Annegret Kramp-Karrenbauer - Aus der Saarschleife

Als unser Heft in den Druck ging, galt noch als sicher, dass Annegret Kramp-Karrenbauer Ministerpräsidentin im Saarland bleiben würde. Nun soll sie doch nach Berlin kommen und CDU-Generalsekretärin werden. Der vermeintliche Schritt zurück bedeutet weiteren Rückenwind für ihre Karriere

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) während einer Pressekonferenz in Berlin
Mit Annegret Kramp-Karrenbauer kommt eine mögliche Merkel-Nachfolgerin nach Berlin / picture alliance

Autoreninfo

Christoph Seils ist Ressortleiter „Berliner Republik“ von Cicero. Im Januar 2011 ist im wjs-Verlag sein Buch Parteiendämmerung oder was kommt nach den Volksparteien erschienen.

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Hektisch geht es Anfang Februar in Berlin zu, Spitzenpolitiker hetzen von Termin zu Termin. Regiert wird im Laufschritt. Zu dem normalen Irrsinn gesellen sich die Koalitionsverhandlungen. An einem dieser Tage, der Zeitplan ist längst aus allen Fugen geraten, sitzt Annegret Kramp-Karrenbauer im Kanzleramt links neben Angela Merkel. Der Zufall will es, dass die saarländische Ministerpräsidentin in dieser „durchaus spannenden Zeit“ der Ministerpräsidentenkonferenz vorsitzt.

Wie Annegret Kramp-Karrenbauer da so im weiten grauen Hosenanzug sitzt, über Flüchtlinge, die Digitalisierung oder Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge spricht – erst konzentriert die vielen Wünsche der Bundesländer an die nächste Regierung darlegt und dann über das gute gegenseitige Verständnis in den Arbeitsgruppen redet –, da verschwimmen nach und nach die Grenzen. Irgendwann ist nicht mehr klar: Berichtet Kramp-Karrenbauer gerade aus der MPK oder aus den Koalitionsverhandlungen? Legt sie die Position des Saarlands oder die der CDU dar? Unweigerlich fragen sich alle Anwesenden, ob da vielleicht schon die zukünftige Bundesministerin sitzt und jene CDU-Politikerin, die in ein paar Jahren das Erbe von Angela Merkel im Kanzleramt antreten könnte.

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Christa Wallau | Do, 22. Februar 2018 - 19:36

könnte also möglicherweise bei der nächsten Wahl 2021 (nach Merkels Abgang) als Spitzenkandidatin der CDU gegen Andrea Nahles von der SPD antreten. Welch wunderbaren Aussichten für die deutschen Wähler!
Beide Frauen haben nicht im Entferntesten
das Format, unser Land in die Zukunft zu führen; denn beide sind reine Eigengewächse der Parteien. Sie verfügen nicht über den notwendigen Horizont (Erfahrungsschatz), den Menschen haben, die sich beruflich schon auf anderen Gebieten als nur im parteilichen Aufstiegskampf bewähren mußten.
Was in den ehemaligen Volksparteien inzwischen völlig fehlt, das sind gestandene Persönlichkeiten mit umfassender Bildung (vor allem geschichtlicher Art), Weitsicht, Vernunft und Realitätssinn, Verantwortungsbewußtsein, Mut und Durchsetzungskraft.
Auch bei den Männern in beiden Parteien sieht es in dieser Hinsicht wenig vielversprechend aus.

Jochen Wegener | Do, 22. Februar 2018 - 22:17

wird vielleicht tatsächlich befördert werden, für das Land aber wird es ein weiterer Rückschritt der alleinigen Machtbewahrung vom Typ Merkel sein. Das Amt in Berlin anzunehmen beweist schon die politische Inkompetenz: denn das Pferd ist schon tot, aber die Dame will es noch reiten.Viel Spaß!

Holger Stockinger | Do, 22. Februar 2018 - 23:35

Sigmar siegt in der SPD und Nahles wird Flottenministerin, Schulz verteidigt mit Leopard-Panzer Würselen und Merkel wird erste hundertjährige Kanzlerin ...

