- Das El-Hissy-Ablenkungsmanöver
Antisemitische Skandale im Kulturbetrieb sind keine Zufälle. Schon immer war Kultur auch ein geopolitisches Schlachtfeld. Eine Melange aus postkolonialem Aktivismus, politischem Islam und Einfluss autoritärer Staaten will den gesellschaftlichen Zusammenhalt des Westens gezielt untergraben.
Es gehört inzwischen zum festen Ritual der Kulturbranche: Ein Gremium wird besetzt – sei es die Jury des Deutschen Buchpreises, sei es das Kuratorium der Documenta –, kurze Zeit später stolpert die Öffentlichkeit über unrühmliche Bekenntnisse. Mit Kampfvokabeln wie „Genozid“ oder „Siedlerkolonialismus“ wird in digitalen Entgleisungen Israel als das ultimativ Böse markiert. Ein kurzer medialer Aufschrei folgt, und der Skandal versinkt im Orkus des Betriebs. Was wie ein rein innenpolitischer Sittenverfall wirkt, ist in Wahrheit das Einfallstor für gezielte geopolitische Destabilisierung.
Die jüngste Debatte um die Literaturkritikerin Maha El Hissy ist dafür das perfekte Beispiel: Die obsessive Fokussierung auf die Kritik an Einzelpersonen ist eine strategische Sackgasse. Wer glaubt, mit dem Austausch einer einzelnen Jurorin das Problem des grassierenden Kulturantisemitismus zu lösen, betreibt Symptombekämpfung und verkennt das Grundmuster einer gesellschaftlichen Pathologie. Akteure wie diese sind keine erratischen Einzelfälle, sondern nützliche Helfershelfer im Versuch, den Westen von innen heraus zu zersetzen.
Aktivistinnen wie Kübra Gümüsay und Literaturkritikerinnen wie Maha El Hissy bilden ein gefährliches Netzwerk, akademisch unterstützt von antizionistischen Theoretikern an Universitäten. Sie höhlen die demokratische Widerstandsfähigkeit aus, finanziert durch die politischen Entscheider dieses Landes, während strategische Gegner im Hintergrund die Bruchlinien vertiefen.
Eine reaktionäre Querfront zwischen postkolonialem Antikapitalismus und politischem Islam, getarnt mit Begriffen wie „Diversität“ und „Intersektionalität“, hat feste Form angenommen. Obschon in den Kernwerten unvereinbar, eint beide Bewegungen ein gemeinsamer Nenner: das Feindbild der westlich-liberalen Moderne mit Israel als kollektiver Projektionsfläche. Diese Allianz ist kein Zufallsprodukt, sondern folgt exakt den strategischen Interessen autoritärer Staaten, die den inneren Zusammenhalt des Westens sabotieren wollen.
Wer sich selbst für historisch und moralisch illegitim hält, kann seine Freiheit nicht mehr verteidigen
Im akademischen Elfenbeinturm postkolonialer und genderspezifischer Lehrstühle wird das begriffliche Werkzeug für diese Erosion gebastelt. Hier wird der politische Islam nicht in seiner totalitären Struktur offengelegt, sondern im Gestus der permanenten Viktimisierung zur „unterdrückten Minderheit“ umgedeutet. Sprachkritische Aktivistinnen übersetzen diese radikalen Codes in einen bürgerlichen, anschlussfähigen Jargon, der im Mainstream der politischen Stiftungen und Kulturämter bereitwillig aufgesogen wird.
Das Ergebnis ist eine moralische Entwaffnung, die geopolitischen Aggressoren wie Moskau perfekt in die Hände spielt. Wenn das postkoloniale Narrativ vorgibt, dass die Grundlagen der westlichen Welt – Aufklärung, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit – im Kern nur die Produkte von rassistischer Ausbeutung und Kolonialismus sind, verliert eine Gesellschaft jegliche Kraft zur Selbstbehauptung. Wer sich selbst für historisch und moralisch illegitim hält, verfügt über keine Argumente mehr, um seine Freiheit zu verteidigen. Er kapituliert und klatscht Beifall, wenn auf den Straßen jüdisches Leben bedroht wird.
