Beherbergungsverbot - „Diese Kurzfristigkeit macht uns das Leben schwer“

Das kürzlich eingeführte Beherbergungsverbot für Touristen aus Risikogebieten steht bereits massiv in der Kritik. Wieder einmal leidet die Hotelbranche, die eine gute Auslastung während der Herbstferien dringend nötig hätte. Ein Usedomer Hotelier fordert vor allem eines: eine bessere Planbarkeit.

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Wegen der Beherbergungsverbote bleiben auch in der Herbstsaison viele Hotelzimmer frei / dpa

Autoreninfo

Johanna Jürgens hospitiert beim Cicero. Sie studiert Publizistik und Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Zuvor arbeitete sie als Redaktionsassistenz beim Inforadio des RBB.

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Rolf Seelige-Steinhoff ist Hotelier auf Usedom. Gemeinsam mit seinem Vater hat er die SEETELHOTELS gegründet, zu denen Ferienwohnungen und Residenzen auf der Insel zählen. 

Herr Seelige-Steinhoff, das Beherbergungsverbot kam für viele sehr überraschend. Wie haben Sie reagiert, als Sie von den neuen Reisebeschränkungen erfahren haben? 

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Heidemarie Heim | Mo, 12. Oktober 2020 - 21:01

Oder man kann auch sagen, eine Schneise der Verwüstung in und um die Touristik wird damit gerade geschlagen. Mich verwundert sehr, wie geduldig sich diese m.E. ebenfalls systemrelevante Branche ein ums andere Mal von der Politik und den jeweiligen Regierungen fast schon drangsalieren und sich ihrer Existenzen berauben lässt. Wird Urlaub und Tapetenwechsel nach Corona wieder wie im letzten Jahrhundert ein Luxus in einem der übrig gebliebenen Destinationen? Wohin mit den ganzen Fachkräften der Branche? Beklemmende Aussichten. Trotzdem alles Gute! MfG

Gerhard Lenz | Di, 13. Oktober 2020 - 09:58

In reply to by Heidemarie Heim

Nutzen Sie den Begriff "Luxus", suggeriert das, dass Urlaub (wieder) zum Privileg Besserverdiener würde.

Das ist selbstverständlich völlig falsch.

Es gibt viele Menschen, die durchaus die notwendigen finanziellen Mittel besitzen, aber aus Furcht vor den ganz realen Risiken der Pandemie nicht vereisen.

Wobei das Beherberungsverbot nicht unbedingt eine Glanzleistung der Politik ist..

Haben Sie sich mal die Preise dieses Jahr für einen Familien-Urlaub am deutschen Strand angeschaut werter Herr Lenz? Die Kalkulationen derjenigen von Reisebüro über die Fluggesellschaften, Bahn bis zu den Betreibern von Hotels, Gastronomie oder Campingplätzen, die danach noch in der von Insolvenz bereinigten T-Branche noch existieren, lassen gar nichts anderes zu als ein Anheben des Preisniveaus. Und dann wird es für die ohnehin schon Ferien-abhängigen jetzt schon teureren Familienurlauber eng. Besonders wenn sie nebenbei noch die Raten für das neu angeschaffte Elektro-Familienauto und die höchsten Strompreise Europas dafür stemmen müssen. Das meinte ich u.a. mit Luxus Herr Lenz. Bis jetzt saßen wir alle in einem Boot und es gab für jeden Geldbeutel und Gusto was auf dem Markt. Ob das in Zukunft noch so ist war meine Frage. Außerdem sehe ich all das aus der Rund-um-Sicht;) einer ehemals voll haftenden Selbstständigen mit Verantwortung für Kunden, Mitarbeiter, Familie und und. MfG

Urban Will | Di, 13. Oktober 2020 - 09:05

hier ein Betroffener mehr oder weniger den eigenen „Untergang“ in Kauf nimmt, wenn denn nur etwas mehr Zeit bleibt, ihn zu verwalten...

