- In Sachsen offenbart die Brandmauer ihren größten Konstruktionsfehler
Im sächsischen Landtag haben die Grünen gemeinsam mit der AfD gestimmt. Ein Versehen, beteuert die grüne Fraktion. Dabei ist das einfach nur echte Demokratie statt „unsere Demokratie“. Über den größten Konstruktionsfehler der Brandmauer.
Brandmauern werden nicht gebaut, um Brände zu verhindern. Sie entstehen aus der Einsicht, dass Feuer manchmal unvermeidlich ist, und es dann darauf ankommt, seine Ausbreitung zu stoppen. Entscheidend ist, offenbart eine kleine Internetrecherche dem architektonischen Laien, dass die Brandmauer vom Fundament bis unter das Dach reichen muss. Eine Brandmauer wirkt nur absolut. Eine Brandmauer mit Rissen und Lücken ist keine Trennung mehr. Sie ist bestenfalls Dekoration.
Bei der politischen Brandmauer ist das im Prinzip genauso. Wer die Brandmauer zur AfD – trotz aller schlagkräftigen Argumente dagegen, die sich in den vergangenen Jahren zu einem richtig großen Haufen angesammelt haben – als notwendigen Schutzwall gegen die Wiederkehr des Nationalsozialismus begreift, muss kompromisslos durchziehen. Denn sonst verkommt eben auch die politische Brandmauer zur reinen Dekoration. „Kein Fußbreit den Faschisten“ und so.
Dafür würde die Brandmauer aber auch stehen
Doch die Brandmauer hat einen entscheidenden Konstruktionsfehler. Würde es in der Demokratie nur darum gehen, aktiv politische Mehrheiten zu finden, wäre genannte Kompromisslosigkeit machbar. Auch gegen wachsende AfD-Mehrheiten. Man müsste in letzter Konsequenz zwar immer wieder die eigenen Überzeugungen verraten und auch sonst ziemlich verrückte Dinge tun. Zum Beispiel, notfalls gegen die eigenen Anträge zu stimmen. Dafür würde die Brandmauer aber auch stehen, breit und hoch. Kompromisslos eben.
Tatsächlich aber geht es in der Demokratie, und das wird häufig vergessen, nicht nur darum, politische Mehrheiten zu finden. Man kann von ihnen auch gefunden werden. Eine Fraktion bringt einen Antrag ein und alle Fraktionen respektive alle Abgeordneten können dafür oder dagegen stimmen oder sich enthalten. Welchen Antrag eine Fraktion einbringt, das hat sie selbst in der Hand. Die Abstimmung darüber aber nicht. Heißt folgerichtig: Je größer eine AfD-Fraktion – und je kleiner entsprechend alle anderen –, desto entscheidender, wie die AfD respektive ihre Abgeordneten dann stimmen.
Womit wir bei der jüngsten Brandmauer-Aufregung angekommen wären. In Sachsen ist gerade ein Antrag der Landtagsgrünen zur Unterstützung kleiner Schlachtbetriebe auch mit Stimmen der AfD-Fraktion angenommen worden. Im Antrag beklagte die Ökopartei etwa, dass kleine Schlachtbetriebe durch die Gebühren für Fleischuntersuchungen im Vergleich zu Großbetrieben übermäßig belastet seien. Gefordert wurde eine Gebührensenkung. Mit einer knappen Mehrheit von 55 zu 52 Stimmen wurde der Antrag schließlich angenommen. Für ihn stimmten Grüne, BSW und AfD. Dagegen stimmten CDU, SPD und Linke.
Ein erfrischend nüchterner Vorgang
Wenn die Vegetarier- und Veganerpartei die Grünen ausgerechnet mit der AfD stimmt, um kleine Schlachthöfe zu retten, dann ist das erstmal eine gute Nachricht für die Demokratie. Nicht für „unsere Demokratie“, sondern für die echte; für das Original ohne ideologische Karawane hintendran. Bizarr ist das Ganze auch, keine Frage. Aber angesichts all der hysterisch geführten Debatten im Land ist der Vorgang von einer erfrischenden Nüchternheit. Und das gleich doppelt.
