CDU-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt - „Hier spielen andere Themen eine Rolle als in der Berliner Blase“

Reiner Haseloff hat für die CDU in Sachsen-Anhalt einen großen Wahlsieg eingefahren. Eine Erfolgsstrategie, die zwar nicht eins zu eins kopierbar ist, von der man sich auf Bundesebene allerdings etwas abschauen könne, findet Tino Sorge, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Magdeburg.

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Ministerpräsident Reiner Haseloff kann zwischen mehreren Koalitionsoptionen wählen Foto: Michael Kappeler/dpa

Tino Sorge ist Rechtsanwalt und vertritt seit 2013 die CDU im Bundestag für den Wahlkreis Magdeburg. Für die Unionsfraktion sitzt er im Gesundheitsausschuss, dort als Berichterstatter seiner Fraktion zuständig für die Bereiche Digitalisierung und Gesundheitswirtschaft. Seit 2018 ist er auch Mitglied im Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Herr Sorge, auf wessen Konto geht Ihrer Meinung nach der Wahlerfolg der CDU in Sachsen-Anhalt – auf das von Armin Laschet oder Reiner Haseloff?

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Norbert Heyer | Mo, 7. Juni 2021 - 18:51

Die Wahlen in BW und Sachsen-Anhalt haben es bewiesen: Nicht die jeweilige Partei der gewählten MP ist entscheidend, sondern die Persönlichkeit und Überzeugungskraft des Spitzenkandidaten. Bei beiden Kandidaten gilt, dass sie nicht immer auf der Linie ihrer eigenen Partei sind. Sie haben zuerst die Eigenarten und Ansichten ihres Landes in den Vordergrund gestellt, was vom Wähler anscheinend honoriert wird. Trotzdem gibt es für mich ein Haar in der Suppe: Das ist die totale Ablehnung der AfD als vermeintlich rechtsradikale Partei. Ich sehe mir sehr häufig Bundestagsdebatten an und stelle immer wieder fest, dass die Redebeiträge der AfD sehr sachlich sind und von Fachkenntnis zeugen. Vielmehr stören mich die Zwischenrufe -besonders von Frauen aus der linken Ecke- die lediglich dem Zweck dienen, einen guten Vortrag zu diffamieren. Dann -liebe vereinigte Linke- habt doch endlich den Mut, einen Verbotsantrag zu stellen, um die AfD endlich zu vernichten. Das wäre endlich mal Ehrlichkeit.

Rob Schuberth | Mo, 7. Juni 2021 - 19:26

Die o. g. Aussage, hier ist es anders als in der Berliner Blase, ist vollkommen richtig.

Nur denke ich nicht, dass das in Berlin auch nur ein paar wenige dazu anhalten wird ihren Kurs (stark nach grün-links) zu ändern.

Der MP Haseloff hat seine Zeichen der Zeit in seinem B-Land richtig erkannt und entspr. gehandelt (klare Kante zur AfD).

Es war, wie so oft bei Landtagswahlen, mal wieder der MP der den Sieg ausgemacht hat.

Im Bund, also im Sept., gibt es so eine Person aber nicht.

Da zieht dieses MP-Pfund" dann auch nicht.

Ich hätte ja vermutet, dass die wirtschaftliche Situation den Ausschlag gegeben hätte. Ich habe recherchiert: Sachsen-Anhalt hat ein Braunkohlerevier, dass abgewickelt werden soll und mit Bundesgeld sollen alternative Jobs entstehen. Dann gibt es noch das Chemiedreieck und ganz viel Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten in kleinen Unternehmen. Ich habe gelesen, die Grünen hätten das Landwirtschaftsministerium übernommen gehabt und die CDU war nicht glücklich über das was die Grünen in diesem Ministerium gemacht haben. Anderseits ist Sachsen-Anhalt in der Region wirtschaftlich das Schlusslicht, also kein Bayern des Ostens. Arbeitslosigkeit 7,5% und Überalterung ist heftig. Magdeburg ist auch keine brummende Universitätsstadt. Aber der Amtsinhaber wird geliebt und gibt anderen Ratschläge! Hoffentlich befolgt die Laschet nicht, das können wir uns wirtschaftlich nicht leisten. Übrigens, das linke Gedönsthema, worauf die AfD anspringt, würde ich canceln lassen.

Ingofrank | Mo, 7. Juni 2021 - 19:29

Sicherlich ist der Wahlsieg der CDU auch ein großer Verdienst des alten und neuen MP Herrn Haseloff.
Glückwunsch.
Aber, ich vermute, dass ein nicht unwesentlicher Aspekt für den Wahlsieg eine leichte, aber erkennbare Distanz zum Merkelismus der letzten Jahre ist.

Man denke an Gebührenerhöhung für den öffentlich rechtlichen Rundfunk/Fernsehen die durch SA verhindert wurde. ( keine Gebührenerhöhung stand im Koalitionsvertrag )

Auch das SA in Teilen, nicht gerade auf Kurs der Kanzlerin bei der Corona Krise war, ist meiner Überzeugung nach ein weiterer Grund für den Wahlsieg der CDU.

