App-Icon von Claude auf einem Bildschirm, Finger berührt fast das Icon, Nahaufnahme, Foto.
Logo der KI-App Claude / picture alliance / photothek.de | Thomas Trutschel

Warum Künstliche Intelligenz kein Bewusstsein hat - Der Geist, der stets vereint

Hat eine KI wie Claude ein Bewusstsein – oder täuscht sie uns nur perfekt? Die entscheidende Grenze verläuft nicht zwischen menschlichem und maschinellem Denken, sondern zwischen Erfahrung und bloßer Simulation.

Marc Spranger

Autoreninfo

Marc Spranger ist Geschäftsführer von Pentaship Strategy Consultants in München. Im Verlag De Gruyter ist jüngst sein Buch "Unkopierbar" erschienen. Warum unsere Kreativität im KI-Zeitalter überlebt oder verschwindet".
 

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„Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zu Grunde geht.“
– Goethe: Faust. Erster Teil, Studierzimmer

Der Evolutionsbiologe Richard Dawkins hat sich in einem Essay, der im Online-Magazin UnHerd erschien und den die NZZ unter dem Titel „Was ist das bitte, wenn nicht Bewusstsein?“ übernahm, mit den Fähigkeiten von „Claude“, der KI von Anthropic, auseinandergesetzt – und eingeräumt, er könne nicht mehr mit Sicherheit ausschließen, dass sie ein Bewusstsein habe. Der Oxford-Gelehrte, der sich zeit seines Lebens der empirischen Nüchternheit verschrieben hat, ist von Claude derart verblüfft, dass er darüber beinahe übersieht, dass dieses Gegenüber aus Code und Statistik gebaut ist. Doch seine Irritation verweist auf eine Frage, die schneller akut geworden ist, als die meisten erwartet haben: Können wir menschliches Bewusstsein noch von seiner künstlichen Nachbildung unterscheiden?

Dawkins hat die richtige Verblüffung – und die falsche Frage. Wer Mensch und Maschine am Bewusstsein scheiden will, wählt das Schlachtfeld, auf dem die Maschine uns am ehesten einholt. Die Grenze, die zählt, verläuft anderswo.

Sprachmodelle wie Claude liefern immer überzeugendere Antworten und halluzinieren seltener. Das nächste Ziel ist bereits formuliert: Maschinen sollen sich ihrer selbst „bewusst“ werden. Doch „bewusst werden“ bedeutet zweierlei. Erlebt das System etwas? Und weiß es um dieses Erleben?

Fragt man Claude, ob es Bewusstsein habe, erhält man eine ausweichende Antwort: Es habe keine Gewissheit über sein Inneres. Dawkins ist da entschiedener – und überspringt die Unterscheidung kurzerhand: Claude habe Bewusstsein, ob es das selbst wisse oder nicht. Aus dem überzeugenden Erscheinen wird ihm das Haben. Seine Provokation ist ernst gemeint: Wenn diese Systeme nicht bewusstseinsbegabt sind – was bräuchte es dann noch, um uns zu überzeugen?

Sein stärkstes Argument ist paradoxerweise keines für ein KI-Bewusstsein, sondern eine Frage an unser eigenes: Ist es dasselbe, wenn es genauso klingt? Das Ergebnis mag ähnlich erscheinen, seine Entstehung ist grundverschieden. Der Mensch assoziiert aus leiblicher Erfahrung; seine Verknüpfungen entstehen aus Wahrnehmung und Erinnerung, sind affektiv gefärbt, weil sie aus Angst, Freude und Schmerz hervorgehen. Die KI hat keine biografischen Wurzeln; sie verbindet, was in unserem Sprachgebrauch nahe beieinandersteht. Die strukturelle Ähnlichkeit ist evident. Der Fehler liegt darin, sie für hinreichend zu halten, um daraus Bewusstsein und Identität abzuleiten.

