Große Koalition

Koalitionstheater in Berlin - Schwarz-Rot inszeniert eine schlechte Tragödie

Auf der Bühne der Berliner Republik wird ein schlechtes Stück aufgeführt: Eine schwarz-rote Bundesregierung verliert sich in Streit, Symbolpolitik und taktischen Blockaden, während im Land nichts vorangeht. Kein Wunder, dass das Publikum bereits den Saal verlässt.

Autoreninfo

Nils Tarnow ist selbstständiger Unternehmensberater und wohnt in São Paulo, Brasilien. Zuvor arbeitete er über 20 Jahre in international renommierten Unternehmensberatungen in Deutschland, Japan, den USA und Brasilien.

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Die Regierungskoalition verharrt im Umfragetief. Bei manchen Instituten kämen die Regierungsparteien zusammen nur noch auf ein gutes Drittel der Stimmen und selbst mit den Grünen im Augenblick nicht mehr auf eine absolute Mehrheit. Das kann niemanden, der sich zur demokratischen Mitte zählt, freuen. Der Grund: Wir erleben wieder ein Koalitionstheater mit viel Drama, Streit und Inszenierung, aber ohne eine Handlung, die das Publikum befriedigen könnte. Ein Stück ohne Katharsis, hätte Aristoteles wohl gesagt – eine Tragödie, aber keine gute.

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Thomas Hechinger | Mi., 27. Mai 2026 - 11:24

Ein schöner Vergleich mit dem Theater. Nun gibt es das, manchmal vielleicht etwas sterile, professionelle Theater und das Laientheater, nicht so perfekt, aber erfrischend und mit viel Spielfreude dabei. Es gibt aber auch das Laientheater, das nur noch zum Fremdschämen ist, weil der jugendliche Liebhaber den Text vergessen hat und peinliche Stille entsteht, da niemand weiß, wie es weitergeht, die Geliebte über ein Kabel auf dem Bühnenboden stolpert und der Vorhang an der falschen Stelle herunterkommt und auch noch den Tisch mit den Utensilien umwirft, die polternd in den Zuschauerraum fallen. Das als Bild für unsere dysfunktionale Regierung ist fast noch harmlos gezeichnet.
Aber bei einem bin ich Ihnen, werter Herr Tarnow, richtig „böse“: „Das kann niemanden, der sich zur demokratischen Mitte zählt, freuen.“ Das impliziert, daß Sie die SPD zur demokratischen Mitte zählen. Die SPD ist eine linksradikale Partei mit einem woken Programm. Mit Mitte ist da gar nichts mehr.

Markus Michaelis | Mi., 27. Mai 2026 - 11:41

"Da stehen Leute auf der Bühne, sympathisch unvollkommen, aber mit authentischer Freude an ihrem Hobby."

Das beschreibt es glaube ich ziemlich gut.

Der große Knackpunkt ist glaube ich nicht das Gefangenendilemma. In diese verfahrene Situation, dass alle "vernünftigen" Schritte der eigenen Partei schaden würden, kommt man glaube ich nur, weil soviele Menschen in Deutschland von einer heiligen (Menschheits)Wahrheit überzeugt sind, die leider weltfremd ist.

Die Gesellschaft droht instabil zu werden, wenn man diese Wahrheit wegnimmt - alles ist ineinander verzahnt und stützt sich irgendwie. Von denen, die nur diese Wahrheit haben, gibt es so brachialen Gegenwind, dass es unklar ist, ob es beherrschbar bleibt. Ich denke, dass führende Politiker in ihren Parteien das sehr direkt zu spüren bekommen.

Es ist von daher weniger ein Gefangenendilemma, bei dem der richtige Weg eigentlich allen klar ist. Es ist die Angst vor der Unbeherrschbarkeit und gerade das Nicht-Wissen, wie weiter.

Christa Wallau | Mi., 27. Mai 2026 - 11:54

schlimmster Art!
Unsere Familie ist viele Male in Südtirol im Urlaub gewesen, und ich erinnere mich gut daran, daß uns der Vermieter einer Ferienwohnung dort schon vor ca. 40 Jahren sagte, daß er sich das
"Kaschperl-Theater" in Rom (= italienische Regierung) schon lange nicht mehr anschaue bzw. es längst nicht mehr ernst nehme.
Er konnte sich das erlauben, weil sich die italienische Provinz Südtirol in harten Kämpfen eine starke Autonomie erstritten u. daher mit den römischen Querelen wenig am Hut hatte.

Wir Deutschen aber sind dem "Kaschperl-Theater" mit allen Konsequenzen ausgesetzt, das unsere Regierungen u. die Parlamente aufführen, und dabei vergeht allmählich dem Dümmsten das Lachen.

Was sich bei uns z. B. in Berlin abspielt, ist weder eine Komödie, noch eine Tragödie, sondern ein einziges r e a l e s Schurkenstück, das zwei ehemalige Volksparteien dem Volke vorzuführen sich erdreisten.
WANN ENDLICH WEHREN SICH DIE VERBLIEBENEN DEUTSCHEN, DIE IHR LAND LIEBEN, DAGEGEN?

wenn das ganze Vermögen weg ist oder für den Rest sich nichts mehr leisten kann, die Innenstädte zerfalle sind und die Arbeiltsosenquote zwischen 15 & 20% liegt. Vielleicht dann ….. aber nur vielleicht.
Mit freundlichen Grüßen a d Erfurter Republik

Theodor Lanck | Mi., 27. Mai 2026 - 12:07

Die deutsche Politik, von links bis rechts (ja, auch rechts gehört dazu), muss endlich den Blick vom Konkurrenten weg und auf die Probleme, die Sachfragen richten. Wenn die Parteien das nicht selbst schaffen, sollten sie den Bürgern die Möglichkeiten geben, dies selbst zu besorgen: Volksentscheide und Referenden.

