Julian Nagelsmann
Übernimmt „Verantwortung“: der gescheiterte DFB-Chefcoach Julian Nagelsmann / picture alliance / Kirchner-Media / Bahho Kara

Rücktritt von Bundestrainer Nagelsmann - Streicht das Wort Verantwortung!

Es ist das am häufigsten missbrauchte Wort deutscher Sprache: Verantwortung. Soeben hat mit Julian Nagelsmann mal wieder jemand „Verantwortung übernommen“. Vulgo: Er hat versagt und musste gehen. Schluss mit dieser Heuchelei!

Alexander Grau

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Zuletzt erschien von ihm „Die Zukunft des Protestantismus“ bei Claudius.

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Endlich ist es mal wieder so weit: Eine prominente Führungsperson unseres Landes übernimmt Verantwortung. Diesmal ist es der gescheiterte Bundestrainer Julian Nagelsmann. „Weil er Verantwortung übernimmt, wo er gerne weiter gestalten würde“, wie es der noch amtierende Sportchef Rudi Völler so schön formulierte.

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Achim Koester | So., 5. Juli 2026 - 08:01

muss man Nagelsmann noch einen Rest an Charakter zugestehen, immerhin hat er, wenn auch gegen eine stattliche Abfindung, sein Versagen ein- und seinen Posten geräumt. Nicht nur beim DFB, auch in der Politik sollte das Schule machen.

Urban Will | So., 5. Juli 2026 - 08:28

doch gehört es bei einer verantwortungsvollen Tätigkeit in der Tat hinzu, einzugestehen, dass man Fehler gemacht hat und ein Rücktritt oder (wenn dieser nicht möglich ist, bspw. beim Führen eines Flugzeuges oder Schiffes oder gar Busses) eben eine klare Kursänderung sind Teile der Verantwortungsübernahme.
Hätte Nagelsmann sein Scheitern zugegeben, hätte er die Gründe für das klägliche Abschneiden seiner Elf genannt, hätte benannt, welchen Anteil er daran hatte, benannt, dass oder warum er es versäumte, den Rat anderer anzunehmen, dann hätte er Verantwortung übernommen. (Hat er nicht.)
Denn eines gehört dazu zur Verantwortung: den sinnvollen Umgang mit seinen Mitstreitern, Beratern oder eben Ersten Offizieren (die heißen auch im Flugzeug so).
Nagelsmann tat es wohl nicht und ist zu Recht weg. In der Politik kann es so gut wie niemand und Totalversagen dort bleibt meist sogar völlig folgenlos.
Ja, wir müssen in D wieder kapieren, was Verantwortung heißt. Nicht nur darum herum labern

Wollen Sie jetzt auch den Trainer der gottgleichen Franzosen zur Verantwortung ziehen? Kein Wunder, dass dieses Land der Miesepeter niemand vernünftiges mehr trainieren will.

Nagelsmann ist ein versierter Profi und guter Trainer. Er ist selbstverständlich kein Machiavelli. Muss man bei den hinterhältigen Intriganten des DFB aber sein. Mal sehen wie sich der Chefintrigant, Jürgen Klopp, schlägt. An diesem Mann sind nicht nur Haare und Zähne falsch.

Urban Will | Mo., 6. Juli 2026 - 09:23

Antwort auf von Bernd Windisch

nicht. Ja, die „Gottgleichen“ hatten auch ihre Probleme mit der stehenden Mauer der Paraguayer, was vielleicht das Ausscheiden unserer Kicker ein wenig „relativiert“.
Sprich: hätte das reguläre Tor gegolten, etc...Hätte, hätte Fahrradkette...

Aber das mit der Verantwortung kapiere ich nicht.

Und noch weniger Ihren Einwand, niemand wolle im Misepeterland (ja, das trifft zu großen Teilen zu) Nationaltrainer sein.
Nagelsmann wollte es immer und er wollte auch jetzt nicht weg. Und Klopp will es auch, der überlegt wohl nur noch, ob er zwei- oder dreistellig (Millionen pro Jahr) bezahlt werden möchte. (Na ja, „dreistellig“ war dann doch nicht so ganz ernst gemeint.)

Ob Nagelsmann ein guter Trainer ist, mögen andere beurteilen. Außer bei Hoffenheim (wo er sehr erfolgreich war) war er nie wirklich lange irgendwo und das spricht nicht unbedingt für das Attribut „guter Trainer“.

