Bundeskanzlerin Angela Merkel hält im Januar 2016 eine Rede in Magdeburg / dpa

Der Blick von außen auf die Ära Merkel - „Die demokratische Ordnung ist Unordnung“

In einer sechsteiligen Folge ziehen Beobachter aus dem Ausland eine Bilanz der Amtszeit von Angela Merkel. Hier schreibt der schweizerische Journalist Frank A. Meyer, warum der Bundeskanzlerin die Lust auf das demokratische Geschehen und auf Debatten fehlten. Und konstatiert ein geradezu „wilhelminisches Duckmäusertum“ der deutschen Medien.

Autoreninfo

Frank A. Meyer ist Journalist und Kolumnist des Magazins Cicero. Er arbeitet seit vielen Jahren für den Ringier-Verlag und lebt in Berlin.

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Was sind 16 Jahre? Eine lange Zeit. Was sind 16 Jahre Merkel? Eine sehr lange Zeit. Eigentlich Zeit genug für eine Ära. Ihre Bewunderer schreiben der scheidenden Kanzlerin dieses historische Attribut bereits zu: Sie sei Begründerin einer Epoche, wenn nicht eines Zeitalters. 

Ganz falsch ist das nicht. Doch unter welche Epochen-Rubrik würde die Merkel-Zeit fallen? Am zutreffendsten wäre wohl das Stichwort: Ära der Unpolitik. Präziser: der Apolitik. Wenn nicht der Antipolitik. Wie das? Hat die Hausherrin des Bundeskanzleramts ihr Land nicht achtsam durch Fährnisse konfliktträchtiger Zeiten geführt? Nannte man sie nicht „die mächtigste Frau der Welt“? Was mehr war als nur leere Huldigung: Mit der dicken Brieftasche im Reisegepäck wurden Deutschlands Kanzler schon immer rund um den Globus respektiert, oft genug auch sehnlich erwartet. 

Deutschland ist ein freigiebiges Land, stets bereit, seine niemals vergehende Schuldlast mit Geld zu mindern. Angela Merkel wandelte in den Fußstapfen ihrer Vorgänger, wenn sie, nicht ohne Grazie, über die roten Teppiche aller fünf Kontinente tänzelte.  Das hat sie gut gemacht, weil gut verstanden: Deutsches Regierungspersonal ist der Welt etwas schuldig. Doch Politik war das nicht. Ein Entwurf, das Projekt einer Außenpolitik gar fehlt: EU, USA, China, Russland, Afrika – in keiner großen Rede verriet Merkel, was ihr dazu über den Tag hinaus einfiel.

Ideelle Bescheidenheit

Es gab da auch nichts zu verraten. Und große Reden hielt die ehrliche Maklerin des politischen Alltags ohnehin nicht. Vielleicht gerade darum nicht. Man kann die ideelle Bescheidenheit auch wohlwollend betrachten: als charakterliche Stärke, als Verzicht auf jegliches Auftrumpfen – und damit dem wirtschaftlich übermächtigen Deutschland auf kluge Weise angemessen. Doch weshalb die Vermeidung des Politischen auch in der Innenpolitik? Weshalb keine große Rede, die der Bürgerschaft Perspektiven hätte bieten können? 

Der Ausstieg aus der Atomwirtschaft: Reflex auf Fukushima, im Augenblick der fernen Katastrophe opportun, im Rückblick opportunistisch. Die Öffnung der Grenzen 2015: spontane Anpassung an den Druck der Stunde, populistische Willkommenskultur ohne Perspektive. Die Abschaffung der Wehrpflicht: Tribut an eine flüchtige Zeitstimmung, sicherheitspolitisch ein fatales Signal. Drei Großvorhaben, denen nie eine Strategie zugrunde lag – und die nie die Dimension eines gesellschaftlichen Projekts erkennen ließen. Alles immer ohne Politik, weil erklärungsfrei, weil ohne weiterführenden Gedanken, ohne Idee, ohne tiefere Überzeugung.

