Bundestagsvizepräsident - SPD-Politiker Thomas Oppermann gestorben

Der SPD-Politiker und Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann ist tot. Er sei am Sonntagabend nach Dreharbeiten mit dem ZDF zusammengebrochen, berichten mehrere Medien übereinstimmend.

Thomas Oppermann / dpa

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Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann ist im Alter von 66 Jahren gestorben. Zunächst berichteten die Fernsehsender RTL und NTV über den Tod des langjährigen SPD-Politikers, inzwischen hat seine Partei die Meldung bestätigt. Demnach sei Oppermann am Sonntagabend nach Dreharbeiten mit dem ZDF zusammengebrochen. Zur Todesursache gibt es bislang keine Informationen.

Oppermann war seit 1980 SPD-Mitglied und seit 2017 Bundestagsvizepräsident. Zuvor war er von 2013 bis 2017 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und von 2007 bis 2013 ihr parlamentarischer Geschäftsführer. 2005 zog er zum ersten Mal als Bundestagsabgeordneter in den Deutschen Bundestag ein.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil äußerte sich auf Twitter bestürzt über den Tod seines Parteikollegen:

Auch der SPD-Parteivorsitzende Norbert Walter-Borjans äußerte sich auf Twitter:

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle zeigte sich ebenfalls auf Twitter schockiert von der Todesmeldung:

Lesen Sie hier unser Porträt von Thomas Oppermann aus dem Jahr 2013.

gabriele bondzio | Mo, 26. Oktober 2020 - 08:35

Der Tod ist groß.
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns. (Rilke)

Es tut mir sehr leid für seine Angehörigen.

Holger Jürges | Mo, 26. Oktober 2020 - 09:29

Alle Zustimmung, alle Kritik und Politik endet bei solch einem tragischen Geschehen, das den Angehörigen unverhofft einen Menschen genommen hat.
An dieser Stelle ein wenig Melancholie:

Sommerende

Wenn sich sonngetränke Azaleen
leis zum Sommerende neigen -
langsam Blätter niederwehn -
fallen sie ins große Schweigen.

Traumgetrag'ne Blütenzeiten
schauen bang in fremde Räume -
o, wie laut getönt bestreiten
wir die allerhellsten Träume.

Malen uns in schönsten Farben
ein prächtig neues Erblühen,
nachdem die Azaleen starben,
nach all den Sommermühen...

Ich möchte mit dem Gedicht eines großen Poeten antworten,
Rainer Maria Rilke:

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Den Angehörigen von Thomas Oppermann spreche ich hiermit mein Beileid aus.
Christa Wallau

Ich schließe mich an, mit Worten von Joachim Ringelnatz:

Auf ein Grab

Ein Wind, gütig fächelnd,
Läßt Blätter und Tränen verwehn.
Empfange einst lächelnd,
Die weinend dir nachgesehn.

Gewesen, nicht vergessen;
Erinnert, doch verziehn.

Was uns Besitztum schien,
Hat keins von uns besessen,
War höchstens nur geliehn.

Abschiedsgedicht

Wirst du einst bunte Blumen bringen,
mir, zu meinem Grabe?
Wenn die Melodien der Welt erklingen,
bist mir dann noch nahe?

Vielleicht ein Röschen, hingestellt,
das sich ganz schüchtern neigt -
in Orpheus stille Welt,
die unsre Zeiten übersteigt.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo, 26. Oktober 2020 - 10:30

mein tiefes Mitgefühl.
Er wird vielen unvergessen bleiben.
Ich bitte herzlich darum, es nicht misszuverstehen, wenn ich Thomas Oppermann von meiner Seite aus etwas Persönliches mit auf den Weg gebe.
Ich mochte und schätzte Dich Thomas.
Du bist viel zu früh gegangen.

Dorothee Sehrt-Irrek

... alles fließt ...

Sehen Sie Frau Sehrt-Irrek, noch kürzlich hatten Sie Herrn Oppermann in einem Ihrer Postings lobend erwähnt - pantha rei.

Ich hatte Ihnen geantwortet, dass Herr Oppermann wohl besser Richter geblieben wäre; dann wäre er bereits Pensionär gewesen.

In der Tat war er mMn einer der guten SPD-ler, eher noch dem "alten Schlage" zugehörig.
Solche Kaliber sind kaum noch vorhanden, q.e.d.

Immerhin "ein schöner Tod" wie meine supertolle Oma Miechen gerne sagte, wenn Gevatter Hein kurz, unvermittelt und schmerzlos zuschlug.
Sie selbst hatte dieses Glück leider nicht, ganz im Gegenteil!
Sie kämpfte letztlich bis zur erlösenden Nachricht der Geburt ihrer ersten Urenkelin.
Ein letztes qualvolles, verzerrtes Lächeln - drei weitere Schlaganfälle und SCHLAFEN!

