Reichstag in Berlin
Hier kommt so leicht nicht jeder rein / picture alliance / ZUMAPRESS.com | Michael Kuenne

Debatte um Fünfprozenthürde - Was nicht kaputt ist ...

Ex-Verfassungsgerichtspräsident Papier plädiert für die Abschaffung der Fünfprozenthürde. Dass selbst kleinste Interessengruppen im Parlament vertreten sind, mag theoretisch wünschenswert sein. Praktisch würde ein Wahlrecht ohne Sperrklausel Regierungsbildungen massiv erschweren.

Hugo Müller-Vogg

Autoreninfo

Dr. Hugo Müller-Vogg arbeitet als Publizist in Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher zu politischen und wirtschaftlichen Fragen, darunter einen Interviewband mit Angela Merkel. Der gebürtige Mannheimer war von 1988 bis 2001 Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

So erreichen Sie Hugo Müller-Vogg:

Die Bundesrepublik zeichnet sich die längste Zeit durch eine in Europa fast einzigartige politische Stabilität aus. Von 1961 bis 1980 waren im Bundestag drei Parteien vertreten – CDU/CSU, SPD und FDP. 1983 kamen die Grünen dazu, nach die Wiedervereinigung 1990 die in PDS umbenannte SED (heute: Die Linke). Die politischen Lager waren – zumindest im Bund – klar auszumachen: Schwarz-Gelb auf der einen und Rot-Grün auf der anderen Seite. Mit der PDS wollte bisher im Bund niemand koalieren. 2017 kam die AfD als sechste Partei dazu. Das machte die Mehrheitsbildung schwieriger. Aber unverändert galt auf Bundesebene der Grundsatz: Für Schwarz-Rot oder Rot-Schwarz, also eine Große Koalition, reicht es immer.  

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Achim Koester | Mi., 5. August 2026 - 07:56

weil sie befürchten muss, bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt unter diese zu fallen. Wie verzweifelt (oder skrupellos) muss man sein, um zu derartigen Taschenspielertricks zu greifen?

Andererseits ist es möglicherweise auch ein Ausdruck von Demokratie, auch kleineren Parteien eine immerhin beschränkte Teilhaber zu ermöglichen, auch wenn die früher starken, nunmehr umfassend überforderten Parteien das bislang zu unterbinden hofften. Wichtiger für die Durchsetzung eines demokratischen Wahlrechts scheint mir die Verhinderung der Praxis, dass Wahlverlierer sich in sogenannten "Koalitionen" immer wieder zu den gleichen Siegern zusammenschließen und obendrein noch glauben machen wollen, dass sie allein die Demokratie vertreten.

Und was sollen diese kleinen Parteien, wie Tierschutzpartei, Graue Panther etc. im Parlament bewirken? Die paar Sitze, die sie dann haben, wenn überhaupt mehr als einen, würde von den Etablierten doch nicht einmal beachtet.
Im übrigen wundere ich mich bei jeder Bundestagswahl wie viele und welche "besonderen" Gruppierungen hier antreten, wohl wissend, dass es nie reichen wird. Geltungssucht? Geld aus dem Entschädigungstopf? Spenden gutgläubiger Menschen akquirieren? Einen Mehrwert für das Parlament oder gar uns Bürger sehe ich durch solche Gruppierungen nicht.
Und wie der Autor geschrieben hat, ging es bei der 5-%-Hürde noch nie darum, Parteien zu verhindern, sondern "Weimarer-Verhältnisse". Also ein Erfahrungswert aus der Vergangenheit. Und jetzt geht es doch nur darum, eine mögliche AfD-Regierung zu verhindern, indem man verhindern will, dass die SPD und die FDP nicht im Landtag sind. Das Ganze wird schon wieder so verlogen betrieben, dass man sich nur noch angewidert abwenden kann.

Dagmar Lubig | Do., 6. August 2026 - 11:22

Antwort auf von Sunstreet

volle Zustimmung.
Hier Demokratie vorzuschiebenen, das ist so was von verlogen , den, hier geht es lediglich um den Erhalt der undemokratischen "Brandmauer", und um die SPD, die vieleicht aus allen Parlamenten "fliegt"!

