Was für Rot-Gelb-Grün spricht - Der Reiz der Ampel

Es gibt viele gute Gründe, eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP für unrealistisch zu halten. Aber es gibt ebenso viele, sie als echte Alternative zu Schwarz-Grün zu begreifen. Man sollte diese Option nicht vorschnell verlachen.

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Vorbild für den Bund? Die Ampel-Koalition mit Ulrike Höfken, Malu Dreyer und Volker Wissing in Rheinland-Pfalz / dpa

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Wahrscheinlich gibt es das Wort gar nicht: Überfreut. Aber das psychologische Phänomen kennt vermutlich jeder. Da fiebert man über einen ganz langen Zeitraum auf ein Ereignis zu, das aber auf sich warten lässt und warten lässt. Und wenn es dann endlich da ist, dann hat es seinen Reiz schon verloren. Die Vorfreude war zu groß, das Warten zu lang. Nichts ist so schal wie eine Idee, deren Zenit schon überschritten ist, bevor sie Wirklichkeit  wird. 

Bieder wie eine heterosexuelle Ehe

So ist das mit Schwarz-Grün. Seit anderthalb Jahrzehnten warten Freunde und Anhänger dieser Koalitionsoption darauf, dass sie im Bund Wirklichkeit wird. Weil sie so anders wäre, weil ihr lange etwas fast Frivoles anhaftete. Über die Jahre aber ist sie so langweilig geworden wie eine biedere heterosexuelle Ehe. Die Grünen von heute und die CDU, die Angela Merkel geschaffen hat, das ist inzwischen die konventionellste Koalitionskonstellation. Reizvoll allenfalls, wenn, wie in Baden-Württemberg, das Koch-und-Kellner-Prinzip zugunsten der Grünen umgedreht wird. 

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gabriele bondzio | Di, 1. September 2020 - 08:39

Und dann ist die Spannung raus, es ist nur noch ein alltägliches Ereignis. Schwarz-vielleicht noch, aber Grün – nein Danke! Obwohl ich doch ein recht umweltbewusster Mensch bin, habe ich nicht die Überzeugung, dass sich meine Vorstellungen mit denen der Grünen decken.
Ich weis auch nicht im Moment, ob diese Kombination den gesellschaftlichen Streit beilegen könnte.
Meine Antipathie auf das politische Grün, ist durch verschiedene politische Aussagen in der letzten Zeit eher noch gestiegen. Und die Kombi mit Schwarz würde voraussetzen, dass diese noch weiter links fahren. Um die völlig verschiedenen Gesellschafts- und Gerechtigkeitsvorstellungen unter einen Hut zu zaubern. Auch denke ich, dass ein hoher Prozentsatz der Grünen eher
Rot-Grün, gefolgt von Rot-Rot-Grün im Kopf hat. Grausig darüber nachzudenken!

Eine Ampelkoalition im Bund ist momentan nur vorstellbar, wenn die FDP zur 'Block-Partei' einer rot-gruenen Herrschaft degeneriert. Konnte man die 'schwarze Ampel' in Schleswig-Holstein noch als interessantes Experiment betrachten, zeigte Rheinland-Pfalz 2016, welche Rolle die FDP (auch) spielen soll. In RPF hatten die Grünen ein Desaster erlebt; 10% der Wählerstimmen und zwei Drittel ihrer Mandate verloren (5.3 %). Herr Wissing ermöglichte der eigentlich abgewählten rot-gruenen Koalition und den eigentlich auf Landesebene zerstörten Grünen unter der Maske der 'Ampel' an der Macht zu bleiben!
Frau Teuteberg hatte sich in klugen Beiträgen (Grundgesetz, AntiFA, Mauer, Einheit) profiliert und gewarnt, Liberale 'dürften die Erzähung(en) der Linken nicht kritiklos übernehmen' (vgl. Facebook).
Sie mußte gehen, weil sie die stört(e), die an einer 'Ampel' basteln !

https://www.welt.de/debatte/article213641750/Linda-Teuteberg-Wir-duerfe…

Frage an Frau Bondzio: Welche Partei würde denn überhaupt Ihren politischen Vorstellungen entsprechen oder nahe kommen?
Diejenigen der FDP? Die FDP weiß gegenwärtig überhaupt nicht mehr, wohin sie tendieren soll: Zu einer Vertretung der Großkonzerne und der Finanzwelt oder doch zu einer Mittelstandspartei, der sich im Zweifel alle zugehörig fühlen.
Die Grünen haben leider ihre früheren Ideale verraten. Spätestens als ein Außenminister dieser Partei, nämlich Joseph Fischer, die deutsche Luftwaffe in Ex-Jugoslawien zum Einsatz brachte, hatte diese Partei ihre "politische Unschuld" verloren.
Bleibt nur noch Die Linke als Partei ohne jede Kriegshypothek. Wie lange noch?

