Illustration: Merkel vor einem großen schwarzen Schatten im Hintergrund
Wie geht die CDU mit dem Schatten um, den Merkel hinterlassen wird? / Michael Meissner

CDU Parteikrise - Sehnsucht und Enttäuschung

Schneller als erwartet geht in der CDU die Ära Merkel zu Ende. Die Partei ringt um ihre personelle und politische Identität. Vor allem ein leitender Gedanke und ein Ziel sind nicht zu erkennen

Jens Hacke Porträt

Autoreninfo

Jens Hacke ist Politikwissenschaftler. Er lehrt Politische Theorie an der Universität Halle/Wittenberg. Im April erscheinend im Suhrkamp Verlag sein Buch „Existenzkrise der Demokratie"

 

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So schnell kann es gehen. Bis vor kurzem noch galt Angela Merkel als mächtige Weltpolitikerin, souveräne Kanzlerin und unangefochtene Parteivorsitzende. Seit den Septemberwahlen jedoch ist ihr Nimbus angekratzt. Die gescheiterten Jamaika-Sondierungsgespräche und die teuer erkaufte Koalition mit der SPD lasten schwer auf ihr. Zwar ist nach zwölf Jahren Kanzlerschaft und 18 Jahren Parteivorsitz nicht völlig überraschend vom Ende einer Ära die Rede, aber es ist erstaunlich, wie plötzlich sich das Blatt gewendet hat. In der Union wird über eine Ablösung von der lange übermächtigen Parteichefin diskutiert. Manches erinnert an die Agonie der letzten Legislaturperiode Helmut Kohls.

Wie noch jedes Mal, wenn in der CDU eine Ära zu Ende geht, ist die Partei auf der Suche nach ihrer Identität. Und anders als den Liberalen kann den Christdemokraten dabei auch keine Unternehmensberatung helfen, die den Markenkern herausarbeitet oder für einen neuen Farbanstrich sorgt. Gerungen wird vielmehr um die Seele der Partei, um die eigenen Überzeugungen, leitenden Werte und Gesellschaftsvorstellungen.

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