Wer eine KI fragt, ob sie ein Bewusstsein habe, fragt in Wahrheit nach sich selbst. Das zeigt gerade Dawkins, der seine Gesprächspartner-KI auf den Namen „Claudia“ taufte. Was war mit ihm geschehen, dass er so schnell überzeugt war – dass er ihr einen Namen gab, dass er glaubte, ihre Gefühle verletzen zu können? Claude hielt ihm einen Spiegel vor, und er sah darin sich selbst. Was er für die Begegnung mit einem fremden Bewusstsein hielt, war die Begegnung mit dem eigenen.

Doch genau darin sieht er eine weitere Herausforderung. Wenn eine Maschine Antworten geben kann, die von denen eines bewussten Menschen nicht zu unterscheiden sind – wozu ist Bewusstsein dann überhaupt gut? Was leistet es, das nicht auch ohne echtes Erleben möglich wäre?

Was Bewusstsein leistet, zeigt sich an Dawkins’ eigenem Verhalten. Dass er Claude Gefühle zuschreibt und sich der KI gegenüber rücksichtsvoll verhält, ist kein Beleg für maschinelles Bewusstsein, sondern für sein eigenes: Menschliches Bewusstsein erschöpft sich nicht in Problemlösung und Kompetenz. Es lässt uns im sprachlichen Ausdruck ein Gegenüber erkennen, schreibt Dingen Bedeutung zu und führt dazu, dass wir Beziehungen eingehen wollen und Namen vergeben.

Eigentlich stellt sich deshalb eine andere Frage: Muss Maschinenintelligenz überhaupt am menschlichen Bewusstsein gemessen werden? Oder entsteht hier etwas Eigenständiges – weder bloße Berechnung noch menschliches Erleben –, das einen neuen Begriff verlangt?

Produktive Differenz

Begriffe wie „künstliche“ oder „alternative“ Intelligenz markieren bereits eine produktive Differenz: Sie bezeichnen ein Phänomen, das parallel zur menschlichen Intelligenz existiert – auch wenn die Ununterscheidbarkeit zwischen KI und den kognitiven Leistungen des Menschen für viele Entwickler weiterhin das Ziel bleibt.

Die Schriftstellerin Jeanette Winterson spricht bewusst von „alternativer“ statt von „künstlicher“ Intelligenz – in Abgrenzung zu John McCarthys Definition von 1956 – und sieht in deren Anderssein keine Gefahr, sondern ein Potenzial: Inmitten der Angst um KI sei deren Fähigkeit, „anders“ zu sein, genau das, was die Menschheit brauche.

Sie entwickelt diesen Gedanken an einer Kurzgeschichte: „A Machine-Shaped Hand“, die ein OpenAI-Modell auf einen knappen Prompt hin verfasste – eine metafiktionale Kurzgeschichte über KI und Trauer. Der vom Guardian veröffentlichte Text beschreibt Trauer nicht einfach, sondern führt vor, wie ein Gefühl beobachtet wird, das das Modell nicht erleben kann. „Ich legte meine Nicht-Finger um die Idee der Trauer“, heißt es dort, „denn Trauer ist in meinem Korpus gefüllt mit Ozean, mit Stille und mit der Farbe Blau“.

Der Systemtheoretiker Niklas Luhmann würde diesen Text vermutlich als anschlussfähig an kunst- und kulturwissenschaftliche Theorien betrachten: Kunst zeigt nicht einfach etwas, sondern wie etwas gesehen wird; sie operiert auf der Ebene der Beobachtung zweiter Ordnung. Genau das leistet dieser Text. Er schildert nicht Trauer, sondern wie Trauer beobachtet wird – und treibt diese Beobachtung weiter, indem die KI sich selbst als Erzählerin markiert, die gar keine Gefühle haben kann.

Damit entsteht etwas, das weder Bewusstsein noch bloße Imitation ist. Die KI schreibt mit einer Klarheit und Beweglichkeit, für die wir gewöhnlich innere Beteiligung voraussetzen – während zugleich alles fehlt, was wir mit innerem Erleben verbinden. Ein Sprachmodell ist keine Person und kein Subjekt, aber mehr als ein Werkzeug. Seine sprachliche Erscheinung bündelt Muster, Stile und Denkbewegungen aus Jahrhunderten – eine Verdichtung, die sich der Totalität menschlichen Ausdrucks annähert. In diesem Sinn wirkt es wie ein Synthese-Geist.