Auch wurde seitens H. Haseloff mehrfach betont,
dass die Koalitionsverhandlungen in SA geführt werden. Kann das als eine Ansage gegen grüne Regierungsbeteiligung gesehen werden.
Von der Jurnallie wird ja eine grüne Mitverantwortung herbeigeschrieben. Schön wäre es, Grün in die Opposition zu verabschieden.

Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

ein wenig Grün kann nicht schaden (s. Cicero-Kochrezepte). Jedenfalls bei einem Physiker als Chef müssen diese schon genau nachdenken, bevor sie irgendwas sagen.

Unser damaliger MP Wolfgang Clement neigte zu Aschenbecherwürfen in Richtung Grün bzw. Frau Höhn, sagt man. Gott habe ihn selig. Wie auch immer, Laschet wohl eher nicht, vielleicht mit Wattebäuschchen oder Kamelle.

Alles Gute und
mit besten Grüßen aus der Düsseldorfer Republik.

Da bin ich doch vollkommen bei Ihnen, H. Elvers. Doch der Weg erkennt das Ziel.
Will sagen, Verbote, Vorschriften, Gesetze usw. halte ich nicht für den richtigen Weg.
Z. B. Wenn ich mein EFH (Ölheizung ) auf Wärmepumpentechnik umstellen möchte ( keine fossilen Brennstoffe) kann das nur effektiv mit einer niedrigen Vorlauftemperatur erfolgen. Das heißt Heizungsanlage raus, Fußböden bis auf Rohdecke raus. Fußbodenheizung + Dämmung ink. Bodenbeläge neu machen.
Und das alles unter bewohnten Bedingungen. Photovoltaikanlage aufs Dach.
Da bin ich bei einem Kostenaufwand von ca. 100.000 € .
Deshalb bin ich gegen diese alles und sofort fordernde Grüne Partei. Fordern kann ich auch, wenn ich es nicht bezahlen muss.
Sehen Sie sich Durchschnittsrenten, Löhne u. Gehälter i.D. an.
Und außerdem, Baumaterialien sind derzeit Mangelware. Gehen sie mal zum Baustoffhändler , und wollen 30 m K G Rohr kaufen. 4 Wochen Wartezeit! Preisaufschläge von mehr als 100% ( Holz)!

M.f.G. a.d.E.Republik

Wohl eher Furch vor einem weiteren Erstarken der AfD. Zweifellos haben auch potentielle Wähler anderer Parteien ihr Kreuzchen bei der CDU gemacht, um eine AfD als stärkste Partei zu verhindern.

Es gab vor der Wahl Umfragen (INSA), die die Rechtsextremisten nur einen Punkt hinter der CDU sahen.
Das so zu interpretieren, dass die CDU nur gewonnen hat, weil Haselhoff auf Distanz zu Merkel ging, mag der AfD gefallen. Schließlich ist dort fast schon pathologisch zu nennender Hass auf Merkel zuhause.

Es ist allerdings ein völlig falsches Fazit.

Eine Stimme für die CDU immer auch eine Stimme für Merkel.

Im Übrigen hat Haseloff zuletzt in der Frage der Corona-Pandemie Lernfähigkeit bewiesen und im Gegensatz zu früher den Kurs der Bundesregierung voll mitgetragen.

Nein, das Wahlergebnis war vor allen Dingen eins: Eine Gefahrenabwehr, gegen die AfD gerichtet. Mit Haseloff weiß man was man hat.

Der eher blasse Ministerpräsident ist sicher nicht über Nacht zur neuen Lichtfigur mutiert.

Ich habe ein kleines Problem, Herr Lenz. Können sie das auflösen, weil sie ja immer eine Antwort haben.
Lese ja immer die Wahl-Analyse genau durch.
Aufgefallen ist mir ein Umstand. Die Wahlbeteiligung ist leicht gesunken (von 61,1 %/2016 auf 60,3%/2021). Andererseits hat aber Herr Haseloff ...

(lt. Zitat mdr: "Nach vorläufigen Angaben des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap konnte die CDU bei der diesjährigen Landtagswahl rund 35.000 Nicht-Wähler für sich mobilisieren. Hinzu kamen rund 15.000 vormalige SPD-Wähler sowie 13.000 von der Linken und 11.000 von AfD")

...35.000 Nicht-Wähler aktiviert.
Müsste da die Wahlbeteiligung im Lande nicht gestiegen sein?

Die Wahl in Sachsen-Anhalt hat vor allem Eines gezeigt:
Die Gruenen im Osten sind (seit dem - auch partei-internen - 'Untergang' von Bündnis90) eine laute, aber bedeutungslose Splitterpartei.
Die Gruenen sind eine reine Westpartei - ohne lebendige Basis im Osten!
Und trotz allem Baerbock-Hype und aller Klima-Hysterie ist das so geblieben!
In den ländlichen und kleinstädtischen Wahlkreisen erreichte man 2, 3 oder 4 Prozent. Stark sind die Gruenen nur in gentryfizierten Kiezen der Großstädte. Dort lebt auch - oft aus dem Westen zugereist - die neue gruene Bourgeoisie!
Zweite 'Basis' sind (Soziologie- und Politik- usw.) Studenten; oft 'von Beruf Sohn' (oder Tochter), die sich so auf eine Partei-Karriere vorbereiten.
Mit Blick auf Thüringen und Meckl.-Vorpommern:
Es ist möglich, die Landesparlamente Ost frei zu halten von: Klimahysterikern, Genderstammlern, Berufs-Antifanten und Russland-Hassern!
'Du mußt es JEDEM Wähler sagen - selbst LINKE wählen, heisst Gruene schlagen !!!'.

