Gruppe Erwachsener mit Maskottchen und bunten Schlüsseln, draußen in der Stadt, Foto.
Noch guter Stimmung: Kai Wegner (1. Reihe, 3. von links) und Mitglieder des Senats beim Hoffest am Roten Rathaus / picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler

CDU im Dauerkrisenmodus - Kai Wegner vor dem Aus?

Nach widersprüchlichen Aussagen zum Umgang mit dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz gerät der Regierende Bürgermeister Kai Wegner unter Druck. In der CDU wächst die Unruhe, Parteimitglieder fordern Konsequenzen. Doch gibt es überhaupt eine Alternative?

Christian Wilp

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Christian Wilp ist freier Autor und lebt in Berlin. 

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Das Hoffest des Regierenden Bürgermeisters, geprägt von Nordsee-Wetter und Endlos-Schlangen vor den Currywurstbuden, war für Kai Wegner schon zu einer Herausforderung seines schauspielerischen Talents geworden. Ein Lächeln aufsetzen, Shakehands hier und Selfie da, der Bürgermeister in seiner Paraderolle vor dem Roten Rathaus. „Die Stimmung ist gut“, sagte Wegner dem RBB. Ob auch seine eigene wirklich gut war, kann man nach den jüngsten Enthüllungen des Berliner Tagesspiegel nur erahnen. Wegner dürfte schon beim Rundgang klar gewesen sein, dass das Hoffest für ihn zu einer Abschiedsparty werden könnte.

Der Blackout und der Umgang mit diesem Terrorakt mutmaßlicher Linksradikaler ist zu einer Dauerbelastungsprobe für den Regierenden und seine Partei, die CDU, geworden. Wegner war während des Stromausfalls Anfang Januar in die Kritik geraten, weil er ein Tennismatch am ersten Tag zunächst verschwiegen hatte. Bis heute ist nicht lückenlos geklärt, mit welchen Stellen er wann und auf welche Weise kommuniziert hatte.

Am Dienstag, Stunden vor dem Hoffest, berichtete der Tagesspiegel dann, dass Wegner, anders als zunächst behauptet, am Vormittag des 3. Januar kein einziges dienstliches Telefonat geführt hatte. „Vielmehr fand der Austausch per Textnachrichten statt“, teilte die Senatskanzlei auf Anfrage der Zeitung mit. Um 12.45 Uhr habe der Regierende schließlich mit Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey am Telefon gesprochen. Im Interview mit Welt TV hatte Wegner am 7. Januar gesagt: „Ich habe in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen. Ich habe mit den Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz.“

Am Freitag soll es eine Krisensitzung der Berliner CDU geben

Wegner zeigt sich auf der Plattform X zerknirscht. „Durch meine Aussagen Anfang Januar ist der Eindruck entstanden, den ich bis heute sehr bedauere“, textete der aus dem Bezirk Spandau stammende Politiker am Mittwoch. Doch dieses Bedauern glaubt ihm nicht jeder – und es kommt für viele zu spät. SPD-Spitzenkandidat Stefan Krach nutzt die Steilvorlage gerne: „Ich werde es in keiner Konstellation zulassen, dass Kai Wegner in einem künftigen Senat eine Rolle übernehmen kann“, sagte er. Wegner habe getäuscht und gelogen und sich damit selbst disqualifiziert. 

Die Attacken des SPD-Spitzenmanns könnte Wegner noch verschmerzen, gefährlicher für ihn sind die Absetzbewegungen aus den eigenen Reihen. „Dieser dokumentierte Widerspruch betrifft die Grundlage politischer Führung, nämlich Glaubwürdigkeit“, sagte der Berliner Chef der Jungen Union, Harald Burkart, gegenüber The Pioneer. „Kai Wegner sollte heute unmissverständlich erklären, dass er nicht mehr als Spitzenkandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters antritt.“ Dies wäre im Interesse von „Stadt und Partei“. Stattdessen solle jemand kandidieren, „der in seiner persönlichen Integrität unangreifbar“ sei.