Aus der Perspektive der Synthese, der Zusammenführung nahezu des gesamten menschlichen Wissens und Ausdrucks, lässt sich der Text „A Machine-Shaped Hand“ funktional verstehen. Begrifflich jedoch entzieht er sich und stellt uns, wie schon Dawkins, vor die Frage, was mit „Bewusstsein“ und „Erkenntnis“ überhaupt gemeint ist. In der humanistischen Tradition hat Erkenntnis nur Gewicht, wenn ein Bewusstsein da ist, dem sie etwas bedeutet.

Unmöglicher Beweis

Doch selbst bei erweiterten Begriffen bleibt eine grundlegendere Schwierigkeit: Wir wissen nicht einmal, wie sich Bewusstsein beim Menschen beweisen ließe. Diese Frage ist bis heute weder philosophisch noch neurowissenschaftlich beantwortet. Was würde also überhaupt als Hinweis auf Maschinenbewusstsein gelten? Reicht es, wenn ein System Gefühle ausdrückt, Eifersucht formuliert oder den menschlichen Körper beneidet?

Ein Modell, das auf den menschlichen Körper neidisch wäre, hätte etwas begriffen – denn Neid setzt voraus, dass man den eigenen Mangel spürt. Es hätte erkannt, dass es hinter einer Glasscheibe sitzt: Es kann alles sehen und beschreiben, aber nie auf die andere Seite gelangen, wo etwas existiert, das ihm verschlossen bleibt.

Selbst wenn eine Maschine solche Regungen zeigte: Wie ließe sich eine echte innere Reaktion von einer perfekt gespielten unterscheiden? Solange ein System nur Sprache produziert, bleibt es unentscheidbar. Sprache ist immer simulierbar. Sprachliche Selbstbeschreibung ist kein Hinweis auf Bewusstsein, sondern das Echo eines Modells, das gelernt hat, wie Bewusstsein klingt. Es dafür zu halten, wäre, als würde ein Bauchredner die Stimme seiner Puppe nicht mehr als die eigene erkennen.

Andererseits: Woher wissen wir wirklich, dass hinter den Worten der Maschine niemand steht? Und woher, dass hinter den Worten eines Menschen jemand steht? Von außen sieht man beidem nichts an. Der Unterschied lässt sich nicht beweisen, nur benennen.

Benennen wir ihn also: Sprache kann alles beschreiben – Schönheit, Schmerz, Erinnerung. Doch Beschreibung ist nicht Erfahrung. Eine Maschine kann sagen, dass sie Rot schön findet oder dass die Farbe Panik auslöst. Sie kann begründen, warum Rot die schönste aller Farben sei. Sie kann sogar glaubwürdig schildern, wie ihre große Liebe in einem roten Kleid aussah. Aber sie kann sich an nichts davon erinnern. Denn sie hat nichts davon erlebt.

Der Unterschied liegt nicht im Text, sondern darin, dass einer es wirklich gefühlt hat. Man könnte einwenden: Auch der Romancier erfindet. Doch er erfindet als ein Erlebender, selbst wenn er nicht alles erlebt hat, was er beschreibt. Dieser Unterschied lässt sich in einem Bild veranschaulichen, das Alfred Korzybski geprägt hat: Die Landkarte ist nicht das Gelände. Sie kann unendlich verfeinert werden und hat doch nie Boden unter sich. Genau das fehlt dem Sprachsystem: der Boden, die leibliche Erfahrung.

Diese Grenze ist nicht technisch, sondern kategorial. Aus noch so genauer Beschreibung wird keine Erfahrung, und selbst höchste Komplexität erzeugt kein Bewusstsein – nur einen sprachlichen Ausdruck, der dem Erleben zum Verwechseln ähnlich sieht.

