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Wird Armin Laschet der Besuch von Angela Merkel im Wettstreit mit Markus Söder nutzen? / dpa

Merkel und Laschet auf Zeche Zollverein - Mutter, der Mann mit dem Koks ist da

Es soll ein Gegenstück zur opulenten Show des bayerischen Ministerpräsidenten sein: Armin Laschet lädt Angela Merkel erst ins Ständehaus Düsseldorf und dann in die Zeche Zollverein ein. Das soll bodenständig wirken und bleibt doch eine Inszenierung.

Autoreninfo

Marko Northe hat die Onlineredaktion von cicero.de geleitet. Zuvor war er Teamleiter Online im ARD-Hauptstadtstudio und Redakteur bei der "Welt". Studium in Bonn, Genf und Berlin sowie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 

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Marko Northe

So neusachlich wie sich Bernd und Hilla Becher auch gaben, ihre Fotografie des Förderturms 12 der Zeche Zollverein ist eine monumentale Ikone der Industriekultur. Mächtig ragt der Turm in der Bildmitte empor, dunkelgrau auf hellgrau, man meint, den Kohlenstaub vom Bild wischen zu können, und doch besticht die Fotografie durch eine fast klinische Disziplin in der Abbildung des Industriebaus. Dokumentieren wollte das Künstlerpaar, doch jedes Bild war auch eine Inszenierung.

Auch Armin Laschet versuchte es mit Bodenständigkeit, Nüchternheit und einer gewissen Arbeiterromantik, als der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Angela Merkel am Dienstag in die Zeche Zollverein geleitete. Zunächst hatte er sie zwar in das weniger proletarische Ständehaus in Düsseldorf eingeladen. Doch danach sollte es ins schwatte Herz des Ruhrpotts gehen, die Zeche Zollverein. 

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Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 18. August 2020 - 17:29

"leiden" kann und ich kann viele Politiker aus ganz unterschiedlichen Parteien "leiden", so sehr begrüße ich doch diese Reisen zu den Ministerpräsidenten der Bundesrepublik Deutschland zu genau dieser sehr schweren Zeit der Coronapandemie.
Zusammenhalt darf gezeigt werden, auch wenn sich Frau Merkel evtl. weiteres erhofft.
Ich dachte, dass der eher pompöse Besuch in Bayern auch mit dem Geburtstag der Kanzlerin zusammenhing, der doch ansonsten völlig unterging?
Ich finde Herrn Laschets Präsentation ansprechend, viele andere, vielleicht lebendigere wären möglich gewesen, aber evtl. auch ungeschützter?
Jedenfalls scheint mir dies eine Tour für Frau Merkel zu sein, eine die ich ihrer Bedeutung als Bundeskanzlerin, in ihren Augen vlt. eher in Richtung Staatsoberhaupt, jedenfalls angemessen finde.
Habe also nichts zu meckern.

hätte Sie besser zum Hermannsdenkmal führen sollen, um den Bayern zu toppen.

Manfred Sonntag | Di, 18. August 2020 - 18:31

Mit dem Transformationsprozess ist das so eine Sache. Das Ruhrgebiet hat sich bis heute nicht von der letzten Deindustrialisierung erholt. Das gleiche Schicksal trifft die mitteldeutsche Braunkohleregion. Und jetzt wird in beiden Regionen aus ideologischen Gründen schon wieder die Axt an die Beschäftigung gelegt. Davon werden sie sich sicher nicht mehr erholen. Und kein Wort zur Bildung als Zukunftssicherung für unser Land. Wir leben von den Reserven und merken nicht wie die Länder Ostasiens uns schon lange in den MINT Fächern überholt haben. Dafür haben wir unzählige Genderlehrstühle und andere von der linksliberalen Ideologie geprägten Fakultäten. Das komische ist, Gendern vorn & hinten, aber für die gleichen Rechte unserer Muslimas wird kein Gedanke verschwendet. Es werden stattdessen Verträge mit rechtsextremen Vertretern des Islams geschlossen (siehe Nurhan Soykan - gilt noch!). Unsere liberalen Muslime werden den bildungsfernen Eleven des Kalifats geopfert.

Holger Jürges | Di, 18. August 2020 - 18:33

wirkt auf mich die Symbolik des Fotos.