Nun, die Rechte hat zumindest die Problemen in diesem Land benannt was die so genannten Parteien der demokratischen Mitte erst gar nicht getan haben. Über die Lösungskonzepte Kann ja diskutiert werden…..
Mit freundlichen Grüßen a d Erf. Rep.

Rainer Mrochen | Mi., 27. Mai 2026 - 12:29

…wartet auf den letzten Vorhang. Möglicherweise vergebens. Ich kann mir vorstellen das diese kleine Koalition wegen Borniertheit und egoistischer Verantwortungslosigkeit gegenüber diesem Land und seiner Gesellschaft alles den Bach runtergehen lässt. Die SPD steht da verbal an vorderster Front. Die haben das mit der Kriegstüchtigkeit total verinnerlicht sowohl in Richtung CDSU und Bevölkerung. Aber vielleicht soll mit diesen Ausfällen der Koalitionsbruch provoziert werden. In jedem Fall so oder so ein trauriges Schauspiel. Der Artikel beschreibt wunderbar bildhaft eine verdammt ernste Situation. Die Schauspieler haben sich ihr nächstes Engagement bereits gesichert. Ich hoffe, denke wohl vergebens, das ganze landet mal vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Vergebens, weil alles ist ja bestens demokratisch

Thomas Veit | Mi., 27. Mai 2026 - 12:50

Antwort auf von Rainer Mrochen

Das habe ich mir auch schon so gedacht...

Der Zustand der Regierung entspricht erschreckend dem der Ampel im Sommer 2024... - allerdings bereits nach 1,5 Jahren - das muss man sich mal vergegenwärtigen, diesen Verfall... ... ☝🤔

Thomas Veit | Mi., 27. Mai 2026 - 12:44

1. "Langsamer bergab ist das neue bergauf." ✔
2. "Zu spät, nun hat man keine klaren Ziele ..." ✔

...wobei der Artikel auch 'nur' die nicht gelieferten dringend notwendigen Reformen betrachtet..., den ebenfalls nicht gelieferten Politikwechsel berührt er nichteinmal... - weswegen ja alleine schon die Hälfte des Publikums den Saal verlassen hat... ... 🤔

Zitat No. 3: "Das kann niemanden, der sich zur demokratischen Mitte zählt, freuen." -- mich freut's aber...!!, denn somit sind wir wir jetzt auf dem einzig richtigen Weg, wie die Zahlen ja auch beweisen... Etwas anderes wäre seitens 'der regierenden "demokratischen" Mitte' mE auch nicht zu erwarten gewesen... >> DANKE UNION!!!! /🤣 - Sarkasmus

Ingo Frank | Mi., 27. Mai 2026 - 13:42

Der Saal ist leer und die letzten Besucher verließen mit Buhh Rufen das Theater.
Die Schauspieler tranken zusammen noch ein Bier und diskutierten über die Kunstbanausen die ihre Leistungen nicht honorierten, kassierten ihre Gage und meinen, morgen wieder auf ein Neues. Hoffentlich mit einem anderen „verständnisvollerem“ Publikum …..
Und Das geht so lange bis das Stück vom Spielplan genommen wird. Das könnte im kommenden September durchaus passieren.
MfG a d Erfurter Republik

Angelika Sehnert | Mi., 27. Mai 2026 - 18:25

Die Situation ist wie in einer griechischen Tragödie ausweglos. Durch eigenes Verschulden ist Merz in eine Situation geraten, in der er nur verlieren kann. Die Morgengabe in Form von Sonderschulden an die SPD wird wegen handwerklicher Fehler verpuffen, Reformen werden nicht kommen. Die SPD blockiert alles.
Es ist die Tragödie dieses Landes, dass die jetzt in Verantwortung stehenden Politiker nichtdie menschliche und intellektuelle Größe haben vor aller Welt einzugestehen, dass alle politischen Entscheidungen, sei es bei Migration, Klima, Energie oder Rente falsch waren,diese Krise verursacht und befeuert haben. Mit Blick auf das Humanpotential in der Politik wird das nicht geschehen. Einfach, weil all das ihre Entscheidungen waren, für deren Scheitern sie die Verantwortung übernehmen müssten. Die Übernahme von Verantwortung ist jedoch in diesem (in jedem Fall gut abgesicherten)Milieu nicht mehr üblich. Lieber lässt man eine ganze Gesellschaft und Volkswirtschaft zugrunde gehen.

Sunstreet | Do., 28. Mai 2026 - 16:05

Antwort auf von Angelika Sehnert

Sehr geehrte Frau Sehnert, welche sinnvollen Reformen der CDU/CSU werden denn von der SPD blockiert?
Das was diesen Claqueuren einfällt, ist doch nur dem Bürger noch mehr in die Taschen zu greifen und den militärisch-industriellen Komplex zugunsten von Blackrock und Konsorten aufzublasen. Da spielt die Parteifarbe keine Rolle. Die Reformen, die für dieses Land nötig wären, wird es durch diese Parteienoligarchie nicht geben. Da müssten sie ihre Macht und die hart erkämpften (Selbstbedienungs-) Geldtöpfe beschneiden, sowie Probleme beseitigen, die sie selbst gemeinsam geschaffen haben.
Lieber schicken Sie die Bevölkerung in einen Krieg. Damit würde es zum Ende des Laientheaters nicht nur einen Vorhang, sondern ein riesiges Feuerwerk geben.

Achim Koester | Mi., 27. Mai 2026 - 19:07

Frei nach Goethes "Faust":
Oh glücklich, wer da hoffen kann,
Aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen!
Ehrliche, kompetente Leute brauchte man,
Die, die man jetzt hat, sind nicht zu gebrauchen.