Man wird sehen, was und wer kommt und im September „ist dann auf dem Platz“ und dann wird man weitersehen.

... und sehen Sie mir bitte das kleine Wortspiel nach!
Aber zum Thema Abfindung zumindest so viel: wenn sich Firmen (der DFB ist wie die FIFA im Grunde nix anderes, nur halt im Verhältnis wie Mittelständler zu Weltmonopolist) echte oder auch nur vermeinliche Spitzenkräfte "sichern", sprich einstellen wollen, locken sie meist neben guten Arbeitsbedingungen und Gehältern auch mit längerfristigen Verträgen. Werden die vorzeitig aufgelöst, so oder so, ist eine Abfindung für die entgangene Verdien(st)zeit fällig.
Und das machen in den oberen Etagen "alle" so, denn wer weiß, wen es als nächstes trifft. Normale Redakteure fallen nur sehr selten unter diese Kategorien!
Ansonsten hier noch in Kurzform ein Statement von Oliver Kahn, der das ganze Debakel in der Szene vor dem katastrophalen Elfmeterschießen sah, in der Kimmich unter den Profis bettelte, wer denn hier ausser ihm noch VERANTWORTUNG übernehmen wolle!
Lt. Kahn für "richtige" Fußballprofis bei der WM ein nogo - Kap Verde lässt grüßen!

"Und noch weniger Ihren Einwand, niemand wolle im Misepeterland (ja, das trifft zu großen Teilen zu) Nationaltrainer sein.
Nagelsmann wollte es immer und er wollte auch jetzt nicht weg."

Ich sprach von der Zukunft. Welcher seriöse Mensch mit Optionen begibt sich zukünftig noch in eine derart hinterhältige Schlangengrube?

Rainer Mrochen | So., 5. Juli 2026 - 08:56

Uninspiriertes Schlaffhängertum gepaart mit Weltverbesserungsideologie und der permanenten Attitüde der Überlegenheit, haben aus Teilen dieses Staatsvolkes, unglücklicherweise auch noch die Wortführer, einen Haufen selbstgerechter, dekadenter Permanentversager gemacht. Kürzlich schrieb Miriam Stiehler, im Cicero, von "Lahmarschigkeit" im Zusammenhang mit der Niederlage der Fußballnationalmannschaft gegen Paraguay. Passt haargenau zur Verfasstheit dieser Nation. Hört man den Kommentatoren der Balltreterspiele zu, dann werden Selbige heut zu Tage "ausgebildet". In Zukunft Mindestvoraussetzung Abitur und Balltreten wird Studienfach. Nein, Talent hat man oder eben nicht. Sie liegen richtig Herr Grau wenn sie die Dinge beim Namen nennen und sich den"Frust" von der Seele schreiben. Entweder es findet eine geistig, moralische Wende statt, bitte keine 360°, oder das Tal der Tränen das durchschritten werden muss, ist furchterregend lang.

Ihr Kommentar lebt weniger von Argumenten als von einer stark aufgeladenen Mischung aus Verachtung, Pauschalisierung und Kulturpessimismus. Genau darin liegt auch sein Problem: Er erklärt sehr viele unterschiedliche Phänomene – Fußball, Bildung, Medien, Gesellschaft – zu einem einzigen moralischen Verfallsnarrativ. Das wirkt zwar entschlossen, ist aber analytisch schwach.

Zunächst werden einzelne Beobachtungen (eine Fußballniederlage, ein Zitat aus einem Magazin, die Entwicklung im Profisport) zu Symptomen einer angeblich „geistig-moralischen Verkommenheit“ eines ganzen Landes umgedeutet. Das ist ein klassischer Fehlschluss: Aus Einzelfällen wird ein Totalurteil konstruiert. So entsteht weniger Erkenntnis als ein geschlossenes Weltbild, das sich selbst bestätigt.

Auffällig ist auch die Abwertung anderer Menschen in sehr pauschaler Form – „selbstgerechte Versager“, „dekadent“, „Schlaffhängertum“. Solche Begriffe ersetzen keine Analyse, sondern verhindern sie. Bitte mehr Respekt!

Angelika Sehnert | So., 5. Juli 2026 - 16:07

Antwort auf von Bernd Windisch

Zumal im konkreten Fall der Rücktritt von Nagelsmann nur ein Anfang sein könnte. Die Probleme sitzen tiefer und betreffen den DFB und seine seltsamen Strukturen.
Die Dinge sind meist komplizierter.