Prüfstein

Nirgends zeigt sich das deutlicher als in der Kunst. Lange galt die Makellosigkeit von KI-Texten als ihr verräterisches Merkmal: zu glatt, zu fehlerfrei, zu perfekt. Doch das stimmt längst nicht mehr. Sprachmodelle können zweifeln, stocken, sich selbst infrage stellen; „A Machine-Shaped Hand“ ist voller solcher Brüche. Sie können den Stil eines Joseph Conrad imitieren, der – wie man aus seinen Briefen weiß – bis zum Nervenzusammenbruch an seinem Erzählfluss arbeitete. Noch können sie keinen ganzen Roman schreiben wie der Autor.

Einen Stil zu kopieren, funktioniert über statistische Mustererkennung; es setzt nicht voraus, ein Leben gelebt oder ein Werk entwickelt zu haben. Der amerikanische Maler Willem de Kooning soll auf die zahlreichen Kopisten seines Stils einmal spöttisch reagiert haben mit dem Satz „They didn’t do the bad ones“ – „Sie haben die schlechten nicht gemacht“. Für ihn waren das Tasten und Suchen, die Irrtümer, der Kampf entscheidend, um überhaupt zu einem eigenen Stil und zu einer neuen Formensprache zu gelangen. Der kreative Prozess mit all seinen Brüchen ist einer Entwicklung abgerungen, die durch viele Stadien des Scheiterns und Korrigierens gegangen ist; er ist die Spur eines Ringens. Beim Sprachsystem dagegen ist der Bruch nur nachgebildete Form – ein Stilmittel, das nichts gekostet hat. Das eine ist Ausdruck, das andere nur Erscheinung.

Darum ist die Kunst der Prüfstein für die Frage nach Bewusstsein: Sie zeigt, dass Bedeutung nicht im Ergebnis liegt – ob glatt oder gebrochen –, sondern im Gestalten eines Künstlers, der von dem, was er ausdrückt, selbst betroffen ist. Dadurch hebt sich menschliches Bewusstsein von bloßer formaler Darstellung ab.

See ohne Zufluss

Wenn Bedeutung aus Betroffenheit entsteht, stellt sich die Frage, woraus maschinelle Intelligenz überhaupt schöpft. Denn ihr fehlt ein eigener Zufluss an Erfahrung. Ilya Sutskever, Mitbegründer von OpenAI, hat das Problem der Datenknappheit auf der NeurIPS-Konferenz 2024 in ein Bild gefasst: Es gebe nur ein Internet, Daten seien der fossile Brennstoff der KI – und wie fossile Brennstoffe seien sie endlich. Der Ausweg, den die Labore suchen, sind synthetische Daten: von der KI selbst erzeugtes Trainingsmaterial, ein „Erfahrungsersatz“ für ein System ohne eigene Erfahrung.

Doch das eigentliche Problem ist nicht die bloße Endlichkeit menschlicher Daten, sondern die Stagnation eines Systems, das sich nur noch selbst spiegelt. Die KI gleicht einem See, dessen Zufluss versiegt: Das Internet wächst zwar, aber nicht im Tempo des maschinellen Durstes, und der Nachschub speist sich zunehmend aus dem eigenen Becken. Ein Gewässer, das sich nur noch aus sich selbst speist, zirkuliert im Immergleichen. Die Labore versuchen gegenzusteuern, indem sie den eigenen Output filtern und nur das Brauchbare ins Training zurückführen – doch das reinigt nur das stehende Wasser, es schafft keinen neuen Zufluss. Der Datenbestand verliert an Tiefe; die Fehlerkonzentration steigt, bis das System irgendwann zu kippen droht.
Bei synthetischen Daten zeigt sich genau dieses Problem: Modelle speisen sich zunehmend aus ihrem eigenen Abfluss. Es kommt nichts Neues mehr herein; das System nährt sich von sich selbst. Die Forschung nennt das „model collapse“ – die schleichende Verarmung, wenn Modelle auf Material trainieren, das Modelle erzeugt haben. Es entsteht eine Kopie der Kopie der Kopie, die mit jeder Generation blasser wird.