Genau das meine ich, denn wenn SPD und Grüne mit je 4% im Landtag wären, würden diese zusammen mit der CDU eine Anti-AfD-Koalition bilden, das enrspräche bei einer AG der Sperrminorität, d.h., auch wenn sie konstruktiv nichts bewegen können, so können sie doch alles blockieren.
Kleiner Tipp am Rande: wenn Sie meinen Namen mit Copy&Paste eingefügt hätten, wäre er richtig geschrieben.😀

Maria Arenz | Mi., 5. August 2026 - 08:10

Auch ein so ein "scharfsichtiges Huhn" wie der pensionierte Verfassungsrichter übersieht schonmal das Brandmauer-große Korn. Das Problem "unserer" Berliner Demokratie besteht wahrlich nicht darin, daß nicht genügend Parteien im Bundestag wären sondern darin, daß die inzwischen größte Partei nicht an die Regierungstöpfe gelassen wird- und sich gerade deshalb in Teilen immer mehr radikalisiert, was man ihr dann vorwirft, um die Ausgrenzung zu rechtfertigen. Dieses Problem wird sich bei mehr Mini - Parteien aber noch vergrößern, wenn noch bunter schillernde Koalitionen gegen die zur Aussätzigen gemachten Partei möglich werden. Und dann noch mehr Beauftragten-und Staatssekretär- Pöstchen für noch mehr Koalitionäre vergeben werden müssen, um eine Koalition all der Adabeis zu ermöglichen. Bessere Regierungsarbeit wird dabei gewiß nicht herauskommen. Die Hitze macht eben uns allen zu schaffen.

Walter Bühler | Mi., 5. August 2026 - 08:43

... lieber Herr Müller-Vogg.

Unsere Demokratie der Berufs-Funktionäre, ihrer Berufs-Beauftragten und ihrer Berufs-Experten (in den Medien und in "der Wissenschaft") MUSS repariert werden, sonst holt sich das Volk - wie schon so oft - wieder einen Diktator.
---
Als gemeiner Staatsbürger und Nicht-Politologe schlage ich folgendes vor:

1. Anschluss der kleinen Bundesländer an ein größeres Nachbar-Land.

2. Halbierung der Sitz-Zahlen in allen Parlamentsformen.

3. Unabhängigkeit der Beamtenschaft von den regierenden Parteien.

4. Jede Kandidatur für eine Wahl setzt eine Mindestqualifikation voraus (Prozentrechnung und Sprache?)

4. Unentschuldigtes Fehlen führt zu Gehaltsabzug.

5. Die "Öffentlichkeit" wird nur in Ausnahmefällen zu Sitzungen zugelassen.

6. Jeder TOP muss ein Frist enthalten, wann er spätestens erledigt sein muss.

7. Mitteilungen/Stellungnahmen an die Öffentlichkeit erfolgen außerhalb der Sitzungen.

... nicht mehr kandidieren. Oh je, das gilt natürlich auch für mich! Aber ich bin ohnehin zu alt.

Nix für ungut!
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Zur Begründung der Vorschläge:

Gremien mit zu vielen Mitgliedern sind nicht arbeitsfähig und neigen zur gemütlichen Schlamperei, weil sich jeder hinter dem anderen verstecken kann.

Politische Gremien, die sich hauptsächlich als einen Teil der medialen Unterhaltungsindustrie betrachten, verführen ihre Mitglieder zu irrealer Phrasendrescherei, wolkigen Fensterreden und zu eitler Selbstbespiegelung, wie es ihnen "Comedians" und TV-"Moderatoren" vormachen. Darum sind sie praktisch kaum noch effizient.

Beamte, die sich aufblasen und als "politisch" begreifen und hauptsächlich für sich ihre Parteikarriere organisieren, vergessen schnell ihren Amtseid und ihre Amtspflichten gegenüber Land und Volk.

Jens Böhme | Mi., 5. August 2026 - 09:11

Der Autor sollte noch mal in sich gehen, ob in den Anfängen der Bundesrepublik nur drei Parteien im Bundestag bzw. in Bundesregierungen vertreten waren.