Als Beispiel dafür historisch geworden der Satz, mit dem die Kanzlerin die Folgen ihres leichtsinnigen Kontrollverzichts an der Grenze und das Hereinströmen einer Million Migranten kommentierte: „Wir schaffen das.“ Wer ist „wir“? Was heißt „schaffen“? Wer schafft was? Die politischen Fragen, die der dürftige Spruch nahelegte, hat Merkel nie beantwortet. Warum eigentlich nicht? Sie ist eine sehr intelligente Frau. Eine analytisch begabte auch. Sie hatte Gründe für dieses Verschweigen: Reden provozieren Gegenreden. Reden und Gegenreden aber – sind Politik.

Ohne Vertrautheit mit Debatte

Hatte Merkel Angst vor Politik? Ja, denn ihr fehlte die frühe Vertrautheit mit der politischen Kultur einer offenen Gesellschaft – mit der Debatte. Ein Unbehagen, das in ihrer DDR-Sozialisation wurzelt: im Aufwachsen unter Verhältnissen, die bürgerschaftliches Engagement nicht vorsahen, die Citoyens und Citoyennes als Systemfeinde ausgrenzten, von Rudolf Bahro über Wolf Biermann bis Monika Maron. Was in der DDR von den herrschenden Parteifunktionären dekretiert wurde, war vom Volk zu akzeptieren als: „alternativlos“ – ein Schlüsselwort auch von Angela Merkel.

Oh doch, Angela Merkel ist ohne jeden Zweifel und ganz unerschütterlich eine Demokratin – eine Kopf-Demokratin. Lust aufs demokratische Geschehen, Leidenschaft für Streitgetümmel sind ihr fremd. Lust und Leidenschaft jedoch sind Lebenselemente der Demokratie: Widerrede Tag und Nacht und ungeordnet. Die demokratischen Niederungen sind ein Dürrenmatt‘sches Durcheinandertal, voller Irrungen und Wirrungen. 

Die demokratische Ordnung ist Unordnung. Wer wüsste das besser als die Schweizer, die mit Referenden und Volksinitiativen die säuberlich aufgelisteten Traktanden ihrer Regierung immer wieder durcheinanderbringen? Denn so ist es doch: Demokratie will erstens erlernt und zweitens geliebt sein. Ganz anderen Gesetzen dagegen gehorchen Macht und Machterhalt. In diesen beiden Disziplinen war Merkel die Meisterin.

Mundfaule Politik

Weshalb aber funktionierte ihre mundfaule Politik 16 Jahre lang, ohne heftigen Widerstand der Bürger und ihrer journalistischen Treuhänder zu wecken? Deutschland verfügt doch über imposante, über mächtige Medien, die früheren Kanzlern auch kleinere Fehler großformatig vorrechneten: im Spiegel, dem einst besten Magazin der Welt mit ätzender Schärfe; in der Süddeutschen Zeitung, dem linksliberalen Leitorgan Deutschlands in schneidender Sprache; in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dem währschaften Bewahrerblatt der Bundesrepublik mit knorrig-mahnendem Grundton. 

Ein geradezu wilhelminisches Duckmäusertum prägte die journalistische Szene der Merkel-Zeit. Erst in den vergangenen Jahren, vor allem seit dem Migranten-Ansturm 2015, wurde die unterwürfige Medien-Mentalität konterkariert: durch die Springer-Zeitungen Bild und Welt, durch das von Ringier gegründete Magazin Cicero, durch die Neue Zürcher Zeitung, deren Deutschland-Redaktion täglich alternativ über die alternativlose deutsche Politik berichtete. Soll noch die Rede sein vom öffentlich-rechtlichen Radio- und TV-Journalismus, dem moralgesättigten Erziehungsjournalismus von früh bis spät? Da schweigt des Kollegen Höflichkeit.

Medienmenschen, vom Programmdirektor und Chefredakteur bis zum Lohnschreiber und Leserbriefbetreuer, sind nun mal am liebsten dort, wo die Macht sitzt, beispielsweise mit der Kanzlerin im Regierungsflugzeug auf Auslandsreisen, natürlich auch in der Bundespressekonferenz, wo selbst eine „atmosphère feutrée“ zum guten Ton gehört. So wurden denn – bis in den aktuellen Wahlkampf hinein – Probleme, die den Bürger bedrängen, beredt verdrängt: Bildungsmisere, Digitalrückstand, Migrantengewalt gegen Frauen, Homosexuelle und Juden, Integrationsverweigerung durch islamische Parallelgesellschaften.