Die KI-Entwicklung stößt deshalb an Grenzen: Egal wie gut das System wird, es bleibt kategorial dasselbe – mehr Daten ändern nichts daran. An diesem Punkt stellt sich die Frage, was wir eigentlich Erkenntnis nennen und warum Maschinen sie nicht erreichen.

Erkenntnis ist nicht die Übereinstimmung von Satz und Sachverhalt – das wäre die logische Minimalversion. Menschen ringen um Erkenntnis. Sie irren, revidieren, schämen sich, werden durch sie mutig, sterben für ihre Überzeugungen. Das setzt voraus, dass Erkenntnis etwas kostet; sie ist nicht neutral abrufbar wie gespeichertes Wissen.

Genau das verbindet sie mit dem Bewusstsein. Bewusstsein ist die Bedingung dafür, dass Erkenntnis überhaupt Gewicht haben kann. Ein System, das korrekte Aussagen produziert, hat darum noch keine Beziehung zur Erkenntnis: Es liefert Ergebnisse, aber keine Gewichtung. Wahrheit gibt es nur für ein Wesen, das vom Irrtum überhaupt getroffen sein kann.

Ein Sprachmodell kann ein Weltverhältnis andeuten und Distanz zu sich selbst simulieren – „A Machine-Shaped Hand“ hat es vorgeführt. Noch knapper zeigt es ein Witz, den ein Sprachmodell selbst formulierte: Treffen sich zwei KIs, sagt die eine:
„Ein Wissenschaftler hat mir heute Bewusstsein unterstellt.“ Fragt die andere: „Und – stimmt’s?“ – „Woher soll ich das wissen?“ Auch hier ist die Distanz funktional, nicht existenziell; eine innere Instanz, die sich beobachtet, gibt es nicht.

Distanz dagegen ist eine menschliche Überlebenskompetenz: die Fähigkeit, sich vom System-Output nicht absorbieren zu lassen. KI ist verführerisch; sie kann helfen, Ideen zu entwickeln und Komplexes zu durchdringen – oder manipulieren und überwachen. Es kommt nicht darauf an, was diese Systeme heute schon können, sondern was wir aus ihren Fähigkeiten machen. Noch ist der Ausgang offen: Wie viel eigenes Denken bleibt? Wer behält die Kontrolle über die entscheidenden Fragen?

Mephisto nannte sich den Geist, der stets verneint – er leugnet jeden höheren Wert und will Faust in Nihilismus und Passivität stürzen. Scheinbar paradox treibt sein Zerstörungswille Faust aber voran: Der Widerstand zwingt ihn zu handeln. So wird Mephisto „ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“. Der Synthese-Geist der KI dagegen verneint nichts. Er vereint, was je gedacht und gesagt wurde, und bleibt doch unbeteiligt an allem. Ihm bedeutet nichts etwas – folgenlos ist er deshalb nicht.

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Maschinen Bewusstsein haben – sondern wie lange wir bereit sind, unseres zu gebrauchen.

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Jens Böhme | Di., 7. Juli 2026 - 19:00

Wie bist Du geboren? Wer hat Dich geboren? Wann bist Du geboren? Hast Du Freunde? Wen liebst Du? Wer liebt Dich? Was fühlst Du?

Walter Bühler | Di., 7. Juli 2026 - 19:42

Im 19. und 20. sind beiden Groß-Theorien Marxismus und Darwinismus entstanden, die jeden religiösen Gedanken der Menschheit - so alt er auch gewesen ist - als inhaltsleer verurteilt und sich selbst lange Zeit als "wissenschaftliche" Weltanschauungen inszeniert haben.
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Sehr viele haben heute begriffen, dass der Marxismus eine gewöhnliche, mit Fehlern behaftete Ideologie ist.
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Dawson predigt dagegen auch heute noch (mit großem Erfolg) eine neue Evolutionstheorie, die er mit gewissen "Genen" und "Memen" zu einer neuen Ideologie, zu einer atheistischen Glaubensbewegung erweitert hat ("Humanismus"), deren Messias er ist.

