- Über die Wurzel der Deindustrialisierung
Die Deindustrialisierung Deutschlands lässt sich nicht mehr leugnen. Für den ökonomischen Niedergang ist aber nicht nur die Politik verantwortlich. Auch viele Unternehmen haben mit seit Jahren verfehlten Strategien dazu beigetragen.
Im März erschien mein Buch „Kniefall vor der Unvernunft“, in dem ich den langen Schatten des Atomausstiegs aus eigener Erfahrung beschreibe. Im Podcast mit Daniel Stelter – Autor des Buches „Absturz – so retten wir Deutschland“ – bezeichnete Stelter den Atomausstieg als Wurzel der Deindustrialisierung Deutschlands. Dass die Deindustrialisierung real ist, lässt sich auch von den größten Optimisten nicht mehr leugnen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes überstieg im April 2026 die Zahl der Firmenpleiten zum ersten Mal seit 20 Jahren die Marke von 2.000. In der aktuellen Prognose rechnen die Wirtschaftsweisen nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,5 Prozent für das laufende Jahr und verweisen dabei als Ursache auf die Folgen des Iran-Krieges. Das ist eine naheliegende, aber gleichzeitig auch eine sehr bequeme Erklärung.
Die Ursachen für den Niedergang der einst stolzen Industrienation Deutschland haben nicht nur die Politik, sondern auch viele Unternehmen mit seit Jahren verfehlten Strategien zu verantworten. Offensichtlich ist der Titel meines Buches nicht nur auf die Energiewirtschaft, sondern auch auf Großteile der deutschen Industrie anwendbar. Aktuelles Beispiel: die Automobilindustrie mit täglichen Horrormeldungen zu sinkenden Absatzzahlen, Personalabbau, Werksschließungen und Werksverlagerungen ins Ausland.
Der Ablauf dieser Katastrophe ist fast identisch mit dem in der Energiewirtschaft: Das sogenannte Primat der Politik wurde über den Unternehmenserfolg und über die Bedürfnisse der Kunden erhoben. Die politisch gewünschte Elektromobilität und das Verbrennerverbot bestimmen seit 2020 die Strategie der Chefetagen der Automobilindustrie. Als Beispiel sei hier der Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius genannt, der 2020 die Transformation des Konzerns unter dem strategischen Leitmotiv „Electric First“ mit einer massiven Beschleunigung bei der Elektrifizierung der Modellpalette ankündigte.
Effiziente Verbrenner und Hybride als Übergangslösung
Allerdings basierte der erwartete Boom der Elektroautos im Wesentlichen auf deren staatlicher Subventionierung und erreichte im Jahr 2022 mit 25 Prozent aller Neuzulassungen seinen Höchststand. Ohne weitere Subventionen fiel deren Absatz stetig und liegt aktuell bei gerade einmal 4 Prozent. In dieser Größenordnung liegt offensichtlich die subventionsbereinigte realistische Nachfrage nach Elektroautos.
Die Gesamtzulassungszahlen sprechen noch ein wesentlich deutlicheres Wort: Seit dem Höchststand 2019 mit 4,2 Millionen Neuwagenzulassungen liegen diese aktuell bei gerade einmal etwa 2,8 Millionen Einheiten pro Jahr. Zumindest haben diese verheerenden Zahlen bei Herrn Källenius zu einem Umdenken geführt. Er plädiert mittlerweile dafür, den Hochlauf der Elektromobilität realistisch zu gestalten und den Markt entscheiden zu lassen. Darüber hinaus hat Källenius die EU aufgefordert, das Verbrennerverbot ab 2035 zu überarbeiten, und argumentiert, dass die EU-Ziele angesichts des aktuellen Marktanteils von E-Autos realitätsfern seien. Er fordert stattdessen einen flexibleren Ansatz, der effiziente Verbrenner und Hybride als Übergangslösung zulässt.
Zum Glück sind die Produktionszyklen in der Automobilindustrie kürzer als in der Energiewirtschaft, was offensichtlich zu schnelleren Erkenntnissen über Fehlentwicklungen führt. Zudem kann die Automobilindustrie ihre fehlgeleitete Unternehmensstrategie nicht mit staatlich sanktionierten Zwangsabgaben wie den Netzentgelten finanzieren. Die Parallelen liegen aber auf der Hand: Unternehmensstrategien, die auf gewünschten politischen Entwicklungen und damit einhergehenden Subventionierungen basieren, werden über kurz oder lang an der Realität scheitern.