Zum einen haben die Grünen hier offensichtlich eine inhaltliche Entscheidung getroffen, keine symbolische und keine ideologische. Wenn die Grünen kleine Schlachthöfe unterstützen, weil das realpolitisch Sinn macht aus ihrer Sicht, dann darf das zugunsten der Ökopartei als respektabler Sprung über den eigenen Schatten gewertet werden. Ungerechtigkeit erkannt, Ungerechtigkeit gebannt.
Zum anderen ist diese Entscheidung eben mit Stimmen von AfD und BSW zustande gekommen. Auch das ist erfrischend. Mehrheiten gesucht, Mehrheiten gefunden – respektive: von diesen Mehrheiten gefunden worden. Man stelle sich nur vor, das wäre in der Politik immer so. Dass es in Abstimmungen darum geht, ob ein Antrag richtig ist oder falsch. Nicht darum, von wem er kommt oder wer sich sonstwie zu ihm verhält: Ich glaube, dieses Land wäre ein besseres Land. Nennen Sie mich ruhig Romantiker.
Doch auf Spott darf verzichtet werden
Es wäre nun ein Leichtes, über die Grünen in Sachsen zu spotten. Schon der prompten Reaktion der Partei wegen, die jetzt mit dem Besenwagen zum ideologischen Reinemachen angefahren kommt. Franziska Schubert, Fraktionsvorsitzende der Grünen im sächsischen Landtag, will jetzt nämlich „sehr bestürzt“ sein, wie es in einer Erklärung heißt. Und weiter: „Wir haben zu keinem Zeitpunkt eine Mehrheit mit der AfD und dem BSW für diesen Antrag gesucht.“
Doch auf Spott darf hier verzichtet werden. Denn richtig ist: Die Grünen haben keine Mehrheit mit der AfD gesucht. Richtig ist aber auch: Die Grünen und alle anderen Parteien, die sich „die demokratische Mitte“ nennen, sperren die AfD mit der Brandmauer schon lange nicht mehr aus, sondern sich selbst zunehmend ein. Das gilt in besonderem Maße für die Union, die sich wegen der Brandmauer linken Parteien unterworfen und von deren Gunst abhängig gemacht hat. Das gilt aber auch für diese linken Parteien selbst. Weil sie ein Konzept predigen, das nicht funktioniert.
Das zeigt sich dort, wo man selbst keine Mehrheiten sucht, sondern von ihnen gefunden wird. Wie jetzt in Sachsen. Es zeigt sich dort, wo die AfD heute so stark ist, dass sie absolute Mehrheiten erringen könnte, wodurch die Brandmauer sich einfach selbst überleben würde. Wie in Sachsen-Anhalt vielleicht. Und es zeigt sich dort, wo gestandene Politiker Buße tun müssen, weil sie einen Antrag durchbekommen haben. Das kann doch niemand mehr ernst nehmen. Das ist politisches Kasperletheater. Und der einzige Grund, sich darüber nicht lang und breit lustig zu machen, ist dieser: Die Zeiten sind eigentlich zu ernst für diesen ganzen Bekenntnisquatsch.
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Der größte Konstruktionsfehler unserer Demokratie sind Absprachen vor Abstimmung!
Warum die CDU dagegen war, siehe unten, dass die SPD ebenfalls gegen den Erhalt kleinerer Schlachtbetriebe ist zeigt nur das diese Partei keinerlei Interesse hat in den nächsten sächsischen Landtag einziehen zu wollen!
