Nach Angela Merkel - Licht an im eigenen Oberstübchen!

Spätestens nachdem sich Angela Merkel öffentlich entschuldigt hat, ist der Wunsch nach politischer Veränderung groß. Doch die Debatten sind nur auf den ersten Blick lebendiger. Es bleibt ein viel größeres Problem: Die inhaltliche Leere, die sich durch unsere politische Kultur zieht. Von Matthias Heitmann

Angela Merkel: Gäbe es eine ernst zunehmende politische Kraft, wäre der Wechsel nur noch eine Frage der Zeit / picture alliance

Autoreninfo

Matthias Heitmann ist Autor des Buches „Zeitgeisterjagd. Auf Safari durch das Dickicht des modernen politischen Denkens“ (2015) sowie des E-Books „Zeitgeisterjagd SPEZIAL: Essays gegen enges Denken“ (2017). Seit Frühjahr 2018 steht Heitmann zudem mit seinem ersten Soloprogramm „Karla-Ingeborg auf Zeitgeisterjagd“, nur begleitet von einer KI, auf der Bühne. Infos unter www.zeitgeisterjagd.de.

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Matthias Heitmann

Ein Jahr nach der Bundestagswahl scheint die Regierung in Berlin mental abgewirtschaftet zu haben. Wenn sich sogar schon Kanzlerin Angela Merkel vor laufenden Kameras entschuldigt wegen eines Regierungs(nicht)handelns, das zu selbstbezogen war, dann wird klar: Die Ära Merkel hat in der öffentlichen Wahrnehmung einen neuen Tiefpunkt erreicht, und es gibt nur wenige Beobachter, die hinreichend Fantasie aufbringen, um sich noch tiefere Tiefpunkte vorstellen zu können.

Gäbe es eine ernst zunehmende politische Kraft, wäre der Wechsel nur noch eine Frage der Zeit. Diese Kraft hätte aus klaren Visionen heraus Stärke entwickelt – und nicht nur aufgrund der Schwäche anderer. Doch ohne ernstzunehmende Stürme können auch abgestorbene Bäume jahrelang noch stehen bleiben.

Die Sehnsucht nach Sinn

Das Spannende an der gegenwärtigen politischen Stimmung im Lande ist, dass einerseits die Verdrossenheit über die Merkel-Regierung inzwischen nicht mehr an politische Überzeugungen gekoppelt, sondern parteiübergreifend kulturelles Allgemeingut geworden ist. Andererseits aber herrscht keine Wechselstimmung. Denn dazu müsste ja eine grobe Vorstellung davon existieren, wohin gewechselt werden sollte. Doch außer der AfD scheint niemand die Chance auf Veränderung als Chance für sich zu sehen. Für eine Erneuerung der CDU von innen heraus fehlen sowohl Ideen als auch das charismatische Personal, das auch außerhalb des Konrad-Adenauer-Hauses bekannt wäre. Während sich die SPD vor genau den einstelligen Wahlergebnissen fürchtet, von denen die FDP träumt, haben sich die Grünen zum mächtigsten und treusten Merkel-Fanclub der Republik aufgeschwungen. Derweil übt sich die Linke einmal mehr im Aufstehen gegen sich selbst.

Wohin man schaut: Die Sehnsucht nach dem Ende des „Weiter so“ ist mit Händen zu greifen. Die Ära der Alternativlosigkeit, die eng mit Angela Merkel verbunden ist und in der das fortgesetzte Dahindümpeln in trüben Gewässern den Alltag bestimmte, rückt ihrer Dämmerung näher. Doch wie in freier Wildbahn, so auch hier: Das Abendrot bedeutet gerade nicht, dass es anschließend heller wird. Bis es so weit ist, wird es erst einmal richtig finster. Das von vielen herbeigewünschte Ende der Alternativlosigkeit lässt nicht darauf schließen, dass plötzlich Alternativen vorhanden wären. Der Wunsch nach Veränderung ersetzt neue Orientierungen nicht, auch wenn er noch so stark ist. Die beinahe verzweifelte Suche nach Bedeutung und das Ringen mit der inhaltlichen Leere und Belanglosigkeit der derzeitigen politischen Kultur durchsetzen und verzerren den kompletten Diskurs.

Von der Mücke zum Elefanten

Die Sehnsucht nach Inhalten, an denen man sich im positiven wie im negativen Sinne klar orientieren und profilieren könnte, führt zu einer Dramatisierung und Emotionalisierung der öffentlichen Auseinandersetzung. Es werden nicht nur immer magere Säue in immer kürzeren Abständen durchs Dorf getrieben, sondern auch Mücken zu Elefanten stilisiert, um würdige und möglichst überzeugende Aufhänger der eigenen politischen Agenda zu finden. Dieser Hang zur Übertreibung und künstlichen Skandalisierung prägt die gesamte politische Landschaft und das Handeln aller Akteure. In diesem Klima werden Anlässe mit einer politischen Bedeutung aufgeladen, die kaum nachzuvollziehen ist: Jede Bodenwelle gilt als Spitze eines Eisbergs, in jeder abrupten Veränderung wird der Beginn der Apokalypse und in jeder Personalie der entscheidende Hinweis auf eine Verschwörung vermutet. Die öffentliche Debattenkultur erscheint hierdurch zwar lebendig wie selten zuvor – doch der Schein trügt: Die Erregungskultur ist nicht Ausdruck von Lebendigkeit, sondern besiegelt das Ende der inhaltlichen Auseinandersetzung.