Mediale Türsteher

Wer immer sich solcher Themen anzunehmen wagte, landete im publizistischen Abseits und wurde als Rechter geschmäht. Die Bezeichnung „rechts“ gilt seither als Stigma, „links“ als Auszeichnung – gekoppelt mit „grün“ sogar als höchstes Qualitätslabel.  So sieht sie aus, die hübsch zurechtgerückte Werte-Welt der Merkel-Jahre, eifersüchtig bewacht von medialen Türstehern – publizistischen Protzen einer akademischen Kaste, deren Kaiserhof vier Wahlperioden lang das Kanzleramt war.

Der britische Economist, ein weltweit herausragendes Wirtschaftsblatt, brachte unlängst auf den Punkt, was in Deutschland behandelt wurde wie des Kaisers neue Kleider: „Es ist schwer, auch nur eine einzige weitreichende Reform zu finden, die in einer der vier von Merkel geführten Regierungen beschlossen wurde.“ Das Schweigen muss ohrenbetäubend sein, damit sich eine Regierungschefin so etwas erlauben kann. Das Schweigen der Lämmer.

Annette Seliger | Di, 28. September 2021 - 13:17

Merkel hat eine Ausbildung in Agitation und Propaganda genossen und was die "medialen Türsteher" betrifft, begann ihre Einflussnahme durch die "Entfernung" des ZDF Chefredakteurs Herr Brender. Das war ein Signal an allen Kritiker oder nicht linientreuen Angestellten in den öffentlich rechtlichen Anstalten vor den Kameras genau aufzupassen was sie sagen. Über die politischen Fehlleistungen (Energie, Eurorettung und Migration) möchte ich mich nicht mehr auslassen. Alles entscheidend war immer die fehlende öffentliche Debatte, über der das Damoklesschwert der sozialen und wirtschaftlichen Ächtung schwebte. Wahlen sind immer rückwärtsgewandt und selbst diese einfache Regel hat Laschet nicht verstanden. Die Wahlen waren eine Abrechnung der Bevölkerung mit dem System Merkel und ihrer Politik. Das staatsmännische Gehabe der Grünen als Klima Weltenretter ist nicht anderes als ein Marketingkonstrukt für den sozialistischen Dirigismus - gepaart mit der Hybris das Klima regeln zu können.

Gerhard Lenz | Di, 28. September 2021 - 13:45

bestätigt nur, was der durchschnittliche Merkel-Kritiker seit Jahren denkt.

Ist das jetzt wirklich hilfreich? Beweist das irgendwas? Merkel war (ist) bis zum Ende ihrer Regierungszeit an der Spitze der Beliebtheitsskala zu finden. Und das ist es, was letztlich zählt: Die Anerkennung des Souveräns zu besitzen.

Jetzt geht Merkel, und mit ihr verschwindet die CDU wohl aus der Regierung.

Überfällig, in der Tat.

Aber es ist natürlich heuchlerisch und verlogen, Frau Merkel ein grundsätzlich schlechtes Zeugnis auszustellen. Und dem Economist geht es primär um fehlende Wirtschaftsreformen, die man vielleicht im FDP-Programm finden kann.

Es lädt natürlich zum Schmunzeln ein, wenn Herr Meyer ausgerechnet die krawallige Bild, neben der sturzkonservativen Welt, zu neuen Gralshütern der journalistischen Wachheit ernennt. Und ein wenig Eigenwerbung darf wohl sein: Der Cicero gehört dazu, und die NZZ, wo ein ehemaliger Cicero-Schreiber (Kissler) die deutsche Redaktion leitet...

grundsätzlich besser ist, einen Artikel genau zu lesen und zu verstehen, bevor man losdrischt.
Immer wieder kommen Sie mit Merkels tollen Umfragewerten, bzw. ihren Spitzenplatz in der Beliebtheitsskala.
Ja, da stand sie immer weit oben, doch vielleicht überlegen Sie mal, warum?