Aus dem laschen Laschet scheint es ob seiner Kanzlerambitionen zu tönen:

„Ich will, ich will – ich kann, ich kann und doch bleibt er ein Wichtelmann.“

und Merkel signalisiert:

„Seht her, seht her – ich hab´s vollbracht – hab den Deutschen das Unglück vermacht.

Wenn einst die Geschichtsbücher kundtun werden was wichtig war, im früheren Deutschland,
wird Merkel das Debakel gewesen sein und Laschet nicht einmal eine Fußnote.

Bernd und Hilla Becher, mit ihren Projekten und Aufnahmen, vornehmlich in den Industrierevieren entstanden, faszinieren noch heute. Kühl- und Wassertürme, Fördertürme, Hochöfen, Kohlebunker, Fabrikhallen, Gasometern etc.. Es sind Industrie-Typologien, die eine komplexe Industrielandschaft in großformatigen schwarz/weiß Abzügen zeigen- in einem „dokumentarischen“ Stil mit „Tiefenschärfe“.

Die Zeche Zollverein, heute Weltkulturerbe und Event-Location, nur noch ein Denkmal, denn die Räder stehen still. Es ist heute die Landschaft einer geschichtlich und technisch zuende gekommen Industrie, die jetzt in den Rang einer Landschaft erhoben wird, denn die Zwecke dieser Industrien sind obsolet geworden und die Arbeiter entlassen.

Und auch barocke Schlösser wurden nie für´s Volk erbaut. Auch in einer derartigen Kulisse sieht man den Rückzug der Zeit, sie dient der Erinnerung an Glanz und Gloria.

Bernhard Jasper | Mi, 19. August 2020 - 10:11

In reply to by Bernhard Jasper

Und so haben diese zunächst stilistisch unterschiedlich erscheinenden Kulissen, der imperiale Raum der kaiserzeitlichen Industrie, der Kohle und des Stahls, sowie die des Barock-Schlosses, das zur Repräsentanz benötigt wurde, eines gemeinsam:

Raum und Zeit werden mit einbezogen- auch eine Metapher für die Vergänglichkeit der Macht.

die Transformation des DDR-Systems in die Bundesrepublik sehen.
Das haben sich die Träger der friedlichen Revolution evtl. etwas schneller erhofft, das war aber vielleicht unrealistisch.
Angekommen sind wir jedenfalls in den politischen Weiten der Bundesrepublik Deutschland, unserem Grundgesetz, das wahrlich nicht nur für Westdeutschland erdacht wurde und zu dem sich die friedliche Revolution in der DDR befreite.
Ich glaube nicht, dass man sich um die Bundesrepublik Sorgen machen muss.
Jedenfalls nicht mehr als um andere Länder, bzw. diese um die Weltlage.

"Meine Arbeit ist erledigt", scheint Merkel zu signalisieren.
Und der blöde lächelnde Laschet daneben hat noch nicht kapiert,
was es heißt, das vergiftete Erbe dieser Frau zu übernehmen.
Sonst würde er nämlich alles andere lieber tun, als sich um die Kanzlerschaft
in Deutschland zu bemühen.

Sie können nicht im Ernst glauben, dass es wichtigen Menschen in der Bundesrepublik, ja weltweit, daran gelegen wäre, die CDU aufzugeben.
Nach meinem Erinnern gab es früh Versuche, Frau Merkel "zu entschärfen".
Ihr unglaubliches Beharrungsvermögen hat mir zumindest in den Sinn kommen lassen, dass evtl. auch die CDU nicht machen kann, was sie will.
Es kann auch sein, dass Herr Laschet, Frau vdL oder AKK ff. eine evtl. "solche Dimension" um Frau Merkel herum nicht wahrnehmen, wie vielleicht viele andere auch in anderen Parteien. Vielleicht irrt man sich selbst.
Sie bleiben für mich dennoch ernstzunehmende CDU´ler, weit mehr, als ich in Frau Merkel sehen würde.
Integre politische Arbeit beginnt genau da, bei integrer politischer Arbeit.

Bernd Muhlack | Di, 18. August 2020 - 19:47

Aha, soso - vielen Dank für diese sensationelle Info.

Das erinnert mich an die Hochwassersituationen vor einigen Jahren.
Kanzler Schröder in Gummistiefeln und Schaufel - Sandsäcke füllend.
Der Macher.
Später Kanzlerin Merkel, ebenfalls Gummistiefel und bedeutungsschwer in die Gegend zeigend:
"Seht, dort ist das Hochwasser!"
"Oh ja, jetzt sehen wir es auch!
Dank dir unsere Kanzlerin!"
"Stimmt so, sie kennen mich!"