Der unrühmliche Zulieferdienst der Akademien hat eine lange Vorgeschichte und bildet das Fundament für die psychologische Kriegsführung moderner Autokratien. Man rufe sich nur das Jahr 2020 in Erinnerung, als die Debatte um den kamerunischen Postkolonialismus-Vordenker Achille Mbembe die Republik spaltete. Damals ging es um dessen Relativierung des Holocaust und die Gleichsetzung Israels mit dem südafrikanischen Apartheidregime.
Durch akademische Rückendeckung und die Teilnahme an Solidaritätsbekundungen gelang es, einen verhängnisvollen Präzedenzfall zu schaffen: Antisemitismus wurde im deutschsprachigen Universitätsraum satisfaktionsfähig, solange er im Gewand des antikolonialen Befreiungskampfes daherkam. Diese Demontage des eigenen Wertekonsenses ist die notwendige Vorstufe für jede hybride Einflussnahme.
Die gezielte Schwächung des Westens im Kalten Krieg durch sogenannte Demoralisierung
Die Täter-Opfer-Umkehr wurde zur wissenschaftlichen Methode erhoben. Wer Mbembe gegen die Antisemitismuskritik immunisierte, goss das intellektuelle Fundament für das Desaster der Documenta 15 und jene Kulturjurys, die nach dem Massaker des 7. Oktober 2023 den Terror der Hamas als legitimen „Akt der Dekolonisierung“ begriffen. Ein intellektuelles Vakuum, das von außen gezielt genutzt wird.
Die Tragweite dieser historischen Sabotagestrategien offenbart sich erst, wenn man den Kulturbetrieb nicht isoliert, sondern als Kriegsschauplatz begreift. Im Kalten Krieg entwickelte der sowjetische Geheimdienst KGB eine Methode, die man unter dem Begriff „Aktive Maßnahmen“ zusammenfasste. Das Ziel dieser Strategie war nicht eine offene militärische Konfrontation, sondern die gezielte Schwächung des Westens von innen heraus durch sogenannte Demoralisierung.
Risse innerhalb der westlichen Gesellschaft – seien es Rassenkonflikte, soziale Ungleichheit oder historische Schuldgefühle – machte man sich zunutze und goss gezielt Öl ins Feuer. Nach diesem Kalkül dauert es etwa 15 bis 20 Jahre, bis an den Universitäten eine neue Generation heranreift, die überlieferte Werte so radikal infrage stellt, dass sie unfähig zur Selbstbehauptung wird.
Heute erleben wir die perfektionierte, digitale Renaissance dieses Prinzips, orchestriert im Kreml. Das moderne Russland hat die postkoloniale Theorie oder den Kulturkampf um die „Wokeness“ nicht erfunden; es sind hausgemachte Luxusprodukte westlicher Intellektueller. Moskau aber nutzt sie im Rahmen seiner hybriden Kriegführung als hocheffektiven Brandbeschleuniger. Über verdeckte Bot-Netzwerke befeuert der russische Sicherheitsapparat opportunistisch beide Extreme der westlichen Debatte: Im „Globalen Süden“ und innerhalb der westlichen akademischen Linken wird das postkoloniale, anti-israelische Narrativ bedient, um den Westen zu isolieren. Zeitgleich schürt man im Inland die Angst vor Unterwanderung, um rechtspopulistische Kräfte zu stärken.