Ingo Frank | Mi., 5. August 2026 - 09:17

Ist die Politik der etablierten Parteien samt ihren Zutägern aus der Justiz wie dem Verfassungsgericht denn so Geschichts- Vergessen ? Bauchen wir wirklich jemanden der antritt die „30 Parteien aus dem Parlament zu fegen“ weil sie sich letztlich nicht einigen konnten, und damit die „Republik“ damit zu Grabe trugen.
Diese Diskussion flammt doch nur auf, weil es absehbar durchaus schwierig wird in SA gegen die AfD zu regieren. Was soll das Aufhebens der scheinheiligen CDU ? die sich in Thüringen & Sachsen als Minderheitsregierungen von den SED Erben seit Jahren bereits tolerieren lässt.
Das Problem ist nur der Kanzler, der lauthals verkündete, links ist vorbei was seine Vorgänger tunlichst vermieden.😂😂😂
Das einzige was dieses Horror- Szenario verhindern könnte, wäre ein Scheitern der SPD & der Grünen Sekte an der 5% Hürde und damit verbunden die absolute Mehrheit der AfD ….
Damit ist das herumdoktorn an der 5% Hürde im Sinne der Brandmauerparteien völlig logisch.
MfG a d Erf.Rep.

schon lange vor seiner Ernennung seine Verachtung für das System Demokratie geäußert. Ein solcher ist heute in D nicht in Sicht und käme er, würde seine Partei keinen Pfifferling gewinnen, bzw. nie zugelassen werden. Ich mache mir da also gar keine Sorgen. Ich war bisher auch ein Gegner der Absenkung, habe aber nochmal nachgedacht.
Ja, in SA werden die 5% der AfD vielleicht zur absoluten Parlamentsmehrheit helfen, auch wenn sie nicht 50% der Wählerstimmen bekommt. Auch mich würde das freuen, aber ehrlich gesagt, wäre es nicht wirklich demokratisch. Auch Weidel fordert ja die komplette Abschaffung der Sperrklausel und ich denke, auch sie möchte lieber ein klares Votum als ein verwaschenes.
Und mehr Parteien bedeutet auf jeden Fall mehr Leben und keine so extremen Altparteien-Mauscheleien. Denn es ist ja nicht gesagt, dass alle diesen Brandmauer-Blödsinn mitmachen. Die AfD hätte also vielleicht auf einmal viele mögliche Koalitionspartner und würde ihren „Schmuddelkind-Status“ verlieren

Schröder hatte seinen Koalitionspartner im Griff, Basta ! Aber Merkel in der GroKo ? Sie moderierte, was nichts anderes war, als die Union schlicht aufzugeben, schlimmer noch, sie modernisiert die Union zu links grün. Die erste Dreier Koalition unter Scholz, ein Desaster. Nun Merz wieder in der GroKo gefangen weil keine Linie = Einigung möglich ist. In naher Zukunft: eine Schrarz, SPD samt grüner Sekte zusammengewürfelte Koalition die sich möglicherweise noch von den SED Erben tolerieren lassen muss. Das wäre quasi ein Vierer Bündniss. Soll das Erfolg versprechender sein als Merkel, Scholz & Merz ? Das glaube ich absolut nicht, wenn sich schon in den letzten Jahrzehnten sich die „Parteien der nationalen Front“ , sorry, die der „demokratischen Mitte“ sich nicht einig waren und auch dadurch das Land zum Stillstand brachten.
Wenn die AfD das genau so sieht soll sie’s tun. Regiert hat die AfD noch nicht, & sie könnte danach durchaus neu darüber denken.
Viele Köche verderben d Brei