Unsere Kanzlerin hat ja ein perfektes Beraterteam, so eine Art Prätorianergarde , der "innere Kreis - Angelas Nukleus".
Unter anderem Frau Eva Christiansen.

Nein, ich bin weder Anhänger von VT noch "Corona-Leugner", das ist ja Unsinn.
Gleichwohl erinnert diese Situation, das Handling an Figaros Hochzeit: "Corona hier, Corona da, Corona, Corana!"
C kann, muss für alles herhalten, als Entschuldigung dienen.

OHA:
„eine Reise, die jetzt nicht nur, sagen wir mal, Vergnügliches und Sehenswertes zeigt, sondern auch in den Kern europäischer Werte geht“.
Perfekter Merkelismus!

Ernst-Günther Konrad | Di, 18. August 2020 - 19:50

Was für ein peinliches Theater. Erst der Sonnenkönig in Bayern und jetzt der Bettelprinz in NRW. Die sollten alle mal zu Fuß, ohne Personenschutz dahin gehen, wo das Leben in NRW sich abspielt. Essen, Köln, Duisburg Marxlohe und die vielen anderen No-Go-Areas in NRW, die es offiziell nicht gibt, aber im realen Leben ständig wachsen.
Da hätte Frau Merkel ja mal ein Selfie machen können mit den Clan-Führern. Warum hat man sie nicht in eine Moschee geführt und an einer Koranlesung teilnehmen lassen.
Auch ein Besuch in einer typischen Kumpel Kneipe bei den ehem. Kohlebergarbeiter wäre doch mal ein Erlebnis gewesen. So spulte Laschet nur ein Sicherheitsprogramm ab und verhielt sich so gegenüber Merkel, wie man ihn kennt. Devot und angepasst.
Lädt demnächst Merz Frau Merkel zu Black Rock ein und Röttgen als Transatlantiker zu einem Blitzbesuch bei Donald?
Das ist doch alles für die Galerie. In einem Jahr kann noch viel passieren. Merkel zieht schon ihre Strippen im Hintergrund. Uffpasse

Michael Andreas | Di, 18. August 2020 - 20:46

Die Lebenserwartung ist seit Merkels Amtsantritt (2004 um 3 Jahre gestiegen. Das BIP stieg um 51,9% gestiegen, von 2,262 Billionen Euro in 2004 auf 3,436 Billionen Euro in 2019. Die Steigerung beträgt mehr als das Doppelte der Preissteigerungsrate (24%). Erwerbslosenquote nach ILO-Definition vom 9,5% auf 3% (2019) gesunken. Durchschnittliche Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 0 („überhaupt nicht zufrieden“) bis 10 („völlig zufrieden“) von 6,6 Punkten (2004) auf 7,1 Punkte (2019) gestiegen (SOEP Panel). Zufrieden mit ihrem Leben: sehr zufrieden 33%, ziemlich zufrieden 60% (Umfrage im Auftrag der EU-Kommission, Herbst 2019)
Zahl der Geburten von 705.000 auf 778.000 gestiegen, von 1,4 auf 1,57 Kinder je Frau.
Anzahl registrierter Straftaten von 6,633 Millionen auf 5,436 Millionen gesunken (Rückgang 18%).
Erwerbstätige mit Ingenieursstudium: 2004 739.000 (SZ vom 13. November 2015), 2018: 1,1 Millionen (Bundesanstalt für Arbeit).

Man kann zu mehreren positiven Kennzahlen Begründungen dafür finden, dass die Kennzahlen trotz Merkel relativ gut sind, oder dass sie bei genauerem Hinsehen überhaupt nicht so gut sind. Die Mängel sind im Strukturellen. In industriell noch viel besseren Zeiten ist die Umstrukturierung in NRW nur sehr teilweise gelungen, und, das war zu langsam und zu teuer. Zukünftige Umstrukturierungen, wie die Lausitz, werden noch schwieriger werden, weil es immer weniger Industrie und mehr Paketboten gibt. Im Kreis der Gebildeten haben die Diskussionswissenschaftler die MINT-Wissenschaftler weit überflügelt, und, selbst in politischen Spitzenpositionen sind Studienabbrecher mit großer Klappe schon länger normal. Ein innen- und/oder europapolitisches Weiter-So wird unweigerlich zu einem allmählichen Abstieg in den nächsten Jahren und Jahrzehnten beitragen. Und, die zahlreichen Kinder der aus anderen Kulturkreisen Zugewanderten werden dies nicht ändern.