Rainer Mrochen | So., 5. Juli 2026 - 16:14

Antwort auf von Bernd Windisch

Eine Analyse zum Zustand dieses Landes und seiner vermeintlichen „Eliten“ finden Sie allenthalben, sofern sie die Schönschreiber außen vorlassen. Und was den von ihnen geforderten Respekt anbelangt: Diejenigen die auch diese Vokabel verraten haben und sie besser nicht mehr in den Mund nähmen verdienen exakt die verbalen Bandagen die viel früher zur Anwendung hätten kommen müssen. Das ist gewiss nicht immer schön aber eben notwendig.

Michael Kaufmann | So., 5. Juli 2026 - 09:46

Punktlandung. Danke dafür.

Jens Böhme | So., 5. Juli 2026 - 09:58

Nagelsmann war für die Auswahl des Personals und die abgelegte Leistung laut Arbeitsvertrag ab ersten Tag der Arbeit verantwortlich. Hier wird so getan, als wäre ein befristeter Arbeitsvertrag ein Freifahrtschein für schlechte Qualität und unzureichende Leistung, die bei vorzeitigem Vertragsende als Verantwortungsübernahme hervorgehoben werden müsse.

Heidemarie Heim | So., 5. Juli 2026 - 10:26

Klar verlangt heutzutage niemand mehr von einem Politiker oder Manager, der z.B. durch sein Versagen "die Verantwortung" für den Verlust von 18000, also 3 Legionen Arbeitsplätze übernimmt, dass er sich ins eigene Schwert stürzt. Was die Menschen, also mich inbegriffen;)sehen, ist doch das wie.Was ist das denn bitte schön eine Verantwortungsübernahme,bleiben wir doch beim Manager mit Millionengehalt + Aktienpaket, welche durch wie auch bei einer gewissen Frau Schlesinger? durch nichts anfechtbare Verträge von vorneherein "abgesichert" ist und die Verantwortlichen entweder wie oft in der Politik die Treppe noch nach oben fallen oder im Topmanagment nicht nur auf ein mickriges Landgut zurück greifen können? Das ist doch was die Leute zurecht aufregt. Weil man unter egal wen "zur Verantwortung ziehen" etwas anderes versteht als das wenig "ehrhafte",und ja für mich hat das noch eine Bedeutung!, bisweilen arrogant trotzige Verhalten dieser Versager,die dafür nicht gerade stehen möchten. MfG

Karl-Heinz Weiß | So., 5. Juli 2026 - 10:32

Die Probleme der deutschen Nationalmannschaft begannen bereits nach der WM 2014. Nach einem desaströsen Testspiel 2017 erklärte Trainer Löw, bei der WM 2018 werde eine "ganz andere Mannschaft auflaufen". Das Ergebnis ist bekannt. Die Ursachen liegen in den Strukturen des DFB, und da sieht es nicht nach Veränderungen aus. "Für etwas einstehen" im Sinne von Verantwortungsübernahme: Fehlanzeige. Der Austausch der Gallionsfigur ist die einfachste Lösung.

Sunstreet | So., 5. Juli 2026 - 11:35

Antwort auf von Karl-Heinz Weiß

Die Probleme sind grundsätzlicher Art! Die Frage ist doch, sind wir tatsächlich schlechter als früher? Ich sehe es eher so, dass die anderen besser geworden sind und wir dadurch zurückfallen. Und dass der DFB nichts tut, ist grundsätzlich falsch. Er hat erkannt, dass an der Ausbildung der Spieler und der Trainer etwas verändert werden muss und da in den letzten Jahren auch viel verändert! Er stößt dabei aber auf viele Widerstände bei den Landesverbänden und Vereinen. Es gibt hier sehr viele Einzel- und Eigeninteressen. Aber Fakten werden komischerweise in D nicht mehr diskutiert.
Zum Thema hier gebe ich Herrn Grau absolut recht. Ergänzend dazu vielleicht noch die Frage: Weshalb lassen sich die handelnden Personen vom öffentlichen und medialen Druck so vereinnahmen? Weshalb sind sie scheinbar heute nicht mehr in der Lage, in aller Ruhe das Geschehene intern aufzuarbeiten und dann Entscheidungen zu treffen und professionell zu kommunizieren? Da liegt für mich das Hauptversäumnis des DFB

Jeder der einen Job übernimmt, der geht Verpflichtungen ein, die er zu erfüllen hat, und um so exponierter der Job, um so mehr öffentliches Interresse zieht es nach sich.
Was dies mit Orwellianisierung des öffentlichen Diskurses zu tun haben soll, das erschließt sich mir überhaupt nicht.

