Guido Steinberg
Guido Steinberg / M. Cruz

Guido Steinberg im Gespräch mit Clemens Traub - Cicero Podcast Politik: „Deutsche Iran-Debatte: Viel Hoffnung, wenig Realismus“

Was sind die Ziele von Donald Trump und Benjamin Netanjahu im Iran-Krieg? Und drohen die gleichen westlichen Fehler wie im Irak oder in Afghanistan? Nahostexperte Guido Steinberg ordnet ein – und kritisiert die oft wenig fundierte Iran-Debatte in Deutschland.

Clemens Traub

Autoreninfo

Clemens Traub ist Cicero-Redakteur. Zuletzt erschien von ihm das Buch „Future For Fridays?“ im Quadriga-Verlag (Bastei Lübbe).

So erreichen Sie Clemens Traub:

Mit der Tötung des iranischen Obersten Führers Ali Chamenei steht die Islamische Republik vor einer historischen Zäsur. Wer die Macht übernimmt, ist offen – möglich sind interne Machtkämpfe, ein stärkerer Einfluss der Revolutionsgarden oder eine Phase politischer Instabilität.

Im Cicero-Podcast spricht Nahostexperte Guido Steinberg mit Redakteur Clemens Traub über mögliche Entwicklungen. Ein Szenario hält er für durchaus plausibel: dass die Revolutionsgarden ihre Macht weiter ausbauen und das Land sich stärker abschottet. „Iran ist heute noch nicht Nordkorea, aber es ist durchaus vorstellbar, dass sich ein Revolutionsgarderegime unter äußerem Druck dafür entscheiden könnte, sich einzugraben“, sagt Steinberg. Ein solches System könnte „ein bisschen Öl verkaufen und damit die eigene Machtbasis so stärken“, um die Bevölkerung notfalls „mit Knüppeln und Gewehren unter Kontrolle zu halten“.

Gleichzeitig warnt er vor überzogenen Erwartungen an militärische Lösungen. Selbst wenn ein Luftkrieg Irans Bedrohung kurzfristig schwächen sollte, sei ein demokratischer Umbruch unwahrscheinlich. „Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, dass nach einem Luftkrieg von einigen Wochen die Demokratie in Iran ausbricht“, so Steinberg.

Kritisch äußert sich der Nahostexperte auch zur deutschen Iran-Debatte. „Es gibt ganz wenig Iran-Expertise hier im Land“, sagt er. Wirklich ausgebildete Fachleute – Journalisten oder Wissenschaftler mit Sprachkenntnissen und regionaler Erfahrung – seien selten. Stattdessen hätten viele Medien „eine gewisse Präferenz für Aktivisten“, die häufig als Journalisten oder Experten präsentiert würden, obwohl sie eine klare Agenda verfolgten.

Sein Fazit fällt entsprechend nüchtern aus: Selbst wenn die iranische Bedrohung kurzfristig geschwächt werde, könnten die regionalen Konflikte bestehen bleiben – und langfristig sogar erneut eskalieren.

Guido Steinberg und Clemens Traub
Guido Steinberg (li.) und Clemens Traub in der Cicero-Redaktion / M. Cruz

Das Gespräch wurde am 4. März 2026 in der Cicero-Redaktion aufgezeichnet.

Sie können den Podcast jetzt hier – klicken Sie dazu „Inhalte aktivieren“ – hören, oder auch auf allen Podcast-Portalen.


Sie sind interessiert an weiteren Themen und noch kein Abonnent von Cicero Plus? Testen Sie uns hier.

Mehr Podcast-Episoden:

 

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.