Katja Wolf
Thüringens Finanzministerin Katja Wolf (BSW) gibt nach der BSW-Fraktionssitzung im Landtag ein Pressestatement / picture alliance/dpa | Jacob Schröter

Bündnis Sahra Wagenknecht - Der Sargnagel des BSW

Das BSW zerlegt sich selbst: Zwischen Sahra Wagenknecht und Katja Wolf ist ein offener Macht- und Richtungsstreit entbrannt. Die Regierungsbeteiligung hat die Partei bereits Stimmen gekostet – nun könnte der Konflikt um die AfD-Brandmauer ihr den Rest geben.

Porträt Mathias Brodkorb

Autoreninfo

Mathias Brodkorb ist Cicero-Autor und war Kultus- und Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Er gehört der SPD an.

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Ich lege mich fest: Das BSW ist Geschichte. Endgültig ist ein Grundsatzstreit zwischen den beiden wichtigsten Gesichtern der Partei ausgebrochen: der ehemaligen Vorsitzenden Sahra Wagenknecht und Thüringens stellvertretender Ministerpräsidentin Katja Wolf.

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Markus Michaelis | Fr., 21. August 2026 - 14:38

Immerhin zeigt dieser Konflikt, dass Zank um Macht und Richtung nicht nur von Männern ausgeht. Ja am wahrscheinlichsten ist das BSW tot, wie Parteigründungen immer schwierig sind. Es ist eine grundsätzliche, heikle Balance, dass Politik, außer in ruhigen Zeiten, auch 150% selbstüberzeugte Anführer braucht, diese andererseits einer konstruktiven Politik dann im Wege stehen.

Wie üblich in meinen Kommentaren, ist der wichtige Punkt für mich aber nicht der Zustand des BSW, der SPD, der CDU, sondern ob die jetzige Gesellschaft, d.h. im Moment die bisher staatstragende Mitte, überhaupt in der Lage ist, sich auf all die Veränderungen hier und in der Welt anzupassen oder nicht. Im Moment sieht es nach "eher nicht" aus, man verfeindet sich eher zunehmend in verschiedene Richtungen.

Ob die AfD im Nachhinein eine riesige Gefahr war, die zu viele unterschätzten, ob sie ein Antrieb für die Mitte war, sich besser anzupassen, ob die Mitte so überleben wird ... man weiß es heute nicht.

Hans Süßenguth-Großmann | Fr., 21. August 2026 - 15:18

von K. Wolf die AfD in Thüringen zu stutzen. Deshalb ist sie dem BSW beigetreten und von mir gewählt worden. Die Linke ist für meine Begriffe in der Ukraine Frage zu indifferent und die SPD und die Grünen sind klare Kriegsbefürworter, daher blieb nur da

Hans Süßenguth-Großmann | Fr., 21. August 2026 - 15:30

Da blieb nur das BSW und mit mir waren es eine Menge Wähler.
Ich stimme dem Verfasser dahingehend zu, dass eine Beteiligung der AfD an einer Landesregierung, wesentlich sinnvoller gewesen wäre als das "Anti Nazi" Geschrei.
Für mein Anliegen, gegen diesen sinnlosen Krieg in der UA eine politische Stimme dagegen in D zu unterstützen, bleibt vermutlich nur die AfD. Die Äußerungen von Gauland und Frohnmaier dazu sind deutlich, bei der Frau Weidel bin ich mir nicht sicher.

Heidemarie Heim | Fr., 21. August 2026 - 15:48

Denn das BSW hat wie z.B. die inzwischen vom Wähler abgesetzte FDP jene Liberalität müssen lassen,die sich auch mittige oder vielleicht eher linke Wähler als Alternative zu ganz links oder ganz rechts erhofft haben.Man sprang auf Aussagen wie "Wir werden mit allen reden" oder "Egal von wem gute Initiativen kommen,werden wir zustimmen" an.Man erweckte damit den Anschein,dass die Partei unabhängig ihrer Herkunft links der Mitte auch für Wähler interessant ist,die irgendwo zwischen allen Stühlen sitzend von diesen an der Macht klebenden
bisherigen Koalitionen und deren Ausschliesseritis eines immer größer werdenden Teil von Wählern die Nase voll hatten.Nur um sich dann bei erster Gelegenheit als Steigbügelhalter oder Koalitionspartner für jedermann anzudienen und die Spaltung bzw. die Partizipation konservativer Parteien und deren Wähler weiter zu verhindern.Ganz nach dem Motto "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?!"Und dafür bekommen sie sehr wahrscheinlich die Quittung. MfG