Klaus Elbert | So., 5. Juli 2026 - 13:15

Der Autor fragt sich zu Recht, ob es sich eine Gesellschaft auf Dauer leisten kann, permanent um den heißen Brei herumzureden. Antwort: ein offenbar immer größer werdender Teil der Gesellschaft will es sich nicht mehr leisten und erhofft sich mit der AfD ein Ende des Gemurkses auf den verschiedensten politischen und gesellschaftlichen Bereichen. Zuvörderst wäre das von Teilen der Politik und Medien immer wieder verharmloste Thema Migration zu nennen, vom ehemaligen Innenminister Horst Seehofer zu Recht als die Mutter aller Probleme benannt, zum Missfallen der besten Kanzlerin aller Zeiten.

Bernd Windisch | So., 5. Juli 2026 - 14:04

Zu Julian Nagelsmann ist wohl alle gesagt nur nicht von Allen?

Bitte was ist an einer vorzeitigen Vertragsauflösung gegen eine Abfindung unmoralisch oder verantwortungslos?

Es gehört zu den liebgewonnenen Ritualen des Ciceronischen Feuilletons: Man nimmt ein alltägliches Wort, erklärt dessen gegenwärtige Verwendung für einen Skandal und schließt daraus auf den kulturellen Niedergang des Abendlandes.

Verantwortung bedeutet nicht nur, Entscheidungen zu treffen, sondern auch für deren Folgen einzustehen. Gerade deshalb kann ein Rücktritt Verantwortung sein – auch wenn er unter Druck erfolgt.

Nagelsmann hat sich der öffentlichen Kritik gestellt, die sportliche Verantwortung nicht auf Spieler, Schiedsrichter oder äußere Umstände abgeschoben und die Konsequenzen gezogen. Man kann seine Arbeit kritisch bewerten – aber ihm fehlendes Verantwortungsbewusstsein vorzuwerfen, verdreht die Tatsachen.

Wer das aktuelle Frankreichspiel gesehen hat sollte aufhören Nagelsmann zu verkloppen.

Jens Böhme | So., 5. Juli 2026 - 19:27

Antwort auf von Bernd Windisch

Anscheinend wird der Arbeitsvertrag eines Fußball-Nationaltrainers abseits der Arbeitswelt betrachtet. Der Arbeitsvertrag ist wie jeder Arbeitsvertrag in hoher leitender Position mit Rechten und Pflichten verknüpft. Werden die Pflichten über Jahre nicht erfüllt (z.B. Personal ausreichend zu trainieren, taktisch zu schulen, mental zu Leistung zu bringen, entsprechendes Arbeitsklima zu fördern), erfolgt entweder die Versetzung oder Beendigung des Arbeitsvertrages. Der Arbeitsvertrag zwischen DFB und Nationaltrainer ist im Kleingedruckten sehr umfangreich und wird von DFB und avisierten Nationaltrainer ausgehandelt. Dass weder Woltemade noch Tah die Verantwortung für den Job des Nationalstrainers haben, sollte jedem einleuchten und bedarf keiner expliziten Verantwortungsübernahme durch den Nationaltrainer. Wer die weiteren Elfmeterschützen nach den fünf ersten Schützen sind, hat Kimmich abgefragt. Auch das hat der Nationaltrainer zu verantworten, egal ob er das verschlief oder bestimmte.

Bernd Windisch | So., 5. Juli 2026 - 14:23

"Wenn einer nichts kann, ist er halt anders begabt. Unsere Gesellschaft hat größte Probleme, Unvermögen als solches zu benennen – und wundert sich zugleich, dass nichts mehr funktioniert. Besteht da vielleicht ein Zusammenhang?"

Wenn Herr Grau einmal ein Land besichtigen möchte in dem nichts mehr funktioniert sollte er einmal Somalia, Südsudan oder den Jemen besichtigen.

Besonders unerquicklich wird sein Text wo aus seiner sprachlichen Beobachtung plötzlich der Untergang des Abendlandes konstruiert wird. Vom Bundestrainer führt der Gedankensprung über Kindergärten bis zur Diagnose einer Gesellschaft, die angeblich „nichts mehr funktioniert“.

