Merz
Bundeskanzler Friedrich Merz im Bundestag, 11.09.2026 / picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH

CDU-Abgeordnete bremsen den Kanzler aus - Das Regenwald-Desaster beschleunigt Merz’ Autoritätsverlust

Nach der brasilianischen Blamage von Bélem fällt Merz nun auch noch die dort getroffene Milliardenzusage für den Regenwald auf die Füße. Seine eigenen Abgeordneten könnten ihn international blamieren und die Hemmungen zu seinem endgültigen Sturz abbauen.

Ferdinand Knauß

Autoreninfo

Ferdinand Knauß ist Cicero-Redakteur. Sein aktuelles Buch: „Der gelähmte Westen. Chronik einer Selbstaufgabe“ ist im März 2026 erschienen. 2018 erschien „Merkel am Ende“.

 

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Der Sturz von Anführern durch die Hand oder das Wort ihrer Unterführer gehört meist zu den dramaturgisch reizvollsten Episoden der Weltgeschichte. Die großartige „Waterloo“-Verfilmung von Sergei Bondartschuk beginnt daher mit der Szene, als Napoleon 1814 im Schloss von Fontainebleau von seinen versammelten Marschällen gezwungen wird, seine Abdankungsurkunde zu unterschreiben, weil die militärische Lage aussichtslos ist.

Die Zustände im politischen Berlin des Jahres 2026 sind weit weniger filmreif und glücklicherweise völlig unblutig. Es fehlt dem Bundeskanzler zwar nicht an verheerenden Niederlagen auf dem demokratischen Abstimmungsschlachtfeld, und die politische Lage ist für seine CDU ausgesprochen aussichtsarm. Aber es gibt in der Partei offenbar keine mutigen, schlachterprobten Mitstreiter, die dem Parteivorsitzenden im Gleichschritt entgegentreten, und keinen Marschall Michel Ney, der ihm offen sagt: „Sire, es besteht keine Hoffnung mehr ... die Kosaken tränken ihre Pferde in der Seine ... danken Sie ab, Sire!“

Kleine Schritte des fortgesetzten Autoritätsverlustes

Merz denkt nicht an Rücktritt (zumindest behauptet er vor der Presse, dass das keine Alternative sei). Aber können er oder seine Parteifreunde oder überhaupt irgendein Beobachter und Miterleider des christdemokratischen und deutschen Niedergangs sich wirklich vorstellen, dass er in – sagen wir – einem Jahr noch im Amt ist? Die Chance auf einen selbstbestimmten, würdevollen Abtritt hat der Kanzler vergeigt wie so manches andere.

Wie die absehbar völlig ruhmlose und verfilmungsungeeignete Kanzlerschaft des Friedrich Merz vielleicht endet, hat nun der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt vorexerziert: mit kleinen, aber immer weiter voranschreitenden Verlusten der Reste an öffentlicher und politikbetriebsinterner Autorität. Die Gelegenheit für einen solchen Schritt ergab sich jetzt.  

Mattfeldt hat angekündigt, dass er und andere Unionsabgeordnete im Haushaltsauschuss des Bundestags die Zusage des Kanzlers blockieren wollen, eine Milliarde Euro der deutschen Steuerzahler in den internationalen Fonds für tropische Regenwälder (TFFF) einzuzahlen. Das ist ein Lieblingsprojekt von SPD-Entwicklungshilfeministerin Reem Alabali Radovan, für das sich Merz bei seinem Besuch der COP30-Konferenz in Bélem in Brasilien verbürgt hatte.

Das doppelte Regenwald-Desaster

Der Besuch wird dadurch nachträglich zum Doppeldesaster für Merz. Wir erinnern uns, wie er danach die Stadt und ganz Brasilien beleidigte, um vermeintlich zu belegen, wie wunderbar doch das von ihm regierte Deutschland sei: „Ich habe einige Journalisten gefragt, die mit mir letzte Woche in Brasilien waren. Wer von euch würde denn gerne hierbleiben? Da hat keiner die Hand gehoben. Die waren alle froh, dass wir – vor allem aus dem Ort, wo wir da waren – wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind.“ Brasiliens linkspopulistischer Präsident Luiz Inacio Lula da Silva machte sich daraufhin weltöffentlich über Merz lustig. Man kann durchaus davon ausgehen, dass Merz’ Einsatz für die Regenwaldmilliarde auch eine Art von Schadensbegrenzung für sein Standing gegenüber Lula war.  

