„Citizen Vigilante“
Szene aus „Citizen Vigilante“ / Screenshot

Mündigkeit statt Medienkontrolle - Das Publikum hat die Faxen dicke

Gleich zwei aktuelle Debatten haben auch mit staatlicher Übergriffigkeit durch Medienkontrolle zu tun: der Boll-Film „Citizen Vigilante“ und der Fall Ben Berndt. Die Reaktionen des Publikums aber zeigen: Der mündige Bürger hat die Faxen dicke. Eine hervorragende Nachricht.

Ben Krischke

Autoreninfo

Ben Krischke ist Leiter Digitales bei Cicero, Mit-Herausgeber des Buches „Die Wokeness-Illusion“ und Mit-Autor des Buches „Der Selbstbetrug“ (Verlag Herder). Er lebt in München.

So erreichen Sie Ben Krischke:

Im Jahr 2003 verklagte Barbra Streisand einen Fotografen. Dieser hatte Luftaufnahmen der Küste Kaliforniens gemacht. Tausende Häuser waren darauf zu sehen, aber bei nur fünf wurde auch der Eigentümer genannt. Darunter Streisands Anwesen, was der Sängerin gar nicht gefiel. Vor der Klage wurde das Bild nur wenige Male heruntergeladen, verbreitete sich dann aber lawinenartig im Internet. Im Versuch, das Foto loszuwerden, hatte es Streisand populär gemacht. 

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IH | Do., 2. Juli 2026 - 08:33

Es gibt allerdings viel zu viele Gutende, die empört Änderungen am Vorgehen zurückweisen werden. Da bin ich mir sicher

Thomas Hechinger | Do., 2. Juli 2026 - 08:36

Wie soll ein Journalist während eines Interviews in jedem Fall feststellen, ob der Befragte eine unwahre Tatsachenbehauptung aufgestellt hat? Das würde eine Allwissenheit des Journalisten voraussetzen. Und wie wir Katholiken wissen, ist nur der Papst allwiss... – äh, unfehlbar! Einmal ganz abgesehen davon, daß es so vieles in der Wissenschaft gibt, was umstritten ist. Und ein Gericht mag einen konkreten Rechtsfall entscheiden, ist aber schlicht die falsche Instanz, eine wissenschaftliche Wahrheit festzulegen. „Alles für das Land, in dem wir alle so gerne leben“ ist keineswegs so eindeutig ein Motto der SA, wie das Gerichte einfach mal so behaupten. Das Verlangen dieser NRW-Landesmedienanstalt ist anmaßend und unverschämt. Es ist ein eindeutiger Fall von Zensur. Wenn Ben Berndt gelänge, was er in gespielter Überheblichkeit neulich angedeutet hat, nämlich Putin zum Gespräch zu laden und dieser von einer „Spezialoperation“ redete, müßte dann das Interview gelöscht werden?

Walter Wissenbach | Do., 2. Juli 2026 - 11:28

Antwort auf von Thomas Hechinger

musste verboten werden, weil sie abgekürzt "AfD" lautet. Nur deswegen. Das ist der einzige Grund. Das Notkonstrukt mit § 86a StGB und dem Text auf dem Ehrendolch der SA-Verbrecher ist so an den Haaren herbeigezogen, dass es schmerzt.
Man könnte fast glauben, dass die Gründer der "Alternative für Deutschland", dass also Lucke, Glaser, Petry, K. Adam und die anderen bei der Namenswahl für ihre neue Partei Anfang 2013 in Hessen bereits dieses werbetechnisch geniale Buchstabenspiel im Hinterkopf gehabt haben.
Kein Namenskürzel einer anderen politischen Partei in Deutschland geht so gut ins Hirn, wenn man zuvor die verbotene Parole gehört hat.
Eine Werbeagentur hätte für diese Idee von der AfD ein Millionenhonorar verlangen können.

Wolfgang Z. Keller | Fr., 3. Juli 2026 - 13:38

Antwort auf von Thomas Hechinger

... hat den Satz, der in etwa lautete "Für das Land, in dem wir alle gut und gerne leben" nicht jene Frau mal auf ihren Wahlkampfplakaten propagiert, deren Bildnis gerade in Berlins Bode-Museum ausgestellt ist?
Tut sich hier ein furchtbarer Verdacht auf?! (Sorry: Sarkasmus!)
Und: ich frage nur für einen Feund! :-) Ansonsten danke für Ihren Beitrag.

Wolfgang Borchardt | Do., 2. Juli 2026 - 09:12

Demokratie ist immer (noch) gut. Wenngleich niemand genau weiß, was sie ist und wo sie wohnt. Deshalb hat es auch eine Deutsche Demokratische Republik gegeben. Sie ist für alle frei verfügbar. Aber nur solange, bis sie sich jemand angeeignet hat. Deshalb gibt es "unsere" Demokratie. Wer dazugehören darf, fühlt sich gut. Denn Demokratie ist gut. Aber nicht messbar. Messbar ist der Rechtsstaat. Messbar sind seine Maßnahmen, die die Rechtsstaatlichkeit und den Einsat
z von gesellschaftlichen Konsens schützen. Zur Rechtsstaatlichkeit gehört die Meinungsfreiheit. Frei von Haltungsjournalismus lässt Ben Berndt die Leute reden und entmündigt die Zuschauer nicht. Das ist sein Erfolg. Nun hat "The Pioneer" den gern verteufelten Maximilian Krah eingeladen. Erstmals darf man sich über diesen Mann Dank eines professionell geführten Interviews eine Meinung bilden. Der ÖRR hätte ihn gern dauerhaft unsichtbar gemacht.