Eher schlecht, man erinnere sich an die Weimaer Zeit, wo 49 Parteien antraten und in manchen Legislaturperioden dann 15 verschiedene Parteien im Reichstag saßen. Der SPD geht es nur ums Reinkommen, weil ihr konkret das Debakel der < 5 % Partei drohen würde. Und die SPD Strategen denken: Reinkommen ist wichtig. Wenn wir erst einmal drin sind, bestimmen wir die Marschrichtung - heißt: Verlierer werden zu Siegern gemacht. Das muss verhindert werden. Die SPD muss unter 5% sinken, dann hat die Demokratie noch eine Chance in Deutschland. Nein, zu viele kleine Parteien würde Unregierbarkeit bedeuten. Und z.B. Linke würden sich massenhaft tummeln: SED-Erben - Grüne - SPD - BSW. Ich bin gegen die Absenkung, wenn auch in diesem Fall in SA die AfD zur absoluten Mehrheit käme. Was wäre der Preis!? Siegmund wird es auch so schaffen. Und vielleicht ist es gut, wenn die absolute Mehrheit zunächst verfehlt würde. Die CDU muss geknackt werden. Sie soll in eine Koalition mit der AfD. Dann zeigt sich, was sie wert ist.

ehr geht ein Kamel durchs Nadelöhr !
Die CDU in SA wird das Gleiche tun, was in Sachsen & Thüringen nach den letzten LT Wahlen praktiziert wird: Eine Unions geführte Regierung aus CDU, SPD mit oder ohne Grüne eventuell noch BSW oder FDP werden eine Minderheitsregierung bilden und sich von den SED Erben tolerieren lassen. Ich verstehe die Aufregung nicht Sachsen & Thüringen haben doch schon länger die dafür erforderliche Pionierarbeit geleistet.
Das einzige Szenario dagegen, wäre ein Scheitern der SPD & grüner Sekte an der 5% Hürde. d.h. nur AfD, CDU und die SED Erben wären im Parlament in SA.. Möglich, aber unwahrscheinlich. Nicht umsonst wird bereits an der 5% Hürde herumgedoktert.
Mit freundlichen Grüßen a d Erf. Republik

Urban Will | Mi., 5. August 2026 - 09:25

alten Bonner Systems ist und mit der neuen Welt wenig anzufangen weiß. Und es erstaunt, dass er das, was wir gerade haben, „stabil“ nennt. „Stabil“ heißt also: „Hey, du Wähler, was immer du wählst, du bekommst linksgrün, kapiert?“ Das ist keine Stabilität, das ist ein Sandkasten, unsere Demokratie wird gespielt.
Seit Aufkommen der AfD wird die Demokratie in diesem Lande mit den Füßen getreten und gäbe es die 5% nicht, wäre zumindest 2024 nicht die verlotterte (damals)16%-SPD an die Macht gekommen, denn de facto regiert eigentlich nur sie. Dann hätte der Wahlversprechen-Brecher Merz sich noch die Grünen ins Boot holen müssen und seinen Wählern wäre vielleicht klarer geworden, wen sie da ins Amt gehoben haben.
Auch wenn ein Absenken auf 3% bunte „Anti-AfD-Koalitionen“ wahrscheinlicher macht, so bekommt zumindest der Wähler mehr Klarheit, was er wählen muss, damit sich was ändert. Und es ist nicht gesagt, dass in kleinen Parteien nicht sogar bessere Demokraten sitzen als bei den Alten.

Sehnert Angelika | Mi., 5. August 2026 - 09:32

Ein Blick auf die Liste der an der Bundestagswahl 2025 teilnehmenden Parteien zeigt, dass die 5% Hürde vollkommen berechtigt ist. Parteien wie die „ Partei für Verjüngungsforschung“ oder die „Sozialistische Gleichheitspartei, Vierte Internationale“ , oder die „Tierschutzpartei“ganz zu schweigen von den Untoten der KPD/ML, braucht eine Demokratie nicht. Es sind Sektiererparteien, die, wie den Namen zu entnehmen ist, z.T. ganz spezielle, um nicht zusagen abseitige, Nischenthemen bespielen. Sie überleben dank der in Deutschland großzügigen Finanzierung und, das unterstelle ich jetzt einmal, manchmal nur deswegen gegründet werden. Eigentlich wären es Vereine, denn politisch handeln im eigentlichen Sinn wollen die Akteure gar nicht. Das kann man sehr gut in den Kommunalparlamenten beobachten, wo sie es gelegentlich schaffen, ein Mandat zu erringen.
Eine Wahl ist letztlich ein marktwirtschaftlicher Wettbewerb. Wir sollten ihn nicht auch noch da aushebeln.

