATO Massenmörder.

Robert Flag | Do, 30. Juni 2016 - 14:09

Wenn der Vergleich auch etwas hinkt.
Während die AfD die einzig wirkliche konservative Alternative (Nomen est Omen) darstellt, die in ihrem Programm entgegen jeder Blockparteienpropaganda haufenweise sehr konkrete Lösungsvorschläge macht, ist die F.D.P. seit Jahr und Tag ausschließlich mit ihrem Selbsterhalt beschäftigt.
Das unauffällige Wiedererstarken dieser völlig inhaltslosen F.D.P. ist für mich das am meisten besorgniserregende tagespolitische Phänomen. Es wird höchste Zeit die 5% Klausel abzuschaffen und durch eine 10% Klausel zu ersetzen bevor wir wirklich 20 Parteien im Bundestag haben.

Wolfgang Henning | Do, 30. Juni 2016 - 14:23

Die Gegenüberstellung der Parteien, zur freien Entscheidung des Wahlvolks, erscheint mir durchaus berechtigt, ja sogar zwingend erforderlich. Auch die AfD wird eines Tages Koalitonspartner brauchen und da ist das Ausloten von Gemeinsamkeiten wichtig.
Es ist schon erstaunlich, wenn heutzutage die CDU in einem Atemzug mit SPD und Grünen (vielleicht auch LINKEN?) genannt wird. Wohin ist unsere wertkonservative CDU da nur geraten? Edine Koaliton der AfD mit der CSU wäre wünschenswert, bleibt aber angesichts der bisher herrschenden Meinung in der CSU ebenfalls Wunschdenken.
Spätestens aber, wenn eine Koalition von SPD, Grünen und LINKEN die CDU/CSU aus der Regierung wirft, sollten auch andere Koalitionen denkbar sein und nicht von vornherein verteufelt werden.

Markus Müller | Do, 30. Juni 2016 - 14:53

In NRW gab es dieser Tage, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, eine Verfassungsänderung u.a. mit den Stimmen, nach der die Minister zukünftig nicht mehr auf das Deutsche Volk, sondern auf das Land NRW vereidigt werden.

Das zeigt, wohin die Reise gehen soll. Für nationalliberale und/oder wertkonservative Leistungsträger ist die FDP daher unwählbar geworden. Es bliebt nur die AfD.

Karola Schramm | Do, 30. Juni 2016 - 14:54

Sehr begrüßenswert, dass Cicero sich nun doch der AfD erbarmte und sie mit der FDP zusammen brachte. Dass beide Parteien Berühungspunkte haben ist kein Wunder, denn auch mit einigen aus CDU, CSU, SPD, Linkspartei und Grünen gibt es immer mal Schnittstellen, die aber nicht verbindend sind, da die Ursachen andere sind.

Dennoch ein gute Idee, der neuen AfD und der alten FDP mal auf den "Zahn zu fühlen."

Albert Keller | Do, 30. Juni 2016 - 15:27

Also wirklich, der hatte doch samt seiner 18%-Spaßpartei lange genug Zeit, irgendetwas zu reißen. Außer sich wie Merkel jeweils nach dem herrschenden Wind zu richten ist von denen nie was gekommen. Ich hoffe, sie bleiben in der Versenkung, Wiedergänger braucht kein Mensch.
Ich habe mir jedenfalls das Heft gerade gekauft. Wollen mal sehen, ob sich der Gang zum Kiosk nächsten Monat wiederholt.

Bernhard Jasper | Do, 30. Juni 2016 - 15:46

Wenn es ein ungeschriebenes Kapitel des Grundgesetzes gibt, das eine historische Lehre aus 1945 enthält, dann doch diese: Eine Partei, die wieder völkisch denkt, die Rassenpolitik macht, (...) darf in Deutschland niemals wieder politische Bedeutung erlangen.“ Christian Lindner