Dieser Regenwaldfehler passt in das Muster seiner ganzen Katastrophenkanzlerschaft: großspuriges Herrenreitertum im (welt)öffentlichen Auftritt bei ängstlicher Unterwürfigkeit gegenüber den Wünschen des sozialdemokratischen Koalitionspartners. 

Die Blamage lässt die Hemmungen schrumpfen

Die eigenen CDU-Leute waren und sind immer noch unfassbar geduldig mit ihrem Chef, von dem sich schließlich viele von ihnen in den späten Merkel-Jahren die große Renaissance der Union und bürgerlich-vernünftiger Regierungspolitik erhofft hatten. Aber keine Geduld ist endlos. Mattfeldt und andere CDU-Politiker auf den hinteren Bänken des Bundestags verlieren offenkundig nach der Sachsen-Anhalt-Wahl und dem desaströs wählervertreibenden Gebahren des Kanzlers die Bereitschaft, eine für ihre verbliebenen Wähler sicher ausgesprochen unpopuläre Verpulverung von Steuerzahlergeld im fernen Regenwald hinzunehmen. Zumal, wie Mattfeldt sagt, „eine Zusage in dieser enormen Größenordnung vorab nicht mit den zuständigen Parlamentariern abgestimmt wurde“.

Merz ist, wenn es dabei bleibt, in der internationalen Gemeinschaft, also unter Regierungschefs in aller Welt, bis auf die Knochen blamiert. Instinktsichere Machtmenschen wie Lula und Trump, von Despoten wie Erdogan oder gar Putin ganz zu schweigen, werden Merz nicht mehr ernstnehmen, wenn er eine solche öffentliche Zusage in seiner eigenen Partei nicht durchsetzen kann.

Und natürlich ist dann auch seine parteiinterne Autorität irreparabel beschädigt – also das Feld bereitet für weitere aufmüpfige Widersprecher. Die Hemmungen könnten dann selbst in der für ihre Willfährigkeit bekannten CDU fallen. Bis eben irgendwann doch ein paar Großkopferte sich zusammentun und Merz so ansprechen, wie Ney und die Marschälle ihren Kaiser in Fontainebleau. 

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Wolfgang Dubbel | Fr., 11. September 2026 - 14:44

Leider sehe ich niemanden, der das Ruder übernehmen kann oder will oder beides

Markus Michaelis | Fr., 11. September 2026 - 15:32

Er sieht es mitnichten so, dass alle seine Armeen geschlagen sind. Die Linke etwa feiert erfolge, und auch für die spricht Merz. In Europa gibt es immer wieder Wahlerfolge von irgendwem - und auch für die spricht Merz als Mitte. Deswegen muss er auch alle möglichen Versprechungen machen in D und an die Welt, um "seine" Mitte bei Laune zu halten.

Das ist alles ein wenig überdehnt. Im Moment haben wir keinen Kandidaten, der das grundsätzlich anders machen könnte, weil dieser Anspruch im Moment die Mitte repräsentiert.

Irgendwann sollten wir dann mal wieder ein realistischeres Selbstbild bekommen, welche Vielfalt es in D und der Welt gibt, für wen man da spricht und für wen eher nicht.

Christa Wallau | Fr., 11. September 2026 - 15:36

kann Friedrich Merz nicht mehr ernst nehmen.
Seine Überforderung im Amt des Kanzlers der Bundesrepublik Deutschland wird täglich offensichtlicher.
Sein früher selbstbewußtes, ja hochnäsiges Auftreten und Schwadronieren ist einer Hilflosigkeit gewichen, die ihresgleichen sucht.
Dieser Mann war, ist und bleibt ein Blender und hat nun sein letztes Pulver verschossen!
Nach Lügen und Diffamieren des politischen Gegners kommt eben nichts mehr.
Das unrühmliche Ende ist in Sicht.
Je länger die CDU wartet, mit Merz zu brechen,
um so tiefer wird sie sinken.
Ich weine ihr keine einzige Träne nach.
Im Gegenteil: Ich gönne es dieser jämmerlichen
Ja-Sager und Opportunisten-Truppe von Herzen, daß sie endlich die Quittung bekommt
für alles, was sie ihren Wählern und dem ganzen deutschen Volk seit 2005 (Beginn v. Merkels erster Kanzlerschaft) angetan hat!