Wer überall den sprachlichen Verfall entdeckt, findet ihn am Ende zwangsläufig auch. Das sagt allerdings weniger über die Sprache als über den Beobachter. Aber schlechte Laune zu verbreiten ist inzwischen ein Markenzeichen des Cicero.

Angelika Sehnert | So., 5. Juli 2026 - 16:32

Antwort auf von Bernd Windisch

Wenn wir anfangen, unseren wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und hier auch fußballerischen Niedergang mit dem Hinweis zu relativieren, in Somalia, Jemen oder sonstwo sei es ja schließlich noch schlimmer, dann können wir tatsächlich einpacken. Dieses Land hatte einmal Ansprüche an sich: die besten Produkte, die beste
Universitätsausbildung, auch die besten Sportler, etc. Geblieben ist davon nicht viel.Ja, diese Erkenntnis macht schlechte Laune. Nicht der, der darüber schreibt oder das Magazin, dass Artikel hierzu veröffentlicht.
Sprachlichen Verfall ist ein Anzeichen von kulturellem Verfall, manchmal sogar politischem. Lange suchen muss man danach leider nicht. So wie vor wenigen Tagen ein 34 Pünktchen - Papierchen als großer Sprung bezeichnet wurde, in völliger Ignoranz dessen, was dieser Satz historisch bedeutet und der vollkommen unpassend war. Erstens ist es kein großer Sprung und zweitens ist Merz ja wohl nicht Mao!

Jens Böhme | So., 5. Juli 2026 - 19:35

Antwort auf von Angelika Sehnert

Richtig, wenn Deutschland sich nach unten orientiert und feststellt, da sind wir nicht, kann es nie in die andere Richtung gehen. Ein Kind sucht sich beim Heranwachsen Vorbilder aus, um weiter zu kommen, fängt an zu kopieren, wie man krabbelt, wie man aufsteht, wie man stehenbleibt, wie man geht, wie man Dreirad fährt, wie man Fahrrad fährt usw. Und jedes Kind freut sich (im Altdeutschen: ist stolz!), was erreicht, was geleistet zu haben.

Bernd Windisch | Mo., 6. Juli 2026 - 12:57

Antwort auf von Jens Böhme

Meiner Ansicht nach orientiert sich nicht Deutschland nach unten, sondern vielmehr der Blickwinkel des Autors. Der Kommentar lebt weniger von einer sachlichen Auseinandersetzung als von einer stark zugespitzen Mischung aus Pauschalisierungen und Kulturpessimismus. Gerade darin liegt aus meiner Sicht seine größte Schwäche.

Aussagen wie „das am häufigsten missbrauchte Wort der deutschen Sprache“ oder „unsere Gesellschaft ist nicht mehr in der Lage, Tatsachen ehrlich zu benennen“ sind sehr weitreichende Behauptungen. Sie mögen zugespitzt formuliert sein, bleiben im Text jedoch unbelegt. Eine überzeugende Argumentation lebt von nachvollziehbaren Beispielen und Fakten – diese vermisse ich bei Herrn Grau.

Bernd Windisch | Mo., 6. Juli 2026 - 12:59

Antwort auf von Bernd Windisch

Deshalb möchte ich Sie herzlich einladen, uns einmal im schönen Sauerland zu besuchen. Ich bin überzeugt, dass Sie vieles entdecken werden, was hervorragend funktioniert. Wir Sauerländer sind stolz auf unsere Heimat – nicht, weil hier alles perfekt wäre, sondern weil sich in den vergangenen Jahren vieles positiv entwickelt hat.

Auch Herr Grau könnte sich selbst ein Bild davon machen, wie gastfreundlich die Menschen hier sind und wie gut sich das Hochsauerland entwickelt hat. Vieles ist heute deutlich besser als früher. Vor allem werden Sie erleben, wie verantwortungsbewusst die meisten Menschen mit ihrer Heimat und – noch wichtiger – mit ihren Mitmenschen umgehen.

Natürlich gibt es auch bei uns Herausforderungen. Aber sie rechtfertigen aus meiner Sicht kein pauschal negatives Bild unseres Landes. Wer genau hinsieht, findet neben den Problemen ebenso viele Gründe für Zuversicht und Wertschätzung.

Gisela Hachenberg | So., 5. Juli 2026 - 23:26

Antwort auf von Bernd Windisch

Warum lesen Sie denn Cicero, vor allem tummeln sich im Forum, wenn Sie es so mies finden, Herr Windisch? Ihre Kommentare sind auch nicht immer vom Positivsten, im Gegenteil…

Vielleicht ist es ja ganz einfach, ich lese, weil ich mir ein Bild machen will – nicht weil. Und ich schreibe, weil ein Forum genau dafür da ist: Austausch, nicht Abnickpflicht.