Und nicht nur Hass, sondern dies gepaart mit Angst😱&Differmierung? Ich denke nur an Pegida & ihre damalige erste Forderung, ein Flüchtlingsgesetzt nach schweizerischen oder kanadischen Vorbild. Ich sage nur Lucke, Petry, Meuthen, Weidel, Dr. Curio &&&.ALLE wurden von ALLEN verteufelt, um sich selbst moralisch & geustig zu erhöhen!!!
Und dies mit ALLEN MITTELN & MÖGLICHKEITEN!
Und ja, bei ihrer vielen verbreiteten ANGST geht die Saat auf, wie die Wahl zeigte.
Und trotzdem, Frau Merkel & ihre Gefolgsleute kann Ihren Untergang wie 1956 DDR hinaus zögern, aber nicht aufhalten.
Und für mich steht persönlich fest: Selbst wenn ihr sogenannten guten Bubis es schafft, eine neue Weltordnung zu installieren (egal wie man sie betitelt), sie wird genau so zerfallen wie alle Reiche bisher, weil das Grundfundament INHALTLICH (!!!) nicht mit den Inhalten der "Aussagen & Kompass der Bibel" überein stimmen.
Vergleich: Bibel - Kirche, wo auch keine Übereinstimmung besteht)
Gott schütze ♐ die Lieben

Haseloff bleibt jetzt die Schwarz-Rote Koalition.Er kann bei Bedarf auch etwas anderes versuchen.Ämter und Pfründe locken immer.Die unsägliche,widerwärtige SPD wird ihm aber aus der Hand fressen und alles mitmachen 37,1 zu 8,4.Die SPD-Gruppierung hat im Grunde genommen gar nichts zu melden und kann froh sein,weiterhin auf der Regierungsbank Platz nehmen zu dürfen.Dieses ekelhafte,selbstmitleidige Gejammer...Das Ende muß jetzt kommen.Im September wird mit euch Schlitten gefahren,SPD.Eine unfähige Gruppierung,welche sich nach jedem Wahldesaster aufplustert,als sei sie der Sieger,ist dieses Landes unwürdig.

Thomas Hechinger | Mo, 7. Juni 2021 - 21:01

Und warum, so frage ich Herrn MdB Sorge, gelingt es den Abgeordneten, den Vertretern des Volkes, vor allem den direkt gewählten, nicht, die Interessen ihrer Wähler daheim in die "Berliner Blase" einzubringen, damit die endlich platzt? Warum lassen sie sich von den Regierenden und vielen linksgrün gestrickten Medien dirigieren und kujonieren, statt der Regierung auf die Finger zu sehen und wo erforderlich auch auf die Finger zu hauen?
Nach unserer Verfassung geht die Regierung aus dem Parlament hervor. Die Verfassungswirklichkeit stellt jedoch die Dinge auf den Kopf. Die Regierung überwacht und instruiert ihre Abgeordneten. Das Versagen des Parlamentarismus, vor allem seit 2015, ist die eigentliche Ursache für die gesellschaftliche Spaltung. Solange das die CDU nicht einsieht, wird es nicht besser werden. Da hilft dann auch ein Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt unter einem bodenständigen Ministerpräsidenten, der noch Kontakt zur Wirklichkeit hat, nicht.

Ernst-Günther Konrad | Di, 8. Juni 2021 - 08:57

"Und bei schwierigen Themen dürfen wir nicht die eigene Position ändern, nur weil –überspitzt– die AfD oft CDU-Positionen kopiert und als ihre eigenen Positionen verkauft." Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Die AFD vertrat die alten CDU-Positionen, welche die Union in ihrem Linksruck unter Merkel aufgegeben hat. Überall in den Landtagen und im Bund, werden von der AFD genau solche ehem. CDU-Themen mit Anträgen eingebracht, diese abgelehnt und kurz darauf von der FDP oder eben der Union, sprachlich leicht umgestrickt dann durchgesetzt und so getan, als käme der Antragsinhalt von Euch. Ja, Haseloff hat als Person gewonnen und es wurde registriert bei den Wählern, dass er an der ein oder anderen Stelle den devoten Merkel Kurs nicht mitmachte. Es ist vor allem eine noch immer starke AFD, die Euch mit den Themen vor sich hertreiben, auch wenn die regierungstreuen Medien versuchen, das anders darzustellen. Und so harmonisch geht es bei Euch in der CDU nicht zu. Da gibt es auch einen "Flügel".