Diese Botschaft des JU-Chefs ist in den Berliner CDU-Kreisen offenbar keine Einzelmeinung mehr. Der Focus berichtet von einer für Freitag terminierten Krisensetzung der zwölf Kreisverbandsvorsitzenden. Wegner soll bei diesem Treffen Rede und Antwort stehen. Ob er auch zurücktritt, ist keinesfalls sicher. Auf X schrieb Wegner: „Für mich ist entscheidend, aus Fehlern zu lernen und es künftig besser zu machen.“

Laut Infratest Dimap kommt die CDU auf nur noch 17 Prozent 

Vor allem ist unklar, wer es in Berlin besser machen könnte. Finanzsenator Stefan Evers, seit April auch zuständig für die Kultur, werden zwar Ambitionen nachgesagt, aber erstens möchte er dem Vernehmen nach nicht als Königsmörder in Erscheinung treten und sich zweitens in dieser Lage politisch nicht „verbrennen“ lassen. Ähnlich gelagert ist die Personalie Felor Badenberg, Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz. Auch hier heißt es: Sie wäre vielleicht ganz gerne gefragt worden, aber lieber schon weitaus früher. Ein gewöhnlich gut informierter Christdemokrat hält gegenüber Cicero einen Rücktritt Wegners für ausgeschlossen. „Die Kommunikation in der Krise war alles andere als optimal, aber ein neuer Kandidat würde jetzt nichts mehr reißen.“

Die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus findet in 74 Tagen statt, am 20. September. Auf dem Landesparteitag Anfang Juni war Wegner mit 93 Prozent der Stimmen zum Spitzenkandidaten gekürt werden, 252 der 272 abgegebenen Stimmen entfielen auf ihn. Einziger Gegenkandidat war Wolfram Wickert gewesen, ein Delegierter aus dem Kreisverband Mitte, der 18 Stimmen auf sich vereinigen konnte.

So überzeugend die Kandidatenwahl für Wegner ausfiel, so frustrierend waren die jüngsten Umfrageergebnisse für die Union. Laut Infratest Dimap kommt die CDU auf nur noch 17 Prozent und landet auf Platz vier. Davor liegen Linke (20 Prozent), Grüne (19) und AfD (18). Auch diese Werte trugen dazu bei, die Kandidatendiskussion in der Union neu zu entfachen. Bei der Abgeordnetenhauswahl 2021 hatte Wegner noch 28 Prozent eingefahren. 

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Thomas Hechinger | Do., 9. Juli 2026 - 19:21

Kai Wegener – ein Hanswurst. Unfähig. Unseriös. Peinlich.

Und nun weiß ich nicht, ob ich Mitleid mit Berlin haben soll, wenn es im Herbst eine knallrote Landesregierung bekommt.

Ach lieber Herr Hechinger, Mitleid mit Berlin? Nein Mitleid mit dem deutschen Souverän.

Ich lese derzeit Sascha Arango´s spannendes Buch "Die Wahrheit und andere Lügen". Speziell Merz weigert sich, dieses zu lesen. Zu viele Spiegel ringsherum.

Ingo Frank | Do., 9. Juli 2026 - 19:34

CDU in Berlin einnimmt, da die rote Heidi mit der SPD und den Grünen als „Berliner Traumkoalition“ regieren wird.
Das einzig interessante, dass nun flächendeckend die AfD vor CDU & SPD liegt. Die Frage bliebe allerdings schafft es die AfD noch vor den SED Erben einzulaufen da 2% nicht uneinholbar sind. Wobei dies auch nichts an RRG ändern würde……
Egal, ich meide Berlin seit Jahren obwohl wir zum Wiederaufbau des Stadtschlosses meine Liebste einiges spendete. Zu dieser Zeit fuhren wir einige Male im Jahr ins Theater am Kurfürstendamm.
Überall Bettler, U & S Bahn vollgemüllt, vollgepöbelt von Gesundbrunnen bis Hotel, zu viel MultiKulti, Nachtbus Ausfall &&&, das müssen wir uns in unserm Alter nicht mehr antun.
MfG a d Erfurter Republik

Walter Bühler | Do., 9. Juli 2026 - 19:57

... denn die geplante rot-grüne Stadtregierung umfasst ja von vorneherein nur Parteifunktionäre, die den Stromausfall-Terroristen mehr oder weniger offen zujubeln, so wie sie in ihrer Jugend der RAF und ein wenig später der Greta Thunberg zugejubelt haben.