... Kein Heinrich Heine braucht sich zu beklagen - Wer tags den deutschen Allwahn wahrnimmt, kann nachts beruhigt schlafen

Alfred Kastner | Fr, 23. Februar 2018 - 09:34

Nach 6 männlichen Generalsekretären hat Merkel mit Frau Kramp-Karrenbauer in ihrer Amtszeit erstmals eine Frau auf diesen Posten berufen.
Nur 2 von ihnen befinden sich heute noch in höheren politischen Ämtern: Volker Kauder und Hermann Gröhe. Wer kennt hingegen noch einen Laurenz Meyer?
Wer von Merkels Vorgängern hat seine Nachfolge wirklich geregelt? Keiner.
Eine konstruktive Nachfolgeregelung ist auch (bzw. erst recht nicht) von Angela Merkel nicht zu erwarten.
Im Gegenteil, eher glaube ich, dass Merkel ihre vermeintlich schärfste Rivalin nach Berlin geholt hat, um sie künftig besser unter Kontrolle zu haben.
Seit meiner Jugendzeit, also seit rund 40 Jahren, bin ich ein politisch interessierter Mensch. Aber in diesen Zeiten gelange ich zunehmend zu der Erkenntnis: Politisches Interesse lohnt nicht mehr. Man kann eh wählen, was und wen man will. Am Ende bleibt Merkel Kanzlerin. Auch im Falle von Neuwahlen hat sie sich selbst bereits aufgestellt.

Da kann man nur empfehlen, niemals aufzugeben, wenn man andere politische Ansichten hat, denn auch die große Vorsitzende wird ihr Ende finden und alles deuted darauf hin, wenn auch etwas schleppender, aber dennoch mit Tendenz nach unten und außerdem kann man sich noch an der Macht halten und trotzdem ist das Image schwer lädiert und das ist für den Betroffenen kein gutes Gefühl, zumal die Angriffe von Innen und Außen immer größer werden und mit einem Werteverlust einhergehen und das prallt an ihr nicht ab, wie man auf all den Fotos sehen kann und selbst die dezente Schminke läßt erahnen, wie es darunter in Wirklichkeit aussieht. Diese Frau ist das Gegenteil von Macher, sie wird von großen Interessensverbänden bis heute gesteuert und das sie nicht aufgibt ist nur dem Umstand zu verdanken, daß sie unfähig ist, ihre falsche Politik einzusehen, bei gleichzeitiger Rückenstärkung des gesamten Geldadels dieser Welt, denn würde die willfährige Kanzlerin stürzen, wäre auch deren Traum zu Ende.

Achim Scharelmann | Fr, 23. Februar 2018 - 10:32

Wie naiv muß man eigentlich sein um sich noch in die Nähe von Merkel zu begeben, denn sie wird über kurz oder lang über ihr eigenes Stöckchen stolpern und alle mit in den Abgrund reißen und da nützt es auch nichts, wenn man nun pötzlich aufgrund der neuen Konkurrenzsituation alte konservative Werte predigt um den Eindruck zu erwecken man sei Bibelfest und Heimattreu und hintenrum genau gegenteiliges einfädelt, sehr zum Schaden des Landes und der Bevölkerung. Bleibt nur zu hoffen, daß diese Regierung nicht nur zu Fall kommt, sondern auch für ihre zerstörerischen Aktivitäten zur Rechenschaft gezogen wird, denn wer das Recht mißachtet, hat keinen Anspruch auf Milde, denn es gehört zu den Aufgaben einer Regierung das Recht zu überwachen und einzuhalten und nicht selbst zu beugen, dafür sind sie nicht gewählt und deshalb können wir auch gerne auf solche Repräsentanten verzichten.

Christian Bauer | Fr, 23. Februar 2018 - 16:28

Sie hat sich bisher wirklich enorme Meriten verdient.
Im de facto kleinsten Bundesland mit stabilen Werten sowohl bei Wirtschaftswachstum (nahe 0) als auch sonstigen "Leistungsdaten" ist sie als Bürgermeisterin (oder wollte jemand für <1Million Einwohner einen "Ministerpräsidenten" vermuten?) bis dato höchstens durch ihre Rolle im Karneval aufgefallen. Und damit soll man "designierter Nachwuchs" sein? In dem Alter? Sollte Claudia Roth rechhthaben mit ihrer Einstellung: "Deutschland, du mieses Stück Sch..."? Wenn wir wirklich kein besseres Personal haben- dann, so fürchte ich, hat CR recht. Und dann wäre es schlimm um unser Land bestellt.

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