Verschleppen als oberstes Gebot

Die Dramatisierung dient vor allen Dingen auch der Selbstverortung und -bestärkung in Zeiten, in denen öffentliche Resonanz auf normalem Wege schwer zu erzielen ist. Doch mit derselben Zielsetzung kann die Wirklichkeit auch in die entgegengesetzte Richtung verzerrt werden. Dies erklärt den ebenfalls verbreiteten Hang dazu, problematische Entwicklungen herunterzuspielen und zu relativieren. Naturgemäß fällt diese Rolle zuvörderst den Regierenden zu, denn ihnen obliegt ja das Problemlösen, mindestens aber das Krisenmanagement. Und wenn es hier an Lösungsansätzen mangelt, sind Verschleppung und Relativierung das oberste Gebot. Wenn aber oppositionelle Kräfte gleichzeitig unter dem Mangel alternativer Lösungsmodelle leiden, kann das Relativieren auch jenseits der Regierungsbank als opportunes Mittel Popularität erlangen – gewissermaßen als großkoalitionäre Realitätsblende. Während also einerseits Mücken zu Elefanten gemacht werden, kann einem wahrhaftigen Dickhäuter durchaus auch das Schicksal drohen, zur Schnecke gemacht zu werden.

Zwischen Demokratieverdrossenheit und Vergangenheits-Recycling

In diesem Nebeneinander von der Dramatisierung des Belanglosen und der Relativierung des Relevanten entfernt sich die Politik immer weiter von der Wirklichkeit und den in ihr lebenden Menschen. Die Folgen dieser Flucht sind deutlich zu spüren: Das politische Berlin verliert jedes Gespür für die Interessen, Vorstellungen und Belange der Menschen und kreist zunehmend schneller um die eigene Verunsicherung. Angela Merkels „mea culpa“ ist vor diesem Hintergrund weit mehr als eine Bitte um Nichtbestrafung, gerichtet an die demnächst in Bayern und Hessen zu den Urnen schreitenden Wähler. Vielmehr handelt es sich um ein erschreckendes Eingeständnis des völligen Realitäts- und Orientierungsverlusts der politischen Entscheidungselite ein Jahr nach der letzten und drei Jahre vor der planmäßig nächsten Bundestagswahl. Niederschmetternd ist dieses Eingeständnis auch deswegen, weil die einst „mächtigste Frau der Welt“ – ohne es zu sagen – an sich selbst und ihrem Regierungshandeln der vergangenen Monate offenbar genau das erkennt, was man ansonsten nur Wutbürgern und „Dunkeldeutschen“ attestiert: Demokratieverdrossenheit.

Da ist es fast schon logisch, dass angesichts des Fehlens zukunftsorientierter politischer Orientierungen, die über reines Krisenmanagement hinausgehen, Menschen den Steinbruch der eigenen nationalen Vergangenheit plötzlich entdecken als Primärquelle von Inspiration und Visionen. Wo sollte man sich in auch sonst umsehen in Zeiten, in denen nichts ausgeprägter und parteiübergreifender ist, als Zukunftspessimismus und Misstrauen gegenüber Neuerungen? Wenn Zukunft nur noch als Schreckensszenario gedacht wird, kann selbst die dunkelste Vergangenheit noch mit probaten Lösungsansätzen aufwarten und das eigene Image aufpolieren. Frei nach dem modernen Motto: Was im Lande der Recycling-Weltmeister für Plastik gilt, kann doch auch bei politischem Sondermüll klappen.

Orientieren Sie sich neu!

In dieser Gemengelage ist es zugegebenermaßen nicht leicht, die Orientierung zu behalten. Im Zwielicht der politischen Finsternis gelingt es den seltsamsten Gestalten, Eindruck zu machen und lange Schatten zu werfen. Dabei sind es häufig gerade diejenigen, die am lautesten das Ende der Alternativlosigkeit (sprich: das politische Ende von Angela Merkel) fordern, die keinen Aufbruch in die Zukunft anpeilen, sondern auf ein Revival des Alten hoffen. Und selbst jene, denen man in der Vergangenheit noch unterstellte, zumindest halbwegs klar orientiert zu sein – wohin auch immer – irrlichtern verloren durch die eingeebnete und menschenleere politische Landschaft auf der Suche nach Orientierungspunkten und den abhanden gekommenen Gefolgschaften. Angesicht von so viel Ratlosigkeit und Skepsis ist es nicht verwunderlich, dass sich ein leicht fatalistischer „Merkel-Konservatismus“ entwickelt.

Das Interessante an diesem Konservatismus ist, dass er gerade Menschen befällt, die mit Angela Merkel nie viel am Hut hatten, sie aber in Zeiten politischer Verrohung als das verlässlichste, aber auch ungefährlichste Übel einstufen. Das mag nachvollziehbar, „vernünftig“ und bequem erscheinen, bedeutet aber letztlich nichts anderes als eine politische Kapitulation vor jemandem, dessen Zeit lange abgelaufen ist. Gegen die Rückkehr abgehalfteter Ideologien bietet der Rückzug ins Private keinen Schutz. Die Nacht wird nicht dadurch weniger dunkel, dass man die Augen verschließt. „Augen auf!“ ist da schon die bessere Devise. Und auch, wenn wir permanent zum Energiesparen angehalten werden: Machen Sie Licht im eigenen Oberstübchen. Beleuchten Sie ihre Umgebung, und schauen Sie auch in die dunklen Ecken. Orientieren Sie sich neu und machen Sie sich einen eigenen Reim, anstatt die alten Lieder der Anderen zu singen. Sie brauchen der Politik nicht bei der Suche nach Bedeutung zu helfen. Machen Sie selbst Sinn. Das ist das Aufmüpfigste, was Sie tun können.