Im Übrigen beruhigt es mich ein wenig, dass auch meine "weniger positiven" Beiträge zumindest nicht im digitalen Nirwana verschwinden, sondern bei Ihnen ein sicheres und aufmerksames zuhause finden.

„Sicher“ und „Zuhause“ gar nicht, Herr Windisch. Ich lese viele Kommentare, nicht alle. Dieses Forum hier ist einer der Gründe, warum ich den Cicero so mag. Das heißt nicht, wie ich oben schon anmerkte, dass ich alles lese. Mit der Zeit kennt man seine „Pappenheimer“. Alles gut! Jeder kann schreiben, wie er möchte. Jetzt weiß ich aber auch, warum Sie so besonders positiv eingestellt sind. Sind Sie doch Sauerländer, wie der von uns allen geliebte und geschätzte Bundeskanzler. Ja, wenn es dort noch mehr von solchen tollen und ehrlichen Menschen gibt, komme auch ich gerne mal ins Sauerland. Unbedingt!

Wo die Misthaufen qualmen da gibt keine Palmen. Ehrliche Menschen können wir gut gebrauchen. Vielleicht lassen Sie Ihre Bärbeißigkeit einfach zu Hause, dann werden Sie bei uns viel Spaß haben.

Sonne scheint gar zu hell,
Vogel schreit gar zu grell,
Wein ist zu sauer mir,
Zu bitter ist das Bier,
Honig zu süßlich.
Weil nichts nach meinem Sinn,
Weil ich verdrießlich bin,
Bin ich verdrießlich.

Dort wird Musik gemacht,
Dort wird getanzt, gelacht,
Dort wirft man gar den Hut:
Wie mich das ärgern tut!
Ist nicht ersprießlich,
Ist nicht nach meinem Sinn,
Weil ich verdrießlich bin,
Ach, so]verdrießlich!

Wo ich auch geh und steh,
Ich meinen Schatten seh,
Immer verfolgt er mich,
Ist das nicht ärgerlich?
Und wenn der Himmel trüb,
Ist es mir auch nicht lieb,
Winter ist mir zu kalt,
Frühling kommt mir zu bald,
Sommer ist mir zu warm,
Herbst bringt den Mückenschwarm,
Mücken auf jeder Hand,
Mücken an jeder Wand;
O wie.........

Walter Bühler | Mo., 6. Juli 2026 - 15:33

Antwort auf von Bernd Windisch

Aber wenn man den Hymnen-Text vollständig liest, verflüchtigt sich der Bieder-Meier, und dann kommt Baller-Mann heraus:
"...
Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland,
begrabt mich mal am Lennestrand.
Wo die Misthaufen qualmen, da gibt’s keine Palmen.
Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland,
vergrabt mein Herz im Lennesand,
wo die Mädchen noch wilder als die Kühe sind.

In Stachelau tobt die wilde Sau,
da kommen alle Bauern aus Krombach,
und nach der Feier verprügeln sich alle,
da freut man sich schon ’s ganze Jahr drauf.

In einer Baracke in Kalberschnacke,
da übt die Kapelle der Feuerwehr.
Sie machen viele Stunden Radetzkimarsch
und fünf Kisten Warsteiner leer.

Sauerland, mein Herz schlägt für das Sauerland,
..."

---
Herr Windisch, bleiben Sie bei Ihrer guten Laune, und passen Sie gut auf Ihre gute Sprache auf!

Ich wohne leider in Berlin, da muss man fast überall erleben, wie unsere schöne Sprache verhunzt wird, von vielen ganz unterschiedlichen Baller-Männern.

Sabine Lehmann | Mo., 6. Juli 2026 - 15:31

Immerhin ist er zurückgetreten, vielleicht auch eher zurückgetreten worden. Wie auch immer, in jedem Fall ist diese Personalie schon mal einen größeren Schritt weiter, als sämtliche Amtierende dieser Wunderino-Republik, die Versagen und Inkompetenz als Qualifikationsvoraussetzung für höchste Ämter begreifen und sich nach wie vor dermaßen in ihrem eigenen "Glanze" sonnen, dass selbst Lichtschutzfaktor 90+ nicht vor mentaler Verbrennung schützt!