Herr Meyer trifft es voll auf den Punkt, wenn er von „wilhelminischen Duckmäusertum“ in den Reihen der Medien spricht. Hier fehlen die Zeichen, aber für mich stellvertretend steht ein Interview im SPIEGEL mit Merkel, der vor Unterwürfigkeit nur triefte. Es war irgendwann nach 2015. Merkel beim Kaffee – Einschenken, Merkels frühere (und noch immer vorhandene) Bewunderung für Amerika... Blablabla. Kein Wort zu den Problemen dieses Landes, gerade nach diesem Irrsinn von 2015.
Kein Wunder also, dass der Michel sie toll fand.
Nun denn, Sie beweisen, Herr Lenz, dass obiger Begriff des Duckmäusertums auch auf viele v Merkels Untertanen passt.
Ich werde allerdings nicht mit Ihnen trauern, dass die Dame bald weg ist.

Sie müssen nicht mit mir trauern - ich werde das nämlich auch nicht tun. Und da Sie regelmässig meine Beiträge lesen, müssten Sie eigentlich wissen, dass weder Merkel meine Kanzlerin ist, noch dass ich Unions-Wähler bin.

Gleichwohl bin ich im Gegensatz zu Ihnen noch in der Lage, zwischen den verschiedenen Parteien und Personen zu differenzieren, die links der rechtsextremistischen AfD angesiedelt sind. Für Sie sind das natürlich alles Reste eines morbiden Systems, Altparteien, Profiteure, unterschiedslos.

Und, ehrlich gesagt, Ihre Manie, jeden AfDler zu glorifizieren, alle Nicht-AfD-Wähler jedoch als Dunkmäuser oder Untertanen zu verunglimpfen, die zu dämlich sind, sich einer AfD-freien Obrigkeit zu widersetzen, wirkt ziemlich abgedroschen - so wie halt die üblichen Phrasen über den Mainstream oder die angepasste Presse.

Leben Sie ruhig weiter in Ihrer schwarz-weissen Welt, im dunklen Teil, wohlgemerkt, denn Deutschland ist ja in Ihren Augen sowieso am ...na Sie wissen schon.

Joachim Kopic | Mi, 29. September 2021 - 18:34

In reply to by Gerhard Lenz

zwischen den Parteien und Personen zu differenzieren, die rechts von der linksextremistischen Linken angesiedelt sind. Für Sie sind das natürlich alles Reste eines morbiden Systems, Altparteien, Profiteure, unterschiedlos.
Und, ehrlich gesagt, Ihre Manie (ACHTUNG, großer Unterschied!), jeden AfD'ler zu verteufeln usw. usw. Merken Sie was?
NB: Im Gegensatz zu Ihnen zähle ich meine Aussage eher als ironischen Beitrag ... mal drüber nachdenken ... Sozialkunde - Grundstufe

Gesagt ist noch nicht "gehört". Gehört ist noch nicht "verstanden".

Verstehen setzt aber Grundlagenwissen vorraus, um das gehörte objektiv einordnen zu können. Wenn man sein "Wissen" aber nur aus den Mainstreammedien bezieht, ist man dazu nicht in der Lage. Die Beliebtheitsskala führt Merkel nur in den Mainstreammedien an. Berichte, die dem widersprechen, werden in den MSM nicht veröffentlicht. Das bedeutet, der (kein gendern), der sein Wissen nur aus dieser Quelle bezieht, ist gar nicht in der Lage eine andere Sichtweise in seine "Überlegungen" einfliesen zu lassen. Die Frage ist: Kann man dieses einer Person dann ankreiden? Meine Antwort lautet: Nein! Man kann höchstens monieren, sich einseitig zu informieren. Da sind wir wieder bei der Medaille, die bekanntlch zwei Seiten hat.

Wer fertigt die Meinungsumfragen über die Beliebtheit der Kanzlerin etc.? Na wer? Richtig, die gekauften und korrumpierten Medien. We daran glaubt und an die Wahrhaftigkeit solcher Aussagen, der ist, wie man hier sagt, mit dem Klammersack gepudert. Pardon, Verehrtester, bleiben Sie so naiv, wenn es Ihnen nützt. Nichts für ungut.

Martin Falter | Di, 28. September 2021 - 13:45

Punkt gebracht Herr Meyer.

