Kubicki
Wolfgang Kubicki, neu gewählter Parteivorsitzender der FDP, 30.05.2026 / picture alliance/dpa | Michael Kappeler

FDP-Bundesparteitag - Kubicki gewinnt Kampfabstimmung gegen Strack-Zimmermann

Beim Bundesparteitag der FDP kam es völlig unerwartet zu einer Kampfabstimmung. Wolfgang Kubicki gewann dann aber deutlich gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

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Wolfgang Kubicki ist neuer Bundesvorsitzender der FDP. Der bisherige Vizechef der Liberalen setzte sich beim Bundesparteitag in Berlin in einer Kampfabstimmung gegen die überraschend kandidierende Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann mit 59,27 Prozent durch. Auf Kubicki entfielen 390 der 658 gültigen Delegiertenstimmen, auf Strack-Zimmermann 259 Stimmen. 

Die aus Nordrhein-Westfalen kommende Strack-Zimmermann war erst unmittelbar vor den Wahlen von 33 Delegierten nominiert worden. Sie überraschte damit den Schleswig-Holsteiner Kubicki, der seine Kandidatur schon vor Wochen bekanntgegeben hatte.

Strack-Zimmermann begründete ihren Schritt mit der Enttäuschung vieler Mitglieder über den Rückzieher des NRW-Landesvorsitzenden Henning Höne für den Posten des Bundesvorsitzenden. Sie kritisierte den teilweise hämischen Umgang mit Höne in sozialen Medien im Vorfeld des Parteitags.

Strack-Zimmermann kritisiert Brandmauerdebatte

Hart ging die Europaabgeordnete mit der von Kubicki und seinem designierten Generalsekretär Martin Hagen wegen der auch von ihnen geführten «unsägliche Brandmauerdebatte» ins Gericht. Es gebe in Bund und Ländern überhaupt keine Konstellation, in der diese Frage relevant wäre. 

Allerdings hatte auch Kubicki zuvor eine Kooperation mit der AfD klar abgelehnt. «Es wird mit Liberalen nie eine Zusammenarbeit mit der AfD geben, niemals.» Kubicki rief die FDP zu Geschlossenheit auf. «Unser politischer Gegner steht außen und nicht innen», betonte er.

Zweiter personeller Neuanfang innerhalb eines Jahres

Die FDP vollzieht mit der Wahl Kubickis nach einer Serie von Wahlniederlagen einen personellen Neuanfang - den zweiten innerhalb von zwölf Monaten. 

Nach dem Scheitern der Liberalen an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl im Februar 2025 war der frühere Fraktionschef Dürr an die Spitze der Partei getreten. Ihm gelang es aber nicht, das Ruder herumzureißen. In diesem Jahr kassierte die FDP bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bittere Niederlagen. In beiden Ländern kamen sie nicht mehr in den Landtag. Daraufhin traten Präsidium und Bundesvorstand zurück. 

Dürr attackiert zum Abschied die Regierung Merz 

Dürr verabschiedete sich mit scharfer Kritik an der schwarz-roten Bundesregierung von der Spitze seiner Partei. Er warf Union und SPD eine maßlose Schuldenpolitik und fehlenden Reformwillen vor. Nach einem Jahr Amtszeit von Kanzler Friedrich Merz (CDU) stecke Deutschland mehr denn je in einer wirtschaftlichen Krise und habe die unbeliebteste Regierung in seiner Geschichte. «Nach nur einem Jahr schon unbeliebter zu sein als Olaf Scholz am Ende seiner Amtszeit, das muss man erst mal hinkriegen», sagte Dürr mit Blick auf den amtierenden Kanzler und seinen Vorgänger. 

Dürr verzichtete auf einen Rückblick auf seine wenig erfolgreiche Amtszeit und auf Selbstkritik. Auch den Delegierten war nicht nach einer Abrechnung mit der bisherigen Parteispitze zumute.

Lange Abgeordnetenjahre im Kieler Landtag und im Bundestag

Mit Kubicki wählten die Delegierten zwar jemanden zum Vorsitzenden, der nicht gerade ein Signal für einen Generationenwechsel ist - der aber über jahrzehntelange politische Erfahrung verfügt. Der neue Parteichef trat 1971 in die FDP ein. Von 1989 bis 1993 war er Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein, seit 2013 war er stellvertretender Bundesvorsitzender. 

Kubicki saß von 1992 bis 2017 im Landtag von Schleswig-Holstein. Dem Bundestag gehörte er von 1990 bis 1992, kurz von Oktober bis Dezember 2002 und dann von 2017 bis 2025 an. In diesen acht Jahren war er auch Vizepräsident des Bundestags.