Pigeldy | Fr., 11. September 2026 - 15:50

Es wird zwar noch nicht offen darüber gesprochen (was wesentlich ehrlicher und für die Zukunft der Revolten- unerprobten CDU in der jetzigen Lage auch besser wäre), aber die Tage dieses Kanzlers sind gezählt. Mittlerweile hat sich fast die gesamte Presselandschaft auf ihn eingeschossen, niemand würde dafür die Hand ins Feuer legen, dass er in 6 Wochen noch Kanzler ist. Seine eigene Partei gräbt permanent an seinem Ruf, bis auf ganz wenige, die noch an seiner Seite stehen. Wie so oft traut sich niemand aus der Deckung, um das Unvermeidliche offen auszusprechen. Am Ende hat er sich das alles selbst zuzuschreiben. Wer als Kanzler des größten Landes in Europa derart beratungsresistent von einem Fettnapf in den nächsten trampelt, dem kann man schlechterdings keine Kompetenz unterstellen. Es braucht nicht nur die richtigen Ideen, es braucht Rückgrat, Mut und Führungsstärke. Nichts davon hat Merz. So leid es mir tut, das sagen zu müssen: Merkels Urteil über Merz war richtig. Er kann es nicht.

Eselsbrücke | Fr., 11. September 2026 - 16:03

Aber wer sollte eine Alternative zu Merz darstellen, der das Ruder für die CDU rumreissen kann?

* Wüst wird einen grünen Kurs unbeirrt fortsetzen. Zudem hatte er mal versprochen "im Land" zu bleiben und er hat einen Wahlkampf '27 zu gewinnen
* Söder ist ein Wendehälschen, dem niemand wirklich traut
* Rhein ist zu blass und im Zweifel eher grün-links

Zudem wirkt die CDU bei den uns unweigerlich bevorstehenden Reformen (Sozialstaat, Energieversorgung, Wirtschaftsentlastung) wie der Feuerwehrmann, der den selbst gelegten Brand löschen soll.
Nein, es existiert m.E. im Moment kein Personal in dieser Partei, dass das Zeug zu "kann Kanzler" hat.

Ingo Frank | Fr., 11. September 2026 - 17:32

Antwort auf von Eselsbrücke

Die CDU ist weder programmatisch noch personell in der Lage das Ruder herumzureißen …..
Merz hatte is angekündigt wie es hätte gehen Können mit:
1. Links ist vorbei
2. Haushaltskonsolidierung sparen statt Schulden
Das Ergebniss ist hinreichend bekannt
Auf die angeblichen Nzis & Faschisten der AfD einzudreschen, verfängt immer weniger. So wie sich die AfD im Osten verdoppelte, passiert das gleiche im Westen …… nur von einem niedrigerem Niveau das in West um 10% und in Ost 20% als mathematische Ausgangsgrößen .
Mit besten Gruß aus Thüringen

Achim Koester | So., 13. September 2026 - 08:18

Antwort auf von Eselsbrücke

Bei Ihrer Aufzählung der Unfähigen haben Sie den roten Daniel aus dem hohen Norden vergessen.

Ingo Frank | Fr., 11. September 2026 - 17:23

von MV fliegt ist Merz samt seiner GroKo Geschichte.
Sollte es lediglich zu einem Kanzlerwechsel kommen, weil sowohl die Union als auch die SPD die Hosen gestrichen voll haben, ist der zukünftige schwarze Kanzler auch nur ein Gefangener der eigens ersonnenen Brandmauer. Da kann Merkel ihre Verantwortung leugnen und weiter lavieren wie sie will.
Weidel hat Recht, wenn das Regieren so weiter geht und es wir fortgesetzt so lange Links Grün mit im Boot sitzt ….. Die Union / CDU wird keine Wahl mehr gewinnen.
Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.
Diese Regierung hat einfach fertig aber so was von ….
Mit freundlichen Grüßen a d E. Rep.