Danke dafür!
Schon jetzt gilt ihr Beitrag für mich, als die Zusammenfassung der bleiernen Merkel Jahre.
Es wird jetzt sicher in Mode kommen diese Zeit zu bewerten. Ich freue mich schon, wie Spiegel und Co ( war Jahrelang treuer Leser und Abonnent) da in die Realität wieder zurückfinden wollen/werden.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 28. September 2021 - 13:47

mit dieser Zeitschrift wurde das politische Leben für mich wieder erträglich.
Er* zeigte mir auch, dass ich in der SPD eine Konservative bin, staatstragend, wie ich sagen würde.
Auch, dass ich für politische Kultur streite, über alle Parteigrenzen hinweg.
Herrn Meyers Diagnose stimme ich in einem Punkt nur deshalb zu, weil das Wort Demokratie eben auch Kratos meint.
In unserer Bundesrepublik meint es aber eher nicht die Beherrschung der Massen, was ich Frau Merkel zuerkennen würde, sondern die Gesellschaft als verfassten Souverän.
Wie man den in der DDR hätte sehen können, vermag ich nicht zu sagen und evtl. nicht, wenn man im weiteren Kreis der Oberen vlt. auch nur mitlief.
Ich achte also gerade die Kritik an Merkel aus dem Osten von denjenigen, die es sich nicht aussuchen konnten, dort zu leben, anders als Merkel.
Ich hoffe, dass die gestandenen Ministerpräsidenten* im Osten den Pfad der verfassten Demokratie weitergehen und ihn festigen können, dass sich die Gräben einebnen.
DANKE!

Klaus Damert | Di, 28. September 2021 - 20:41

In reply to by Dorothee Sehrt-Irrek

Was ist ein "Er*" ? Ein Außerirdischer? Ein Ungeheuer? einfach Unfug? Verballhornung unserer schönen deutschen Sprache, der Sprache Luthers, Bürgers, Goethes?

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi, 29. September 2021 - 09:13

In reply to by Klaus Damert

zu Goethe habe, deshalb will ich gerne antworten.
Goethe ist doch einer der theosophierenden Literaten in Richtung spekulativer Naturphilosophie und -wissenschaft, der sich ganz klar in die Linie der Zauberflöte, in die Linie Mozart/Kant stellte.
Den Frauenanteil des Ciceros unberücksichtigt zu lassen, käme mir also fast einem Frevel gleich.
Hier schreibt eine Frau Hildebrandt und viele andere immer mal wieder.
Von meiner Seite aus kann ich mich also nicht nur im Sinne des "er" auf den Cicero rückbeziehen.
"Er, sie, es", Frau Christina Schröders Erbe für die CDU, braucht zu viele Zeichen, also nutze ich das Sternchen.
in der gesprochenen Rede oder bei mehr Zeichen hätte ich vom Team des Cicero gesprochen etc.
Nu?

Romuald Veselic | Di, 28. September 2021 - 13:49

(Un)Person kommentiert u. wir mich nicht weiter wiederholen.
Was noch schlimmer ist/war, wie sich die D-Medien zu dieser Person verhielten. Denn der Dame reichte nur A zu sagen; Rest des Alphabest, von B bis Z im Herunterleiern, erledigten in ergebener Unterwürfigkeit die Medien Kulis u. Domestiken, die auch die Panduren-Funktion übernommen haben, um Kontrahenten zu maßregeln, diffamieren o. kaltstellen.
Unter Angela M war es in D so lustig, ich erlaube mir den Vergleich, wie in Böhmen nach der Weißen Berg Schlacht (1618), als die Gegenreformation gestartet wurde. Sie trägt die volle Verantwortung für den gesellschaftlichen Zerfall im Land. Sie ist die politische Xanthippe, die Europa definitiv entzweite.

Gisela Fimiani | Di, 28. September 2021 - 13:49

Dass Demokratie „erlernt“ und „geliebt“ werden konnte, haben das System der Parteienherrschaft und ein, inzwischen absurdes, Wahlrecht verhindert. Das Land ist zur „Beute“ der Parteien geworden, die sich, jenseits der Wahlen, nicht mehr um ihren Souverän scheren. Die classe politique hat sich ihre „Lämmer“ erschaffen.

