Cicero Cover 12-25
Entfremdet – Stichwort Stadtbild: Deutschlands Veränderung zur Unkenntlichkeit / Titelbild: Michael Pleesz

Cicero im Dezember - Neue Stadtbilder

Unser Stadtbild hat sich radikal verändert. Das sieht ein jeder, der die Realität nüchtern betrachtet. Unkontrollierte Migration ist eine Ursache, aber nicht die einzige. Für unsere Dezember-Ausgabe haben wir uns in ganz Deutschland umgesehen.

Alexander Marguier

Autoreninfo

Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

So erreichen Sie Alexander Marguier:

Von unserer Wohnung in Berlin-Charlottenburg aus sind es fünf Gehminuten bis zur Wilmersdorfer Straße. Der Abschnitt, von dem ich rede, ist eine klassische deutsche Fußgängerzone mit den üblichen Filialen und kleineren Geschäften. Besser gesagt: So war es bis vor ein paar Jahren. Inzwischen hat hier der große Galeria-Kaufhof dichtgemacht, nachdem mehrere Rettungsversuche gescheitert waren. Zwei Gebäude weiter ebenfalls Leerstand, das vormals gut besuchte Backshop mit Kaffeeausschank konnte sich nicht halten. Graffitis machen sich an der Fassade breit. Es geht erkennbar abwärts in meinem Kiez.

Vor kurzem wollte ich früh morgens in mein Fitnessstudio, das ebenfalls an der „Wilmi“ liegt, wie die Straße immer noch in liebevoller Vertrautheit von vielen genannt wird. Vor dem Eingang wurde ich begrüßt von einem offenbar osteuropäischen Obdachlosen, der mit weit aufgerissenen Augen schreiend auf mich zugestolpert kam, während er einen Stock schwang.

Dass Friedrich Merz mit seinem „Stadtbild“-Statement eine Debatte lostreten wollte, kann ausgeschlossen werden. Denn sonst hätte er diese Debatte geführt, er hätte Impulse gegeben und Ideen ventiliert. Nichts davon geschah, der Kanzler blieb praktisch stumm und schaltete auf Durchzug. Dass dennoch das halbe Land seither über Stadtbilder spricht, hat einen guten Grund. Denn jeder merkt, wie sich seine Nachbarschaft verwandelt – und zwar selten zum Guten. Diese ästhetische Veränderung ist einerseits das Ergebnis von unkontrollierter Massenzuwanderung; Merz selbst brachte das „Stadtbild“ ja unmittelbar mit Migration in Verbindung. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Tatsächlich geht es auch um ökonomische Faktoren, etwa den seit Corona beschleunigt verödenden Einzelhandel. Und selbstverständlich muss die „Stadtbild“-Diskussion geführt werden vor dem Hintergrund desolater Kommunalhaushalte, wo inzwischen der Großteil der Ausgaben für Sozialleistungen draufgeht. Fehlende Finanzmittel in Städten und Gemeinden machen sich eben bemerkbar, sie bilden sich im Wortsinn für alle wahrnehmbar im öffentlichen Raum ab.

Wir wollten das Thema deshalb weiter fassen und haben uns in ganz Deutschland auf die Suche nach den Ursachen der Malaise begeben. Fündig wird man leider überall. Aber das ist kein unaufhaltsamer Prozess. Der Niedergang ließe sich aufhalten und sogar rückgängig machen. Man muss es allerdings wollen. Es ist eine Generationenaufgabe. Mit ein paar unbedachten Kanzlerworten ist da nichts gewonnen.

 

Die Dezember-Ausgabe von Cicero können Sie jetzt am Kiosk oder direkt bei uns kaufen.

Jetzt Ausgabe kaufen
oder als E-Paper mit Tiun weiterlesen

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Sabine Lehmann | Do., 20. November 2025 - 12:24

Bleiben wir doch besser beim Bildnis. Denn Merz' Rhetorik vom "Stadtbild" ist so unspezifisch u. verharmlosend, man könnte meinen es ginge um die Begrünung urbaner Lebensräume u. nicht um die fast schon alltägliche Auseinandersetzung um körperliche Unversehrtheit bis hin zum Kampf auf Leben & Tod. Beides hängt indes nicht an der durchaus maroden Infrastruktur, verwahrlosten Wohn- u. Geschäftsvierteln, beschmierten Fassaden u. vermüllten Gehwegen, sondern an dem was der Lateiner den Homo Sapiens zu bezeichnen pflegt. Und genau dieser hat es in sich, zumindest wenn er zwar als menschlicher Zweibeiner, jedoch seiner Herkunft nach offenbar aus einer unzivilisierten Steinzeitära daherkommt. Wobei die Menschen der Steinzeit vermutlich umgänglicher waren als das, was sich seit zehn Jahren auf Deutschlands Straßen tummelt.
Jedenfalls möchte ich nicht in einem Land leben, in dem ich regelmäßig vom Sicherheitsdienst(!) des örtlichen Supermarktes zum Auto eskortiert werden muss, um zu überleben!

Ernst-Günther Konrad | Do., 20. November 2025 - 14:54

Antwort auf von Sabine Lehmann

Danke Frau Lehmann. Sie beschreiben des Pudels Kern. Was heißt schon Stadtbild? Merz hat es wieder mal versäumt, Roß und Reiter zu nennen und wundert sich jetzt, dass selbst seine unsaubere Begriffsfindung seinen Gegner dazu dient, diesen Begriff selber zu füllen und ausreicht, auch ihn zum Rassisten zu erklären. Sie beschreiben all diese Dinge, die diesen Begriff aus konervativer Sicht mit Leben und Inhalt gefüllt hätte. Aber staatdessen wieder eine sprachliche Ungenauigkeit, die bei nährerer Betracht ung was ist? Einfach nur Unvermögen und realitätsfremd.

Sabine Lehmann | Fr., 21. November 2025 - 14:16

Wer sich generell mit dem Niveau von "Gossip-Girl" und "Sex & the City" zufrieden gibt, eine Ablenkung von deutschen "Straßenbildern" benötigt, das politische Niveau auf dem Level einer Amöbe mit abgebrochenem Jurastudium mag, wessen Leben im Takt von Tik-Tok schlägt, darüber hinaus mit Hirnanomalien & Synapsenfunktionsstörungen gut zurecht kommt, seine tägliche Blutdrucktablette schon eingenommen hat, ja der kann sich das aktuelle Selbstinszenierungsmachwerk unserer deutschen Chefsekretärin in Uptown New York anschauen....
Es ist fast noch peinlicher und mit mehr Fremdscham gesegnet, als mit heruntergelassener Hose auf der Toilette sitzend im World Wide Web mit einer Live-Kamera gefilmt zu werden. Aber was rede ich, einfach mal reinschauen in das Paralleluniversum unserer Völkerrechtsaktivistin mit Jodeldiplom und mal abschalten. Das "Straßenbild" New Yorks jedenfalls ist um Einiges angenehmer als das in Germany, zumindest wenn man bei Photo Shop das hüpfende rote Kleid verpixelt.....