Figuren wie Maha El Hissy sind austauschbare Rädchen in einem System
Das strategische Ziel ist kein ideologischer Sieg, sondern die totale Handlungsunfähigkeit der liberalen Demokratien. Eine Gesellschaft, die sich in permanenten hysterischen Grabenkämpfen um kulturelle Identitäten und die Delegitimierung des jüdischen Staates zerfleischt, hat weder die Kraft noch den politischen Rückhalt, um geopolitischen Widerstand gegen die imperialen Ambitionen Russlands oder Chinas zu leisten. Während der Westen sich mit seiner eigenen moralischen Demontage beschäftigt, nutzen Moskau und Teheran die Gunst der Stunde, um die globale Sicherheitsordnung fundamental zu zertrümmern.
Besonders perfide äußert sich diese Dynamik in einer Strategie, die man im angelsächsischen Raum als „Jew-Tokenism“ bezeichnet und die auch in Deutschland Hochkonjunktur hat. Um den Vorwurf des Antisemitismus abzuwehren, schmücken sich postkoloniale Netzwerke und Kulturinstitute mit dezidiert antizionistischen jüdischen Stimmen.
Diese Kronzeugen-Strategie dient einem einzigen Zweck: Sie soll den obsessiven Israelhass im Kulturbetrieb gegen Kritik immunisieren. Es ist ein unerträglicher Zynismus, wenn jüdische Alibi-Positionen instrumentalisiert werden, um den strukturellen Antisemitismus ganzer Jurys reinzuwaschen, während die überwältigende Mehrheit der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland die reale Bedrohung durch diese Allianzen im Alltag spürt. Auch hier schließt sich der Kreis zur russischen beziehungsweise geheimdienstlichen Taktik der Desinformation: Die bewusste Spaltung und Fragmentierung der Zielgruppe von innen heraus, um den moralischen Kompass einer Gesellschaft endgültig zu demolieren.
Die bittere Wahrheit ist: Figuren wie Maha El Hissy sind austauschbare Rädchen in einem System, das von der deutschen Politik über Jahre stabilisiert wurde. Die eigentliche Verantwortung für diesen Missstand tragen nicht die Aktivisten, sondern die politischen Entscheidungsträger in den Kulturministerien, Staatskanzleien und Regierungsfraktionen.
Der Kulturbetrieb als logistischer Zulieferbetrieb für den politischen Islam
Aus konfliktscheuer Feigheit, Ahnungslosigkeit und dem Drang, sich im progressiven Zeitgeist zu sonnen, haben Politiker die Schleusen geöffnet. Unter dem Label der „Strukturförderung“ wurden Millionen an Steuergeldern in Netzwerke gepumpt, die unter dem Deckmantel der Antidiskriminierung den systematischen Abbau westlicher Werte und die Delegitimierung Israels betreiben. Man hat Institutionen geschaffen, die sich jeglicher demokratischer Kontrolle entzogen haben und sich nun als staatlich alimentierte Echokammern des Antizionismus gerieren.
Es ist eine staatspolitische Bankrotterklärung, wenn Ministerien wegschauen, während an Universitäten und in Kulturzentren die theoretische Munition für den Hass auf den jüdischen Staat geschaffen wird. Wer diese Strukturen finanziert, darf sich über antisemitische Ausfälle auf der Documenta oder völkermörderische Täter-Opfer-Umkehrungen nach dem 7. Oktober nicht wundern. Sie sind mit Steuergeldern eingepreist.
Um diesen fatalen antisemitischen Selbstlauf zu durchbrechen, sollten wir das Phänomen Maha El Hissy nicht als singuläres Versehen behandeln. Es ist die logische Konsequenz eines Kulturbetriebs, der die Trennlinie zwischen pluralistischer Kunst und staatszersetzender, antisemitischer Agitation willentlich verwischt hat. Wer diese Strukturen bedingungslos unterfüttert, liefert die eigene Gesellschaft der hybriden Kriegsführung unserer Gegner aus und verwandelt den Kulturbetrieb in einen logistischen Zulieferbetrieb für den politischen Islam.