in einer Demokratie.
Und eine Aufhebung der Sperrklausel bedeutet ja nicht, dass jede Partei, die auch nur ein paar Stimmen bekommt, einzieht.
Man braucht für einen Sitz 1/xtel (x ist die Anzahl der Parlamentssitze) der abgegebenen Stimmen. Bei 700 Sitzen also ca. 0,14%. Das sind in D mehrere 10000.
Es käme also wohl nicht jeder Kaninchenzüchter-Verein rein.
Ja, es hätte sicher auch Nachteile. Viele lange Debatten, etc.
Aber das ist halt Demokratie. Und ich denke, nach anfänglichen „Anlaufschwierigkeiten“ würde sich auch dann eine überschaubare Zahl von Parteien im Parlament finden.
Aber: es ist halt nicht gesagt, dass alle so eingeschränkt denken, wie die altparteilichen Brandmaurer und so ergäben sich vielleicht interessante Konstellationen.
Es wäre deutlich lebhafter und mit Sicherheit abwechslungsreicher als derzeit (immer linksgrün, egal, was gewählt wird).
Was wir derzeit haben, ist jedenfalls ein Kindergarten.

lieber Herr Will.
Der Zustand der repräsentativen Demokratie, wie wir ihn j e t z t haben, ist derart
versteinert und verkommen, daß er d r i n g e n d der Reform bedarf.
Herr Bühler (weiter oben) hat schon einige gute Vorschläge dazu gemacht.
Es gibt weitere Punkte, an denen anzusetzen ist.
Eine lebendige Demokratie lebt von engagierten und vernünftigen Menschen, die auf Überzeugungskraft setzen, und nicht von "eingemauerten", an ihrem Eigenwohl ausgerichteten Partei-Funktionären, die sich im Parlament verhalten wie in einem Kindergarten (Dieses Wort haben Sie verwandt, u. ich übernehme es gern).
Ob 5%- oder 3%-Klausel bzw. gar keine Klausel - entscheidend ist die KONTROLLE, welche das Wahlvolk über alle Entscheidungen von Bedeutung behält, und deshalb gehören für mich auch Volksabstimmungen zum System dazu, vor allem bei so wichtigen Entscheidungen wie z. B. der Abschaffung der D-Mark oder auch die Unterstützung der Ukraine (k e i n NATO-Mitglied!) in ihrem
Krieg mit Rußland.

Welchen Einfluss hätten zwei, drei Abgeordnete z.B.der Tierschutzpartei? Kaum Redezeit, kaum Infrastruktur, kaum Unterstützung. Welchen Sinn macht es eine monothematische Kleinstpartei im Bundestag zu haben, die viel Steuergeld kostet? Würde dadurch tatsächlich mehr Kompetenz einziehen? Nach meinen Beobachtungen im Kommunalparlament kann ich nur sagen, ja es wird bunter, aber noch mehr wie im Kindergarten, noch ineffizienter.
Die Probleme und Schwächen liegen doch ganz woanders. Es hat viel damit zu tun, dass es eine Bedeutungsverschiebung vom Direkt- zum Listenplatzmandat gegeben hat.Das bringt Menschen ins Parlament ,und leider auch in höchste politische Ämter, die keinen Tag in der freien Wirtschaft verbracht haben, sondern seit ihrem 16. Lebensjahr darauf hingearbeitet haben, Politiker zu werden,ein entsprechendes Studium absolviert haben- oder auch nicht- und ihre ganze Energie darauf verwandt haben in der Parteienhierarchie aufzusteigen.Daran würde sich rein gar nichts ändern.

