Bayerns Ministerpräsident als Krisenmanager - Der Ausnahmezustand ist bei Markus Söder der Normalmodus

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder geriert sich als Krisenmanager wie kein anderer, wie auch in der gestrigen Pressekonferenz mit Angela Merkel zu beobachten war. Als Shootingstar muss er in der Frage der Unions-Kanzlerkandidatur nur noch zugreifen.

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Markus Söder soll in jeder Sekunde strategisch denken, aber will er überhaupt ins Kanzleramt? / picture alliance

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Die Begegnung ist einige Jahre her, das erste Mal, dass wir uns trafen, nachdem ich vom Spiegel zu Cicero gewechselt war. Es war, wie es oft ist bei Markus Söder: Bevor man selbst Fragen stellen kann, stellt er schon welche. Also erkundigte er sich, wie es sei in der neuen Position. Das Spannende werde sein, sagte ich zu ihm, ob das Arbeiten schwieriger werden würde, weil man die dicke Bertha des Spiegel nicht mehr hinter sich habe, an der am Ende keiner vorbeikomme. 

Söder schüttelte entschieden den Kopf. Journalisten, sagte er, selbst ehemals Journalist, seien inzwischen ihre eigene Marke, die sich von dem Medium, für das sie jeweils tätig seien, immer mehr lösten. „Sie sind heute selbst die Marke“, erklärte er. 

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Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 7. Mai 2020 - 12:27

Kanzlerkandidat werden?
Ja, dann, wenn die anderen Kandidaten, incl. Amtsinhaberin schwächer sind.
Muss man es dann machen?
Ich würde denken, nein, denn wenn Söder strategisch denken kann, dann sind eine starke CDU und eine starke CSU die besten Garanten für eine/n neuerliche/n Kanzler/in der CDU/CSU.
Wenn Frau Merkel sich noch einmal, überspitzt gesagt, auf den Kanzlersitz "hieven lässt", ist es in jedem Fall besser, in Bayern zu bleiben, denn dieses Aufschauen zu Franz-Josef Strauss kann man Merkel wahrlich nicht nachsagen.

Vielleicht sind die MPs auch vorgeprescht, um eine neuerliche Kanzlerschaft Merkels - wie Seehofer sie ins Spiel brachte - zu verhindern? Schwer einzuschätzen. Laschet als Kanzler möchte ich mir nicht vorstellen.

Liebe Frau Sehtr-Irrek,

Sie schreiben aus meinem Kopf heraus. Als schlimmstes und unerwartetes Hieven, nur dem Proporz Genüge zu tun, ist für mich Bildungsministerin Anja Karliczek. Sie war selbst überrascht. Die Nominierung nicht anzunehmen, hätte Verantwortung und Charakter gezeigt.

Wir benötigen unbedingt wieder einen regierungsfähigen Kanzler, der spontane,
klug überzeugende Entscheidungen trifft. Im Sinne seines anvertrauten Volkes.
Er wäre keine Notlösung. Jedoch Laschet und die derzeitige Amtsinhaberin pflegen
innige Feeundschaft. Insofern wäre Söder eine Üerraschung.

Sie haben aber hoffentlich aus meinem Kommentar herausgelesen, dass Herr Söder es besser nicht machen sollte!
Er zeigt momentan "nur" die Schwäche der anderen.
Die CDU ist zu groß, als dass es ein ausgewiesener CSU-Mann machen sollte.
Söders politische Kraft rührt auch von seiner Position als Ministerpräsident her, Frau Merkel gilt evtl. eher als Quer-Einsteiger.
Wenn die Ministerpräsidenten* insgesamt wieder an Stärke hinzugewönnen, es werden nicht wenige davon aus der CDU/CSU kommen, kann auch ein evtl. "schwächerer" Kanzler wie Herr Laschet ganz gut zurecht kommen, Immerhin ist er Ministerpräsident des bevölkerungsreichsten Bundeslandes, politische Führung also kein "Neuland" für ihn.
Ich kann der Bundesrepublik nur raten, Zentralismus soweit zu meiden wie die Pest.
Ich bin nicht CDU/CSU und daher kein guter Ratgeber, aber für die Bundesrepublik würde ich mir eine Stärkung des Parlamentes und der föderalen Demokratie mit allen ihren Institutionen wünschen, weg vom Personenkult.

Michaela 29 Diederichs | Do, 7. Mai 2020 - 12:52

Sie haben Herrn Röttgen vergessen. Aber im Ernst: Merz und Röttgen kommen doch eigentlich gar nicht mehr vor in dieser Frage. Bleiben Söder und Laschet. Da hat Söder in meinen Augen die Nase vorn und bekannt genug ist er inzwischen auch - nun muss er nur wollen.