Warum auf einmal 35 anstatt den beschlossenen 50 pro 100 000? Und all der Unsinn mit Tests und Quarantäne?

Es ist absehbar, dass die Zahl der „Risikogebiete“ zunehmend steigen wird, was aber, da die Definition mehr oder weniger willkürlich festgelegt wurde, kein Indikator für eine wirkliche Gefährdung ist.

Das sind und bleiben die Zahlen der Schwerstverläufe und Toten.
Auch wenn diese steigen, sollte ihr Wert in Bezug gesetzt werden.

Die Umfragewerte d Reg. sinken, die Zahl der Menschen, die es satt haben, bevormundet und entmündigt zu werden, steigt. Da werden noch strengere Regeln nicht nur nichts bewirken, sondern, so meine Befürchtung, kontraproduktive Folgen haben, es droht ein großflächiges „ihr könnt uns mal“ und „jetzt erst recht“.
Und schon haben wir den Teufelskreis.
Es wird Zeit für eine Wende zur Vernunft.

Ernst-Günther Konrad | Di, 13. Oktober 2020 - 12:57

Gestern von meinen Physiotherapeuten gehört. Ein guter Freund wohnt in Berlin und erfährt, dass seine Mutter zu Hause in BW im Sterben liegt. Er darf Berlin nicht verlassen, er bekommt auch kein Hotelzimmer für einen Kurzbesuch, um von der Mutter Abschied zu nehmen. Schwester mietet selbst ein Zimmer für Bruder an. Der tauscht sein Auto mit Berliner Kennzeichen gegen ein "neutrales" Kennzeichen und kann zur Mutter. Diese menschlichen Schicksale und ähnliche Beispiele zu Tausenden neben dem wirtschaftlichen Kollaps der Branche hängen auch an diesem Beherbergungswahnsinn. Firmen aus Berlin können ihre Mitarbeiter nicht reisen lassen. Gäste verweigern die Personalienkontrolle durch Wirt, gehen lieber woanders hin. Mitarbeiter der Hotels schauen sich nach anderen "sicheren" Jobs um. Kosten für Hotel laufen aber weiter. Wann lesen wir, wie viele Hotels, Pensionen usw. dauerhaft dicht bleiben. In den Puff darf man aber noch und beim Essen die Maske abnehmen. Die gewählte Politik dreht durch.

Werner Gottschämmer | Di, 13. Oktober 2020 - 17:01

„Diese Kurzfristigkeit macht uns das Leben schwer“

Wenn ich das also richtig verstehe hat er kein Problem wenn sein Laden 1 Jahr oder 2 oder 10 Jahre zumacht? Habe ich etwas missverstanden?

Norbert Heyer | Di, 13. Oktober 2020 - 20:18

Der Hotelier auf Usedom reagiert sehr moderat auf eine Politik, die ihm langsam aber sicher seine wirtschaftliche Basis entzieht. Es kann doch einfach nicht sein, dass es innerhalb von Deutschland möglich ist, Belegungsverbote in Hotels durchzusetzen. Wir werden von der Politik bewusst mit Fakten belogen, die keine Relevanz zu den tatsächlich wichtigen Zahlen darstellen: Es werden immer mehr Personen getestet, da muss die Zahl der Infizierten logischerweise steigen. Die Anzahl der tatsächlichen, schweren Verläufe sind jedoch stark rückläufig - und nur das zählt. Es soll aber unter allen Umständen eine Situation aufrechterhalten werden, die es der Politik erlaubt, unpopuläre Maßnahmen ohne großen Widerstand durchzudrücken. Wer den bisherigen Verlauf Revue passieren lässt und welche Maßnahmen ohne großen Protest eingeläutet und durchgezogen wurden, kann einfach zu keinem anderen Ergebnis gelangen. Hier wird ein ziemliche Schmierenkomödie vor unseren Augen abgespielt, mit ungewissem Ende