Teuer, aber ohne klimapolitische Effekte
Derzeit trifft die Realität die Protagonisten der Energiewende mit voller Wucht: In einem Beitrag im Spiegel vom 8. Juli stellt der EnBW-Chef Stamatelopoulos sogar die Ausbauziele der Windkraft infrage. Er begründet dies mit einem dramatischen Preisanstieg bei Windturbinen, Logistik und Kabeln. Im Fünfjahresvergleich liegt die Kostensteigerung dort bei 30 bis 40 Prozent und über 15 Jahre bei mehr als 50 Prozent. Auch die ehrgeizigen Klimaschutzziele der Bundesregierung zerschellen an der Realität. RWE-Chef Krebber warnt im Münchner Merkur vom 11. Juli vor dem deutschen Sonderweg, fünf Jahre früher klimaneutral werden zu wollen: Dieser mache den Industriestandort Deutschland nur teuer, ohne klimapolitische Effekte.
Und damit zur Wurzel der Deindustrialisierung. Mit dem politisch gewollten und von opportunistischen Energieversorgern abgenickten Atomausstieg und der gleichzeitigen, völlig unkontrollierten Subventionierung der erneuerbaren Energien hat sich Deutschland eine teure und äußerst ineffiziente Energieversorgung geschaffen, die für energieintensive Industrien, aber auch für KI-Rechenzentren keine Zukunft mehr bietet. Davor hat der Ifo-Präsident Prof. Clemens Fuest bereits im März dieses Jahres eindringlich gewarnt. Dass Deutschland mit dieser von den Launen der Natur abhängigen und auf Jahrzehnte von fossilen Erzeugungsformen abhängigen Energiewirtschaft auch noch weltweiter Vorreiter im Klimaschutz sein will, zeigt eine politische, aber auch unternehmerische Realitätsferne, die schon fast an Verantwortungslosigkeit grenzt.
Kehrt keine Einsicht ein, bleiben für heimische, von einer sicheren und wettbewerbsfähigen Energieversorgung abhängige Unternehmen nur noch zwei Wege: dem Standort Deutschland den Rücken zu kehren oder die Energieversorgung selbst in die Hand zu nehmen. Mit einer selbstständigen und autarken Energieversorgung könnten sich Unternehmen vom Netz abkoppeln und sich dadurch von der zunehmend realitätsferneren Netzentgeltverordnung der Bundesnetzagentur befreien sowie immer weiter steigende Netzkosten vermeiden. Erzeugungskosten werden kalkulierbar, da keine Abhängigkeit mehr vom Strommarkt besteht. Qualitativ steigt die Versorgungssicherheit, da weder im Netz auftretende Dunkelflauten noch Hellbrisen die Versorgungssicherheit beeinflussen.
Ein Zehn-Billionen-Dollar-Investment
Für die Umsetzung einer autarken Energieversorgung bieten die neuen Small Modular Reactors (SMR) effiziente Lösungen, die durch Modularität dem jeweiligen Bedarf angepasst werden können, und das sowohl für die Stromversorgung als auch für eine Auskopplung von Prozessdampf. Weltweit boomt diese Technologie. In Kanada – Bauherr ist Ontario Hydro – ist der erste SMR der westlichen Industriestaaten seit April 2025 im Bau.
In Estland erhielt die privat finanzierte Fermi Energia die Standortgenehmigung zum Bau von zwei SMR des gleichen Typs BWRX-300 der Firma GE Vernova Hitachi. Mit der Firma Fermi Industriekraft Deutschland engagiert sich Fermi Energia auch für den Bau von SMR in Deutschland. Das weltweit agierende Unternehmen Synthos gab am 6. Juli den Bau von 14 SMR dieses Typs mit einer Gesamtkapazität von 4,2 Gigawatt im Vereinigten Königreich bekannt. Zusammen mit dem polnischen Unternehmen Orlen will Synthos zwei SMR des Typs BWRX-300 bis 2035 in Polen ans Netz bringen. Der Bau weiterer SMR wurde von Tschechien, Schweden und den Niederlanden angekündigt.
Die größten Treiber der SMR-Technologie sind KI-Rechenzentren. Die Bank of America spricht in einem aktuellen Bericht von einem Zehn-Billionen-Dollar-Investment für den Bau von SMR zum Betrieb von KI-Rechenzentren. Google und Kairos Power haben bereits den Bau von SMR mit einer Gesamtkapazität von 1,2 Gigawatt in Auftrag gegeben. In Wyoming ist am Standort Kemmerer ein SMR zur Versorgung eines Microsoft-Rechenzentrums im Bau. Amazon plant in Amarillo, Texas, mit Fermi America einen riesigen Rechenzentrumscampus, bei dem auch die SMR-Technologie zum Einsatz kommt.
