Brandenburgertor
Berlin versinkt in Eis und Schnee

Schönwetterstaat im Winter - 10 Kilo Streusalz für Berlin

Souverän ist, wer im Ausnahmezustand Streusalz einsetzt. Mag das Berliner Winterchaos rational auch nicht mehr erklärbar sein, unser Kolumnist versucht es trotzdem – und holt den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner zusammen mit Carl Schmitt vom Eis.

Porträt Mathias Brodkorb

Autoreninfo

Mathias Brodkorb ist Cicero-Autor und war Kultus- und Finanzminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Er gehört der SPD an.

So erreichen Sie Mathias Brodkorb:

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), hat dieser Tage sich selbst, die Hauptstadt und das ganze Land blamiert. Zunächst bettelte der mächtigste Mann Berlins in einem sozialen Netzwerk ernsthaft „seine“ Abgeordneten an, ihm doch endlich zu erlauben, Streusalz auf vereisten Gehwegen einsetzen zu dürfen.  Das war so verrückt, dass es den Stoff für eine Komödie von Monty Python hätte abgeben können. 

Cicero Plus

Ohne Abo Lesen

Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Angelika Sehnert | So., 1. Februar 2026 - 18:14

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass es einen eigentlich normalen Winter in Berlin braucht um zu diskutieren,was die Kernaufgaben eines Staates sind: innere und äußere Sicherheit. Zur äußeren Sicherheit gehören eine funktionsfähige Armee und geschützte Grenzen, zur inneren Sicherheit eines demokratischen Staates gehören Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit. Das sind die konstituierenden Grundlagen eines souveränen Staates. Alles andere folgt daraus.
In den fetten Jahren hat sich der Staat angemaßt, das Leben der Bürger und die Wirtschaft zu regulieren, mit einem Dickicht an Gesetzen und Verordnungen, die er gar nicht mehr handhaben kann- bis hin zu Banalitäten wie dem gelegentlich sinnvollen Einsatz von Streusalz oder der Überprüfung von Leitern. Das macht eines deutlich:der Staat traut uns Bürgern nicht!
Hier ist die Ursache für die zunehmende Verdrossenheit zu suchen, die sich wie Mehltau ausbreitet. Mit ein paar Kilo Salz lassen sich die Probleme leider nicht lösen.

Karl-Heinz Weiß | So., 1. Februar 2026 - 18:48

Bei den Auftritten des Re-agierenden Berliner Bürgermeisters fällt mir stets die frühere Aussage seines Parteikollegen Thomas de Maizière ein: "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern". Ein derartig tapsig auftretender Politiker kann sich wirklich nur "einsalzen" lassen. Dank an den Autor für die dafür geeignete Spende.

Urban Will | So., 1. Februar 2026 - 19:15

Cretin, Lügner und Versager Wegner mit Helmut Schmidt verglichen haben, verwundert mich.
Letzterer wird es, auf seiner Wolke sitzend und sich „totlachend“ (kleiner Scherz) über dieses Irrenhaus BRD, dem er bis zu seinem Tod immer wieder sehr gute Ratschläge gab, die leider aber nie befolgt wurden, Ihnen verzeihen. Ich wünschte, er wäre noch da.

Monty Python, aber auch Kishon, Schilda, eigentlich alles, was für Satire, gar Groteske und Irrsinn steht. Wir brauchen es längst nicht mehr. Wir haben Berlin, wir haben unseren Altparteien-Clan und die reale Politik auf diesem Narrenschiff.
Das ist nicht mehr zu toppen. Man kann es sich auch nicht mehr schön saufen, ohne gravierende gesundheitliche Folgen befürchten zu müssen.
Man kann es nur ertragen und sich wundern, wo all die Schafe, die diese Polit-Clowns noch wählen, ihren Verstand ließen.

IngoFrank | So., 1. Februar 2026 - 19:20

zum weinen …..
Ein Trost vielleicht, das das Berliner Glatteis nicht vor den Wohnungen der Livestyle Grün Linken aufhört, glatt zu sein …..
Antrag für Einsatz von Streusalz stellen …. und das bitte mindestens schon im Sommer ….aber bitte Taggenau 🙈
Mit freundlichen Gruß aus der Erfurter Republik

Doch, geht. Heute gelesen, lieber Herr Frank:
Während Herr Wegner unverdrossen noch im K(r)ampf gegen Frost und Eis verweilt, fahren die Straßenbahnen wieder fleißig durch Berlins verschneite Straßen. Pech nur, dass keiner einsteigen darf. Ist doch Streik, logo oder? Und wer sich jetzt fragt, wieso die dann leer durch die Gegend fahren: Damit die Oberleitungen nicht einfrieren! Lustig, gell? Vor allem für die "Blöden", die bei Minus 8 Grad an der Haltestelle festgefroren sind, sich freuen, die Bimmelbahn kommt, hält an, die Tür bleibt zu.....und fährt dann fröhlich weiter. Leer.
Nun, man kann wohl zweifelsfrei konstatieren, dass in Berlin mittlerweile nicht nur die Oberleitungen der Straßenbahn eingefroren sind. Die Oberstübchen der Berliner Verantwortlichen werden offenbar wegen Frostschäden auch schon länger nicht mehr durchblutet. Ich würde vor Scham im Erdboden versinken, wenn ich da involviert wäre!