Mit seiner politischen Erfahrung und seinem hohen Bekanntheitsgrad warb Kubicki auch bei seiner Kandidatur für sich. Der Golfspieler, Motorbootbesitzer und Weißweinfreund versteht sich darauf, provokant zu formulieren und Schlagzeilen zu liefern. So nannte er jüngst Kanzler Merz einen «Eierarsch», nachdem der CDU-Chef die FDP für politisch tot erklärt hatte. 

Erste Bewährungsproben schon bei Wahlen im Herbst

Die neue Führungsmannschaft wird nur für ein Jahr gewählt. Seine erste Bewährungsprobe hat das Team Kubicki bereits im September vor sich. Dann werden in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin neue Landesparlamente gewählt.

In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sitzen die Freien Demokraten noch in den Landtagen, in Magdeburg gehören sie sogar der Landesregierung an. In allen drei Ländern liegt die FDP aktuell in den Meinungsumfragen aber bei unter 5 Prozent.

Noch wichtiger werden die Landtagswahlen im April kommenden Jahres in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sein. Schleswig-Holstein ist die Heimat von Kubicki, NRW die von Höne, der eigentlich selbst neuer Bundesvorsitzender werden wollte, aber zugunsten von Kubicki zurückzog und nun als dessen Stellvertreter kandidierte. Misserfolge in beiden Ländern würden die neue FDP-Spitze stark beschädigen.

dpa

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Pamina | Sa., 30. Mai 2026 - 19:19

Wenn sich die FDP weiter bei UnsererDemokratie einreiht, wird das nichts.

Thomas Hechinger | Sa., 30. Mai 2026 - 19:40

„Beim Bundesparteitag der FDP kam es völlig unerwartet zu einer Kampfabstimmung. Wolfgang Kubicki gewann dann aber deutlich gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann.“

Das sehe ich nicht so. Wären Herr Kubicki und Frau Strack-Zimmermann einfach nur zwei personelle Angebote einer im Wesentlichen geschlossenen Partei, dann könnte man von einem starken Ergebnis für Wolfgang Kubicki reden. Die beiden Personen stehen aber für unterschiedliche Konzepte von „Liberalität“. Die überraschende Kampfkandidatur von Marie-Agnes Strack-Zimmermann macht es jedem interessierten Wähler klar: Wer FDP wählt, wählt zu 40 Prozent auch den links-grün-woken Flügel. Und mir wären 10 Prozent davon schon zu viel. Herr Kubicki hat nun eine unerfüllbare Aufgabe übertragen bekommen. Die FDP ist Geschichte. Er wird sich auf seine Aufgabe als „Cicero“-Kolumnist zurückziehen müssen. Das ist nicht unehrenhaft. Charme, Witz und, wenn es sein muß, direkte Ansprache versteht er ja.

Christa Wallau | Sa., 30. Mai 2026 - 19:50

Antwort auf von Thomas Hechinger

Die Lage der FDP schätze ich ähnlich ein wie Sie.
Den restlichen FDP-Protagonisten fehlt die Einigkeit in der Sache, um sich wieder als glaubhafte Kraft ins Spiel der Parteien einzubringen.
Dieses Manko teilt sie mit der CDU.
Der links-grüne Ungeist, der sich in 16 Jahren Merkel-Zeit austoben durfte, hat beide Parteien vergiftet.

Lisa W. | Sa., 30. Mai 2026 - 19:57

Eine FDP, in der eine Strack-Zimmermann eine Kampfabstimmung nur knapp verliert, ist keine FDP, die ich je wählen könnte, auch nicht mit einem Generalsekretär Hagen. Wenn dann Kubicki auch noch die Brandmauer bejubelt, obwohl er vorher davon sprach, sich nur nach Inhalten zu richten, dann war's das für mich. Schade.

Ingbert Jüdt | Sa., 30. Mai 2026 - 20:00

Nicht, dass es mir jetzt dazu langte, sie zu wählen! Aber Strack-Zimmerflak hätte das unwählbarste aller FDP-Gesichter in künftige Wahlkampagnen-Kameras gehalten. Mit Herrn Kubicki hat die FDP wenigstens die Chance auf »a schöne Leich!«, anstatt dauerhaft mit dem ewigen Untod assoziiert zu werden, der aus greller Kriegspropaganda in Dauerschleife im Spitzenamt unfehlbar resultieren würde.