Sie war eine sehr gläubige Zeitgenossin und SPD-Anhängerin.
Vielleicht trifft sie ja den Herrn Oppermann im "Himmel"?

Alles Gute für Sie!

Rainer Mrochen | Mo, 26. Oktober 2020 - 10:37

Einmal sterb ich, weiss nicht wann.
Heut schon oder morgen.
Jäh oft bricht der Tod heran,
doch mir bleibt`s verborgen.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 26. Oktober 2020 - 10:53

auch wenn ich seine politische Einstellung nicht immer teilen konnte. Eloquent, anständig im persönlichen Umgang, immer sachlich und angenehm bei Talksshows und anderen öffentlichen Auftritten, so habe ich ihn medial erlebt. Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abtreten? Für die Angehörigen nie. Ihnen gilt meine Anteilnahme.
Für ihn selbst ein schöner Tod. Jetzt, gleich auf der Stelle, ohne Krankenhausaufenthalt, ohne Apparatemedizin, ohne entwürdigendes Dahinsiechen.
Die SPD verliert einen der "alten" Garde, der noch Anstand und Pflichtbewusstsein vorlebte.
Solche Menschen werden in der Politik immer weniger.
Ruhen Sie in Frieden Herr Oppermann.

Thomas Hechinger | Mo, 26. Oktober 2020 - 13:02

In reply to by Ernst-Günther Konrad

Mir geht es ähnlich wie Ihnen. Trotz seines Verhaltens im Untersuchungsausschuß zur Visa-Affäre 2005 und seiner etwas dubiosen Rolle im Edathy-Skandal bleibt er mir in Erinnerung als Gentleman. Vielleicht gerade deshalb, weil es von dieser Sorte in der SPD nicht mehr viele gibt. Er hätte es verdient, Innen- oder Justizminister zu werden. Und er hätte es mit großer Wahrscheinlichkeit besser gemacht als die, die diese Ämter inzwischen versehen haben. Es hat nicht sollen sein. Möge er in Frieden ruhen.

Hans Willi Wergen | Mo, 26. Oktober 2020 - 13:22

In reply to by Ernst-Günther Konrad

weil er immer sachlich und fair war.
In den Talkrunden und überall immer mit einem leichten lächeln auf den Lippen.
Ein guter Demokrat, aber leider ohne den großen Durchbruch zu schaffen.
Wenn alle in seiner Partei so wären, würde es vielleicht wieder aufwärts gehen.
Für die Zukunft Deutschlands wünschte ich mir mehr solcher Typen, allerdings mit mehr Durchsetzungsvermögen.
Mit den "Blendern" von Heute wird es keine Zukunft mehr geben.

Einer der letzten aufrechten, vernunftbegabten und uneitlen Sozialdemokraten ist tot. Ich hatte seine Politik immer mit Interesse und meist auch mit Sympathie begleitet. Die Lücke, die Thomas Oppermann hinterlässt, wird nicht zu schließen sein, weil diese Lücke nach dem Geschmack des aktuellen Hauptpersonals der SPD auch gar nicht mehr geschlossen werden soll. Bei manchem Nachruf aus diesen Reihen beschleicht mich ein schales Gefühl, angesichts der seit Jahren praktizierten Anwürfe gegen die „Seeheimer“, denen Oppermann angehörte. Das alles entmutigt und macht traurig. Diejenigen Politikerinnen und Politiker in der SPD, die der normalen Bürgerschaft nahestehen, werden immer weniger. Thomas Oppermann verdiente unsere Sympathie.

Jürgen Keil | Mo, 26. Oktober 2020 - 15:09

Was bleibt?

Gelb, rotes Strahlen,
betörender Farbrausch sind
Täuschung nur.
Vielfalt bunter Vergänglichkeit
Schönheit des Abschieds
Vergeblichkeit des Haltens.
Des Windes Erbarmungslosigkeit
zwingt zum Fall, weht Ahnung
was bleibt?
Feuchtes Laub am Schuh.

Es eilt der Schritt, tritt ein in
die blauen Stunde deines Lebens.
Schon geizt der Tag mit Helle und
die Nacht hebt ihre dunklen Schwingen.
Es drängt den Blick nach vorn in
schmerzschwangere Unendlichkeit.
Blicke zurück
auf vergebliches Mühen.
Was bleibt?
Angst und Trauer
J.K.
Ich spreche den Angehörigen mein Beileid aus!

Astrid Bleikart | Mo, 26. Oktober 2020 - 18:49

Einer der wenigen symphatischen Politiker, die noch Charakter hatten.
Tut mir sehr leid für ihn, schon so früh gehen zu müssen und seine Familie, die einen liebevollen Vater und Partner verlor. Hätten wir doch mehr solcher Politiker. Sie sind leider so rar geworden. Gott behüte ihn und lasse ihn sanft ruhen.

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