Reichstagsgebäude in Berlin/ dpa

Umfrage - Vertrauen in Demokratie nimmt rapide ab

Die Deutschen vertrauen der Demokratie einer Umfrage zufolge immer weniger. Viele glauben, führende Politiker und Medien leben in einer eigenen Welt, aus der sie auf die Bevölkerung herabschauen. Das Vertrauen in die Parteien ist auf einen Tiefpunkt gesunken.

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Das Vertrauen der Bundesbürger in die Demokratie nimmt einer Umfrage zufolge rapide ab. Während im Herbst 2021 erst knapp ein Drittel der Befragten angab, weniger großes oder geringes Vertrauen in die deutsche Demokratie zu haben, stimmten der Aussage in diesem Sommer bereits mehr als die Hälfte der Deutschen zu (54 Prozent), wie aus einer am Donnerstag in Hamburg veröffentlichten Befragung im Auftrag der Körber-Stiftung hervorgeht.

Noch dramatischer sei der Vertrauensverlust der Bürger gegenüber den Parteien. Hätten 2020 noch 29 Prozent der Bundesbürger angegeben, Parteien zu vertrauen, sei der Wert 2021 bereits auf 20 Prozent gefallen und habe nun mit 9 Prozent einen Tiefpunkt erreicht.

An der repräsentativen Befragung von policy matters im Auftrag der Körber-Stiftung beteiligten sich im Juni und Juli 1113 Erwachsene. Rund 90 Prozent von ihnen erklärten dabei, dass ihnen ein Leben in Freiheit, Gleichheit vor dem Gesetz sowie das Recht auf freie Meinungsäußerung und freie und geheime Wahlen wichtig seien.

 

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Gleichzeitig sagten 71 Prozent aber auch, dass führende Leute in Politik und Medien in ihrer eigenen Welt lebten, aus der sie auf den Rest der Bevölkerung herabschauten. Fast die Hälfte der Deutschen (46 Prozent) findet, dass es im Land weniger bis gar nicht gerecht zugeht.

86 Prozent der Deutschen wünschen sich den Angaben zufolge, bei wichtigen Entscheidungen stärker einbezogen zu werden. Das bezieht sich vor allem auf die kommunale Ebene (93 Prozent) sowie die Landesebene (91 Prozent). Aber auch auf Bundesebene hielten die Deutschen eine stärkere Beteiligung für wichtig (85 Prozent).

„Eine beunruhigende Entwicklung“

Gleichzeitig bejahte aber auch mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) die Frage, ob zur Lösung der Probleme Politiker und Politikerinnen nötig seien, „die mehr Macht und Durchsetzungswillen haben, um schnell und durchgreifend Entscheidungen fällen zu können“.

Für den Leiter des Bereichs Demokratie, Engagement, Zusammenhalt der Körber-Stiftung, Sven Tetzlaff, bedeuten die Ergebnisse, dass das Vertrauen der Deutschen in die Demokratie und ihre Institutionen auf einer abschüssigen Bahn ist. „Zusammen mit wirtschaftlichen Sorgen der Menschen ist das eine beunruhigende Entwicklung.“

Die Hälfte der Befragten bezweifele, dass das Land für die Transformationsaufgaben gewappnet sei. „Das bremst die notwendige Veränderungsbereitschaft der Menschen zur Bewältigung der großen Herausforderungen deutlich.“

dpa

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Ingo frank | Do., 17. August 2023 - 14:34

dass die etablierten Parteien und die Medien aus ihren speziellen Blasen auf uns,das Volk, herabschauen?
Es kommt mir vor das es nur einen Grund, nur eine Überlegung gibt die die Blase der etablierten Parteipolitik hat, wie können die demokratische Freiheit weiter eingeschrenkt werden und welche Möglichkeiten ergeben sich daraus, der Bevölkerung weitere finanzielle Belastungen aufzuerlegen. Und, Staaftsfunk- Fernsehen & Presse spielen mit.
Allerdings regt sich langsam aber stetig Wiederstand und die Schuldzuweisungen für das Erstarken der AFD wird wie eine heiße Kartoffel von CDUcsu über Rot, Grün Gelb bis Dunkelrot weitergereicht. Eine Reflexion über „ eventuelle“ Fehler erfolgt nicht und das auch quer durchs Spektrum der Etablierten. Alles gut wir sind fehlerfrei, die Schuld liegt immer bei den anderen. Und egal welche Partei gewählt wird, nie nationale Front gewinnt immer & stellt den Kanzler. Einfach klasse !
Mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Henri Lassalle | Do., 17. August 2023 - 15:45

asymmetrische Verschiebung: Den immer komplexer werdenden neuartigen Problematiken steht ein Politpersonal gegenüber, das unfähig ist, adäquat nicht nur zu reagieren, sondern auch zu agieren, und zwar effizient. Man folgt dem gewohnten Trott, alten "Gewissheiten" und Ritualen, vergilbten vermeintlichen Rezepten und geniesst die materiellen Privilegien, die ihnen ihre Ämter sichern. Und ohne verwässernde Endlosdiskurse geht es nicht. Das zweite Problem: Die Menschen im Land wählen immer wieder die gleichen Politiker (siehe "Mutti" A. Merkel) oder Politiker des gleichen Typus. Demokratie heisst Mitsprache, aber wenn sie dem Politpersonal blind vertrauen und ihm laisser-faire zu billigen, um Ruhe zu haben, dann ist eben, wie man in Deutschland sagt, "Hopfen und Malz verloren".