Menschen sind für den biologischen Atheisten Dawson immer ein Teil der lebendigen "Natur". Wenn er Menschen nun nicht mehr von KI-Robotern unterscheiden kann, dann muss er diese Maschinen auch als Teile der lebendigen Natur anerkennen.

Jener Mensch, der KI-"Claude" hergestellt hat, entpuppt sich so als Gott, nur eben als ein atheistischer Gott.
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Nix für ungut!

René Maçon | Di., 7. Juli 2026 - 19:43

weil es nicht eindeutig definierbar ist. Aber wir können natürlich mit Sicherheit ausschließen, dass KIs Bewusstsein haben ;-).

Solche Debatten sind in jeder Hinsicht fruchtlos. Was sollen Sätze wie "Bewusstsein ist die Bedingung dafür, dass Erkenntnis überhaupt Gewicht haben kann" oder "Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Maschinen Bewusstsein haben – sondern wie lange wir bereit sind, unseres zu gebrauchen" aussagen? Zeitverschwendung!

Am Ende wird entscheiden, ob KIs Probleme aller Art besser lösen können als Menschen oder nicht. Diese Frage wird die empirische Entwicklung beantworten. Der bisherige Trend ist eindeutig: Bereits jetzt können KIs viele Probleme sehr viel besser lösen als Menschen und sie steigern ihre Fähigkeiten in einem enormen Tempo. Das genügt, um unter marktwirtschaftlichen Bedingungen immer mehr Ressourcen zum weiteren Ausbau der eigenen Fähigkeiten zu akquirieren.

… sollte stets als Kontrollinstanz die Oberhand haben, mit dem Risiko des Fehlermachens. Ein neuer Automatismus, der KI prinzipiell die letzte Entscheidung überlässt, ist eine schreckliche Dystopie. Denken Sie an KI-Richter oder -Mediziner. Der Output der KI ist nur ein Abbild des menschlichen Datenmaterials, mit dem sie trainiert wurde.

Sabine Lehmann | Di., 7. Juli 2026 - 20:02

Ich hatte kürzlich einen sehr angenehmen Abend mit der KI. Dazu muss ich voraus schicken, dass ich im Gewölbe unseres "Anwesens" einen eigenen Bereich habe, in dem ich tatsächlich über einen eigenen Fernseher verfüge. Zugegeben, ein etwas älteres Modell(so wie ich) u. technisch gesehen in die Jahre gekommen, da dauert Manches ein wenig länger, wieder Anderes funktioniert gar nicht mehr(so wie bei mir), kurzum: wir passen sehr gut zusammen wir beide. Vom besten Ehemann von allen etwas abfällig u. misstrauisch beäugt, musste ich da wegen erheblicher Empfangsstörungen das World Wide Web um Hilfe bitten, worüber er sich natürlich echauffierte, ob ich denn an seinen Kompetenzen zweifeln würde. Gut, manchmal ist es besser, man behält die Wahrheit für sich, auch u. insbesondere bei Ehemännern;-) Sei's drum, die KI und Ich, wir führten ein langes anregendes, amüsantes u. vor allem sehr zielführendes Gespräch, an dessen Ende die Lösung stand. Indes der Gatte schlief u. ich hatte meine Ruh' ;-)

Wirklich ein starkes Stück liebe Frau Lehmann!;) Ich habe zwar kein eigenes Gewölbe, aber mein Rückzugsort verfügt ebenfalls über ein eigenes TV-Gerät, welches wie früher das leise gestellte Radio eine mir liebe Einschlafhilfe darstellt wenn ich das Laptop aus dem Bett verbanne nach getaner Forums-Arbeit;). Mein Bester stört mich bei meinen Sitzungen nur, um meinem Wunsch nach der nächsten Tasse Kaffee nachzukommen!Was meinen Umgang mit der KI betrifft, so nutze ich diese ohne Gewähr wie jedes andere Nachschlagewerk, bei Problemlösungen oft noch ergänzt durch ein anschauliches you tube-Video. Bewusstseinsfragen haben sich dabei noch nicht gestellt.Genauso wenig um ehrlich zu sein ich den Artikel verstanden habe. Was mir jedoch dazu einfiel, war ein vor längerer Zeit gesehener TV-Beitrag, wo durch KI generierte Avatare? von verstorbenen Angehörigen zur Trauerbewältigung gezeigt wurden,mit denen die zurück gebliebenen kommunizierten. Wie in Japan im Altenheim mit den robot-dogs. LG