 

Wolf-Dieter Hohe | So, 30. September 2018 - 12:14

Bis auf Ihre "tröstliche" Schlussfolgerung - "Jede/r ist Herr des eigenen Lichts" stimme ich Ihnen zu Herr Heitmann. Leider schützen selbst viele Kerzen, nicht vor der "umfassenden Macht der Dunkelheit". Mein Lichtlein und das anderer sieht man schon nach ein paar Metern nicht mehr. Schon allein deshalb, weil man (= Herrscher des Lichts) mir verbietet mehr als eine Kerze zu verwenden. Im Falle des Zuwiderhandelns seitens unbelehrbarer Aufmüpfiger wird schlicht Verkauf und Produktion von Kerzen alternativlos einstellt. Dass Letzteres ausschließlich in meinem Interesse geschieht erklärt mir aktuell der verbeamtete, abgeordnete, außenministerielle Bundespräsident beim seinem Friedengebet = Wort zum Sonntag.
Mit aufhellenden Grüßen
W.D. Hohe

Alfred Kastner | So, 30. September 2018 - 12:22

Einer der besten und fundiertesten Artikel, die ich je gelesen habe! Meine Hochachtung!
Es erübrigt sich meines Erachtens jeder zusätzliche Kommentar.
Es wird in der Nach-Merkel-Ära, die meine Generation der Anfang der 1960er-Jahre geborenen, was derzeit zu befürchten ist, nicht mehr erleben wird, einiges aufzuarbeiten sein.
Trotzdem, die Hoffnung stirbt zuletzt.
Deshalb schicke ich gelegentlich ein Stoßgebet gen Himmel: "Lieber Gott …, bitte schenk mir ein Leben nach Merkel!".

Hans Herzberger | So, 30. September 2018 - 12:29

In Nürnberg hat sie verkündet : " Sie will die Probleme, die die Menschen umtreibt ernstnehmen " !! - Auf einmal - woher hat sie nur diese plötzliche Erkentnis ? Das hat sie in den vielen Jahren vorher nicht im geringsten interessiert. Ist es das fortschreitende Desinteresse an ihrer Partei, ihrer Führung ? Sie, die dieses Land gespalten hat wie nie ein Kanzler vor ihr, will sich nun der Menschen annehmen. Sie ist unglaubwürdig geworden, wie kein Kanzler vor ihr. Die AFD will sie klein halten, dass gelingt aber nur, wenn sie endlich abtritt. Die Menschen im Land wollen sie nicht mehr, doch für diese Einsicht, fehlt ihr auch hier die nötige Erkenntnis. Mit Ihr ist auch die gesamte CDU weitab von Erneuerung und Aufbruch und mit Merkel wird sich der Niedergang weiter fortsetzen. Das geiche läßt sich auch zu der merkelschen Bettvorleger-Partei SPD sagen.

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 30. September 2018 - 12:38

aber Ihr Szenario liest sich wie letztens die Sendung über das Geheimnis der schwarzen Löcher, ich glaube auf n-tv, alles kreist immer schneller um sie.
Ich habe nicht die Absicht, immer mehr zu produzieren um einen "aufsaugenden Kern" herum.
Merkel soll ihre Arbeit machen, dafür wird sie bezahlt.
Mir kam das immer so vor, als ob alle etwas erarbeiteten und anboten bis Merkels sagte, das nehme ich.
Macron liefert, Merkel will es nutzen?
Kurz, ich sehe, dass wir Merkel "füttern".
Okay, jetzt kommt der Winter, da mag ihr bange werden, aber es gibt noch genug Leute, die eifrig für sie "nach Futter suchen".
Für mich ist das verkehrte Welt in der Politik.
Tue ich also nichts, bewege ich evtl. viel, Merkel steht ohne "Kleider" da?
Das ist natürlich im Prinzip schwer durchzuhalten, "funktioniert" aber, wenn man es sich zu eigen macht, auf Merkel nur noch zu reagieren.
Gewählt habe ich sie noch nie und die SPD will Politik machen. Die CDU auch. Es gibt viel Opposition, Nun denn.

Heiner Hannappel | So, 30. September 2018 - 12:48

Es tut immer wieder gut zu lesen, dass es auch andere Menschen mit gleicher Denkrichtung gibt.
Wir brauchen wieder einen an der Spitze, also im Kanzleramt, der Mut macht. Dieser darf durchaus auch Fehler machen, muss aber im Gegensatz zur Kanzlerin eine nachvollziehbare Richtung haben.Eine Bürgerversicherung muss her,in die alle ,aber auch alle Einkommen einzuzahlen haben, denn in anderen Ländern wie die Schweiz und Österreich klappt das ja auch. Schweden sei auch noch erwähnt.Ein Kerneuropa/ Kerneurozone mit Staaten gleichen/ähnlichen ökonomischen Strukturen muss her. Target2 Schulden müssen nach einem Jahr in sichere Schuldscheine oder Golddeckung übergeführt werden!Die NO BAIL OUT Klausel, nach der kein Staat für die schulden anderer aufzukommen hat ist zu reaktivieren!Solange die EU Außengrenzen unsicher sind, müssen zum Schutz der Sozialsysteme die nationalen Grenzen gesichert und kontrolliert werden.Die unkontrollierte Einwanderung muss beendet werden.Das wäre dann ein Anfang!!

Paul J. Meier | So, 30. September 2018 - 13:33

Gäbe es eine ernst zunehmende politische Kraft, wäre dieser Wechsel nicht nur eine Frage der Zeit, sondern schon längst vollzogen oder wäre gar eine A. Merkel nie in die Kanzlerschaft gelangt. Vor längerer Zeit (vor 2015) hatte ich eine Diskussion über Merkel, die ich von Anfang an als völlig deplatziert hielt. Meine Argumente wurde mit den Worten: "Man muss froh sein, wenn es(sic!) jemand macht", quittiert! Und das war kein bildungsferner Prolet, sondern ein Selbstständiger mit akademischem Grad. Man hat sich auf seine Geschäfte konzentriert und sein politisches Engagement auf das Kreuzchen machen alle 4 Jahre. Es sei denn man ist auf der Lobbyliste des Bundestages eingetragen. Natürlich gab es auch die Engagierten, nur tendenziell ist dieses Land einfach satt und dekadent auf der einen Seite und von Armut bedroht auf der anderen. Dazu eine Politik, die wie ein Berserker den gesellschaftlichen Zusammenhalt spaltet. Selbst Sinn machen, wird für viele nur egozentrisch möglich sein.