Nach den Schlachbetriebsschließungen folgen die Viehzüchterpleiten, da die Marge so gering ist das der Transport zum entscheidenden Faktor über Profit oder eben Verlust wird. War in MV und BB zumindest so. Die SPD hat es sich offenbar zur Aufgabe gemacht die Reste der ostdeutschen Wirtschaft noch abzuwickeln, Tönnies und Co. sind bestimmt CDU Mitglieder oder Spender...
oder zum 1. April oder zu Pfingsten mal guter Feiertagslaune, dann könnte sie aus dieser Laune heraus mal einen Tag lang allen Anträgen der brandmauernden Parteien fröhlich zustimmen.
Es würde bestimmt ein fröhlicher Tag werden, oder etwa nicht?
Nix für ungut! Ich weiß schon, man treibt keine Scherze in so ernsten Sachen!
Die Brandmauer soll im tiefen Grunde ein Bollwerk gegen Menschenfeindlichkeit und andere Abgründe sein, bei denen es nichts zu verhandeln gibt. Für die Demokratie, Menschenrechte, Miteinander, die Wahrheit etc. und gegen Menschenfeindlichkeit, Rassismus, etc. So in etwa.
Klingt gut, muss man natürlich auch so machen, wenn es gegen Abgründe und Menschenfeinde geht. Man kann auch tatsächlich Millionen Menschen vorweisen, die erschüttert und betroffen sind.
Das Problem scheint mir nur, dass eine Verteidigung der Menschlichkeit, die immer größere Teile der Menschen dafür als menschenfeindliche Unmenschen auszusortieren sucht, auf einem sehr schmalen Grat wandert. Dann probiert man es damit, dass die Menschen schon ok seien, nur verführt: auch schwierig für die Demokratie, weil man Unmündigkeit zum Normalfall erklärt. Dann soll es wieder einfach "normal-politisch" dumm sein - was keine Brandmauer rechtfertigt.
Mein Eindruck ist, dass unsere Gesellschaft zur Zeit überfordert ist.
... derer, die die Brandmauer in der Sache tatsächlich ernst meinen.
Es gibt meines Erachtens leider aber auch sehr, sehr viele hinter der Brandmauer, die sich mit dieser Mauer einfach die Mühe des eigenen Nachdenkens und der Argumentation mit Andersdenkenden ersparen wollen. Sie wollen einfach wie gewohnt in alle Ewigkeit weitermachen, egal wass passiert.
Lieber Romantiker, ääähhhh Herr Krischke,
wie ich gerade auf bei Welt gelesen habe, macht Frau Paula Piechotta, Grünen-Bundestagsabgeordnete aus Leipzig noch folgende Vorschlag, um solch unerwünschte Abstimmungsergebnisse zu heilen.
Sie möchte sofortige Abstimmungswiederholungen als Option wenn BSW, oder noch schlimmer die AFD ihren Anträgen zustimmt.
Dann hätten die Grünen (und andere) also die Möglichkeit ihren eigenen Antrag abzulehnen. 🤔🤪😂
Es wird immer irrer in "unserer Demokratie" .
Ich freue mich auf die kommenden Wahlen in diesem Jahr, mal schauen was da noch alles an Lächerlichkeit hochkommt.
Schönen Tag noch
Als die Debatte über ein AfD-Verbot so richtig in Fahrt kam, habe ich eine Warnung an CDU und CSU ausgesprochen: Glaubt ihr, die Linken mögen euch und ihr seid irgendwie gelitten? Die brauchen euch im Moment noch. Aber wenn die AfD erst mal abgeräumt wäre, wärt ihr die nächsten.