Maria Arenz | Di, 28. September 2021 - 14:11

16 Jahre Merkel-Flaute sind nun aber kein unentrinnbares Schicksal gewesen, die passieren nicht einfach wie ein Erdbeben, eine Dürre oder ein Überfall mächtiger Feinde. Diese "weiter so, Sie kennen mich" Sklerotisierung müssen ein Volk bzw. seine politische Klasse und seine Medien auch geschehen lassen. Dafür, daß jetzt endlich eine schonungslose Analyse dazu beginnt, warum das geschehen konnte, wer daran Schuld trägt und wieviel sich ändern muß, damit
Deutschland jetzt aus seinem Dornröschenschlaf aufwacht, ohne gleich wiede alles kurz und klein zu schlagen, ist das Abtreten von Merkel und die überfällige Räumung der Regierungsbank durch die CDU eine notwendige Bedingung. Aber keineswegs eine hinreichende.

Heidemarie Heim | Di, 28. September 2021 - 14:17

"Ächz!" Haben Sie mit Ihrem (Berufs-)Leben abgeschlossen geehrter Herr Meyer;)?! Früher wären sie wegen Majestätsbeleidigung gevierteilt, bestenfalls je nach Stand mit dem Schwert einen Kopf kürzer gemacht worden! GsD bedient man sich heutzutage nicht mehr solch physischer Strafen zur Unterdrückung! Die Vollstrecker haben ihre Instrumente gewechselt und beschränken sich auf die Vernichtung gesellschaftlicher Art, als da wären: Alter verbitterter weißer Mann/Frau-Schemata, Rufmord, Ehrabschneidung, (auch so ein uralter Begriff, aber funzt trotzdem noch immer), keine Einladungen mehr zum öffentlich-rechtlichen Talk, und wäre Herr Meyer ein stinknormaler Kommentator wie wir hier im Forum, wäre er für die meisten Medien-Accounts schon längst gesperrt;).Toleranz wie beim Cicero wird nicht toleriert, was manch einer der Kommentatoren auch hier schon eindrücklich bewies indem er Cicero und dessen Forum der Rechtsaußen Position bezichtigte. Und wen interessiert schon der Economist;)? MfG

Urban Will | Di, 28. September 2021 - 14:22

Artikel neu justieren, Herr Meyer. Sie haben wirklich Klasse.
Merkel, die „unerschütterliche Kopf – Demokratin“, Diskussionen, Streit, Widerrede scheuend (ich ergänze: bestrafend, denn kaum jemand ihrer parteiinternen Gegner ist noch da)
So ganz steige ich nicht dahinter, was genau Sie damit sagen wollen, denn durch ihre Erläuterung der Merkelschen Form des „Demokratie – Praktizierens“ sprechen Sie ihr die Demokratiefähigkeit ja quasi wieder ab.
Wer nur mit dem Kopf, nicht aber mit dem Herzen bei einer Sache ist, vertraut dieser nicht, sieht sie als etwas, das immer kontrolliert werden muss, hat eigentlich Angst vor dieser Sache. Vielleicht trifft es das im Falle Merkel. Daher auch ihre Macht – Spielchen.
Nie werde ich ihr verzeihen, dass sie im Falle Thüringen eine demokratische Wahl „rückgängig“ machen ließ. Aber ihre Büttel waren präsent und gehorchten.
Zu den Medien: Ihrem gewählten Begriff „wilhelminisches Duckmäusertum“ ist nichts hinzuzufügen.
Gottseidank nicht alle. Chapeau!

Werner Peters | Di, 28. September 2021 - 14:36

Die FAZ wandelt auf BILD's Spuren und sieht in Europa eine "riesige Lücke" nach Merkels Weggang. Eine Nummer kleiner geht nicht. Bei BILD sind es auch immer gleich "Riesen-Skandal", "Riesen-Probleme" oder "Riesen-Zoff". Wahrscheinlich sind es auch "Riesen-Journalisten", die sowas schreiben.