Alles klar lieber Herr Frank! Dieser Spruch war mir noch nicht geläufig. Da sieht man mal wieder,wie gut "unsere Zusammenarbeit" zwischen Ost und West klappt.Und dazu noch ohne einen "Beauftragten"!😃 LG

Christa Wallau | Fr., 21. August 2026 - 15:49

wie sie die AfD in den ersten Jahren ihres
Daseins durchlitten hat. Vorsitzende kamen u. gingen - mit ihnen auch ein Teil der Mitglieder, besonders anfangs, als Bernd Lucke abgewählt wurde.
Aus Luckes u. seiner Anhänger neuer Partei (ALFA) wurde nichts. Sie verschwand.
Aber die AfD überlebte!
Selbst der Weggang von Meuthen setzte ihr nicht so schlimm zu, daß sie unter die 5%-Hürde rutschte.
Dies lag 1. an dem alten Kämpen Gauland, der den Fels in der Brandung bildete, u. 2. an den
Themen Migration u. Energiepolitik, bei denen die AfD als einzige Partei Realismus bewies.

Das BSW hat kein Alleinstellungsmerkmal - außer der Galionsfigur Sahra Wagenknecht.
Das reicht aber nicht. Deshalb wird das BSW die inneren Querelen m. E. nicht erfolgreich überstehen. Es viel zu früh in Regierungsverantwortung gekommen, bevor überhaupt eine klare Programm-Linie für a l l e festgelegt war.

Die AfD hat sich in 13 Jahren erfolgreich zusammenraufen können - dem BSW fehlen dafür Zeit u. Programm.

Heidemarie Heim | Fr., 21. August 2026 - 15:50

Liberalität "missen" lassen.

Ingo Frank | Fr., 21. August 2026 - 16:01

wenn sich das BSW sich selbst zerlegt. Links bleibt links egal unter wem …., ob Wagenknecht
Wolf oder wie auch immer sie sich nennen und egal welchem Namen diese Partei trägt. Alles uninteressant ….. und wenn ich das „Geplänkel“ mit der AfD in SA sehe, wird doch nur damit ein Ziel verfolgt dei Wähler irre zu machen dies noch nicht sind, um über die 5% zu hüpfen. 👎👎👎Wer soll so einer Partei noch eine Stimme geben ? Weg damit ! Und tschüss…….
Da macht ja die rote Heidi für ihre Klientel noch wenigstens den „Eindruck“ einer gewissen, zwar unterirdischen, Professionalität. Immerhin !
MfG a d Erfurter Republik

Ernst-Günther Konrad | Fr., 21. August 2026 - 17:38

Also ich habe mit dem BSW kein Problem. Die sind genauso wie die SPD und die Grünen in Sachsen Anhalt dabei, die Hürde nicht zu schaffen, was Ullrich Siegmund der absoluten Mehrheit wesentlich näher bringt. Also sollen die sich doch gegenseitig zerfleischen. Das wird auch im Bund Auswirkungen haben und im Westen ist das BSW in den übrigen LT doch fast nicht vorhanden. Ja. ich gebe zu, Sarah ist mir sympathisch, sie ist klug, sieht auch noch gut aus und sagt auch manches richtige. Aber sie ist und bleibt tief in ihrem Herzen eine Kommunistin und versucht natürlich, irgendwo einen Fuß in ein eine Regierung zu bekommen. Deshalb immer weiter so. Je mehr ihr Euch beharkt, desto besser für die AFD. Allen Foristen und der Redaktion ein schönes Wochenende.

A. Müller | Fr., 21. August 2026 - 17:45

Mitglied hier! Ja, wegen Thüringen kracht es momentan ziemlich in der Partei. Ich bin davon überzeugt, dass uns diese frühen Regierungsbeteiligungen kurz nach der Gründung massiv geschadet haben! Diese Suppe müssen wir jetzt auslöffeln. Ich höre oft bei Infoständen o.ä. von Mitmenschen Kritik an dieser Regierungsbeteiligung, obwohl wir hier im tiefen Süden sind und Thüringen weit weg. Das BSW wird aber deswegen keineswegs in der Versenkung verschwinden. Wir haben funktionierende Parteistrukturen aufgebaut, sind regional verankert. Wie kommt der Autor darauf, dass wir kein gutes Personal hätten? Wir haben viele gute Leute mit Expertise in der Partei wie z.B. Fabio Di Masi, Tom Lausen, Michael Lüders u..a
Das Problem scheint doch eher, dass die Menschen bereits so sehr an Parteisoldaten ohne nennenswerte Berufserfahrung gewöhnt sind, dass sie fachliche Qualifikation gar nicht mehr zu schätzen wissen!