Reiner Jornitz | So, 30. September 2018 - 13:34

Sehr geehrter Herr Heitmann, wussten sie nicht das es drei Arten von Menschen gibt! die eine schaut zu bis etwas geschieht, die Zweite sieht das etwas geschieht, die dritte tut das etwas geschieht. Nur zu Dumm das zwei-drittel vom Bundestag Angela Merkel gefolgt sind wie eine Schafherde und die Ohren verschlossen haben vor den wirklichen Fachleuten von der AFD . Angela Merkel hat nur das umgesetzt was sie unter Erich Honnecker gelernt hat Agitation und Propaganda. Was für ein schlechte Volksvertretung, die Schlechteste die wir je hatten nach 1949

Lutz Karl Müller | So, 30. September 2018 - 14:32

Da bekomme ich jedesmal Pickel wenn sich jemand selbst entschuldigt. Man kann nur um Entschuldigung bitten. Die Vergebung oder Entlastung von einer Schuld oder eines Fehlverhaltens ist alleinige Sache des Gegenüber. Das beinhaltet auch die Möglichkeit, dass man nicht (oder noch nicht) von seiner Schuld freigesprochen wird. Ein schnelles "Schwamm drüber" und "weiter so als ob nicht geschehen wäre" ermöglicht keinen Lernprozess und auch keine Verbesserung des menschlichen Miteinanders. Verzeihen können ist allerdings auch nicht so einfach ...

Wolfgang Luf | So, 30. September 2018 - 14:42

Es wäre der absolute Tiefpunkt und eigentlich eine Provokation gegenüber der überwiegenden Zahl der ehemaligen DDR-Bürger (mich eingeschlossen), wenn Frau Merkel im Herbst 2019 immer noch regieren und anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der friedlichen Revolution von 1989 als Rednerin auftreten würde.

Bernd Muhlack | So, 30. September 2018 - 14:52

heißt ein absolut lesenswertes Buch von Gertrud Höhler über unsere Kanzlerin; etwas älter, jedoch "au point!" Herr Heitmann, ein guter Artikel, jedoch war das ja wohl keine Entschuldigung seitens Merkel, ganz im Gegenteil! Sie/Man habe erkannt, dass man sich vielleicht zu viel mit sich selbst beschäftigt habe, die Stimmung falsch eingeschätzt habe etc => Das ist keine Entschuldigung, sonders Angies übliches Geschwurbel, was mit korrektem Deutsch nicht viel gemein hat. Die Causa Maaßen ist für Merkel ebenso nebensächlich wie der Fall Kauders: Morituri te salutant! Sollten die beiden Landtagswahlen nicht in einem desaströsen Chaos für die Union enden wird Merkel im Dezember erneut antreten: Seht mich an, ich kann nicht anders! Statt einem kleinen Deutschlandfähnchen erhält jeder Delegierte einen Sixpack Duracell-Batterien sowie ne Tube Wundsalbe für die Klatschhände. NEIN, Frau Merkel wird niemals Ihre entscheidenden Fehler zugestehen; wieso denn auch? "Ich wüßte nicht was ich falsch ...

Gerdi Franke | So, 30. September 2018 - 14:59

Das wird aber mit dieser Koalition nichts. Man sieht es am Dieseldebakel. Jahrelang ausgesessen und jetzt wahrscheinlich wieder ein Schnellschuss, für den sich die Koalition dann wegen Realitätsverlust entschuldigen muss. Da versagen CDU wie SPD. Und die Grünen steuern in eine Richtung in die ich absolut nicht gehen will. Der meisten Wähler fühlt sich alleingelassen!

Hanns Baum | So, 30. September 2018 - 15:13

Den tiefsten Tiefpunkt hat die Kanzlerin vor drei Jahren gesetzt, weil sie, anstatt einer begrenzten, in Budapest Keleti gestrandeten, in Not befindlichen Gruppe von Menschen zu helfen, das Land umgehend für praktisch alle Zuwanderungswilligen geöffnet hat. Seitdem kommt Deutschland samt seiner Kanzlerin nicht mehr wirklich aus diesem selbst gegrabenen Tief. Alle folgenden Tiefpunkte - jeder kennt sie - sind aus diesem Fehlhandeln zu erklären. Rätselhaft bleiben Konsequenzen aus dem jüngsten Tiefpunkt, der Abwahl ihres Granden Kauder, weil daraus offenbar erneut das Signal "das ist nun halt mal so" gemacht wird und niemand in der CDU die Revolte wagt.

Heinrich Niklaus | So, 30. September 2018 - 16:09

„Merkel-Konservatismus“!? Was ist das denn? Merkels Politik ist so links-grün wie es die Staatsmedien wollen und wie man es sich nur vorstellen kann. Und auch die angebliche „Staatsverrohung“ existiert wohl nur in der Phantasie des Kolumnisten.

Die Verrohung und Bedrohung im öffentlichen Raum ist dagegen ein zentrales Anliegen der Menschen. Das aber wird lieber heruntergespielt und mit fragwürdigen Statistiken und Umfragen kleingeredet.

Man nehme endlich zur Kenntnis, dass die Menschen das große Experiment von der Umwandlung einer »monoethnischen und monokulturellen« Gesellschaft in eine »multiethnische und multikulturelle auf gar keinen Fall wollen!