Walter Bühler | Do., 17. August 2023 - 19:49

Antwort auf von Henri Lassalle

Heutige Politfunktionäre erscheinen wie großgeratene Kinder, die in die viel zu großen Schuhe eines Parlamentariers gesteckt worden sind. In diesen klobigen Schuhen können sie gar nicht laufen, also auch nicht ihre politische Aufgabe erfüllen.

Der übergewichtige parlamentarische Dienst und die zugekaufte "Expertise" von "Denkfabriken" können daran auch nichts ändern, denn Ideologiefixiertheit und Lernunfähigkeit haben sich bei Berufspolitikern zu völliger Beratungsresistenz verbunden.

Ja, Herr Lassalle, auch ich kann bei keinem regierenden Funktionär erkennen, dass er "etwas kann", dass er also aktiv zur Lösung irgend eines beliebigen realen Problems beitragen könnte. Typische Regierungskunst ist das "laisser-faire" - die politische Kunst, sich vor jeder Arbeit zu drücken und sich nur vor dem medialen Establishment und vor der eigenen Klientel theatralisch in Szene zu setzen - und Geld zu verschleudern.

Diesen üblen Zustand können die "braven" Medien heute nicht mehr wegretuschieren.

Sabine Lehmann | Do., 17. August 2023 - 17:18

Wie krank diese Republik ist, wurde dieser Tage wieder einmal in unserem von Allen geliebten Öffentlichen Rundfunk sichtbar. Neuerdings gefallen sich ja gewisse Sender aus Mainz und Köln darin, vor der Ausstrahlung von Filmen oder Beiträge für den minderbemittelten Zuschauer einen Warnhinweis einzublenden, der "dezent" darauf hinweist, was man/frau zu denken und zu fühlen hat. Da wird gewarnt vor Gewalt, Diskrimierung u. unkorrekter Sprache. Jetzt könnte der unbedarfte Gebührenzahler denken, es handele sich dabei sicherlich um verstörende Gewaltfilme, die entweder ab 18 sind oder auf dem Index standen, doch weit gefehlt. Diese Woche war Otto dran!! Vorher gab es das aber auch mit Winnetou-Filmen u. Tatorten mit Schimanski. Wie gestört müssen alimentierte Verantwortliche dieser Anstalt sein, um einen solchen Schwachsinn zu produzieren. Wie blöd muss man sein?
Hat zwar jetzt nicht direkt mit deutscher Politik zu tun, aber indirekt doch. Symptome einer kranken Republik und Gesellschaft!

Ronald Lehmann | Do., 17. August 2023 - 17:35

Auch wieder so eine von den Floskeln, um die ganze Situation zu beschwichtigen

& ja Herr IngoFrank,

Medien, die treibende Kraft & die Söldner mit Schwert & Schild der Macht/Politiker

für die Wahrung dieser ganzen Farce & Fassaden

& das bereits seit den 90-iger Jahren, ungetrübt & von Tag zu Tag Scheibchenweise immer schlimmer

ohne dass von einem Bürger ein so lautstarkes HALT durch die Straßen & Städte Deutschlands trönt, dass selbst der taubeste Michel erwachen muss & laut fragen wird, was denn gerade hier passiert ist

Hans-Hasso Stamer | Fr., 18. August 2023 - 12:37

...und daran hapert es - an den Demokraten.
Die führen die Demokratie nur ständig im Munde, ohne sich im geringsten daran zu halten. Während Corona wurden sämtliche Grundrechte ausgehebelt, sie sind inzwischen nichts mehr wert. In Erfurt wurde gegen jede Gesetzlichkeit eine Wahl rückgängig gemacht, indem man den gewählten Vertreter zum Rücktritt gezwungen hat auf widerlichste Art und Weise, bis hin zur Bedrohung der Familie durch herbeigekarrte Antifa. Das Rechtssystem ist ausgehöhlt, ein Michael Ballweg wird ein 3/4 Jahr eingesperrt, Lina Engels wird freigelassen. Ich könnte 1/2 Stunde so weiterschreiben.

Mein Vertrauen in die Demokratie ist ungebrochen, nur das in die Demokraten ist auf dem Nullpunkt. Die Demokratie wird in jeder Sonntagsrede beschworen, in der Praxis machen aber die "Demokraten", was sie wollen, auch Gesetze bremsen sie nicht.

Welcher 🇩🇪 🟢 Wähler hat vorher an so etwas wie den Heizhammer gedacht? Der Staat expandiert schamlos, der Bürger verliert seine Freiheit.