Allerdings: Die manifeste politische Dummheit der CDU-Kandidaten und ihre blödsinnige Geldverschleuderung für "Öffentlichkeitsarbeit" (die das Foto in ihrer ganzen ästhetischen Pracht und Herrlichkeit zeigt) ist wirklich unerträglich.

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Ach Deutschland, Deine herrschenden Parteifunktionäre!

berufliche Tätigkeit nachgewiesen zu haben zum Abgeordneten.
So viel Geld kann ein Studienabbrecher ohne Beruf nirgend wo anders verdienen….. kommt je Partei- Zugehörigkeit in diversen Medien zu Wort und wird von den Lobbyisten angebetet wie der liebe Gott und kann hir & da durch hirnlose Vorträge noch ein paar € hinzuverdienen. Eigenes Büro noch Mitarbeiter was will das Leben mehr …..und steht ein Problem an, wird eine Kommission beauftragt die das Problem lösen soll. Am Ende, unverschämt viel Geld für nichts. Und ist Wahlkampfzeit, sieht man keine Infostände in kleinen Städten und größeren Gemeinden von den etablierten Parteien…… Da verlaufen sie die Kandidaten der AfD allerdings schon ehr mal in die Thüringer Provinz…..
Und das Schlimme am ganzen System, diese Parteien- Vollpfosten wollen uns Bürger was vom „richtigen Leben“ erzählen. Was bitte, soll denn da am Ende herauskommen für Land & Bürger ?
MfG a d Erfurter Republik

Urban Will | Do., 9. Juli 2026 - 20:48

einem Unterschied. Wegner hat bewusst und eiskalt gelogen während Merz so ziemlich alle Wahlversprechen gebrochen hat, die er gegeben hat.
Wegner muss gehen, das ist klar. Dem glaubt niemand mehr ein Wort, er hat seine Glaubwürdigkeit und auch seine Ehre verloren, mit diesem Typen will keiner mehr etwas zu tun haben, sein Verhalten war ekelhaft.
Und Merz?
Es gibt eine „Entschuldigung“ für ihn, die die Sache aber noch schlimmer macht. Er merkt gar nicht mehr, dass er lügt, dass er heute das Gegenteil von dem macht, was er gestern angekündigt hat. Merz lebt in seiner eigenen Welt. Dafür gibt es einen Begriff, aber wenn ich den hinschreibe, schreddert die KI meinen Beitrag.
Merz sollte längst nicht mehr Kanzler sein, er ist eine Gefahr für dieses Land, weil er alles, wirklich alles dem Amt unterordnet. Und als Folge dessen diesem Land massiv schadet.
Und er scheint es nicht mal zu merken, weil er … eigentlich geistig woanders ist.
Es ist an der Zeit, dass seine Partei das kapiert.

Warum auch ? Das CDU Präsidium scheint in einer anderen Welt, weit weg von Deutschland, zu leben…..
Andererseits wer könnte Merz beerben ? Wer hätte bei der CDU oder bei der CSU das Format Kanzler zu werden ? Bei aller Fantasie,, mir fällt kein Name ein.
Schon aus diesem Grund wird auch der Niedergang der CDU parallel zum Niedergang dieses Landes weiter gehen. Dennoch, irgend wann auf Kommunaler & Länderebene wird der Umbruch Realität in dem die stärkste
Partei auch die Amtsträger stellt und Schwarz rot grün und die SED Erben aus den Parlamenten gewählt werden.
MfG aus der Erf. Rep.

Achim Koester | Fr., 10. Juli 2026 - 09:39

denn egal, ob der Kandidat Wegner oder anders heisst, durch das Verhalten Kai Wegners ist das Amt bzw. die Partei so schwer geschädigt, dass es für Reichinnek oder eine Grüne ein leichtes Spiel sein wird, ihn auszumanövrieren. Aber es tangiert mich nicht wirklich, dieses Stadt ist ohnehin verloren.

Achim Koester | Fr., 10. Juli 2026 - 09:40

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