Angela Merkel und die SPD - Die Lösung aller Probleme

CDU-Vize Julia Klöckner legt ihren „Plan A2“ zur Flüchtlingspolitik vor, SPD-Vize Ralf Stegner zerreißt diesen umgehend in der Luft – und wirft sich Angela Merkel vor die Füße. Völliges parteiliches Chaos? Es gäbe einen Ausweg. Eine Glosse

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Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Montagmorgen, grauverhangen, und der Mann im Radio bellt kurz vor sieben näselnd seine Salven  aus dem Lautsprecher. Alles Idioten, die alles falsch machen, alles Unsinn, nichts, was der Moderator sagt („Das stimmt doch nicht“) hat auch nur ein Gran Richtigkeit.

Von welcher Radikalopposition ist der denn?, fragt man sich schlaftrunken und merkt dann: Das hier ist Ralf Stegner bei der Arbeit. Falls sich die SPD fragen sollte, wie sie aus ihrem 20-Prozent-Keller rauskommen will: Mit Stegner am Morgen sicher nicht. Der Parteivize von Sigmar Gabriel mäht alles nieder, was ihm in die Quere kommt. Für anderthalb Prozentpunkte Minus der Sozialdemokraten dürfte sein Amoklauf am Montagmorgen wieder gut sein.

Eine einzige Hörerin des Deutschlandfunks allerdings könnte sich beim Zähneputzen gefreut haben, wenn sie denn auch den Tag mit dem besten Politsender der Republik beginnt. Kanzlerin Angela Merkel ist ausgenommen vom Dauerfeuer des Ralf Stegner. Sie schütze er vor deren eigenen Leuten und auch vor dieser Julia Klöckner aus Rheinland-Pfalz, die in der Flüchtlingsfrage einen Plan hat, immerhin, der aber gar kein „Plan A2“ sei, sondern in Wahrheit ein „Anti-Merkel-Plan“. Und wieder wirft sich Stegner schützend vor die Kanzlerin wie Pierre Brice in „Winnetou III“ vor Lex Barker.

Und dann, stimuliert von einigen großen Schlucken starken Kaffees, beginnt ein Gedanke zu reifen. Es ist Zeit, über große Lösungen nachzudenken. Über Lösungen, die aus den üblichen Denkmustern ausbrechen.

Vielleicht auch nur ein Missverständnis


Und auf einmal ist alles ganz einfach. Auf einmal ist Deutschland wieder sortiert, nicht mehr durcheinander. Ein einziger „Move“, wie man heute so sagt, und alles Verzopfte löste sich in Wohlgefallen auf. Es hätte seine Richtigkeit, dass Ralf Stegner die Kanzlerin lobt, und Horst Seehofer und Wolfgang Schäuble und Thomas De Maizière und Jens Spahn und Julia Klöckner könnten endlich beherzt dagegen halten.

Vielleicht liegt der ganzen Misere einfach ein Missverständnis zugrunde, das der Kollege Alexander Osang schon vor Jahren indirekt, aber sehr anschaulich benannte. Merkel, so schrieb der ebenfalls aus dem Osten stammende Reporter in einem preisgekrönten Porträt, habe sich die CDU als Partei damals in der finalen DDR ausgewählt wie andere Leute eine Eissorte.

Mit anderen Worten: Es hätte statt Stracciatella (CDU) auch Pistazie (Grün) werden können, oder Erdbeer (SPD). Nun, Jahrzehnte nach dieser Beobachtung des geschätzten Kollegen, wäre es womöglich an der Zeit, noch einmal ein neues Eis zu bestellen.

Man stelle sich vor: Angela Merkel wechselte von der CDU in die SPD. Sofort hätte alles seine Ordnung zurück. Das politische Koordinatensystem stimmte wieder. Ralf Stegner wäre kein Irrlicht mehr und Horst Seehofer kein Nestbeschmutzer.

Ganz konsequenterweise müsste sich dann (was er vermutlich täte) Gregor Gysi seinen Rückzug aus der ersten Reihe der Linkspartei noch einmal überlegen, denn die SPD-Kanzlerin Merkel müsste sich dann logischerweise von einem rot-rot-grünen Bündnis wählen lassen.

Zu abgefahren? Man wird ja noch ein bisschen quer denken dürfen am Montagmorgen. Und wenn das Gedankenspiel nur dafür da ist, Ralf Stegner als Wochenstart zu ertragen.

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