D. Gabs | Do, 7. Mai 2020 - 13:44

In reply to by Michaela 29 Di…

ist Laschet, trotz seines Amtes, ein politisches Leichtgewicht. Circa 90 Prozent der Bayern stehen bereits hinter Söder, sind mit seiner Krisenarbeit zufrieden.

herbert binder | Do, 7. Mai 2020 - 14:10

In reply to by Michaela 29 Di…

Markus for president...ich lach mich schlapp. Aber Spaß
beiseite, den als Bundesvorsitzenden muß man sich schon
vorstellen können...nothing but eine Maske. Eine weitere.
Aber immerhin macht er was her, figürlich. Er ist ein Großer.

Juliana Keppelen | Do, 7. Mai 2020 - 14:32

ich bin sprachlos. Wann wo und womit hat er geglänzt? Das einzige womit er geglänzt hat war, dass er öfter als alle anderen Ministerpräsidenten/innen sein Gesicht in die Kamera gehalten hat auch wenn er selber nichts zu sagen hatte und das nachplapperte was Herr Kurz Österreich) schon Tage vorher verkündet hatten.

Nachplappern ist häufig Anerkennung meines Gesprächspartners, liebe Frau Keppe-
len. Merkel nachzuplappern wäre verhängnisvoll. Abgesehen davon, glaubt sie sich selber nicht. Sich selber nicht nachzuplappern, dazu ist sie wiederum zu klug.
Daß Söder Kurz "nachplappert" demonstriert Söders nüchternen und nachvollzieh-
baren Verstand. Abgesehen davon plappert Merkel in der Reihenfolge Kurz und Söder
nach. Allerdings nach langer vertanen Zeit.

Walter Müller | Do, 7. Mai 2020 - 16:45

Hervorragende Analyse. Mir gefällt der Lieblingssatz Söders „In größere Schuhe passt man immer“ besonders gut. In der Regel wird das Bild der grösseren Schuhe dann gebraucht, wenn ein Amtsvorgänger eine kaum erreichbare Messlatte gelegt hat, und sich der Aspirant noch Jahre mühen muss, um nicht dauerhaft als kleines Licht wahrgenommen zu werden. Was heißt das für Söder? Welche Messlatte hat Merkel unerreichbar hoch gelegt? Spontan fallen mir nur die vielen Dienstjahre ein. Im Kreise der Weltenherrscher ist man sich jedoch beinahe einig, dass der Titel „Führerin der freien Welt“ nur ihr zustehen kann. Ich versteh das zwar nicht, aber das ist schon was. Passt Söder in solche Schuhe? Die Marke Söder ohne Zweifel.

Alfred Simon | Do, 7. Mai 2020 - 17:11

Hallo Frau Keppelen,
Hallo Herr Binder,

Frau Merkel konnte im Schatten vom künftigen Bundeskanzler Söder nicht glänzen und wurde auch von fast allen Ministerpräsident*innen vor-
geführt. Sie haben zwar den neuen BK gesehen.
Gehört auch, aber mit oder ohne Absicht nicht
kapiert!
Im Gegensatz zu seinen MP-Kolleg*innen war er
gleich zu Beginn der Corona-Krise wegweisend
mit Vorschlägen und Entscheidungen präsent.
Deshalb ist es auch weiter kein Wunder, daß die
Kameras sein Glänzen verherrlichen. Printmedien sind für alle gedacht, für Sie und so-
gar auch für das linke Spektrum.
Zu welchem Spektrum ich Sie verorten soll, ist
mir nicht vorstellbar.
Wer wird im Herbst 2021 im Glanz von BK Söder
zu ihm aufsehen dürfen?

Michael Sachs | Fr, 8. Mai 2020 - 13:51

Ich muß zugeben das ich zwar aus Bayern bin aber trotzdem nicht für Söder stimme, Seehofer sowie Söder sind mir Zuviel umgefallen in den letzten Monaten, wie Seehofer sich der Merkel andient ist peinlich vor allem als ehemaliger Bayer. Ministerpräsident mit absoluter Mehrheit geziemt
sich dieser Populismus nicht, dadurch ist der bei mir unten durch, auch Söder hat ein ähnliches Verhalten gezeigt bei Merkel als Tiger losgesprungen gelandet als Bettvorleger, keine gute Sache die er da gezeigt hat.

Ein Bayer ist noch nie Bundeskanzler geworden so würde es auch vermutlich mit Söder letztendlich laufen u. dann käme wieder als Notlösung Merkel oder Laschet ins Spiel eine Horrorvorstellung es bliebe alles beim Alten. Für mich ist nach wie vor Merz die beste Lösung wenn der eine Stellung hat die Macht ermöglicht dann spielt er die Merkel an die Wand, hoffentlich, intellektuell ist er vermutlich auch Söder haushoch überlegen.