Aber ich könnte mir vorstellen, dass über kleinere Parteien wieder eher Menschen in Parlamente kommen, die vorher woanders gearbeitet haben. In bspw. der Tierschutzpartei wird kaum einer eine reine Parteienkarriere vom Kaffeekocher, Aktenträger, Bückling-Macher, etc. hinter sich haben.
Hinter skurrilen Parteinamen können vielleicht auch vernünftige Menschen stecken. Lernte gerade einen kennen von VOLT.
Die erhielten bei der letzten BT-Wahl 0,7% und wären somit drin.
Der Aspekt "Steuergeld" mag durchaus Sinn machen, aber wenn ich sehe, wie eine Altparteien-Regierung die Milliarden nur so zum Fenster raus wirft, kann es nur besser werden. Gerade wenn über kleinere Parteien wieder Menschen ins Parlament kommen, die wissen, was Arbeit und Steuerzahlen bedeuten.

Nun denn, keiner weiß, was kommen würde, daher würde ich einem "Experiment" durchaus positiv gegenüberstehen.
Und wenn es nicht klappen würde, könnte man ja wieder zu den 5% zurückkehren.

Thorwald Franke | Mi., 5. August 2026 - 10:56

Das größte Problem mit der 5%-Hürde ist folgendes: Häufig sind Mehrheitsbildungen knapp. Es kommt durchaus auf 5% an.

Wenn dann eine Partei mit 4,7% aus dem Parlament fällt (das entspricht 29 Abgeordneten!), dann kann es geschehen, dass die mögliche Mehrheit die Seiten wechselt. Aber nicht, weil der Wähler das wollte, sondern weil der Zufall es wollte, dass eine Partei knapp unter 5% blieb und deren Stimmen plötzlich nicht mehr zählten.

Ein Wahlrecht, bei dem gewählte Abgeordnete nicht als gewählt gelten (Wahlrechtsänderung der Scholz-Regierung), und bei dem die mögliche Mehrheitsbildung von dem Zufall abhängt, ob eine Partei 4,9% oder 5,1% bekommt, ist ein ziemlich schlechtes Wahlrecht.

Ernst-Günther Konrad | Mi., 5. August 2026 - 11:54

*Die AfD, obwohl selbst nicht betroffen, ist dafür, weil sie im Zweifel alles ablehnt, was bundesrepublikanische Praxis ist.* Wieder eine ihrer völlig unbewiesenen Behauptungen, nur um wenigstens einmal in einem Ihrer Artikel was schlechtes über die AFD zu schreiben. Sie disqualifizieren sich als Journalist selbst, ihnen fehlt jegliche neutrale Beobachtungsgabe. Und was die derzeitige kleine Diskussion über die 5% Hürde anbetrifft wird sie schon deshalb nicht kommen, weil die AFD dafür ist. Und wir wissen ja, wenn die SAFD für etwas stimmt, sind alle anderen dagegen. Pech für die SPD oder wollen die Verrat begehen und mit einer AFD stimmen. Tja, die Brandmauer ist und bleibt ein Dilemma für die Altparteien. Und die AFD steigt in den Umfragen selbst bei vorsichtigen Instituten inzwischen immer weiter. Ich würde sagen. Es läuft für die AFD und sie braucht selbst nichts dafür tun, außer da zu sein.

Markus Michaelis | Mi., 5. August 2026 - 12:12

Stimmt, Politik, das Leben, der Mensch sind prinzipiell voller Widersprüche, die auszutarieren sind und die jeder anders austariert. Das größere Problem in westlichen Gesellschaften für die Entscheidungsfähigkeit sind nicht die vielen Kleinparteien, sondern die mehreren Großlager, die sich gegenseitig immer weniger ertragen und auch laufend selber verändern, so dass sich kaum ein neues Gleichgewicht bilden kann.

Viele Menschen sind heute mehr als früher werteorientiert, aber in Richtung vieler gegensätzlicher Werte, und es wird sehr Wert darauf gelegt, mit Haltung fest zu den jeweiligen Werten zu stehen. Das hat einfach mehr Prio für viele Menschen als politische Stabilität (ob das durchdacht ist, ist eine andere Frage). Dazu kommen Weltoffenheit und eine offene Gesellschaft in einer bunten, gegensätzlichen Welt, dazu kleinere Spielräume durch den relativen wirtschaftl. Abstieg.