Wolfgang Jäger | Di, 1. September 2020 - 09:07

Ja, man kann diese Dinge gedanklich durchspielen.
16 % + 17,5 % + 6 % = 39,5% So sieht momentan die Rechnung nach der neuesten INSA-Umfrage aus. CDU/CSU und Grüne bringen momentan 54% auf die Waage. Die Richtung zeigt dennoch klar nach links. Immer noch besser als RRG (41%)? Wo bleiben die Interessen der Anhänger der WerteUnion? Man könnte ja auch einmal folgendes Gedankenexperiment wagen: CDU/CSU,FDP und AfD= 53,5%. Entscheidend wird die Frage sein: Will Deutschland einen weiteren Linkskurs, egal welcher Parteienkonstellation oder entscheidet man sich für eine Korrektur von Merkels fatalem Kurs der letzten Jahre. Bei der AfD gibt es nicht nur Höckes und Kalbitze. Das scheint man völlig zu vergessen. Aber schon beim Gedanken daran muss man damit rechnen, als Nazi diffamiert zu werden. CICERO sollte aber den Mut haben, auch einmal diese Gedankenspiele öffentlich auszusprechen. Aber wahrscheinlich muss der Karren noch viel tiefer in den Dreck, bis man es endlich begreift.

Eine Koalition mit der rechtsextremistischen AfD würde CDU und FDP sprengen.

Spaltung und massenhafte Austritte wären die Folge. Kurz: Keine bürgerliche Partei würde einen solchen politischen Suizid-Versuch überleben.

Nein, die AfD besteht nicht nur aus Kalbitz und Hoecke. Aber irgendjemand hat diese Typen ja an die Spitze ihrer Landesverbände gewählt. Irgendjemand hat den Ersatz-Kalbitz "Chrupalla" zum Bundesspecher gemacht.

Soll heissen: Hocke und Kalbitz - man könnte auch zahlreiche andere Namen nennen - stehen für eine "Denke", die in der Partei weit verbreitet ist.

Man müsste erst einen Großteil der Parteimitglieder loswerden, um die Partei einigermassen koalitionstauglich zu machen. Politikfähig wäre sie deswegen allerdings noch lange nicht.

Eine Wende in unserer Politik wird es erst geben, wenn der Karren noch tiefer
in den Dreck gefahren ist, d. h. wenn die wirtschaftliche u. gesellschaftliche
Situation viel schlechter geworden ist.
Deshalb tut man zur Zeit ja seitens der Regierung a l l e s dafür, um das Erreichen dieses schlimmen Zustands (der mit tödlicher Sicherheit kommen wird) herauszuzögern!
Was glauben Sie denn, warum das Kurzarbeitergeld u. alle staatlichen Unterstützungsprogramme bis n a c h der Wahl 2021 verlängert wurden?
Damit der "Knall" (= massenweise Insolvenzen u. Arbeitslosigkeit) erst d a n a c h
kommt!
Dann aber haben die Deutschen nichts mehr zu wählen, sondern nur noch zu schlucken! Jetzt, da ihnen endlich u. mehrheitlich die Augen aufgehen, würden sie in größerer Zahl AfD wählen, aber der Zug ist dann erst mal für
weitere vier Jahre abgefahren .
Wir gehen unruhigen Zeiten entgegen, und ob nach dem Knall Linke o. endlich mal wieder Konservative das Ruder übernehmen, ist noch nicht ausgemacht.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass nach der Wahl 2021 eine solche zustande kommen könnte. Immerhin verweigert sich derzeit immer noch eine BT-Mehrheit einen AfD-Abgeordneten als Vize-Präsidenten zu wählen. Wir haben einerseits den hysterischen Kampf gegen Rechts, und, wir haben andererseits auch sehr viele AfD-Abgeordnete, in den Landtagen und im BT, die mit Recht nicht als " politisch salonfähig" angesehen werden. Es ist noch nicht die Zeit für ein " bürgerliches Lager".