Christa Wallau | Di, 28. September 2021 - 14:36

lieber Herr Meyer.
Aber bitte verschweigen S i e nicht das laute Blöken von mutigen Böcken, die es in dieser Totenstille gewagt haben, ihre Stimme laut zu erheben!
Immerhin hat sich - infolge der katastrophalen, unterwürfigen Mentalität der Bürger und Medien, die der Kanzlerin untergeben waren und nachliefen wie Diederich Heßling seinem Kaiser - 2013 eine ganz n e u e Gegen-Partei in Deutschland herausgebildet!
Und es gab und gibt weiterhin einige w e n i g e Presse-Organe, die das fürchterliche Schweigen nicht komplett mitmachten:
z. B. der CICERO und die "Junge Freiheit" .
Wie wäre es, wenn Sie mal ein Lob sängen auf die mutigen Menschen, die - trotz 16 Jahre langer heftigster Anfeindungen und Diffamierungen - Merkel und ihrem Regierungshandeln die Stirn geboten haben?
Diese Leute hätten es verdient.

W.D. Hohe | Di, 28. September 2021 - 15:43

gezielt besetzt und entlassen werden kann, dann...
Deren Leitung, >>abhängig<< ausgestattet mit fürstlichem Einkommen und Versorgung welches - gemessen an vorhandenem Wissen, Intellekt, charakterliche Kompetenz, Geisteskraft, Kreativität - von den Aller- Allermeisten dieserart Beschäftigten nirgendwo anders verdient werden kann dann....
Wenn alle oberen, obersten Gerichte, Verfassungsschutz und desgleichen via Wimpernschlag entlassbar sind, dann...
Es sind nicht Die,Der,Das Einzelne...
Es ist der Boden auf dem dies gedeiht
Bestellt wird der Boden vom Menschen.
Für Schlussfolgerung braucht es keinen Prof.dies und -.das

Walter Müller | Di, 28. September 2021 - 16:15

FAM liefert als Schweizer neue Erklärungsansätze für die ungewöhnlich mundfaule Politik von A. Merkel: „ihr fehlte die frühe Vertrautheit mit der politischen Kultur einer offenen Gesellschaft – mit der Debatte. Ein Unbehagen, das in ihrer DDR-Sozialisation wurzelt.“ Die Prägung durch den sozialistischen Einheitsstaat und durch das protestantische Elternhaus mag einiges erklären, aber nicht alles. Merkels Persönlichkeit ist vielleicht noch wichtiger: Ihre Meisterschaft in den Disziplinen Macht und Machterhalt lässt sich ohne ausgeprägten Narzissmus kaum erklären: Schweigen ist Macht. Merkel war all die Jahre einfach da und hat das Tagesgeschäft Deutschland verwaltet: "erklärungsfrei, weil ohne weiterführenden Gedanken, ohne Idee, ohne tiefere Überzeugung." Diese unprätentiöse Alltagsbegleitung war für die meisten bequem und angenehm und erzeugte offenbar sogar Vertrauen. Erst im Rückblick und aus Distanz wird der Preis der Bequemlichkeit deutlich, der Zustand der Union ist ein Spiegel.

Christoph Kuhlmann | Di, 28. September 2021 - 16:21

Merkel hatte einen Großteil der weiblichen Wählerstimmen gepachtet mit ihrer konfliktscheuen und nichtssagenden Art. Die CDU hat jetzt Millionen von ihnen verloren.

Kai Hügle | Di, 28. September 2021 - 16:43

Aus der Cicero-Autoreninfo: "Frank A. Meyer ist Journalist und Kolumnist des Magazins Cicero. Er arbeitet seit vielen Jahren für den Ringier-Verlag und lebt in Berlin" - und zwar seit 25Jahren! Ist man da wirklich noch "Beobachter aus dem Ausland"?!
Man vernimmt hier doch eher einigermaßen bräsig vorgetragene Untergangsfantasien. Typisch deutsch, irgendwie. Insofern sind Sie, Herr Meyer, ein gutes Beispiel für gelungene Integration und Assimilation. ;-)
Ihr Lamento über totalitäre links-grüne-Gutmensch-Moralisten, hat man so oder so ähnlich schon 1000mal gelesen.
Das ist umso kurioser, wenn man weiß, dass Sie sich erst vor kurzem in einem Gespräch mit Herrn Gathmann als "eher links" eingeordnet haben. Ich gebe zu: So ganz komme ich da nicht mehr mit. Aber unterhaltsam ist es.