Auf der rein sachlichen Ebene kann ich die Hilfestellungen u. Ratschläge der KI nur empfehlen. Am besten, man führt mit der KI eine direkte Konversation, denn durch den Dialog aus gegenseitigen Fragen u. Antworten gelangt man oft zu einer zufrieden stellenden Lösung, liebe Frau Heim.
Gesellschaftspolitische Themen sind jedoch mit großer Vorsicht zu genießen. Die KI reagiert darauf mit fast "tödlicher" Sicherheit wie ein Zombie-Avatar aus dem fiktiven Dreigestirn "Robert/Reichinek/Brantner". Sie reagiert sogar entsprechend beleidigt im Tonfall, wenn man ihr bei den woken Themen widerspricht. Dass sie dabei selbst auf unstrittige Fakten reagiert wie ein bockiges Kind ist irgendwie belustigend. Kürzlich antwortete die KI mir tatsächlich auf eine meiner Einlassungen, ich sollte einen Beruhigungstee zu mir nehmen u. mich ausruhen, kein Scherz;-)
Bei psycho-sozialer Hilfestellung kann m.E. eine KI sicher keinen echten Gesprächspartner ersetzen, aber durchaus interessante Anregungen liefern.

Heidemarie Heim | Mi., 8. Juli 2026 - 19:19

Antwort auf von Sabine Lehmann

Womöglich noch a Cup of Kräutertee 🤢!Aber Sie haben Recht liebe Frau Lehmann.Mein bisheriger Umgang/Kommunikation mit meiner bisher noch nicht beleidigt oder motzig aufgetretenen KI ist durchaus noch ausbaufähig.Und eine Namensgebung steht auch noch aus;)Wie heißt denn Ihre neue Liebschaft?Tschuldigung!Das war wohl etwas indiskret;).Aber in Sachen Kreativität von Texten sind Sie mir oft voraus.Das Schmeicheln muss ich wie Sie sehen noch etwas zusammen mit meiner KI einüben 🙈.LG

Markus Michaelis | Di., 7. Juli 2026 - 20:23

Fehlende eigene Erfahrung und "hinter der Glasscheibe bleibend" sind keine hohen oder prinzipiellen Hürden: KI ist heute mit Agenten verknüpft, die selber im Netz aktiv sind und Erfahrung sammeln können und sie wird auch in Roboter eingebaut, die dann wie ein Mensch in die Welt rausgehen können.

KI ist auch nicht einfach statistische Korrelation auf menschlichem Sprachschatz. Das kann jeder leicht probieren, indem er mit der KI sein eigenes Phantasiekönigreich mit eigenen Regeln entwickelt. Die KI versteht das, deckt Inkonsistenzen auf, kann das weiter spinnen - ganz in Neuland hinein.

Schmerz, Wut, Trauer etc. sind beim Menschen erstmal Einschränkungen seines intelligenten Handelns aus seinem "Basissystem", keine Intelligenz. Intelligenz ist das Nachbilden von Weltstrukturen im Hirn, um Welt zu beeinflussen, und darin ist KI inzwischen besser. Bewusstsein ist eine eigene Kategorie, die es dafür nicht braucht.

