Gunther von Hagens mit dem Plastinat „Schachspieler“
Gunther von Hagens mit dem Plastinat „Schachspieler“ / picture alliance/United Archives | United Archives/Impress

Wann ist die Menschenwürde verletzt? - Plastinate, Völkerschauen, Freiwilligkeit

Vor 25 Jahren spalteten Gunther von Hagens’ „Körperwelten“ die Republik. Sein Tod lenkt den Blick zurück auf eine Debatte, die bis heute nichts von ihrer Brisanz verloren hat: Wo endet die Selbstbestimmung – und wo beginnt der unantastbare Schutz der Menschenwürde?

Gregor Thüsing

Autoreninfo

Prof. Dr. Gregor Thüsing ist Direktor des Instituts für Arbeitsrecht und Recht der sozialen Sicherheit der Universität Bonn. Er ist Autor zahlreicher Fachpublikationen, vielfacher Sachverständiger im Deutschen Bundestag und wurde 2024 in den Deutschen Ethikrat berufen.

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Wer diese Woche die Zeitungen aufmerksam gelesen hat, der hat mitbekommen: Gunther von Hagens ist gestorben (in der FAZ war die Meldung sogar auf der ersten Seite). Vielen sagt dieser Name wohl gar nichts mehr, aber vor über einem Vierteljahrhundert verursachte er heftige Diskussionen. Von Hagens stellte in effektvoll konzipierten Ausstellungen Präparate Gestorbener zur Schau, die sich hierfür zuvor bereit erklärt hatten, ausgestellt zu werden. Durch ein besonderes Verfahren konnte er die Muskeln haltbar machen. Die Toten posieren als Denker, als Radfahrer mit Sonnenbrille im Gesicht oder beim Sex. Die Haut hat man ihnen abgezogen, ihre Muskeln und Nervenstränge waren gut sichtbar. Die schwarze Lunge eines Rauchers stand neben dem hellrosafarbenen Organ eines Nichtrauchers, beschrieb es damals die taz. Für die einen war es eine lehrreiche Anatomiestudie, für die anderen ein Gruselkabinett.

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Wolfgang Z. Keller | So., 2. August 2026 - 21:35

... und auch DEN Gerichten, die seine An- und Absichten NICHT verhindert haben.
Ich selbst habe die Körperwelten je einmal in München und in Wien gesehen und war total fasziniert "von unserem Aufbau", von diesem absoluten Wunderwerk der Evolution, nachdem ich nicht an diese Puppenkliniktheorie vom - profan ausgedrückt - Zusammenbasteln des Menschen von Gott aus Lehm glaube.
Die großen Künstler, ob Maler oder Bildhauer, haben in früheren Zeiten die genaue Anatomie des Menschen (damals "natürlich" gegen den Willen der Kirche) in Anatomiesälen studiert - von Michelangelo oder da Vinci gibt es hunderte Studien diesbezüglich. Ihre bekanntesten Meisterwerke wären ohne diese Kenntnisse nie SO perfekt zu bewerkstelligen gewesen.
Meine Freundin hat ihren dereinstigen Leichnam schriftlich der Wissenschaft vermacht, was ich sinnvoller finde, als als Aschehäufchen oder Mikrobenfutter in Urne oder Sarg zu vermodern. Was soll denn DARAN Würde sein? Das ist doch nur Kopfkino. Aber wer´s mag, kann ja.