Dazu braucht man auch kein „ Licht im eigenen Oberstübchen“ entfachen.

Klaus Schmid | So, 30. September 2018 - 16:53

Die Fronten sind doch ganz klar gesteckt:
* Die Wirtschaft, SPD, Grüne und Linke wollen aus unterschiedlichen Gründen immer mehr der islamischen Migranten hereinlassen
** Die AfD und ein Großteil der Bürger wollen die Grenzen schließen
*** CDU und FDP haben kein eigenes Programm und schielen lediglich nach der Macht
**** Die CSU spielt als Wurmfortsatz der CDU keine Rolle mehr

Christa Wallau | So, 30. September 2018 - 19:43

Diese Aufforderung, lieber Herr Heitmann, empfinde ich als ziemliche Unverschämtheit gegenüber uns, Ihren Lesern. Allerdings ist Ihnen dies beim Schreiben wohl nicht bewußt gewesen.

Was, bitte, glauben Sie denn, was w i r , die CICERO-Leser, seit langem anderes tun,
als s e l b e r nachdenken bzw. - wie Sie es nennen: "selbst Sinn machen".
Dabei hoffen wir keineswegs auf ein dröges
"Revival abgehalfterter Ideologien" (Ihre Diktion), sondern auf eine Rückkehr zur VERNUNFT - ganz
allgemein.

Woran liegt es denn, daß die Altparteien am Ende ihres Lateins sind? Ganz einfach: Sie haben auf fast allen Gebieten f a l s c h e (unvernünftige) Entscheidungen getroffen und wissen nun nicht, wie sie ohne Gesichtsverlust bzw. Kapitulation aus der Misere herauskommen sollen.
Jedenfalls gilt dies für große Teile von CDU/CSU
und SPD.

Die Grünen und Linken dagegen bleiben sich
weitgehend treu auf ihren Irrwegen und bieten damit Heimat für alle Weltverbesserer auch in der Zukunft.

Frau Wallau, Ihre Kommentare sind die Besten überhaupt. Ich freue mich immer, wenn ich wieder an Ihren klugen Gedanken teilhaben darf. Sie treffen stets den Kern, Respekt.
Es ist nur jammerschade, dass der Großteil der deutschen Bevölkerung medial verblödet ist oder als Klatschhase sein Leben verbringt. Wie sollen wir jemals wieder auf die Beine kommen? Ich habe keine Hoffnung mehr.

Christa Wallau | Di, 2. Oktober 2018 - 12:47

In reply to by Gerti Kinzel

Es liegt n i c h t an einer besonderen Stellung mit außergewöhnlichen Ereignissen in meinem Leben, daß ich - wie mir Leute schon öfter bestätigt haben - Sachverhalte zutreffend analysiere und beurteile.
Ich habe 1963 an einem Mädchen-Gymnasium Abitur gemacht (Deutsch, Mathematik ,drei Fremdsprachen, Naturwissenschaften, Religion, Musik, Kunst, Sport waren PFLICHT-Fächer!), bin dann zur PH gegangen, um "Volksschullehrerin" zu werden. Meinen Beruf habe ich 40 Jahre ausgeübt u. nebenbei mit meinem Mann, der immer noch an meiner Seite ist, drei Kinder großgezogen. Ich entstamme einer Bauern- u. Handwerkerfamilie und war die erste, die eine "höhere Schule" besuchen durfte, weil meine Lehrerin mich als "begabt" eingestuft hatte.
Ich nehme an, daß es ein Konglomerat aus Bodenständigkeit, klassischer Bildung und langjähriger Erfahrung im Umgang mit Kindern u. deren Eltern ist, das mich dazu befähigt, gesellschaftliche u. politische Entwicklungen realistisch zu beurteilen.
MfG Ihre C. W.

Dimitri Gales | So, 30. September 2018 - 19:47

Persönlichkeit, sondern das Resultat besonderer Umstände: das Ende Kohls und die Folgen der Wiedervereinigung, eine gut florierende Wirtschaft, die die Bürger denkbequem macht und entpolitisiert hat....... Das Merkel-System lebt Dank des deutsches Wählers - der Bürger trägt hier die Hauptverantwortung. Man erinnere sich, in welchem (für mich stets unverständlichem) Mass die Frau von der Öffentlichkeit, die Medien eingeschlossen, idealisiert wurde, schliesslich wurde sie auch noch zur "Mutti". So viele Jahre uneingeschränktes Merkel-System schaffen ein Vakuum, aber es gibt ja Neuerungen: die AfD, Wagenknecht und vielleicht entstehen noch andere. Wie auch immer, eins ist sicher: die Merkel-Ära muss begraben werden, zumal die Agonie schon unaufhaltsam fortgeschritten ist. Ich glaube nicht, dass viel von der Merkel-Regentschaft übrig bleiben wird, vielleicht eine Fussnote der Geschichte. Merkel wurde immer heillos überschätzt.

Manfred Gimmler | So, 30. September 2018 - 22:36

Die Kanzlerin, gänzlich uninspiriert, ahnungslos, ohne Empathie und vollkommen ignorant, hat es doch tatsächlich geschafft, in einem Jahrzehnt die CDU in eine Partei von Waschlappen und Opportunisten umzuwandeln, die aus Karrieregründen für alles die Hand heben. Und nicht nur das. Ein Großteil der Bürger mag nach ihrer Sedierungspolitik einfach nicht mehr die Wirklichkeit wahrnehmen.

Wenn sie geht, bleibt die inhaltliche Leere. Ihre Saat geht auf und ihr Werk entlarvt erneut das „politische Talent“ der Deutschen, die ihrer hinterhältigen Zurückhaltung und scheinbaren Bescheidenheit offenbar nicht gewachsen sind.