Will Deutschland auch in Zukunft ein Standort für energieintensive Industrien bleiben und am weltweiten KI-Boom teilnehmen, muss es Voraussetzungen für den Bau und Betrieb von SMR-Kraftwerken schaffen. Die einzige Voraussetzung hierfür ist der Wegfall des Bauverbots in Paragraf 7 des Atomgesetzes. Nichts Neues: Dieser Paragraf wurde seit 2011 bereits sechsmal geändert. Warum nicht ein siebtes Mal, insbesondere wenn es um die Zukunft des Industriestandortes Deutschland geht?
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Das fängt schon bei der menschenverachtenden primitiven DUZEREI an, wobei selbst NIUS fleißg mitmacht.
"Dein Palet kommt bald an.....
Duzen ist in anderen Ländern ganz normal. Auch in Ländern, in denen es weniger ideologisch zugeht, als in DE.
Ungefragtes Duzen ist kein Kulturgut, auch wenn es in anderen Ländern/Sprachen üblich ist. Jemanden ungefragt zu duzen ist ein Mangel an Respekt und Anstand, bzw. dem, was man früher "gute Erziehung" nannte.
Ebenso besch... finde ich übrigens die Anrede "Nutzer:innen".
Was bringt das alles, ist die Frage. Die auf der Hand liegenden Erkenntnise des Autors kommen im deutschen Mainstream nach wie vor nicht an. Beispiel ÖRR: hört man dort irgendwo auch nur ganz leise Kritik an der Art und Weise am deutschen und europäischen Weg? Nein, wir müssen "schneller werden", also noch mehr vom Gleichen machen, dann kommt das grüne Wirtschaftswunder ganz bestimmt. Die linksliberale Presse bläst in dasselbe Horn. Einzig hier, bei Apollo, NIUS und Welt wird Kritik geübt. Dabei ist lange klar, dass wir diese Politik finanziell nicht durchhalten werden. 203 Milliarden Neuverschuldung allein im nächsten Jahr, mit weiter steigender Tendenz. Woher sollen die zusätzlichen Billionen- Investitionen für den Klimaschutz da noch kommen? Deutschland geht leider jede Sackgasse bis zum bitteren Ende, das scheint eine Konstante der Geschichte zu sein. Ich frage mich oft, ob mit den Deutschen tatsächlich irgendwas nicht stimmt.
"noch mehr vom Gleichen machen"??
Sie kennen sicher Albert Einsteins Aussage zu diesem Thema.
Wenn nicht, bitte googlen.
Genau das wollen die, immer mehr vom Gleichen. Ja, das ist Wahnsinn. Und der erklärt sich aus dem quasi-religiösen Klimaschutz- Dogma, nach dem die Erde in Kürze verbrennt, wenn wir sie nicht -notfalls ganz allein- retten. Mit Sachargumenten dringt man bei diesen Leuten schon seit Jahren nicht mehr durch. Dabei braucht es nur ein einziges: die nicht mehr gegebene Bezahlbarkeit. Ich erwarte nicht, dass sich die deutsche Politik jemals ehrlich machen wird. Man wird die Dinge nur anders nennen, denn es waren ja alle Parteien an dem Desaster beteiligt und viele der Mitwirkenden sind noch auf die eine oder andere Weise in Amt und Würden. Eine Konstante teilen alle Politiker: selbst offensichtlichste Fehler werden nicht zugegeben. Wir Wähler sind selbst daran schuld. Machbarkeitsillusionen und Versprechungen werden belohnt, ganz gleich wie unrealistisch sie sein mögen. In der breiten Masse der Bevölkerung ist noch immer nicht angekommen, dass es so nicht mehr lange weitergehen kann.
"Paragraf 7 des Atomgesetzes wurde seit 2011 sechsmal geändert". Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Verschärfungen auf Betreiben der Grünen. Die sind auch dafür verantwortlich, dass ein von vielen Experten als sicher eingestuftes Atommüll-Endlager in Gorleben durch immer wieder durchgesetzte Verschärfungen nicht betrieben werden kann. Hinter all dem stecken meines Erachtens die Netzwerke der grauen Emminenz der Grünen Jürgen Trittin, der dafür gesorgt hat, dass sein Lebenswerk Atomausstieg realisiert wird. Die Grünen mit ihrer weltfremden, moralisch aufgeblasenen Ideologie sind der Sargnagel dieses Landes. Sichere und bezahlbare Energie ist die Lebensader einer Industrienation oder besser gesagt: war die Lebensader einer Industrienation. Und der deutsche Schlafmichel schaut zu, wenn überhaupt.