Die Grünen mussten nach ihrem Einzug ins Parlament 15 Jahre warten auf eine Regierungsbeteiligung. Und in der Zwischenzeit verließen die Linksradikalen die Partei. Die AfD mag gerne noch 11 Jahre an sich arbeiten und endlich mit ihren rechtsextremen Auswüchsen fertigwerden.

"Aber wahrscheinlich muss der Karren noch viel tiefer in den Dreck, bis man es endlich begreift."
1989 trugen die Demonstranten in Leipzig zahlreiche selbstgeschriebene Transparenter mit sich.
Eines davon lautete: "Der Karren steckt zu tief im Dreck, die alten Kutscher stecken zu tief im Greck."
So auch heute. Es ist schlimm.

Urban Will | Di, 1. September 2020 - 10:19

waren die Grünen noch eine Art „Partei“. Mittlerweile habe ich mehr das Gefühl, dass sie zur Sekte mutiert sind.
Ihre Uridee des Umweltschutzes – der mittlerweile bei allen Parteien Thema ist – ist zur Wahnvorstellung eines sterbenden Planeten verkommen, der von D aus mit allen Mitteln gerettet werden muss, seien die nun sinnvoll oder nicht, egal ob und wie es diesem Land schadet.

So gesehen halte ich die Grünen für nicht geeignet, die Geschicke dieses Landes zu bestimmen, was in einzelnen Bundesländern passiert, spielt da keine Rolle.

Die FDP würde sich als Ampel – Teilnehmerin selbst umbringen, da sie mit großer Sicherheit einem grünen Kanzler ins Amt helfen würde. Schon alleine diese Aussicht wird viele ihrer Wähler abschrecken, daher glaube ich, dass Wissing seiner Partei sehr geschadet hat.
Also abwarten, ob die überhaupt noch reinkommen.

Schwarz – Grün ist, wie Sie sagen, langweilig, weil es eigentlich Grün – Grün heißen muss.
Merkel hat die Schwarzen entseelt.

Holger Jürges | Di, 1. September 2020 - 10:22

...die "Etablierten" werden weiter den Pfad der Aushöhlung und Zerbröckelung Deutschland gehen, was Werte und Tradition betrifft, Herr Schwennicke. -

Die Vernunftbegabten sind in der Ära Merkel längst ausgesiebt worden.

Eine kleine Hoffnung bleibt: Vielleicht wird Friedrich Merz Kanzler: Wagte er doch in einem Talk zu insistieren, dass zwei (eigentlich) Grün wählende Lehrerinnen sich ihm gegenüber darüber beklagt hätten, dass sie das Missverhältnis in den Klassen, welches kausal bei der Anzahl und dem Verhalten von muslimischen Schülern läge, fachlich und moralisch nicht mehr zu stemmen sei. - Welcher Kanzlerkandidat sonst in Deutschland würde es wagen, solche Feststellung respektive Meinung bei den ÖR zu äußern ??
Nun, man wird sehen - es kann noch eine Menge geschehen; vielleicht wird gar der Michel angesicht bedrohlicher Entwicklungen hellsichtiger, was dann folgerichtig die AFD stärken würde. - Dieser kleine Hoffnungs-Konjunktiv sei gestattet Herr Schwennicke...

helmut armbruster | Di, 1. September 2020 - 10:26

gelb passt nicht zu rot und auch nicht zu grün
rot passt nicht zu gelb, zu grün vielleicht
grün pass nicht zu gelb, zu rot vielleicht
Aber der Inhalt interessiert die Beteiligten sowieso nicht.
Sie wollen an die Regierung, an die Macht.
Dafür ist jede Verbiegung recht, wenn am Ende eine Regierungsbeteiligung steht.
Armes Land, armes deutsches Wahlvolk. Um euch geht es nicht. Ihr seid nur das Hindernis auf dem Weg zur Regierungsbeteiligung.
Dass man das so offen feststellen muss ist ein trauriger Aspekt unserer Demokratie. Vielleicht sollte man das Wahlrecht so ändern, dass eindeutige Mehrheitsverhältnisse zustande kommen können.