Die Bürger haben sich einfach überrumpeln lassen.
Merkel schafft Probleme für die Bevölkerung und behauptet dann die Reaktion der Bürger auf diese Probleme sei das Problem. Man wird für dumm gehalten.
Anstatt Missstände vernünftig und sachlich zu analysieren und nach Lösungen zu suchen, spielt die Bevölkerung das Spiel auch noch mit und lässt sich in zwei Lager spalten.
Eigentlich sollen Politiker dem Volk dienen und nicht umgekehrt.

Markus Michaelis | Mo, 1. Oktober 2018 - 01:59

"Doch außer der AfD scheint niemand die Chance auf Veränderung als Chance für sich zu sehen."

Ich empfinde es so, dass keine Partei die Lage nutzen kann, weil es dafür keine Gesellschaft (Volk) gibt, die einig genug wäre - wenigstens in den Begriffen, in denen geredet wird, oder wenigstens nur in zwei Lager gespalten. Wäre Deutschland abgeschlossen von der Welt (natürlich mit "unseren" Wirtschaftsbeziehungen, Migranten, Flüchtlingen etc., aber eben sonst abgeschottet) würde eine Merkel-SPD-Grüne-Welt wohl ziemlich gut funktionieren.

Aber Europa und die Welt verändern sich, Begriffe verändern sich, Altes funktioniert nicht mehr, Migration und Wirtschaft verknüpfen eine bunte neue Welt mit Deutschland.

Mit was sollte eine Partei da Erfolg haben? Was geht, ist ein Rückzug auf das rein Ökonomische. Mehr Geld für alle, darauf kann man sich wohl einigen, aber es reicht den Menschen zumindest im Moment nicht. Andere Gemeinsamkeiten schwimmen gerade. Schwere Zeiten für Parteien.

Robert Schumann | Mo, 1. Oktober 2018 - 07:59

Dieser Text wird bleiben, zumindest sollte er es. Er sollte einmal Zeugnis ablegen von unserer seltsamen Zeit. Von dieser vermeintlichen Belle Epoque oder vermeintlichen apokalyptischen Krisenzeit, je nach Stimmung. Was für ein seltsames Wesen ist der Mensch! - Insbesondere in seiner deutschen Ausprägung...

Joachim Wittenbecher | Mo, 1. Oktober 2018 - 08:16

Herr Heitmann fordert die Menschen auf, sich selbst geistig neu auszurichten und nicht zu warten, bis Parteipolitik, der die Erneuerung sichtlich schwer fällt, Angebote parat hält. Ich halte es für richtig, wenn sich der Einzelne geistig neu ausrichtet und sich dann Politikangebote für sein Engagement aussucht. Dies bedeutet aber, dass sich das herkömmliche System mit den Mitgliederparteien endgültig überlebt hat. Offensichtlich fühlt sich der Einzelne dort in ein zu enges , d.h. nicht pluralistisches Schema gepresst, also: enge Bindung, wenig Einfluss, aber Mitgliedsbeiträge - daran krankt das traditionelle, jetzt unattraktive Parteiensystem. Als Experimentierfeld und Lösungsansatz bieten sich die neuen Bewegungen wie "En Marche" und "Aufstehen" an; auch scheinen mir die Grünen und die AfD, die einzigen dt. Parteien mit Wählerzuwächsen, schon mehr Bewegung als Partei. Sieht die mittelfristige Zukunft vielleicht so aus: Account statt Mitgliedsbuch? Nur - wer zahlt die Beiträge?

Frank Rech | Mo, 1. Oktober 2018 - 09:04

1a Kommentar von Herrn Heitmann.

Das Problem betrifft nicht allein Deutschland, sondern den gesamten sog. Westen. Die durch alle Parteien und sozialen Schichten und bis in die Familien gehenden Auseinandersetzungen über den Brexit in Großbritannien, sind dafür das beste Anschauungsmaterial. Man weiß dort weder rückwärts noch vorwärts und so ist es auch in Amerika: ein vielfach gespaltenes Land, das aus Mangel an Perspektive den "bösen Russen" an die Wand malt.
Wir leben tatsächlcih in einer tiefgreifenden Zeitenepoche, wo nichts mehr als wahr angenommen und alles relativiert wird und kein Stein auf dem anderen mehr bleibt.
Auch die Mißbrauchskrise in der Kirche spiegelt dieses Phänomen wider.
Ja, niemand hat DIE Lösung parat und ehe es besser wird, wirds wahrscheinlich noch weit schlechter werden (müssen).
Ich hätt` eine "Alternative" für jeden persönlich, aber das wollen viele dann auch nicht: die Rückkehr zum Dreifaltigen Gott und Befolgung seiner Lehren und Heilsgebote.

Heinrich Niklaus | Mo, 1. Oktober 2018 - 14:18

In reply to by Frank Rech

Mein Gott, Herr Rech, sapere aude!

Monika Mantel | Mo, 1. Oktober 2018 - 17:05

In reply to by Frank Rech

Herr Frank Rech, Danke für Ihren tollen Kommentar.
Der letzte Satz hat mich dazu gebracht, hier zu schreiben.
Genau das ist der Weg. Gott hat doch selber gesagt: Ich bin der Weg,
die Wahrheit und das Leben. Ich meine damit ausdrücklich nicht die Kirche,
wie sie sich z.Zt. darstellt, sondern Gott (Jesus). Weil ich an SEINE MACHT glaube,
kann ich diese Zeit ertragen. Und ich will durch halten für meine
Kinder und Enkelkinder.