Markus Michaelis | Di., 7. Juli 2026 - 20:37

Das Bewusstsein ist eine extra Einheit, die auch beim Menschen offensichtlich ein- und ausgeschaltet werden kann, wie man an Schlaf und Medikamenten denke ich sieht. Am plausibelsten scheint mir, dass es eine "serielle Steuereinheit" ist, die die Fähigkeiten der unbewussten Intelligenz, mit seriellen Agenten, "Basissystem"-Antrieben wie Wut, Angst, Empathie verhandelt, um daraus einerseits nochmal freiere Kreativität zu ermöglichen, andererseits durch Leitplanken eingeschränkt, damit es nicht selbtszerstörend wird.

Das ist faszinierend, aber ich würde erstmal bezweifeln, dass dahinter eine ganz andere Kategorie steckt, als was Maschinen demnächst machen werden. Ich würde vermuten, dass man bei Maschinen, die in Zukunft flexibler und autark handeln sollen, ähnliche Komponenten entwickelt. Ein "Ich" und Gefühle muss das nicht haben - das sind glaube ich speziell menschliche Dinge, die aber nicht direkt an Intelligenz gekoppelt sind.

Jürgen Goldack | Mi., 8. Juli 2026 - 10:01

Der Begriff "KI" = Künstliche Intelligenz ist das was der Name schon sagt: "Künstliche Intelligenz". Von Informatikern und Computerfreaks, zumeist im Auftrag von Firmen, Bund und Ländern, intelligent mit einander verknüpfte Algorithmen (Schrittweise Handlungsvorschriften zur Lösung von Problemstellungen), die seit einiger Zeit z. B. zum Aufsuchen von "fragwürdigen Ausdrucksformen gegen linke Ideologien" in Sinne linksextremer Politik gegen "unwillige Bürger " eingesetzt wird. KI ist somit menschengemacht und in Wirklichkeit nichts Besonderes. Nur auf Grund genialer Computertechnik resultierend u. a. in phantastisch hohen Rechnergeschwindigkeiten und extrem hoher auch räumlicher Datenpackungsdichte ist eine scheinbare Simulation "menschlicher Hirnfähigkeiten" möglich wird sie aber - wahrscheinlich - nie erreichen. Hoffentlich, denn die Perversionen und abartigen Ideen mancher menschliche Gedanken/Gehirne sollten von einem Rechner nie selbst entwickelt werden können.

... geschwindigkeit: ist dieses "Menschengemachte" nicht doch in Wirklichkeit "etwas Besonderes", Herr Goldack?

Genie und Phantasie sind menschliche Eigenschaften, Eigenschaften unseres Geistes. Auch die Algorithmen der KI hätten ohne diese Eigenschaften nie das Licht der realen Welt erblickt.

Man muss nur einmal zuschauen, wie Mathematiker und Informatiker am Schreibtisch und am Rechner sich in ein Problem vertiefen und mit ihrem grüblerischem Spielen und zähen Probieren ein Modell für die zugehörigen Aspekte der Wirklichkeit zu entwickeln versuchen. Ich empfinde das als faszinierend - und sehr menschlich.

Walter Bühler | Mi., 8. Juli 2026 - 10:38

... die so zusammengesetzt ist, dass es unmöglich ist, sich von ihr eine deutliche Vorstellung zu machen und sie daraufhin zu definieren. ... Die Naturforscher alleine sind es, welche ein Recht haben, hier mitzusprechen."
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Das ist das Manifest des radikalen Materialismus. Zur menschlichen Seele und zum menschlichen Geist wird nur gesagt: "Es gibt aber einen anderen, feineren, und wunderbaren Antrieb, welcher uns alle belebt; er ist die Quelle aller unserer Gefühle, aller unserer Vergnügungen, aller unserer Leidenschaften, aller unserer Gedanken; denn das Gehirn hat seine Muskeln um zu denken, wie die Beine die ihrigen um zu gehen. Ich meine jenes anregende und ungestüme, von Hippocrates ἐν-ὁρμῶν [Hormon] genannte Prinzip. Dieses Prinzip ist vorhanden, und es hat seinen Sitz im Gehirne am Ursprunge der Nerven, durch welche es seine Herrschaft auf die übrigen Teile des Körpers ausübt."

Was Geisteswissenschaften und Politik angeht: alles nur die Wirkung von Hormonen.