Vielleicht hat ja Herr Hechinger einen Kommentar obendran recht, und Kubickis Konkurrentin repräsentiert auch programmatisch eine starke Minorität. Dann würden natürlich die Chancen schlecht stehen, dass dem neuen Kandidaten auch ein neues, solides und in der Partei tief verankertes Programm folgt.

Aber wenigstens kann ich jetzt als Zuschauer das Popcorn genießen, das mir andernfalls im Halse stecken bliebe.

Jens Böhme | Sa., 30. Mai 2026 - 20:06

"Wolfgang Kubicki gewann dann aber deutlich gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann." - Ich kann den Cicero verstehen, dass dieser sich bemüht, die FDP wieder in Bundes- und Landtage zu bringen. 59 Prozent als großartigen Sieg für einen Parteivorsitzenden zu feiern, ist schönste Augenwischerei. Mich wundert, dass Kubicki überhaupt diese desaströse Wahl annahm. Eigentlich hat sich die FDP so nur selbst von innen zerschossen, weil anscheinend ca. 40 Prozent der FDP immer noch nicht begreifen, in welchem Zustand die FDP sich befand/befindet. Man glaubt, der Wiedereinzug in Parlamente wird ein Selbstläufer, wie in früheren Jahren bzw. Fremdparteien würden Wahlkampf für die FDP machen.

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa., 30. Mai 2026 - 20:40

Ich hatte mich schon über die Anspannung der Redner und Rednerinnen gewundert, dann auch sehr über den Herrn Professor, der einen Kandidaten nicht für eine demokratische Wahl hielt oder habe ich mich da verhört?
Den Parteitag habe ich mir eine Weile angesehen und meine, Aufbruchstimmung geht anders.
Aber ich habe wahrlich keinen Grund, mich über die FDP etwa zu erheben.
Inhaltlich fand ich vieles bedenkenswert, ich weiss nur nicht, wie sich auf potenzielle Wähler auswirkt,, überspitzt, potenziell "mit Herrn Kubicki zu Abend zu essen und zum Frühstück mit Frau Strack-Zimmermann aufzuwachen".
Ich wußte aber jahrzehntelang gar nicht, dass es solche Politiker und Politikerinnen wie z.B. Frau Strack-Zimmermann überhaupt in der FDP gibt.
Ich bin gespannt, was Herr Kubicki mit der FDP voranbringen kann.
Es wäre wirklich schade um die FDP, gelänge ihr kein Wiedereinstieg ins "parlamentarische Wirken".
Gratulation Herr Kubicki

Klaus Funke | So., 31. Mai 2026 - 12:16

Was zu erwarten und zu beweisen war. Die FDP ist Fleisch vom Fleische der unsäglichen Ampel. Zumindest zu 40%. Fatal. Dass Kubicki sich nicht von der Brandmauer distanzierte, das ist sein Kniefall vor CDU/SPD/Grünen und zugleich sein politisches Todesurteil. Wahrscheinlich hofft er im Falle seines (unerwartbaren) Einzugs in den Bundestag (was ich nicht glaube, und nun auch nicht mehr hoffe), dass einer von den Altparteien mit dieser FDP koaliert. Das ist aber typisch FDP, und zwar ein Verhalten der alten Mehrheitsbeschafferin. Nein, das Sterbekreuz, dass Herr Hechinger hier seinem Kommentar vorangestellt hat, besteht völlig zu Recht. Diese FDP ist tot, toter geht gar nicht. Da hat sich der CICERO umsonst bemüht. Diese Wiederbelebung ist schiefgegangen. Und auch ein Herr Kubicki ist eben nicht über seinen Schatten gesprungen. Schade. Wer hats vorausgesagt??

dass sich Herr Kubicki von der Brandmauer distanzierte, das war doch der Grund für die aus dem "Hut" gezauberte Kampfkandidatin.
Allerdings bedeutet für die FDP dieses einreißen keineswegs eine Kooperation mit einer Partei, die wie Die Linke, weit außerhalb des politischen Diskurses der FDP steht, und außerdem sind beide nicht als mehrheitlich gesellschaftlich kompartiebel zu bewerten, da beide Parteien als die Ränder von links -und rechtsaußen einzuordnen sind.
Die Zuwächse beider Parteien sind wenig aus Überzeug, aber vielmehr aus Protest geschehen, und daher sollte man (als Deutscher) bei der Einordnung gut aufpassen.

Auf FDP - Deutsch ala Kubicki, man sollte die AfD wie die Linke behandeln!!!