Ernst-Günther Konrad | Di, 28. September 2021 - 17:23

Ich schrieb es schon einmal, ich bin ein FAN von Ihnen, auch wenn ich punktuell nicht alles teile. Genau das macht es auch aus. Nicht immer in allem einer Meinung sein und dennoch miteinander debattieren, ohne den anderen zu diskreditieren. Manchmal auch nur schweigen und nachdenken, selber recherchieren und wieder denken, sich mit anderen austauschen und zuhören können, das alles fehlt den Medien, neben Neutralität und dem journalistischem Anspruch, zu schreiben was ist und sich nie mit einer Sache gemein zu machen.
Ich lese in diesem Artikel viele Aussagen, die viele Kommentatoren hier mal vehementer und mal leiser niederschrieben und nicht selten mussten sie sich von zwei Mitkommentatoren üble Dinge vorhalten lassen, weil wir uns wagen, unsere Meinung zu schreiben und in der Sache zu streiten.
Dieser Artikel spricht mir vollends aus der Seele und ich wünsche Ihnen noch lange diese Weitsicht und die Neutralität, die es braucht, um Politik so wertfrei wie möglich zu erklären. Danke.

Wolfram Rieger | Di, 28. September 2021 - 22:09

Frank das war sehr gut

Karl Napp | Mi, 29. September 2021 - 10:47

Zu viele Mitglieder aus dem Heßling-Clan auf den Sitzen des 19. Bundestages.
Sie orientieren sich jetzt fürs Procedere in gewohnter Manier vermutlich um.

Norbert Heyer | Mi, 29. September 2021 - 12:47

Frau Merkel war und ist für viele Demokraten schwer erträglich, verstand sie Demokratie doch immer in Verbindung mit Schlagworten, die auch in der DDR passend wären: "Wir schaffen das" und "Alternativlos." Genauso passend wie "Basta" oder als härtere Aussage: "Wollt Ihr den totalen Krieg?" Die Beliebheit von Politikern sagt sehr wenig über ihre historische Leistungen aus: Der Kaiser war beliebt, Bismarck auch, Hitler noch mehr und jetzt eben Frau Merkel. Tatsache ist, sie hat keine Reformen angestossen, die zukunftsweisend wären, sie hat die Dinge laufenlassen, bis unbedingt eine Entscheidung fallen musste - und das war im Regelfall eine für Deutschland teure, nachhaltige -vielleicht sogar abschaffende- Lösung. Es wird für jeden Nachfolger unmöglich sein, Deutschland wieder auf den richtigen Kurs zu bringen, dazu hat diese unscheinbare Frau aus dem Osten - absichtlich oder unbewusst - in unserem Land zuviel zerstört. Die Meinung über sie wird relativ schnell ins Gegenteil umfallen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 5. Oktober 2021 - 07:29

denn Merkel war, in welche Reihe wir sie nun auch immer stellen, Kanzlerin einer der besten Demokratien der Welt, der Bundesrepublik Deutschland.
Sie regierte also nicht alleine.
Insgesamt kann sich daher das Ergebnis sehen lassen, wird für mich aber erträglicher, wenn ich Merkel einfach ausblende.
Ohne sie wäre Schröder wohl noch einmal gewählt worden und dann seitens der CDU/CSU wahrscheinlich Volker Kauder und hat der nicht eigentlich auch "regiert"?
Es ist evtl. das positive Erbe einer sozialistischen DDR, dass wir eine Kanzlerin nur von dort zu erwarten hatten.
Merkel sehe ich eher als "Kontinuum" der DDR, wer wäre sonst möglich gewesen?
Als Konservative eher niemand, denn das könnte die massive negative Seite sozialistisch autoritärer Systeme sein, das Konservative schwindet.
Ex-DDR´ler können bessere Angaben über die in der DDR weggedrückte konservative Kraft machen?
Frau Merkel ist es m.E. eher nicht.
Vielleicht jemand in der Folge von Christa Wolf, Monika Maron, Bärbel Bohley?