Hans_Jürgen Herr | Do, 30. Juni 2016 - 16:04

Auch wenn manche Kommentare etwas anderes behaupten - ich sehe die FDP über viele Jahre hinweg keineswegs als "Anhängsel" von Wirtschaftsinteressen. Es ist vielleicht die einzige halbwegs ideologiefreie Partei, die mit kühlem Kopf versucht, nach Grundsätzen der größtmöglichen Freiheit für die größtmögliche Zahl Probleme anzugehen. Der Staat als die Übermutter ist jedenfalls nicht ihr Ziel, auch wenn mehr und mehr Bürger sich genau das wünschen. Demokratie lebt vom Mitmachen und nicht vom "andere machen lassen und dann meckern".
Ich hoffe sehr, dass die Geringschätzung von persönlicher Freiheit im Tausch gegen den sich um alles kümmernden Staat rechtzeitig aufhört - bevor wir wieder politische Strukturen haben, wo man nicht mehr gefragt wird.

Andreas Schmidt | Mi, 27. Juli 2016 - 04:46

In reply to by Robert Flag

Dumm nur, dass das eine Forderung der CSU war, welche ebenfalls von Herrn von Finck (Mövenpick) eine Parteispende in gleicher Höhe erhalten hat. Dumm auch, dass die Hoteliers von einer Umsatzsteuersenkung finanziell nichts haben und Mövenpick ausserdem hauptsächlich Gastronomie-Equipment statt Übernachtungen verkauft.
Aber immer schön diesen Oliver-Welke-Quatsch weiter nachplappern...

Stefan Gehlen | Fr, 1. Juli 2016 - 10:02

Die FDP ist der verzweifelte Versuch der Blockparteien und ihrer medialen Unterstützer eine Alternative zur AfD zu errichten.
Dabei ist die FDP doch vorher schon bekannt dafür gewesen immer das Leid dessen zu singen, der sie mit Pöstchen versorgt hat. Die FDP ist sicher keine Alternative.

Johann Betz | Fr, 1. Juli 2016 - 15:11

Offensichtlich brauchen manche Politiker/Parteien eine gewisse Auszeit von Parlament und Regierungsverantwortung, um den gesunden Menschenverstand (wieder) zu entdecken.

Aber was Kubicki über die Bedeutung von Auschwitz für die heutige Politik in Deutschland gesagt hat, erinnert doch stark an eine Art "Zivilreligion" (" ... alle Identität stiftenden (...) Elemente für eine Kultur, (...) die alleine durch politisches Handeln nicht verändert, abgeschafft oder eingeführt werden können" Wikipedia)

Peter Gadesmann | So, 3. Juli 2016 - 10:08

Richtig wichtig wäre eine einschneidende Reform des öffentlich-rechtlichen Bereiches. Während die Voll-Politiker über Industrie 4.0 und Globalisierung schwadronieren, beschäftigen sie ein Heer von Menschen in Institutionen, die in einem marktwirtschaftlichen Umfeld schon längst im Bankrott gelandet wären. Dieses dann auch noch schön über 16 Länder verteilt. Dies alles im Wesentlichen finanziert von Bürgern denen 70% ihres Arbeitslohnes im Rahmen von bestehenden Gesetzen GERAUBT wird. Gebraucht wird eine Partei die Rechts UND Links ist. Im Vakuum der Mitte gibt es keine Veränderungen - und damit auch keine Verbesserungen der Lebensqualität der Mehrheit der Bürger. Alte Zitate von toten Politikern bringen uns nicht vorwärts. Der Staats apparat hat es sich in einer bildungsfernen, konsumorientierten Bevölkerung bequem gemacht. Vor der MACHT der öffentlichen Meinung muss man sich nicht mehr fürchten; man kann ja die Meinung MACHEN. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten zahlen wir ja brav.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir freuen uns über jeden Kommentar und wünschen uns eine konstruktive Debatte. Beleidigende, unsachliche oder obszöne Beiträge werden deshalb gelöscht. Auch anonyme Kommentare werden bei uns nicht veröffentlicht. Wir bitten deshalb um Angabe des vollen Namens. Darüber hinaus behalten wir uns eine Auswahl der Kommentare auf unserer Seite vor. Um die Freischaltung kümmert sich die kleine Onlineredaktion von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr. Am Wochenende werden Forumsbeiträge nur eingeschränkt veröffentlicht. Nach zwei Tagen wird die Debatte geschlossen. Wir danken für Ihr Verständnis.