Die CDU durfte einmal davon kosten, was ihr blüht, wenn die linken Parteien und ihre Antifa-Truppen zum Sturm blasen, als zusammen mit der AfD jener Antrag zur Migrationspolitik im Januar 2025 durchkam. Statt standzuhalten ist die CDU vor Angst eingeknickt. Wenn man aber der Gewalt weicht, fällt man ihr schließlich zum Opfer. Die Brandmauer wurde der Union von den linken Parteien zum eigenen Machterhalt aufgeschwätzt. Denen nützt sie, der Union schadet sie. Was die verbündeten Linken vom Bundeskanzler Merz halten, konnte man auf dem DGB-Kongreß und jetzt auf dem Katholikentag eindrücklich erleben. Und der Herr Merz glaubt immer noch, die Gefahr für ihn komme von rechts. Wie kann man nur so dumm sein!
eine Mehrheit durch die Stimmen der AfD verhindern wollen, dan hätten sie im zweiten(demokratisch fragwürdigen) Wahlgang sich der Stimme enthalten, so aber ist das nur eine scheinheilige Posse.
F90 & F120 die in Minuten den Feuerwiederstand angeben und nach deren zeitlichen Ablauf, selbige seine Wirkung verliert ….. Auf die spezifischen Bauausführungsmöglichkeiten möchte ich an dieser Stelle nich weiter eingehen …..
Brandmauern werden oft in Hallen ähnlichen Konstruktionen eingesetzt um bestimmte Lager od. Produktionsabschnitte zu schützen. Wie z.B. in Logistik Centern , Produktionshallen oder anderen großflächig genutzten Bauwerken.
Im Wohnungsbau gibt es diese Nutzung ebenfalls um ein Übergreifen eines Brandes von einer zur anderen Immobilie zu erschweren. Immer ach da unter dem Aspekt des zeitlich begrenzten Einsatzes.
Überträgt man diese technisch genau definierte Brandmauer- Thematik nun auf die aktuelle Politik, muss ich sagen, die Zeit der Standsicherheit ist abgelaufen und die Brandmauer fällt in sich zusammen.
Das Feuer muss nicht nur negative Folgen haben. In der Natur ist Asche ein guter Dünger und den braucht dieses Land, dringend ! !
MfG a d Erfurter Republik
Direkt durch die Brandmauer!?Das gibt aber jetzt einen Anschiss😩...Wie kommen diese unverschämten Typen von BSW und AfD nur dazu mir zu zustimmen und mich in die Falle zu locken! Na wartet! Das nächste Mal wird sooo lange Probe abgestimmt bis es passt! Antrag hin oder her!Schliesslich ist man Experte in Sachen Haltung und Schüsse ins eigene Knie;). So!Und jetzt noch ein tiefen Bueckling Richtung Berlin,und die Sache ist geritzt🤢! MfG
kommunistischen BSW dürfte die Wassermelonenpartei (außen grün, innen rot mit braunen punkten) wohl nichts gehabt haben.
Bin gespannt, ob nach dem "Bueckling Richtung Berlin", die Rücknahme des Gesetzeswentwurfs kommt, denn Sie haben schon recht, wenn die AfD sagt, heute ist Sonntag, dann können und dürfen "unsere Demokraten" nicht zustimmen, auch dann nicht, wenn heute Sonntag ist......
Bin zwar gerade nicht in Südafrika lieber Herr B., aber das muss natürlich sofort rückgängig gemacht werden!!! Außerdem erwäge ich ein Verbot dieses demokratiegefährdenden Wochentags! MfG
Ja Herr Krischke, genau das ist es! Und das, was die linken Blockparteien um die Grünen in diesem Land mit der antidemokratischen „Brandmauer“ abziehen schadet dem Deutschland massiv! Je schneller sie fällt, desto besser für Demokratie und Land.
Es ist traurig, daß ein für eine funktionierende Demokratie vollkommen normaler Vorgang überhaupt erwähnt werden muß. Es zeigt aber, in welch desolatem Zustand „unsere Demokratie“ ist, und zwar nicht wegen der AfD, sondern wegen der linken Blockparteien um die Grünen und ihrem ÖRR!
Die „nie wieder“ Brüller und selbsternannten „Retter der Demokratie“ sind es die die Demokratie zerstören!
