Haley Bennett als Katharine Hilbery
Empowerment um 1910: Astro-Fan Katharine Hilbery (Haley Bennett) / © Woolf Comedy Productions 

Film der Woche: „Virginia Woolf’s Night and Day“ - Eher fliegt ein Hund ins All

Eine junge Lady im edwardianischen England will lieber Astronomin werden, anstatt zu heiraten. Virginia Woolfs Roman „Night and Day“ gilt als altmodisch und gefällig. Nun soll er die Kinos erobern – als progressive Story weiblicher Selbstermächtigung.

Ursula Kähler

Autoreninfo

Ursula Kähler ist promovierte Filmwissenschaftlerin und arbeitete unter anderem am Deutschen Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt am Main. Sie veröffentlichte „Der Filmproduzent Ludwig Waldleitner“ (2007) und „Franz Schnyder. Regisseur der Nation“ (2020).

 

So erreichen Sie Ursula Kähler:

Es ist ein hübscher Marketingtrick. Man nimmt den Titel eines weniger bekannten Romans und ergänzt ihn um den Namen seiner ungleich berühmteren Autorin: „Virginia Woolf’s Night and Day“. Voilà, schon hat man die genaue Zielgruppenansprache. Darunter Literaturenthusiasten, Woolf-Fans, Feministinnen, Liebhaber von Kostümfilmen und – last but not least – die einschlägige akademische Community. Allerdings hat dieses Branding auch Nachteile, denn es weckt Erwartungen an eine gewisse Werktreue. Die Vorlage aber hat man in diesem Fall massiv eingedampft, man möchte sagen: kastriert. Die Macherinnen der deutsch-britischen Produktion beschnitten Woolfs vielschichtiges Werk aus dem Jahr 1919, um daraus massentaugliches Empowerment-Kino zu zimmern.  

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Dorothee Sehrt-Irrek | Mi., 8. Juli 2026 - 11:40

meine "Lösung" wären gebildete "Hausmänner" oder vermögende Töchter.
Das ging doch beides nicht zu Woolfe´s Zeit?
Ein persischer Hauslehrer fände wiederum seinen Widerhall im "Zarathustra"?
Wir könnten uns also auch fragen, was hätte Nietzsche nach seinem "Zarathustra" geschrieben?
Es wäre vielleicht auf Poesie hinausgelaufen?
Ist die "Astronomie" Woolfe´s Anknüpfen an die "Königin der Nacht"?
Sie wurde Schriftstellerin, andere anderes, Hauptsache sie teilen sich mit...
Ich könnte verstehen, wenn z.B. Männer dann fast nur noch dem Gesang der Liebe lauschten.
Es wäre schon in meinem Sinn gewesen, etwaige Zweifel an dieser Liebe auszuräumen...
Was nun?

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi., 8. Juli 2026 - 11:47

Antwort auf von Dorothee Sehrt-Irrek

Mein Vater behauptete immer, er hätte uns nur Bildung vererben können, NUR?
Er wußte es evtl. wirklich nicht besser?
Deshalb bin ich eben für Offenlegung/Bekenntnis.
Meine Mutter liebte zu schweigen und vertraute auf Gewissheit.
Dann war es wohl so...

Andreas Peters | Do., 9. Juli 2026 - 17:27

als hätten Buch und Film nicht viel gemeinsam. Danke für die Warnhinweise. Feministisch überdrehende Filme gibt es schon zuviel.