Ronald Lehmann | Di, 2. Oktober 2018 - 15:18

In reply to by Frank Rech

Ja, Herr Rech, da gebe ich Ihnen Recht. Ein Bekenntnis zu den zehn Geboten Gottes, zu Demut, Respekt & Selbstkritik müßten in den vielen Köpfen der Immerklugen eine Nachdenklichkeit erzeugen.
Deshalb bin ich aus der ELK ausgetreten, aber mit Gott und seiner Dreifaltigkeit im Gebet & in der Zwiesprache absolult im Einklang. Deswegen wurden von den Linken wie Rechten die Kirche immer stark bekämpft. Sieht man ja heute noch immer so. Oder haben Sie schon einmal eine Sendung erlebt, warum es befreiender sein soll, an Gott zu glauben. Aber wir glauben ja nicht mal an uns selbst (nicht das, was uns blendet!), oder die Vergänglichkeit, dafür aber an Geld, Macht & Rechthaberei. Sorry, so sehe ich das.

Dr. Florian Bode | Mo, 1. Oktober 2018 - 09:52

Merkel hat sich schon immer mehr durch Unterlassen, als durch Handeln schuldig gemacht. Unterlassene Konsequenzen für Betrug und Mißwirtschaft bei Banken und EU-Ländern, Unterlassenes Schließen der Grenzen. Unterlassene Konsequenzen für z. B. VW, aber auch das Unterlassen, sinistre Akteure wie die DUH in die Schranken zu weisen. Die Folge ist ein zäher Belag, der wie ein toxischer Fallout auf den politischen und gesellschaftlichen Institutionen, wie den Kirchen liegt. Diesen abzukratzen ist das nötige Handeln und Gebot der Stunde. Das wird tatsächlich nicht mit dem Rekurrieren auf die jüngere Geschichte gelingen, und zwar im Guten, wie im Bösen. Das sind sowieso untaugliche Kategorien. Wenn Berlin schon nach Hinten blicken will, dann auf hitorische Perioden, in denen Deutschland und Europa erfolgreich war. Wenn die tagenden Historiker mit ihrer Ergebenheitsadresse fertig sind, können sie ja Tipps geben.

Marco Brauer | Mo, 1. Oktober 2018 - 10:39

Der eigentliche politische Kampf in Deutschland besteht darin, dass sich einige vorgenommen haben, den Konservativismus in Deutschland als politisch relevante Kraft auszumerzen. Denn was heute die wesentlichen Positionen der AfD sind, wäre früher in der Union von einem Alfred Dregger, FJ Strauß oder Roland Koch vertreten worden. Aber Merkel & Co. hatten sich irgendwann vorgenommen, die Union als "Partei der Mitte" aufzustellen, woraufhin die konservativen Positionen an die AfD outgesourced wurden - sie ist quasi die politische "Bad Bank" der Union, die nun möglichst schnell abgewickelt werden soll.

Stefan Uhlig | Mo, 1. Oktober 2018 - 11:10

Tipp: ausgerechnet in der SZ gab es jüngst ein herausragendes Interview mit dem US-Politologen Mark Lilla. Hier einige Kernsätze:
„Rechts wird das Vakuum gefüllt, das links geschaffen wurde.“
„Menschen sehnen sich nach einem Nationalgefühl, sie wollen stolz sein auf ihr Land. Ohne dieses Gefühl der Zugehörigkeit gibt es keinen gesellschaftlichen Zusammenhalt. „
„Aber jetzt scheint es mir, als seien die Minderheiten für viele Linke zur Mitte der Gesellschaft geworden, und das ist faktisch falsch.“
„Weil die Linke von säkularen Snobs getrieben wird, die Toleranz für das eigene Weltbild einfordern, aber intolerant gegenüber Andersdenkenden sind. Die deutsche Linke fordert, dass man die Kultur und Lebensweise der Muslime akzeptiert, aber verweigert den Katholiken in Bayern ihre Ansichten.“
„Und dazu muss man Wähler überzeugen, muss man einen Schritt auf sie zugehen. Man muss sie dort treffen, wo sie sind, nicht, wo man sie sich wünscht. Sie werden nicht auf Knien angekrochen kommen.“

Danke für diese Auszüge, Herr Uhlig! Nein, 'wir' werden nicht auf Knien angekrochen kommen! Aber "ein Schritt" reicht bei weitem nicht, dafür ist die CDU zu weit nach links-grün marschiert und marschiert worden.
Aber es gibt offensichtlich einen - sehr kleinen - Hoffnungsschimmer: Wenn sogar die SZ (Schlimmste Zeitung) Testballons steigen lässt - um zu prüfen - wohin der Wind weht, dann rühren sich Blätter im Wald. Auch dass die CDU/CSU-Fraktion es wagte, eine geheime Abstimmung bei der Vorsitzwahl zu verlangen, ist so ein - sehr - kleiner Hoffnungsschimmer.
Nun mal schaun, was Bayern und Hessen so wählen...

Fritz Gessler | Mo, 1. Oktober 2018 - 11:34

d.h. CICERO weiss selbst noch nicht, nach welchem wind sein mäntelchen zu hängen :))
...
mündige bürger brauchen eigentlich keine parteien, sondern parteilose vertreter ihrer interessen: rechenschaftspflichtig ihren wählern, gebunden an wahlversprechen und abwählbar.
mündige bürger brauchen DIREKTE DEMOKRATIE, nicht diese peinliche politik-simulation.
im übrigen ähnelt die schlussphase von mutti merkels reierungszeit verblüffend dem ende der 'ära kohl' - die genauso von korruption, permanent sichselbstbelügen ('blühende lanschaften':)) und orientierungslosem dahinwurschteln gekennzeichnet war. in diesem polit-stil ist merkel gross geworden, schäuble ist noch der letzte unselige repräsentant dieser mehltauzeit.
...
ps: ein stilfehler im artikel zu monieren: 'der elefant, der... zur schnecke gemacht wird' :)) die redewendung bedeutet etwas ganz andres als vom autor intendiert: wäre doch der salafistenterror ab 2015 hier bloss zur schnecke gemacht worden! :))