Wenn wir die Freiheit des Westens, die Integrität unserer Institutionen und nicht zuletzt die Sicherheit jüdischen Lebens in diesem Land verteidigen wollen, müssen wir den Kulturkrieg endlich als das begreifen, was er ist: Eine geopolitische Frontlinie, an der Moskau längst mitkämpft. Es wird Zeit, den Kultursozialismus der nützlichen Idioten nicht mehr nur rituell zu beklagen, sondern ihm die finanzielle und institutionelle Grundlage zu entziehen. Wer den jüdischen Staat dämonisiert und die Grundlagen unserer Demokratie abschaffen will, darf dafür nicht länger vom deutschen Staat alimentiert werden.
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Schon weil der Westen, zumindest die staatstragenden Schichten, sich irgendwann zu "der Welt", der Menschheit, den Menschheitswerten, den Menschenrechten, der Weltoffenheit erklärt haben. Bei soviel Universalismus braucht es keine äußeren Feinde, kann es eigentlich gar nicht geben: jeder Mensch, jede Strömung dieser Welt kann unter dieser Maxime mit vollem Recht ihren gleichen Anteil an der Definition dieser Gesellschaft einfordern, auch der politische Islam.
Ich empfinde die Fokussierung weiter Teile der Welt, der Muslime, aber nicht nur, auf Israel, schon auch als obsessiv. Als ob es keine anderen Konflikte gäbe. Ich persönlich mache meine gesellschaftlichen Interessen und Vorlieben aber auch nicht von Israel abhängig. Ich begründe meine Interessen aus mir heraus, nicht mit Israel. Das ist mir auch wichtig. Ich hoffe, ich bin selber jüdisch genug, das sagen zu dürfen.
Gut geschrieben...
👍🏻🌼
Der israelische Polizeiminister hat vor wenigen Wochen zu gezielten Tötungen von Palästinensern aufgerufen. Wenn zur Solidarität mit Israel aufgerufen wird, sollte man solche Äußerungen nicht verschweigen, sonst kommt die Glaubwürdigkeit unter die Räder.
Der Text präsentiert eine Verschwörungstheorie, weil er die inneren Widersprüche »des Westens« in ihrer Eigendynamik übersieht und ihre Entstehung ursächlich externen politischen Kräften zuschreibt. Formulierungen wie, »den Westen von innen heraus zu zersetzen«, »geopolitische Aggressoren wie Moskau«, »orchestriert im Kreml« oder »imperiale Ambitionen Russlands oder Chinas« sind propagandistisches Bullshit-Bingo, weil sie nur die Feindbildprojektionen des Westens selbst repetieren, aber keine ernstzunehmenden Realitätsbeschreibungen bieten.
Zielführender wäre es dagegen, Washington als geopolitischen Aggressor in Betracht zu ziehen, und zwar seit Bush jr., nicht erst seit Trump II.
Die Autorin zeigt sich auch außerstande, Unterschiede zwischen dem früheren Israel etwa Jitzchak Rabins und dem heutigen Israel Benjamin Netanjahus wahrzunehmen, als sei »Siedlerkolonialismus« eine Halluzination und nicht eine von »Bibi« geförderte Realität.
Der Text ist eine Panikattacke, keine Analyse!
Den Kampf um das entkernte Freiheits- und Demokratiesystem können nur linke oder rechte Hysteriker gewinnen. Es gibt keine politische Mitte mehr, weil nach 1990 das politisch Gemäßigte obsolet wurde. Die Mitte-Links- und Mitte-Rechtsparteien fallen auseinander und haben teilweise schon den Duktus und die Technologien der Autokratie. Linke und AfD sind lediglich Nutznießer der verwahrlosten und leergefegten, politischen Mitte und treffen mit ihren extremistischen Ideen auf fruchtbaren Boden.
Mir reicht aber schon das Gruppenfoto, um zu wissen, was von diesem Gremium zu erwarten ist. 5 gleichgestellte Damen und 2 sicher sehr achtsam und emphatisch agierende Herren aus dem Material , aus dem auch die Günthers, Wüst's, Habecks, Bandzacks & Co dieser Blase modelliert worden sind.
