Mehrere Männer und Jungen sitzen und stehen vor einem Bus, viele tragen schwarze Hüte. Foto.
Der Streit um die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe ist nur eine der vielen Bruchlinien innerhalb der israelischen Gesellschaft / picture alliance / Anadolu | Gideon Markowicz

Zwischen Krieg und Polarisierung - Israels innere Fronten

Israel ist durch äußeren Druck und innere Fragmentierung bedroht. Im Schatten permanenter Konflikte von Gaza bis Iran vertiefen sich gesellschaftliche Bruchlinien. Die Herausforderung für den Staat ist, trotzdem handlungsfähig zu bleiben.

Autoreninfo

Tal Leder lebt als Journalist und Dokumentarfilmer in Israel.

So erreichen Sie Tal Leder:

Als der Staat Israel erst wenige Wochen alt war, richteten sich die Waffen im Juni 1948 nicht nur nach außen. Nur Stunden nach der Staatsgründung hatten mehrere arabische Staaten Israel den Krieg erklärt. Während die junge Republik um ihr Überleben kämpfte, kam es zu einer Konfrontation im Inneren. Vor der Küste von Tel Aviv brannte die Altalena, ein Schiff, beladen mit Kämpfern und Waffen der rechten Irgun-Miliz unter Führung von Menachem Begin – der Jahre später Premierminister des Landes werden sollte –, beschossen von der Armee des gerade gegründeten Staates.

Cicero Plus

Ohne Abo Lesen

Mit tiun erhalten Sie uneingeschränkten Zugriff auf alle Cicero Plus Inhalte. Dabei zahlen Sie nur so lange Sie lesen – ganz ohne Abo.

Bei älteren Beiträgen wie diesem wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen. Wir bedanken uns für Ihr Verständnis.

Karl-Heinz Weiß | Mi., 3. Juni 2026 - 08:48

Ultraorthodoxe lehnen staatlichen Institutionen und Verpflichtungen (Wehrdienst) strikt ab, die sie schützen. Diese Konstellation war für Nicht-Israelis schon immer schwer nachvollziehbar. Die vom Autor sehr eindrucksvoll beschriebenen Prozesse in Israel erscheinen mir aber auch für Deutschland sehr lehrreich zu sein. Die von Merkel nach 16 politischen Mehltau-Jahren installierte "Brandmauer" gegen eine offenen Diskurs bröckelt bereits und wird im kommenden Herbst verschwinden.

Jens Böhme | Mi., 3. Juni 2026 - 09:45

Gesellschaften und deren Systeme sind keine Absolutheiten. Entwicklungen gehen hier und da hin, zurück, weiter, bleiben stehen, metamorphosieren, assimilisieren. Die westliche Demokratie wird nur von wenigen Ländern genutzt und ist eindeutig gegen andere, langlebiger erfolgreichere Systeme der Menschheitsgeschichte im Nachteil.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi., 3. Juni 2026 - 09:56

Die größte Sicherheit bietet evtl.
Unwiderstehlichkeit und Faszination?
Israel war doch schon so weit darin...

Dorothee Sehrt-Irrek | Mi., 3. Juni 2026 - 14:26

Antwort auf von Dorothee Sehrt-Irrek

Bewundernswerte Verteidigung, abgesehen von Kriegen.
Eine lebendige Zivilgesellschaft.
Internationale Zusammenarbeit .
Israelisch-kleinasiatische-arabische Freundschaft.
Kulturelle Vielfalt und politische Würde

Markus Michaelis | Do., 4. Juni 2026 - 03:42

Natürlich mal mehr, mal weniger. Aber es gibt kein Naturgesetz, dass Völker, ein Staat, eine Religionsgemeinschaft, was auch immer, stabil bleiben. Die hier beschriebenen Prozesse der fundamentaleren Separation sind immer im Gange und müssen immer durch Einsatz und aktive Entscheidungen hinreichend starker Teilgruppen aufgefangen werden. In heutigen Zeiten wird es wahrscheinlich nicht einfacher, weil durch mehr Mobilität, globales Internet und TV verschiedene Diskursräume unterschiedlicher Gruppen noch leichter aufrecht zu erhalten sind.

Grundsätzlich sollte man das vielleicht weniger so sehen, welche Kräfte den Zusammenhalt von Gesellschaften gefährden, weil das sozusagen eher der Normalzustand ist. Die Fragen sollten vielleicht eher dahin gehen, welche Kräfte und Gemeinsamkeiten gerade diese (jeweilige) spezielle Gesellschaft zusammenhalten könnten.