Andy Burnham
Premierminister Andy Burnham in Dover / picture alliance / PA Images | Jack Taylor

Devolution - Warum Föderalismus in Großbritannien nicht funktioniert

Der neue britische Premier Andy Burnham verspricht die größte Machtverlagerung der britischen Geschichte: weg von Westminster, hin zu den Regionen. Was als Wachstumsmotor verkauft wird, ist in Schottland und Wales aber längst gescheitert.

Autoreninfo

Shantanu Patni studiert Osteuropa-Studien an der Freien Universität Berlin. 

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Bayern lehnte 1949 als einziges Land das Grundgesetz ab, aus Sorge vor einem übermächtigen Bund. Den Freistaat aufzulösen vermag dieser Bund gleichwohl nicht; dafür kennt die von Bayern verschmähte Verfassung keinen Weg. In Großbritannien läge der Fall anders. Das schottische Parlament, die walisische Volksvertretung und sämtliche Regionalbehörden verdanken ihre Existenz gewöhnlichen Gesetzen, die eine einfache Mehrheit in Westminster jederzeit wieder kassieren könnte. Was dort unter dem Stichwort „Devolution“ firmiert, ist darum kein Föderalismus, sondern eine Leihgabe auf Widerruf: Der Zentralstaat verleiht Macht an seine Ränder, aber behält den Schlüssel. Genau dieses Provisorium will der neue Premierminister Andy Burnham nun zum Bauprinzip des gesamten Königreichs erheben.

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Theodor Lanck | Di., 4. August 2026 - 20:12

Der Grund, "warum Föderalismus in Großbritannien nicht funktioniert", liegt nach der Schilderung doch darin, dass man ihn gar nicht versucht hat. Man hat abhängige regionale Ausführungsorgane (Präfekturen, wenn man so will) geschaffen, aber keine für Ein- UND Ausgabe selbst verantwortliche Einheiten. Die logische Lösung wäre also, MEHR Dezentralisierung zu wagen und entwa der walisischen Regierung die volle Verantwortung für die Finanzierung ihrer Ausgaben aus eigenen Steuern zu geben.

Das ist übrigens auch ein Nachteil des deutschen Föderalismus: Faktisch werden Bund und Länder (und Gemeinden) weitgehend aus Gemeinschaftssteuern und Umverteilungen (LFA) finanziert, für die der Bund die Regeln setzt. Das ist weniger Eigenverantwortung (die die Länder meist gar nicht wollen) als etwas bei US-Bundesstaaten.

Aber wer eigenständig, frei handeln will, muss auch die Verantwortung tragen, vor den Märkten und den Bürgern.

Markus Michaelis | Mi., 5. August 2026 - 02:17

Ich weiß nicht, ob die Analyse des Artikels für GB so stimmt, aber generell glaube ich, dass es zutrifft: auch für D, FR und andere, nicht nur für die Regionen, sondern auch für die Wirtschaft, Sozialstaat etc.: man sollte es mit deutlich weniger Zuwendungen, dafür mehr Freiheiten und weniger Abgaben probieren.

Angelika Sehnert | Mi., 5. August 2026 - 12:16

Durch eine in den Nachkriegswirren entstandene Freundschaft meines Vaters mit einem britischen Offizier, die beide Familien in der mittlerweile dritten Generation bis heute verbindet, bin ich gut informiert. Jeden zweiten Sommer habe ich während der Schulzeit in Devon verbracht.Die Besuche der Familein hin und her sind unzählig.
Wirtschaftlich war es nie ganz einfach, der Boom der City of London täuschte über Vieles hinweg. In den letzten gut 20 Jahren setzte jedoch ein rasanter gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Niedergang ein. Die Fliehkräfte sind enorm, die Britische Gesellschaft zerfällt in unversöhnliche, vollkommen gegensätzliche Lager, die keinerlei Gemeinsamkeiten mehr haben,auch in kultureller Hinsicht.Die Qualität der politischen Eliten sinkt mit jedem Wechsel in der Downingstreet, die echten Eliten verlassen scharenweise das Land.
Devolution ist nur ein verzweifelter,missglückter Versuch, die viel tiefer liegenden Probleme gar nicht erst anzugehen.

@Angelika Sehnert, danke für ihren Beitrag aus eigener Erfahrung. Der sprichwörtliche britische Gemeinschaftssinn ist offenbar einer tiefen Ratlosigkeit gewichen, abzulesen am häufigen Wechsel der Regierungschefs. Wenn kein Verantwortungsgefühl besteht, werden die Milliarden aus London weiterhin "versickern". In Deutschland geht Berlin seit Jahrzehnten "mit gutem Beispiel " voran.