Sabine Lehmann | So., 31. Mai 2026 - 17:01

Kurz vor dieser Kampfabstimmung haben sämtliche Omas & Opas gegen Rechts sowie das linke Elend dieser Republik nichts unversucht gelassen, gegen Herrn Kubicki Fundstücke ans Tageslicht zu zerren, die ihresgleichen suchen.
Sie haben tatsächlich entdeckt, dass sich Herr Kubicki, dieser Schuft, seit Jahren aktiv für Glücksspiel u. Lotterie einsetzt. Ein Modell unserer norwegischen Nachbarn hat es ihm besonders angetan: Glücksspiel am Pfandflaschenautomat. So kann der gebeutelte dt. Rentner demnächst nach aufwändiger Pfandflaschensuche mit seiner Beute direkt am Automaten im Supermarkt seines Vertrauens über den Pfandbon seine erste Million machen;-) Sachen gibt’s.
Und damit die Story schön anrüchig daherkommt, wurde tatsächlich die Annahme in den Raum gestellt, Herr K. könne womöglich finanzielle Interessen haben! Wo kommen wir denn dahin, wenn jemand geschäftstüchtig u. politisch gut vernetzt, versucht Einkommen zu generieren? Arbeiten? Für diese linke Bagage ein unbekanntes Terrain!?

Schön, mich erfreut das. Habe Sie wortgewandte Kämpferseele schon vermisst. Es tut gut, wieder Kommentare zu lesen, wo die deutsche Sprache in ihrer ganzen Schönheit zur Geltung kommt. Danke. Ich war auch mal kurz weg, habe es aber nicht lange ausgehalten. Es gab kleinere Gefechte mit verschiedenen Usern. Macht immer wieder Spaß, sich sozusagen die Zunge zu wetzen. Alles Gute Ihnen.

Sabine Lehmann | So., 31. Mai 2026 - 18:07

Antwort auf von Klaus Funke

Totgesagte leben länger, lieber Funke, wissen Sie doch;-) Fleißig gelesen habe ich ja dennoch weiterhin, nur des Schreibens war ich überdrüssig geworden, die Gründe dafür habe ich ja hinlänglich in epischer Breite dargelegt. Habe es aber auch nicht gut ausgehalten, werde mich aber sicher nicht mehr so einbringen wie vor der Einführung der neuen Maulkörbe hier. Viel Energie und Leidenschaft hatte ich in manchen Text gesteckt, diese dann verschwinden zu sehen noch und nöcher, das hat zutiefst frustriert. Ihnen auch alles Gute.

Sabine Lehmann | Mo., 1. Juni 2026 - 15:30

Antwort auf von Klaus Funke

Haben Sie eine Idee, wie man einem offensichtlich Zwangsgestörten eine fixe Idee wieder ausredet? Oder anders gefragt, wissen Sie, weshalb Herr Veit der wahnhaften Vorstellung aufgesessen ist, ich wäre nicht Sabine Lehmann, mein Account wäre ein Fake und wäre in Wirklichkeit inzwischen von Ihnen, lieber Herr Funke gekapert worden? Intelligente Menschen wissen ja, dass dies so gar nicht möglich ist, das hilft also in diesem Fall nicht. Aber vielleicht haben Sie eine Idee? Und gibt es dazu eine Vorgeschichte von der ich nichts mitbekommen habe? Danke im voraus.

Sie machen sich so dermaßen lächerlich, Herr Veit. Das wird nur noch überboten von Ihrem inflationären Gebrauch der Antwortfunktion in diesem Forum, welche Sie missbrauchen, um ihre eigenen Kommentare zu moderieren. Dass Sie sich diesbezüglich bessern wollten, war wohl auch nur ein Fake. Ansonsten: Mäßigen Sie sich, Sie laufen sonst Gefahr von Ihrem eigenen Ego erschlagen zu werden. Wie ich schon einmal sagte: Besorgniserregend, lassen Sie das mal untersuchen.

Sabine Lehmann | Mo., 1. Juni 2026 - 14:56

Antwort auf von Thomas Veit

Gute Besserung.

Ich glaube, Sie habe da etwas gründlich missverstanden, liebe Frau Sehrt-Irrek. Oder was möchte Sie da mit einer Spende unterstützen? Es geht dabei um kommerzielles Glücksspiel, heißt, Sie lösen den Pfandbon ein und als Gegenleistung spielen Sie mit in einer kommerziellen Lotterie, in Norwegen weit verbreitet. Das ist aber nicht die Wohlfahrt. Was Sie vermutlich meinen, ist die Möglichkeit am Pfandautomaten auf die Auszahlung zu verzichten und den Erlös einem Verein oder einer wohltätigen Organisation zu spenden. Das ist allerdings etwas völlig anderes.