Viele Kleinparteien können ein weiteres Stabilitätsproblem werden, sind aber im Moment nicht das größte.

Bernhard Homa | Mi., 5. August 2026 - 14:39

was natürlich v.a. den im BT vertretenen sowie bes. den regierenden Parteien nützt. Dabei zeigt sich der Autor im Übrigen demokratietheoretisch wie -praktisch wenig sattelfest:
- Bei einer zunehmend pluralen Gesellschaft sind Millionen verfallende Stimmen ein ernstes Problem und gefährden selbst die "Stabilität"
- "Stabilität" der Demokratie beruht sicher nicht darauf, wie viele Parteien im BT vertreten sind – man nehme diverse europ. Länder als Gegenbeispiel
- Ob 1 oder 2 Abgeordnete etwas durchsetzen können ist erst mal komplett irrelevant – die Repräsentation des Wählerwillens ist schon ein Wert an sich
- Dagegen ist die schnelle und geräuschlose Koalitionsbildung gerade kein demokratischer Wert an sich
- Im Ergebnis ist "Stabilität" in diesem Fall ein Täuschungsbegriff, hinter dem sich ganz profan die Bequemlichkeit, Arroganz und Machtversessenheit der (meisten) bisher im BT vertretenen Parteien verbirgt

S. Kaiser | Mi., 5. August 2026 - 16:41

Ach, das war gar kein Witz: „Was nicht kaputt ist, muss man nicht reparieren.“
Also, wenn sich etwas inzwischen als dysfunktional herausgestellt hat, dann doch wohl das aktuelle Parteiensystem.
Zeit, dass sich was dreht. Dass es sich verjüngt, dass frischer Wind reinkommt. Dass die Alten mal abgelöst werden, und die Jungen „an die Fleischtöpfe“ kommen. Dass vielleicht eine „Volt“ die Grünen ersetzt oder „Team Freiheit“ die FDP. Dass konservative Linke uU beim „BSW“ ein Zuhause finden, was auch immer.
Man kann doch nicht ernsthaft auf die aktuellen Vertreter der etablierten Parteien schauen, und meinen, dass man da in guten Händen ist?
Die Zeit der Volksparteien ist vorbei. Es macht doch mehr Sinn, wenn mehrere kleinere Parteien ähnlicher Ausrichtung sich zusammenschließen (siehe aktuell in Italien), als der Krampf, den die aktuelle „Groko“ der angeblichen „Mitte“ darbietet. 3% wären mal ein Anfang.

Achim Koester | Mi., 5. August 2026 - 17:10

einerseits die durch die 5%-Hürde wegfallenden Stimmen als demokratierelevant zu beklagen, andererseits aber ein AfD-Verbot anzustreben, durch das Millionen von Stimmen ersatzlos wegfielen. Ist das die Demokratie, die unsere Parteien einführen wollen?

Herbert Schultz-Gora | Mi., 5. August 2026 - 20:54

...einen so "leeren" Namen zu geben wie "Alternative für..." beschäftigt mich nach wie vor.
Eine "Alternative" hat keine Definition, ist schlicht das "Andere"... was soll das sein...?
Mit den GRÜNEN geht es mir ebenso.
Pflanzen sind grün, weil das Chlorophyll ihren Stoffwechsel definiert... aber "grüne Politik" ?
Ein Staatswesen oganisiert sich, damit seine Bürger gut leben, d. h. im Miteinander Kreativität und Lebensfreude verwirklichen können.
Da macht eine "Sozial-Demokratie" Sinn, weil das soziale Element wichtig ist, die "C-Parteien" halten das "Christliche" hoch und eine FDP steht für den Wert der Freiheit in der Polarität von "Freiheit & Bindung".
Aber was nützt das alles, wenn es oberhalb der kommunalen Ebene kaum noch kompetente Menschen gibt, die sich für das "Gemeinwohl" engagieren, weil in Berlin der Bezug zum Leben und zum Bürger fehlt...?
Unsere repräsentative parlamentarische Parteiendemokratie ist schwer in der Krise... Direkte Einflußnahme wie beim CH-Modell, fehlt.