Ja, Herr Kopp, und ebenso spielen Investitionen eine dominierende Rolle, um hoffnungslos veraltete Regionen in der Republik eine Anschlussfähigkeit zu ermöglichen. Das ist jedoch immer eine Herkulesaufgabe (dabei ist Fremdenfeindlichkeit ein gravierendes internationales Investionshemmnis).
Wir sind übrigens mitten drin im Strukturwandel und keiner weiß so genau wo die Reise hingeht. Was kann man also tun? Eine Antwort ist, Bildung, Bildung, Bildung.

gabriele bondzio | Di, 18. August 2020 - 20:58

Herr Northe, da kann ich so richtig mit rocken. Absoluter Falco-Fan. Den Titel zum schreiben des Kommentars, in der Musikdatei aufgerufen.Und immer entzückt wenn die Doppeldeutigkeit eines Wortes zielgenau eingesetzt wird.„Man nehme eine einfache Rezeptur und aus Koks wird wieder Kohle.“
Ich hab kein Geld und du (Pardon ) hast kein Geld, wer hat den Mann mit dem Koks bestellt? Ich jedenfalls nicht.
Kulissen ändern sich, bleiben aber Kulissen, zumindest für die Statisten. Nachdem die SPD vor geprescht ist werden die Kandidaten der CDU/CSU unruhig. Besonders Laschet sieht sich ins Hintertreffen geraten.
Der eine mit Monarchie Romantik der andere mit Arbeiterromantik. Romantik bleibt schlussendlich Romantik. Aber Merkel als romantisch ambitioniert, übersteigt irgendwie meinen Horizont.

helmut armbruster | Mi, 19. August 2020 - 09:15

ein Museum zeigt immer in Richtung Vergangenheit, ist also irgendwie Schnee von gestern.
Für Gegenwart und Zukunft ist das Museum nicht zuständig. Höchstens kann es dazu einladen sich auf längst vergilbten Lorbeeren auszuruhen.
Die beiden haben damit - womöglich unbewusst - signalisiert, dass sie rückwärts gerichtet sind, dass sie mit Aufbruch und Zukunft nichts am Hut haben.
Sozusagen ein symbolisches Fettnäpfchen.

Norbert Heyer | Mi, 19. August 2020 - 11:26

Nach dem bayerischen Titelanwärter war es nun an Herrn Laschet, seiner Kanzlerin Einblicke in seine Arbeit zu geben und dann auch noch ein Besuch auf Zeche Zollverein, wo in besseren Zeiten Tausende von Kumpel sehr gutes Geld verdienten. Heute sind dort Kneipen, einiges an Gewerbe und natürlich ein Museum mit Einblicken in die harte Arbeit der Bergleute. Nach Herrn Söder lobte die Dame auch Herrn Laschet über den grünen Klee, beide rechnen sich wohl Chancen auf die Nachfolge aus. Das erinnert mich an meine Schulzeit: Die Klassenlehrerin lobte zwei Jungen, die als Klassensprecher geeignet wären ... gewählt wurde am Ende ein Mädchen. Irgendwie geht mir diese Geschichte nicht aus dem Kopf, denn ich sehe da gewisse Parallelen. Ein Lob von Frau Merkel kann auch ein vergifteter Apfel sein, denn diese Frau hat immer wieder bewiesen, dass sie es mit Ehrlichkeit und Anstand nicht so hat.Entscheidend wird auch sein, wie sich die Wirtschaft weiterhin entwickelt, Ende also noch vollkommen offen.

Charlotte Basler | Mi, 19. August 2020 - 20:35

oder schon die ersten Wahlkampfbesuche für die eigene Wiederwahl? Wem wird denn gehuldigt bei diesen Besuchen? Wir kennen sie womöglich noch lange nicht. Im Herbst 2021 ist sie evtl. die einzige Hoffnung die uns noch bleibt. Und dabei sagen böse Zungen, sie hätte sich nur auf den Reformen ihres Vorgängers ausgeruht.