Richtig, Herr Gessler! Ich würde gerne direkt Personen wählen, die nachweislich Kompetenzen haben, für das Fachgebiet, für das sie antreten! Neben der Rechenschaftspflicht ggü. dem Wähler, der Bindung an Wahlversprechen und der Abwählbarkeit sollte aber unbedingt auch die Haftung (strafrechtlich und finanziell) stehen, für den Fall, dass der Gewählte grob fahrlässig oder vorsätzlich einen Schaden
für Deutschland verursacht. Darüber hinaus sollte der Bund der Steuerzahler grundsätzlich in jegliche Planung und Gesetzgebung als vetoberechtigtes Organ einbezogen werden, um zu verhindern, dass die Kosten/ Folgekosten einer Planung oder eines Gesetzes aus dem Ruder laufen, sondern im Interesse des Steuerzahlers sorgfältig eingesetzt werden.

Willy Ehrlich | Mo, 1. Oktober 2018 - 14:27

Der wesentlichste Fakt innerhalb der Demokratie sind "Mehrheiten". Unsere Bundeskanzlerin hat die demokratische Mehrheit, die parlamentarische Mehrheit und die mediale Mehrheit. Die schweigende Mehrheit sitzt zuhause zufrieden auf dem Sofa und sieht (noch) gar keinen Grund, aufzustehen. Die politischen Gegner unserer Bundeskanzlerin sind vielschichtig und wollen alle etwas anderes. Dahinter lässt sich (noch) keine demokratische Mehrheit für irgendetwas anderes versammeln. Also erst einmal: "Weiter so!"

WolfrWam Rieger | Mo, 1. Oktober 2018 - 14:44

Zeit für die luschen und satten "Volksvertreter" ihre Sessel zu räumen.
Himmel, warum steht denn da keiner auf und probt den demokratischen Aufstand?

Arne Bruhn | Mo, 1. Oktober 2018 - 17:08

Ich gebe sonst nichts auf Fotos, aber bei dem Artikelfoto stutzte ich dann doch Zwar ist ja der 'Hitlergruß' verboten, die 'Antwort' des Führers aber nicht. Wähnt sich da die Dame als neue Führerin - oder war das nur ein Zufallstreffer des Fotografen?

maciste rufus | Mo, 1. Oktober 2018 - 18:56

In reply to by Arne Bruhn

so grüßte der ultrabrutale, wenn er seine lah abschritt und guter laune war. murxl ist natürlich historisch unbeschlagen...
battle on.

Renate Genth | Mo, 1. Oktober 2018 - 18:33

Es kommt darauf an, wie die Situation und Entwicklung betrachtet wird: als ständige lineare Vorwärtsbewegung oder als Wandern durch ein Labyrinth, in dem man in einer Sackgasse gelandet ist, wo es partout nicht weitergeht. Dann sollte man erst einmal zurückgehen zum Hauptgang und dann weitergehen. Die Wendung zurück, muß nicht grundsätzlich falsch sein.
Ebenso bietet es sich an zurückzugehen, wenn man vor einem Abgrund steht, um ein anderes Bild zu bemühen.

Dr. Michael Kubina | Mo, 1. Oktober 2018 - 19:43

Eine Ergänzung: Unser politisches System ist eine Demokratie, Macht bedarf hier der Legitimation durch den Souverän, das Volk, mittels freier und geheimer Wahlen. Die Unfähigkeit der Elite in Berlin Lösungen für, zum großen Teil ja selbst geschaffene (von Grenzwerten bis zur offene Grenze) Probleme zu finden, führt zu einem Legitimationsentzug, dieser wiederum zu einem Machtvakuum. Ein solches kann es aber nicht wirklich geben, es füllt sich binnen kürzester Zeit wieder. Das ist spannende Frage der nahen Zukunft: Wer füllt wie dieses entstehende Machtvakuum, wie wird derjenige seine Macht legitimieren

Günther Schulz | Mo, 1. Oktober 2018 - 20:09

Die inhaltliche Leere durchsetzt nicht nur die Politik, sie hat sich auch in den Gehirnen der Wähler manifestiert.Ausnahmen bestätigen die Regel.

Jacqueline Gafner | Di, 2. Oktober 2018 - 10:24

hilft auch ein gut gefülltes Portemonnaie nicht weiter. Was nützt das hellste Licht im Oberstübchen der Bürgerinnen und Bürger, wenn sie zu Sachfragen nichts zu sagen haben und es bei Wahlen am Ende weitgehend egal ist, wo sie ihre zwei Kreuzchen machen, da das - im Prinzip beliebig erweiterbare - "System GroKo" gewährleistet, dass eine faktische Abwahl der "Regierung" keine praktischen Konsequenzen hat, da sich "die schon länger im Bundestag vertretenen Kräfte" darauf geeinigt haben, Newcomer so lange als nicht existent zu betrachten, bis sie die Mehrheit im Parlament stellen? Auf nationaler Ebene ist die repräsentative Demokratie in Deutschland über weite Strecken doch nur noch Fassade, die mehr schlecht als recht kaschiert, dass die Sicherung der Brotkörbe des "bewährten" Politpersonals die allererste Priorität zu Berlin ist.

Walter Meiering | Di, 2. Oktober 2018 - 14:04

Was will man schon von einer politischen Klasse erwarten, deren Verständnis von Staatsraison sich darauf beschränkt, sich möglichst schnell und geräuschlos in einem europäischen Zentralstaat aufzulösen. Insofern war die Grenzöffnung und die darauffolgende Masseneinwanderung nur konsequent: die BRD trat als sich selbst schützendes und selbst gestaltendes Staatswesen aus der Geschichte ab und hat ein politisches Vakuum hinterlassen.