Lindsay Clancy und ihr Verteidiger Kevin Reddington
Lindsay Clancy und ihr Verteidiger Kevin Reddington / picture alliance / Greg Derr/The Patriot Ledger/Pool The Patriot Ledger via AP | Greg Derr/The Patriot Ledger

Solidarität für Kindermörderin Lindsay Clancy - Das Geschlecht als Unschuldsbeweis

War Lindsay Clancy schuldfähig, als sie ihre drei kleinen Kinder ermordete? Das ist schwer zu beurteilen. Fest steht, dass sie es getan hat. Doch zahlreiche Frauen zeigen sich im Netz mit haarsträubenden Bekundungen solidarisch und erklären mit wilden Theorien den Vater zum Täter.

Autoreninfo

Shantanu Patni studiert Osteuropa-Studien an der Freien Universität Berlin. 

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Lindsay Clancy schickte ihren Mann am Abend des 24. Januar 2023 aus dem Haus, in die Apotheke und zum Restaurant. In den knapp vierzig Minuten seiner Abwesenheit brachte sie die drei Kinder einzeln in den Keller, der der Familie als Heimbüro und Trainingsraum diente, und erwürgte sie dort mit Fitnessbändern. Anschließend fügte sie sich Schnittverletzungen zu und sprang aus dem Fenster des Obergeschosses. Das alles ist unstrittig. Ihre Verteidigung beruht ganz auf der Frage der Schuldfähigkeit: Clancy sei zum Zeitpunkt der Tat psychisch schwer krank gewesen.

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Ingbert Jüdt | Mo., 31. August 2026 - 11:05

Denn nachdem die Emanzipation der Frau, die gleichurspünglich mit der modernen Gesellschaft einsetzt, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre Ziele erreicht hat, hat die feministische Bewegung eine neue Funktion gefunden: sie artikuliert das noch immer vorhandene »Unbehagen in der Kultur« der modernen, an sich selbst zweifelnden Gesellschaft, indem sie einen neuen Sündenbock erschafft: der »postmoderne« Feminismus hat eine politische Religion instituiert, die auf der Sakralisierung des Weiblichen und der Dämonisierung des Männlichen beruht.

Was als »negative Andrologie« (Chr. Kucklick) bereits zur Wurzel der bürgerlichen Kultur selbst gehört, hat sich in der Spätmoderne endgültig verselbständigt: die feministische Bewusstseinsindustrie von heute redet, als wolle sie den giftigen Satz Treitschkes zeitgemäß auffrischen: »Die Männer sind unser Unglück«. Männerhass ist zu einem kulturellen Code (Sh. Volkov) geworden, der das Leiden der Moderne an sich selbst in ein Symbol fasst.

Ernst-Günther Konrad | Mo., 31. August 2026 - 13:26

Mir stellt sich nur eine Frage. Wäre es umgekehrt, der Vater der Täter und die Mutter anstelle dieses Mannes, gäbe es da fanatische Männer, die der Frau die Schuld gäben und solche wahrheitswidrigen und böswilligen Verschwörungstheorien vorbringen würden? Und das alles bringt kein einziges Kind zurück. Und die Mörderin, wie auch der Ehemann, wer sich was auch immer ganz persönlich vorzuwerfen hat, auch sie werden sich vor Gott verantworten müssen. So wie diese Frauen, die eine solche Hetzjagd auf den Vater eröffnet haben.

... da stelle ich mir gerade den von Ihnen so genannten Gott vor, der - zumindest seit gut 2000 Jahren oder wie? - irgendwo im Universum oder auch ausserhalb desselben die Aber- und Abermilliarden allein seit damals gestorbener Menschen ALLER Couleur, ALLER Charaktere und ALLER Glauben begutachtet und beurteilt: gerecht, gütig und verzeihend, wie´s ja heutzutage im Gegensatz zum Mittelalter gepredigt wird. Da mag´s ja sauber zugehen, würde es womöglich in Bayern von etwas nüchterner veranlagten Menschen heissen!
Was bitte soll man sich denn Ihres Erachtens noch so alles vorstellen? (Ich frage nur für einen Freund.)

Sven | Mo., 31. August 2026 - 13:48

Danke für die den Leser fordernde Auseinandersetzung mit dem schwierigen weil offensichtlich vielschichtigen Fall bzw. Thema. Ein journalistischer Artikel in dem nicht (!) am Ende eine eindeutige "Punchline" den Leser ein Ergebnis vorgibt ist selten geworden. Zweifel ist in den heutigen Zeiten eine Zier...

Heidemarie Heim | Mo., 31. August 2026 - 15:15

Erst angesichts einer ehemals liebevollen aber scheinbar psychisch völlig dekompensierten Mutter, die im endgültigen oder durch was auch immer hervorgerufenen Wahn ihre 3 Kinder erwürgte oder erdrosselte in einem erweiterten Suizidversuch? Um dann in einer fast schon gezielt bösartigen Art und Weise von Täter-Opfer-Umkehr durch geistig bisher unauffällige Frauen und Müttern zum Opfer erklärt zu werden, und der traumatisierte Vater,
der seine 3 Kinder nicht schützen konnte vor dem Wahnsinn seiner Frau, zum Täter gemacht wird durch mindestens so irrwitzige Fantasien, die jede Vorstellung sprengen.Und egal welches Urteil gesprochen wird, das Signal, welches von besagten Feministinnen oder als was sich selbst bezeichnen ausgeht,ist für mich noch beängstigender in seiner scheinbar daher kommenden "Normalität". MfG