- „Amerikaner leben heute in getrennten ideologischen Räumen“
Heute feiern die USA den 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung. Daniel Benjamin, Präsident der American Academy in Berlin, über das Gedenken in einem geteilten Land und die brennende Frage, wie es mit der aufgewühlten Gesellschaft in Zukunft weitergehen kann.
Daniel Benjamin ist Präsident der American Academy in Berlin. Von 2009 bis 2012 war er als Sonderbotschafter und Koordinator für Terrorismusbekämpfung im US-Außenministerium tätig. Er war Senior Fellow für Außenpolitik und Direktor des Center on the United States and Europe an der Brookings Institution. In den 1990er Jahren war er mehr als fünf Jahre lang im Stab des Nationalen Sicherheitsrates tätig, wo er zunächst als Redenschreiber für Außenpolitik und Sonderberater von Präsident Bill Clinton fungierte.
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und dass alle Menschen gleich erschaffen wurden. Ist das jetzt positiv oder negativ? Wie bei den Menschenrechten gehören zu den Bürgerrechten auch Pflichten anderer, auch Vorgaben, was geht, was nicht. Die gleiche Erschaffenheit drückt auch eine normative Vorgabe aus, wie Menschen zu sein haben. In der Spitze führt das vielleicht zu einem Wokeismus, mit der Grundidee, dass Menschen auf eine bestimmte Art zu sein haben, sonst sind sie eben Menschenfeinde. An den Rest der Welt ist es eine Ansage, dass man sich anzuschließen hat ... ALLE Menschen haben gleich zu sein.
Selbstverständlich kann (und muss) man das auch anders sehen. Ich denke, Menschsein ist nicht auf drei einfache Formeln zu bringen und mit dem realen, widersprüchlichen Menschsein tun sich alle schwer. Bürgerrechte und Menschenrechte führen aber auch zu leicht zu einem Menschen/Demokratiebild, in dem nicht diskutiert wird, sondern andere halten *die* Werte ein, oder sind eben Menschenfeinde. Das ist auch zu eng.
Das westliche Verständnis dieser Begriffe wird stets dann zu Recht abgelehnt, wenn es eine Gleichheit der Lebensführungsmodelle und der Gesellschaftsordnungen implizieren soll, die auf missionarischem Wege über die Welt zu verbreiten seien. Dies ist die betrübliche Variante, die nach dem Zweiten Weltkrieg und erneut ab 1990 die Form eines amerikanischen Kultur- und polit-ökonomischen Imperialismus angenommen hat.
Die Alternative wäre ein Universalismus der menschlichen Verständigungsfähigkeit und des kommunikativen Handelns – eine Variante, die zur Zeit des Mauerfalls paradoxerweise von Gorbatschows Sowjetunion verkörpert und von den amerikanischen Neocons in einem historischen Anfall von Größenwahn als Option verworfen wurde. Diese Variante muss nur davon ausgehen, dass der Mensch als Homo sapiens dieselben Basisinteressen an Frieden, Freiheit und Unversehrtheit hat und darin »gleich« ist.
Es ist heute der kollektive Westen, der dies vergessen und mit Feindbildern überschrieben hat.
Wenn linke Kräfte sehr hervorheben, dass sie für Bürgerrechte stünden, aber auch wegen universeller Rechte und weil ohnehin alle (nicht menschenfeindlichen) Menschen gleich seien für eine freie Zuwanderung (besonders Ärmerer) sind, gibt es darin auch Spannungen, die mehr zu diskutieren wären: Bürgerrechte stehen für mich für ein gegenseitiges Commitment, das gerade nicht universell vorgegeben, sondern zwischen diesen Menschen verabredet oder gewachsen ist. Wie genau wird das gehandhabt, wenn Neue dazukommen? Gerade, wenn sie nicht aufgrund eines Beitritts in diese bestehenden "Commtiments" dazukommen, sondern aufgrund universeller Rechte. Das scheint mir von Natur aus eine komplexe Situation, zu der man mehr Gedanken haben müsste, als an jeder Ecke Rassismus aufspüren zu wollen.
Das ist jetzt sicher auch bissig nur einen Aspekt betont, aber für mich gibt es heute mehr offene gesellschaftliche Fragen, als die politischen Lager zulassen wollen.
wie Donald Trump, um eine Gesellschaft, die sich einseitig orientiert und irgendwo festgefahren hat, wachzurütteln und damit eine Auseinandersetzung anzufachen über alles, was die Nation an Grundsätzen und Werten noch zusammenhält bzw. zusammenhalten sollte.
Dabei dürfen und müssen a l l e Meinungen gehört und respektiert werden.
So sieht die Grundlage jeder Demokratie aus, d. h . jeder "Herrschaft des Volkes".
Austausch von Argumenten und offener, fairer Kampf um die Stimmen einer Mehrheit - das ist die Voraussetzung für eine funktionierende Demokratie. "Brandmauern" kann und darf es da nicht geben!
Dabei muß es überhaupt nicht zwangsläufig zu einer Spaltung der Gesellschaft kommen!
Nein, im Gegenteil: E c h t e Demokraten achten einander als gleichwertige Menschen und Bürger auch dann, wenn sie gänzlich anderer Meinung sind.
Wie weit sind wir und auch die US-Amerikaner inzwischen von solch "normalen" demokratischen Verhältnissen entfernt!!!
