Kirche St. Ägidius
Auch in der Kirche St. Ägidius in Grafing im Kreis Ebersberg kam es zu Fällen von Missbrauch / dpa

Aufarbeitung des Missbrauchsskandals - Kirche liefert, Politik trödelt 

Die Katholische Kirche arbeitet Fälle von sexuellem Missbrauch in einer Weise auf, die der scheidende Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, für vorbildlich hält. Jetzt fordert er eine staatliche Untersuchungskommission für alle Gesellschaftsbereiche wie Sport, Schule, Familie und Kirche. Doch die Ampel wirkt untätig. Die Politik muss ihre Zurückhaltung aufgeben.

Autoreninfo

Volker Resing leitet das Ressort Berliner Republik bei Cicero. Er ist Spezialist für Kirchenfragen und für die Unionsparteien. Von ihm erschien im Herder-Verlag „Die Kanzlermaschine – Wie die CDU funktioniert“.

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Wer sich für die Aufarbeitung des Skandals um sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche interessiert, dem sei das kürzlich veröffentlichte Gutachten zur Erzdiözese München-Freising der Kanzlei Westphal-Spilker-Wastl dringend empfohlen. Auf 1893 Seiten inklusive Anlagen wird in drastischer Weise deutlich, welches Leid Opfer ertragen mussten, welche teilweise abgründigen Strategien Täter hatten, aber eben auch wie manche Verantwortliche in der Bistumsverwaltung verharmlosend und vertuschend oder auch nur ignorant mit diesen Fällen umgingen.  

Das Gutachten gibt für einen Zeitraum von nahezu 75 Jahren einen umfassenden und tiefen Einblick in teilweise verbrecherische Vorgänge. 52 Fälle werden als schwerwiegend herausgegriffen. Verantwortliche werden mit Namen genannt und abwägend beurteilt. Das gilt für den Auftraggeber, den amtierenden Kardinal Reinhard Marx, genauso wie für den emeritierten Papst Benedikt XVI., der sich nun der Aufarbeitung zumindest vorbehaltlos stellte und das Gutachten begrüßte. Was sich wahrlich nicht behaupten ließe, soweit ein juristischer Laie das beurteilen kann, ist, dass dies ein Gefälligkeitsgutachten wäre. Vielmehr hat der Auftraggeber sich ungeschönt anklagen lassen, eine tiefe Analyse von Strukturen und Problemen eingeschlossen. Bei aller Vorläufigkeit und Prozesshaftigkeit von Aufklärung ist das Gutachten offenbar ein Meilenstein. 

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Ingofrank | Mi, 16. Februar 2022 - 09:05

Und deren Aufarbeitung Ist von der von Beteiligung der Grünen Partei ,an der derzeitigen Regierung, auch nicht zu erwarten.
War da nicht mal vor Jahren eine offen ausgetragene Diskussion über „Liebe mit Kindern“ in den ersten Jahren Jahren grüner Politik?
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

@ingofrank, Sie weisen auf einen wichtigen Aspekt hin. Insbesondere die GRÜNEN scheinen hier am Scholz-Warburg-Syndrom zu leiden. Aber auch das Thema Odenwaldschule wird oft ausgeblendet. Dass die Katholische Kirche spät dran ist-keine Frage. insbesondere die Reaktionen von Kardinal Woelki und des emeritierten Papstes stehen stellvertretend für das vielerorts immer noch nachwirkende Denken: am wichtigsten ist die unbefleckte weiße Weste der Institution Kirche.

Aufarbeitung - Nur wenn man einen Feind oder schwarzen Peter benötigt.
Sonst -Deckel zu, egal wo/was.

Und eins steht für mich fest. Die unerträglichen Abartigkeiten & Phantasien der hohen Pinkel in der oberen Kasten-Welt sind für Normalbürger gar nicht erfassbar, weil selbst ein Horrortripp als Vergleich noch einen heiterer Film abgehen würde.

Eigentlich, müssten die letzten 10 Etagen vom WTC der weltlichen & kirchlichen Macht für eine längere Zeit abtreten & Aufgaben bekommen, wo Sie einen neuen Blick für sich selbst & ihren Schutzbefohlenen bekommen.

Dies soll nicht als Strafe verstanden werden, sondern zur Selbstheilung des eigenen ICH - der eigenen Seele.

PS. Würde auch sagen, mal einen Kreis am Horizont schlagen, um von der Ferne andere Blickwinkel für einen Selbst zu erhalten.

Denn ich kann nur all das wie Liebe verteilen, was bei mir als Seele & Gefäß angehäuft ist.

Und denken wird an den alten Spruch:
"Liebe ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn wir es verschenken!"

Zum einen setzt deren Führung die eigensten Ziele nicht zufriedenstellend für die Basis um, zum anderen muss man Angst haben, dass unabhängige(!) Medien den Prozentteil der "Globuli-JüngerInnen" an der "Querdenker-Szene" genauer untersuchen ... und dann noch deren "Make love - not war-Act" in den Nach-60er-Zeiten ... alles gut gemeint in deren "Blase" ...
Fazit: Sind schon arm dran ;)

Ich habe vor einigen Jahren mal im ÖRR eine Dokumentation über einen Kindermissbrauchsskandal in Berlin-West gesehen. Unter aktiver grüner Mitwirkung soll der Berliner Senat in den 90-igern veranlasst haben, dass mehr als 1000 Kinder aus prekären Verhältnissen in die Obhut pädophiler Männer gegeben wurden. Es ist lange her, dass sich der ÖRR mit solchen Dingen beschäftigt hat ... Und die Grünen schweigen ... Wie gut, dass wir die Kirche als Sündenbock haben.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 16. Februar 2022 - 09:27

die einen sagen so und die anderen so. Es waren Anwaltskanzleien, die je nach Vorgaben oder Akzeptanz der Auftragsgeber mal mehr und mal weniger klar erarbeiteten, wer da wann und wie, wenn auch infolge Verjährung nicht mehr verfolgbar, schwere Straftaten begangen hat. Das Kirchenrecht gehört deutlich eingehegt. Bei Straftaten hört es in jedem Fall auf. Ja, man fragt sich schon, warum diese vakanten Stellen nicht besetzt sind. Findet man niemand oder will man verzögern? Wie ich in der taz heute Morgen lesen konnte, will die Ampel lt. Koalitionsvertrag die staatliche Unterstützung von 591 Millionen Euro streichen. Nur konkret wurde diese Idee, die lt. taz schon in der Weimarer Zeit entwickelt wurde scheinbar niemand. Warum geht man das nicht an? Braucht die Ampel die Kirche noch? Für was? Als Sprachrohr bei bestimmten Themen, wie z.B. Corona oder Migration? Ich gebe zu, mir ist noch nicht ganz klar, welchen Kurs die Ampel tatsächlich bei dem Thema Kirche fahren will.

Gerhard Lenz | Mi, 16. Februar 2022 - 17:02

wenn es um den Mißbrauch innerhalb der Kirchen geht, fällt Foristen nur mal wieder ein, was bei den Grünen vor 30 Jahren mal an Blödsinn geredet wurde?

Schuldig bis in alle Ewigkeit! Am rechten Rand vergibt man nicht. Das Fegefeuer wartet.

Kritik an Kirchen beschränkt sich hier dagegen meistens nur darauf, dass diese die AfD und andere extremistischen Gruppierungen klar kritisiert - für deren menschenverachtende Haltung gegenüber Migranten oder anderen Minderheiten. Barmherzigkeit und Nächstenliebe ist eben auch nur Multi-Kulti-Gutmenschenkram.

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