Urban Will | Do., 2. Juli 2026 - 09:50

in einer beängstigenden Art und Weise ausgedehnt. Dummheit, wie hier im Beitrag erwähnt, mag auch dahinter stecken, aber noch viel mehr, so meine Meinung, zeigt sich hier ein Verständnis von Demokratie, die einem so langsam Sorgen machen muss.
Wenn die Säulen einer freiheitlichen Demokratie, nämlich v.a. die Meinungsfreiheit, so mit Füßen getreten werden und dies mit einer solchen Selbstverständlichkeit geschieht, wie derzeit, dann ist es eben so, dass wir hin driften zu einem System, das man nicht mehr als „demokratisch“ bezeichnen kann. Gesinnungs-Totalitarismus passt eher.
Man wird am kommenden Wochenende dann den vorläufigen Höhepunkt erleben, wo selbsternannte „Demokratieschützer“ sich anmaßen, den Parteitag einer demokr. Partei mit Gewalt verhindern zu wollen und die große Mehrheit der Politik,auch der höchsten Vertreter, stumm, bzw. sogar wohlwollend zuschauen wird.
Und im Herbst wird es noch schlimmer. D ist auch einem gefährlichen Weg. Die mündigen Bürger müssen wachsam sein.

Jens Böhme | Do., 2. Juli 2026 - 11:19

"Unser Sozialismus" wurde mit unfreien und nichtgeheimen Wahlen viele Jahrzehnte geschützt. Die Tabuisierung von Begriffen und Symbolen gehört in archaische Zeit, als Schamanen mit schwarzer und weißer Magie die Welt erklärten. Moderne Schamanen erkennen einen Zusammenhang zwischen Sport und häuslicher Gewalt, aber nur mit nichtmigrantischen Hintergrund. Die deutsche Sprache nutzten auch Nationalsozialisten. Wörter oder Sätze aus dem Sprachgebrauch per Gesetz zu verbannen, vermeintlich um Menschen zu schützen, gehört zur Magiegläubigkeit. Jeder, der nicht so denkt und redet, wie ich, muss ein Nazi oder Satansanhänger sein.

Johannes | Do., 2. Juli 2026 - 11:58

beiden Fällen mit ordentlich Hintergrundinformation, Folgen etc: geschrieben wie ein spannender Krimi.

Berlin war übrigens immer eine Hochburg, alle verbotenen Filme halböffentlich anschauen zu können. Das Video von Rammsteins Pussy kann man in jedem europäischen Land in voller Länge sehen, aber nicht in Deutschland, genauso wie FKK Bilder von Angela Merkel. das war vor 15 Jahren noch viel schlimmer: Maßregeln, Zumutung, Subversion, Bevormundung, RUHIG HALTEN.
Deutsche Gemütlichkeit in der Komfortzone

Johannes | Do., 2. Juli 2026 - 12:53

eine einzigartige Werbekampagne, wenn ursprünglich auch nicht gewollt.

Soll sich Saskia Esken doch auch bei ihm bewerben und ihre nette Person 4 Stunden zur Schow stellen.

Wo ist ihr Problem, das nicht auch zu tun? 🤪

Da Sie lieber Johannes in Ihrem Kommentar auf den von Krischke geschriebenen "Krimi" verweisen, fiel mir im Zusammenhang mit Ihrer an Frau Esken gerichteten Anregung eine Szene aus dem "Paten" ein, wo das Oberhaupt der Familie sagt:"Mach` ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann!" Was damit endete, dass der störrische Verweigerer seines Wunsches nach geordnetem Rückzug desselben, den abgeschnittenen Kopf seines höchstdotierten wie überaus geliebten Rennpferdes vorfand beim Zubettgehen. Ich weiß ja nicht welche Art Angebot Herr Berndt veranlassen könnte sich dieser anzunehmenden 4stündigen Tortur auszusetzen im Demokratie-Rettungsendkampf mit einer gestählten sowie bekennenden Antifatistin,....;) Aber vielleicht wäre dies ein Drehbuch für den nächsten ARD-Tatort-Krimi? MfG

Sebastian Habel | Do., 2. Juli 2026 - 13:22

Freut mich für Uwe Boll: Endlich bekommen seine Filme die Aufmerksamkeit, die sie verdien... STOP, da kann ich nicht ernst bleiben. Uwe Bolls Filme sind zwischen trashig und geschmacklos anzusiedeln. Aus gutem Grund guckt außer SchleFaZ-Ultras keine Sau diese Filme. Aber von Uwe Boll habe ich gelernt, dass, wenn es nach New York City aussehen soll, man am besten in Vancouver dreht. It's something

Markus Michaelis | Do., 2. Juli 2026 - 13:27

Ja, sicher auch eine Tendenz. Aber es gibt dabei nicht "die Bürger". Im Moment geht das mehr Richtung Aufspaltung in mehrere unverträgliche Lager in der Bevölkerung.