Sabine Lehmann | So., 1. Februar 2026 - 19:55

Mehr als einen Satz darüber zu verlieren, ist an sich schon zu viel.
Diese typisch deutsche Posse aus dem Land der bekloppten Diplom-Bürokraten spiegelt nur den komplett degenerierten Zustand einer ehemaligen Wirtschaftsmacht wider, die im Begriff ist sich selbst abzuschaffen, dabei aber immer stets auf die passende politische Bekleidung achtet, sei es Regenbogenfähnchen, Klimalendenschurz oder Quotenlätzchen. Aber gut, dass wir mal drüber gesprochen haben. Und so was will Europa verteidigen! Ich lach mich schlapp.

Markus Michaelis | So., 1. Februar 2026 - 20:24

... deckt alle Fälle ab". Der Rechtsstaat besagt unter anderem, dass die Rechtssicherheit das höhere Gut ist: alle haben sich immer ans Recht zu halten - auch wenn es groteske Ergebnisse bringt. Berlin und das Streusalz sind vielleicht nur Symptome einer generellen Verirrung der Gesellschaft, die glaubt, mit dem Aufzählen ein paar heiliger Begriffe, wie Recht und Gesetz, Rechtsstaat, Demokratie, Menschenrechte, Verfassung etc. sei schon alles über alle Menschen und alle politischen Fragen gesagt. Keine inneren Widersprüche dieser Prinzipien, kein austarieren, keine Grenzen, wo Dinge so schwierig werden, dass man sie sich besser nicht aufbürdet: wenn nicht wir, wer dann; Recht und Gesetz, Verfassung und Ordnung und die Feinde davon. Punkt und alles ist gesagt. So in etwa kommt einem manchmal das Weltbild der Gesellschaft vor, zumindest politisch maßgeblicher Teile.

Andreas Oltmann | So., 1. Februar 2026 - 21:11

Soviele Worte über ein Versagen dieses Staates bei einem banalen Wintereinbruch.
Vermutlich wird der Autor auch nach der Anzahl seiner Worte, aber nicht nach ihrem inhaltlichen Gewicht bezahlt.
Wie glücklich ist ein Staat, dessen Bürger sich nur intellektuell über gebrochene Knochen aufregt - solange es nicht die eigenen sind.
Verdient hätten sie hartgefrorene Schneebälle statt schöner Worte und juristischer Wortklauberei!

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo., 2. Februar 2026 - 09:32

Herr Brodkorb und auch profitiere von Ihren klugen Argumentationen,
Sie werden mir Carl Schmitt nicht schönschreiben.
In einer Demokratie sind Ausnahmezustände auch möglich, aber die Entscheidungen darüber sollten beim Souverän, dem Parlament und der Regierung liegen, in der Gewichtung.
In der Reihenfolge andersherum.
Man kann nur hoffen, dass Gewählte auch den Ton ihrer sie Wählenden treffen.
Da gibt es also vielleicht in Berlin noch zu tun.
Ich wußte gar nicht mehr, wie sich ein Winter anfühlt, welche Belastungen er für eine hoch industrialisierte und hoch mobile Gesellschaft mit sich bringt.
Kurz, natürlich mache ich mir jetzt Sorgen um die Vegetation wegen dem Salz!

S. Kaiser | Mo., 2. Februar 2026 - 11:14

Loriot würde heutzutage auf der Couch sitzen, und sich arbeitslos wähnen. Inzwischen müssen Journalisten nur noch Gesetztestexte zitieren und (be)schreiben was ist, und fertig ist die Satire. Kann man sowas noch mit Humor nehmen, oder möchte man zum Wutbürger werden, weil man sich fragen muss, wofür man eigentlich Steuern und Sozialabgaben zahlt, und das nicht zu knapp, um dann Dysfunktionalität an allen Ecken und Enden erleben. Aber: „Der Deutsche ist ein träges Tier.“ ….. oh, oh, oh, Herr Brodkorb, da haben Sie aber das böse Wort des Schlafschafes vermieden.
Wahrscheinlich bleibt einem nichts anderes übrig, als mit bittersüßem Zynismus dem Absturz beizuwohnen. Also, Popcorn auf und weiter geht’s …

Sebastian Habel | Mo., 2. Februar 2026 - 11:33

Ich glaube, das Senden von 10 kg Streusalz ist vergebene Liebesmüh. Geschenke im Wert von 38 EUR darf Herr Wegner wahrscheinlich nicht annehmen. Das ist ja Bestechung!

Sabine Lehmann | Mo., 2. Februar 2026 - 14:16

Ich befürchte, selbst die Zusendung von 10 kg Hirnmasse würde nicht zu einer Besserung der Berliner Verhältnisse beitragen. Erst gestern sah ich die Pressekonferenz der Zuständigen für den katastrophalen Stromausfall vor ein paar Wochen. Ganz vorn mit dabei natürlich so eine ganz spezielle Geschlechtsgenossin, die sich in die endlose Reihe dieser sog. Quotenfrauen einreihen darf, weil das Geschlecht bei der "Rollenbesetzung" offenkundig das einzige "Qualitätsmerkmal" gewesen sein muss, in diesem Fall die Iris von der SPD(die mit dem Problem-Pony). Ihre Presseerklärung zum Punkt Notstromaggregate war wörtlich so:
Man habe gottlob(Gott hatte in diesem Fall tatsächlich nichts damit zu tun, obwohl göttlicher Beistand bei dem Ein oder Anderen sicher hilfreich wäre, so ganz grundsätzlich) KEINE "Knappheit" gehabt....(ups: Fakt ist, ganz Berlin verfügte gerade mal über drei Geräte! 3 !). Begründung, wörtlich: Man habe aus anderen Bundesländern welche geliehen bekommen!? Keine Knappheit. Logo!