Gerhard Schwedes | Di, 1. September 2020 - 10:59

Mit solchen Gedankenspielchen zieht dadaistisches Denken in die politischen Überlegungen ein. Man kann darüber nur noch den Kopf schütteln. Solche Gedankenspiele sind nur von einer Klasse anzustellen, die recht gut situiert ist, ihre Schäfchen bereits gegenüber der anstehenden Krise ins Trockene gebracht hat und von denen auch solche Überlegungen angestellt werden, wohin man sich notfalls, wenn es denn ganz schlimm kommen sollte, ins Ausland absetzen könnte. Zum Schluss eine Frage an Herrn Schwennicke: Wie passt eigentlich der Artikel über die total missratene Migrationspolitik der Kanzlerin zu einem derartigen gedanklichen Schrott? Beide Artikel zusammengenommen - da will einfach gar nichts zusammenpassen. Ist dies vielleicht das neueste Cicero-Niveau? Man könnte den Begriff Dadaismus auch durch politische Phantasterei bzw. Unverantwortlichkeit ersetzen. Aus meiner Sicht: unterstes Niveau.

Wolfgang Tröbner | Di, 1. September 2020 - 11:40

mit den Roten und Grünen, die innerlich auch nur rot sind, gemeinsame Sache zu machen, ... Ich gehe davon aus, dass die FDP danach allerdings endgültig verschwindet. Dann entspricht sie genau dem Bild, das ich seit langer Zeit von ihr habe. Egal, welche Politik, Hauptsache, man sitzt wieder am Futtertrog. Als Oppositionspartei war/ist die FDP eine einzige Enttäuschung.

Fritz Elvers | Di, 1. September 2020 - 14:00

wird nicht mehr möglich sein, da die SPD sich mit ihrem Personal selbst eledigt hat.

Die FDP wird wohl leider ohnehin die 5% reißen.
Also schwarz/grün, vielleicht mit Rest-SPD, wenn es nicht reicht.

Juliana Keppelen | Di, 1. September 2020 - 14:38

2005 eine Rot-Grün-Gelbe Ampel dem hat sich aber damals Herr Westerwelle vehement verweigert. Denn nicht vergessen damals gab es einen Part im Bundestag sowohl die SPD als auch die CDU (Beide 33%) konnten nur mit einem Dreierbündnis regieren oder mit großer Opposition. Es kam wie es kam, große Koalition und eine ewige Kanzlerin. Im nachhinein denke ich, dass mit einer Rot-Grün-Gelben Koalition uns einiges erspart geblieben wäre.

Ernst-Günther Konrad | Di, 1. September 2020 - 16:43

Bin völlig Ihrer Meinung. In der AFD sind nicht nur Höcke und Kalbitz, egal wie man zu ihnen steht, sondern angesehene, parteipolitisch zu einem großen Prozentsatz unvorbelastete, beruflich und akademisch ausgebildete, mit langjähriger Berufs- und Lebenserfahrung versehene Politiker, denen man glaubt was sie sagen. Nein, nicht jede Sichtweise ist die meine, aber doch die allermeisten. Das ist doch bei jeder Partei so.
Je mehr die AFD unterschlagen wird und wurde, desto intensiver informiere ich mich auf deren Kanäle über ihre politischen Standpunkte zu allen möglichen bundes- und landespolitischen Themen. In den Videos wird einfach verständlich, die Positionen aller Parteien wiedergegeben und erklärt. Wie wichtig die Partei ist, sieht man daran, dass sie durch etliche Anfragen einige "Schweinereien" der Regierung aufdecken konnten. Welche? Das muss jeder selber lesen und hören. Nur so viel, in einer neutralen Medienwelt hätte das einigen Ministern und Abgeordneten den Posten gekostet.

Hubert Sieweke | Mi, 2. September 2020 - 00:50

nach der Kommunalwahl in NRW und dem großen Zerfall der dortigen SPD, werden die Argumente des irrlichtenden Herrn Schwennicke beerdigt sein. Die SPD war mal, auch in ihrer sogenannten Herzkammer. Man lacht über die netten Leute, mehr nicht mehr.

Manfred Schmidt | Mi, 2. September 2020 - 17:02

Es gibt gute Gründe sich nicht länger Regierungen mit einem „so wohl als auch“, was ja der eigentliche Markenkern von Regierungskoalitionen ist, zu wünschen sondern endlich eine Regierung entstanden aus einem „entweder oder“. Von Ersterem habe wir in den letzten Jahrzehnten genug gehabt, mit unübersehbaren Begleiterscheinungen. Wegen dem Machterhaltungstrieb der jeweils stärkeren Regierungspartei kam dann in den Regierungszeiten das „entweder“ regelmäßig unter die Räder. Oder nach dem Löffeln eines farblich und geschmacklich servierten undefinierbaren Breis, landete man am Ende immer bei einer roten Soße. Die uns selbst auferlegte demokratische Probezeit nach dem Krieg müsste, statt zum Dauerzustand zu werden, endlich zu Ende gehen.