Ich würde sagen, dass eine Mehrheit der Bürger, und insbesondere der politisch aktiven Bürger, eine klare Werteorientierung will, oft sogar überhaupt keinen Ansatz sieht, dass Werte diskutiert werden könnten. Man ist staatlichem Werte-Wirken nicht prinzipiell abgeneigt, nur eben hin zu den richtigen Werten. Wie man damit umgeht, dass Werte verschieden sind, überfordert meist eher. Ich denke, das geht in Richtung der "Böckenförde-Diskussionen"?

Ich denke (vielleicht mit Böckenförde?) dass eine wirklich offene Gesellschaft nicht existieren kann und nicht gut wäre. Sie würde ein normatives Menschenbild voraussetzen. Ges. treffen immer Entscheidungen, gute Ges. sind sich dessen bewusst. Früher wurden Nation, Volk, Familie, Kirche naiv verheiligt. Heute Demokratie, Verfassung, Rechtsstaat, Menschenrechte etc.

Gisela Hachenberg | Do., 2. Juli 2026 - 14:25

Ja, lieber Herr Krischke, „das Publikum/wir/ich haben die Faxen dicke“ schreiben Sie zurecht. Wieder ein typischer, toller Krischke Text. Krischke bleibt dran, Krischke pickt sich die „richtigen“ Themen raus. Es müsste mehr Krischkes bei den deutschen Medien (und ÖRR) geben, denn das ist m.E. auch ein Problem in unserem Land. Die Presse ist zu links und zu grün. Sie findet sich im Großen und Ganzen mit dem Beschneiden der Pressefreiheit ab. Vor allem, wenn es um „rechte“ Themen geht. Gottlob gibt es Steinhöfel, der dann in Aktion tritt (wenn man sich ihn leisten kann!) Auch Steinhöfels gibt es zu wenige im Land. Schade! Habe gerade gelesen, dass G. Schupelius seit heute bei NiUS schreibt. In meinen Augen ein Gewinn, den Sch. nimmt auch kein Blatt vor den Mund, was nicht immer ungefährlich ist. Ich glaube und hoffe natürlich, dass sich so ganz, ganz langsam der Wind etwas in Richtung „Normalität, Wahrheit, Realität“ dreht. Oder täusche ich mich da? 😉

Hans-Hasso Stamer | Do., 2. Juli 2026 - 20:33

Haha, die Medienaufsicht ist natürlich nicht doof. Sie ist sogar sehr schlau. Sie hat nämlich von der DDR gelernt.

Unrealistische, völlig praxisfremde Forderungen stellen und letztendlich in einem Gesetz verankern, das bedeutet, den Bürger ständig in der Angst zu halten, dieses Gesetz könne einmal auf ihn angewandt werden. Dieses Prinzip „Damoklesschwert“ – das war das Gefühl, das die Macht in der DDR verbreitete.

Und ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass sie genau dieses Damoklesschwert heutzutage wieder einrichten wollen. Die Fassaden sind noch demokratisch, aber dahinter lauern bereits vollständig umgebaute autoritäre Strukturen.

S. Kaiser | Do., 2. Juli 2026 - 21:22

.... so der Slogan der Landesmedienanstalt (Claim: „Wir sind dafür da, ein demokratisches Mediensystem zu schützen – mit Meinungsfreiheit und dem Schutz der Menschenwürde, der Jugend, der Nutzerinnen und Nutzer und mit medialer Vielfalt“)
Ist das noch Zynismus oder kann das weg?
Auch wenn lt KI nur 1-2% der Filme die Klassifizierung bzw. Freigabe von der FSK verweigert werden, spielt das Schreiben der LMA an Ben mMn in einer ganz anderen Liga.
Konsequent zu Ende gedacht, müsste jeder Journalist oder Publizierende, jede Aussage, die ihm iwer ins Mikro quatscht, auf Wahrheitsgehalt prüfen und wäre - falls live – adhoc für Aussagen von Dritten verantwortlich. Das ist so abwegig, dass es zu offensichtlich ist, dass hier ein erfolgreicher Podcaster mit Reichweite mundtot gemacht werden soll.
Gut, dass dieser sich bereits einen Namen gemacht und eine Followerschaft von 1er Mio. hat, so dass man ihn nicht mal so eben wegcanceln kann.
Und gut, dass Steinhöfel sich darum kümmert ...

Hans Süßenguth-Großmann | Fr., 3. Juli 2026 - 10:16

aber vielleicht passend. Kurt Bartsch hat in der DDR gedichtet: ... wir lieben unsere Zeitung/ und wir lesen sie auch gern/ denn wir liegen gerne richtig/ alles Andere liegt uns fern....
Dass das so bleibt, ist das Anliegen der unermüdlichen Medienschützer. Es gibt in diesem Land eine Vielzahl von "Schützern" bestimmt mehr als Schutzbedürftige.