Bernd Windisch | Fr., 11. September 2026 - 19:52

"Wir erinnern uns, wie er danach die Stadt und ganz Brasilien beleidigte, um vermeintlich zu belegen, wie wunderbar doch das von ihm regierte Deutschland sei"

Echt jetzt?

Latyo Hawxa | Fr., 11. September 2026 - 23:00

Was genau mit einer an Brasilien überwiesenen Milliarde passieren würde, kann man schlecht vorhersagen. Beim Regenwald würde jedenfalls nichts davon ankommen.

Gisela Zabka | Sa., 12. September 2026 - 01:03

Ob Friedrich Merz vor oder nach seiner Taktlosigkeit eine Milliarde für Lulas „Tropical Forest Forever Fund“ spendieren wollte, konnte damals nicht geklärt werden. Das Lula gegebene Versprechen war vor allem politisch dämlich, wenn man weiß, dass Regenwaldschützer Lula vor der COP30-Konferenz Zehntausende intakte Bäume hat fällen lassen, um eine dreizehn Kilometer lange vierspurige Autobahn quer durch den Regenwald zum COP30-Veranstaltungsort Belém hat bauen zu lassen, damit die Teilnehmer der Konferenz bequem zum Veranstaltungsort anreisen können, wo es u.a. um den Schutz des Regenwalds ging – geht es noch irrsinniger?

Politiker wie Andreas Mattfeldt (CDU) sollten häufiger aktiv werden, um die Regierenden daran zu hindern, Geld, das ihnen nicht gehört, großzügig in aller Welt zu verteilen.

Urban Will | Sa., 12. September 2026 - 11:13

Gruppe der Hauptstadt-Journalie, die auch nur einen Cent darauf wetten würden, dass dieser Un-Kanzler bis zum Ende durchhält.
Mal wieder war es NIUS, wo man schon vor Wochen eines klar sagte, was nun offensichtlich ist: Mit Merz wird die Union keine Wahl mehr gewinnen.
Das wissen nun sogar die Duckmäuser in deren Reihen.
Nur finden sie halt keinen Weg da raus, weil sie auch hier zu feige sind, sich einzugestehen, dass es ohne die Ochsentour des Juniorpartners einer AfD nicht gehen wird. Auch wenn diese das Ende bedeuten würde, so könnte man halt als Teil der AfD weitermachen.
Die Alternative wäre der ewige „Junior“-Partner der Sozen, Grünen, Linken, wer halt auch immer als Koalitionspartner auftritt.
Und das endet im Aus für die Union.
Sie selbst ist Schuld an dieser „Misere“.
Es braucht jetzt also einen Mutigen, der diese Juniorrolle einnimmt und bei Weidel anklopft. Dann muss man nur noch diesen Lügenhaushalt im BT ablehnen und dann geht sogar der Sesselkleber Fritz.

Ernst-Günther Konrad | Sa., 12. September 2026 - 11:48

Noch wurde dieser Wahnsinn nicht abgestimmt und ganz offiziell abgelehnt. In der UNION gab es schon öfters kritische Stimmen, die den Mund voll nahmen und dann wieder umfielen. Und alles nur an Merz auszulassen ist unbillig. Immerhin hat die gesamte UNION viele, viele Lügen von Merz, Rechtsbrüche (Schuldeneklat) oder seine verbalen Entgleisungen durch Klatschen oder nachträgliche Relativierungen mitgetragen. Ja, im Moment sieht es danach aus, als könnte eine jahrelange Forderungen der AFD, endlich aufzuhören Geld im Ausland zu verteilen, erste Früchte tragen. Nur glaube ich es erst, wenn es tatsächlich beschlossen wurde und Merz abgestraft wird. Zu oft haben bei uns Unionspolitiker Hoffnung erzeugt, vernünftige Dinge gesagt und gefordert, um dann wieder umzufallen. Ich möchte nochmal deutlich machen, genau diese Forderungen beim Thema Brasilien ist schon Jahre alt und von der AFD und erhielt jetzt nur Aktualität, weil der einen Krösus spielende Merz wieder mit Geld um sich schmiss.