Klaus Funke | Fr., 21. August 2026 - 19:39

Um nichts anderes als die Macht. Das ist die Droge, der die Wolf erlegen ist. Und die Sahra, die hat längst erkannt, dass es nichts mehr wird mit ihrem BSW. Sie wird sich mittelfristig zurückziehen. Das wird ihr auch der Oskar geraten haben. Sie soll Bücher schreiben und ein paar Vorträge halten, damit noch ein paar Euro zurückfließen. Das BSW ist eine Totgeburt. Das wird nix mehr. Und am Ende: Wer braucht das BSW überhaupt? Niemand.

Theodor Lanck | Fr., 21. August 2026 - 20:14

Ich habe nie verstanden, dass Frau Wagenknecht in der Linkspartei als linksaußen galt, ihre eigene Partei aber nun als "links-konservative Protestpartei" firmieren soll. Zusammen mit der eher dünnen Programmatik bleibt eigentlich nur der Schluss, dass das BSW eine Wahlgemeinschaft ist (war?), wie sie etwa in Österreich unter dem "Team"-Label anzutreffen ist (zB Team Stronach), mit einem Ego an der Spitze und anfangs frechen, euphorisierten Mitstreitern, die sich im Alltag zerreiben.

Es fehlt der ideologische Kern, um den sich ein Milieu bildet. Wagenknechts Bücher alleine sind da zu wenig. Sie selbst hat ihre Stärke in der Publizistik, ist eigentlich keine Politikerin (die nach Macht strebt und gestalten will).

Zuletzt findet man eben auch die BSW-Positionen woanders, nur eben nicht in dieser Mischung. Was hätte funktionieren können - Pragmatismus als Kern - ist eher bei den FW zu Hause.

»Dünne Programmatik«, »fehlender ideologischer Kern«, Bedeutung von »Linkskonservatismus« nie klar genug ausgearbeitet – Ich denke, Sie treffen damit den Kern des Problems! Auch der Versuch, das Akronym BSW auf »Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft« umzufirmieren, drückt in erster Linie Verlegenheit aus. Und als Person ist Wagenknecht das Gegenteil eines robusten Volkstribuns, der sich kampfeslustig ins Handgemenge stürzt und die Partei auf seine charismatische Persönlichkeit einschwören könnte. Insofern trifft auch der gelegentlich zu vernehmende Vorwurf eines Personenkults mangels passender Charakteristik nicht auf die Gründerin zu.

Auf eine multidimensionale Systemkrise kann man mit nicht mit isolierten Programmpunkten reagieren, mögen diese in der Sache auch noch so sehr zutreffen. Die große Vision einer postneoliberalen Welt- und Gesellschaftsordnung aus linker Perspektive ist aber bislang nirgendwo am Horizont erkennbar.

Ingbert Jüdt | Fr., 21. August 2026 - 20:18

... und für eine Kaderpartei zu wenig ideologische Kohärenz. Die letzte größere politische Mobilisierung, die sich als Partei formiert hat, war die Basisdemokratische Partei Deutschlands. 2021, ein Jahr nach ihrer Gründung, hatte sie 50.000 Mitglieder (AfD damals 30.000). »dieBasis« ist gescheitert, weil sie weder über ein konkretisierbares Programm noch über klare interne Selektionsmechanismen für ihre Repräsentanten verfügte. Das BSW wollte aus diesem Beispiel die Lehre ziehen, einen zu frühen Mitgliederzustrom zu begrenzen und sich als Kaderpartei aufstellen.

Das kann nur dann funktionieren, wenn der Kader diszipliniert als kollektiver Akteur ohne innere ideologische Bruchlinien zu handeln vermag. Was aber das BSW programmatisch verkörpern will, ist völlig unklar. Es will eine »Alternative zur Linken« sein, ohne klar sagen zu können, worin diese zwischen Sozialdemokratie und Traditionssozialismus bestehen soll. Dreißig Jahre linkes Theoriedefizit behebt man nicht auf die Schnelle.

Gisela Hachenberg | Fr., 21. August 2026 - 22:27

„Ja, wenn man die AfD früher in Regierungsverantwortung eingebunden hätte, wäre sie entzaubert worden“. Hätte, täte, wäre…Wer weiß das! Wissen Sie das, Herr Brodkorb? Klar, linkes Wunschdenken! Aber was wir wissen, lieber Herr Brodkorb, ist, hätte man Ihre SPD nicht in die Koalition mit der CDU aufgenommen, würden wir heute nicht am Abgrund stehen. Das wissen wir nun. Ob die AfD… wissen wir, vor allem auch Sie, nicht! Das wird uns immer mantrahaft eingeredet.
Von den meisten, zumeist linken Schreibern im Land. Links ist vorbei, laut und deutlich hervorgebracht von Merz. Bis jetzt leider nicht. Aber hoffentlich bald!!!