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Wahlsieger - Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Das Spiel ist vorbei, die Wahl ist gelaufen. Was aber wird vom Wahlkampf 2013 übrig bleiben? 

Autoreninfo

Holger Geißler ist Head of Research bei YouGov, Psychologe und doziert an der FH Köln zur Marktforschung. 2015 erschien sein Buch „Wie wir Deutschen ticken".

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Schluss, aus, das Spiel ist vorbei. Es gab so viele Um– und Sonntagsfragen wie nie zuvor, deshalb möchte ich heute ausnahmsweise mal darauf verzichten, Umfrage-Ergebnisse für mein Fazit zur Bundestagswahl heranzuziehen. Mir ist stattdessen nach Fußball. Wie kann man den Bundestagswahlkampf 2013 fussballerisch deuten?

Es gibt Spiele, die sind nach dem Spiel interessanter als während des Spiels. Erinnern Sie sich noch an das Interview zwischen Waldemar Hartmann und Rudi Völler, die sogenannte Wutrede? Das war 2003. Jeder Fußballfan wird sich daran erinnern können. Aber sicherlich nicht an das Spiel davor. Dieser Wahl wird es ebenso ergehen. Sie wird nicht wegen des Wahlkampfs in die Annalen eingehen, sondern wegen des Wahlabends, der aufgrund der knappen Ergebnisse für AfD und FDP und der kurzfristigen Aussicht auf eine alleinige Mehrheit von CDU/CSU so spannend war wie selten zuvor.

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Es gibt immer ein erstes Mal. Auch beim Absteigen. Dieses Mal hat es die FDP erwischt. Aus eigener Kraft oder eigenem Unvermögen. Wie die FDP wieder nach oben kommen kann? Den 1. FC Kaiserslautern zum Vorbild nehmen. Die sind in der Spielzeit 94/95 auch das erste Mal aus der Bundesliga abgestiegen, nur um ein Jahr später wieder aufzusteigen und direkt danach Deutscher Meister zu werden. Was die gemacht haben: Das Präsidium ausgetauscht und verdiente FCK-Recken wie Otto Rehhagel, Hans-Peter Briegel und Jürgen Friedrich zurückgeholt. Die Rücktritte von Rösler und Brüderle gehen ja schon mal in die richtige Richtung.

Es gibt Spiele, die hat man schon verloren, bevor man richtig auf dem Spielfeld angekommen ist. So in etwa muss sich Peer Steinbrück vorgekommen sein, der das Spiel direkt in den ersten fünf Minuten seiner Kandidatur verloren hat. Die Tore (oder sollte man besser sagen Eigentore) schossen unter anderem die Clown-Diskussion, die Diskussion ums Kanzlergehalt und seine Nebeneinkünfte. Auch die im weiteren Spielverlauf folgende Mannschaftsleistung konnte nicht voll überzeugen. Da half auch die eigentlich gelungene Performance beim TV-Duell und die damit eingeläutete Schlussoffensive nicht mehr. Der Rückstand war bereits zu groß. Auch die Einlösung des „Stinkefinger“-Jokers kurz vor Schluss sorgte lediglich für Unruhe auf dem Spielfeld, führte aber nicht mehr zu Toren.

Angela Merkel ist die Matchwinnerin und der Star des Spiels gewesen. Sie hat vorne Tore geschossen und hinten keine Bälle reingelassen. Die Taktik, die Kanzlerin und nichts als die Kanzlerin in den Fokus des Wahlkampfs zu stellen, ist voll aufgegangen. Als langfristige Strategie ist das vielleicht nicht brauchbar. Jetzt hat man ja erstmal vier Jahre Zeit eine Mannschaft aufzubauen, die auch ohne den Star die nächste Spielzeit überstehen wird.

 

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