Straßen-Billboard gegen den Irankrieg
Ein Straßen-Billboard gegen den Irankrieg in West Palm Beach, Florida / picture alliance / Zumapress / Chris Beckett

Krieg im Iran - Washington in der Zwickmühle

Der Konflikt zwischen der Islamischen Republik und den USA scheint festgefahren. Donald Trump muss sich jetzt zwischen drei Szenarien entscheiden, die allesamt große Risiken bergen. Es gibt keine Garantie, dass die Amerikaner militärisch gewinnen können.

Autoreninfo

George Friedman, Jahrgang 1949, ist einer der bekanntesten geopolitischen Analysten der Vereinigten Staaten. Er leitet die von ihm gegründete Denkfabrik   Geopolitical Futures  und ist Autor zahlreicher Bücher. Zuletzt erschien „Der Sturm vor der Ruhe: Amerikas Spaltung, die heraufziehende Krise und der folgende Triumph“ im Plassen-Verlag.

So erreichen Sie George Friedman:

Nach drei Monaten hat der Krieg im Iran nun einen kritischen Punkt erreicht. Der Konflikt selbst ist gewissermaßen festgefahren. Das Korps der Islamischen Revolutionsgarden behält die Kontrolle und scheint in seiner Kampfkraft nicht wesentlich geschwächt worden zu sein. Israel scheint seine Operationen im Iran zurückgefahren zu haben und konzentriert sich nun auf den Kampf gegen die Hisbollah im Libanon. 

Die Straße von Hormus bleibt im Wesentlichen gesperrt, wobei der Iran und die Vereinigten Staaten in gewissem Umfang Schiffsverkehr zulassen; beide Seiten sind in der Lage, die Straße zu blockieren, aber nicht, sie wirklich freizumachen. Die Friedensverhandlungen sind bislang gescheitert. Die USA wollen, dass der Iran sein Nuklearmaterial abgibt und die Straße öffnet; beides hat er nicht getan. Kurz gesagt: Keine Seite hat der anderen genügend Schaden zugefügt, um sie zur Kapitulation zu zwingen.

Von hier aus kann der Krieg einen von drei Verläufen nehmen: Eine Seite legt die andere lahm; es kommt zu einem Friedensabkommen. Oder das Ganze entwickelt sich zu einem dieser endlosen Kriege, die viele Jahre andauern, ohne dass eine Seite willens oder in der Lage wäre, ihn zu beenden.

Die Frage ist also, ob die USA bereit oder in der Lage sind, einen vernichtenden Angriff auf die Revolutionsgarden zu starten. Die Kehrseite dieser Frage ist, ob der Iran glaubt, einem solchen Angriff standhalten zu können. Angesichts der Tatsache, dass Teheran noch nicht kapituliert hat, geht das Regime wahrscheinlich davon aus, dass es dazu in der Lage ist.

Bevor die USA also über ihre nächsten Schritte entscheiden, müssen sie feststellen, ob sie die militärischen Fähigkeiten haben, eine vernichtende Offensive zu starten, und ob sie über das politische Kapital verfügen, welches sie für einen solchen Angriff aufwenden müssten. Die Unterstützung für den Krieg in den USA ist begrenzt, insbesondere aufgrund der früheren Haltung von Donald Trump, er würde Kriege im Nahen und Mittleren Osten ablehnen. Und es ist eine offene Frage, ob ein Angriff die Islamische Republik in ihrer Opposition gegen die Vereinigten Staaten mobilisieren würde. Bislang scheinen die Revolutionsgarden die Kontrolle über den Iran im Inneren zu haben, und es gibt im Land keine deutlichen Anzeichen für eine Antikriegsbewegung. Druck durch Dritte sollte nicht ausgeschlossen werden; der Ölpreis und die Folgewirkungen auf Lebensmittelpreise und die Inflation insgesamt könnten ein anderes Land dazu zwingen, eine der Kriegsparteien zum Handeln (oder Nicht-Handeln) zu bewegen. Falls es derzeit eine solche dritte Partei gibt, hat sie offensichtlich noch nicht genug Druck ausgeübt, um etwas zu bewirken.

Massive Truppenkonzentration der USA?

Für mich bedeutet das also, dass weder die USA noch der Iran bereit sind, ihre Forderungen zugunsten einer Einigung zu ändern, und dass niemand sonst willens oder in der Lage ist, sie an den Verhandlungstisch zu zwingen. Der Iran kann keine Zugeständnisse machen, ohne schwach zu wirken, und obwohl die USA über mehr Handlungsspielraum verfügen, haben sie ihrerseits noch keinen Grund dazu.

Die naheliegendste Lösung wäre daher eine massive Truppenkonzentration der USA, um den Iran einzuschüchtern. Sollte der Iran sich davon nicht beeindrucken lassen, würde Washington eine Invasion starten und versuchen, die Revolutionsgarden zu zerstören und Frieden zu erzwingen.

Abgesehen von innenpolitischen Erwägungen gibt es bei diesem Ansatz etliche Probleme. Erstens hat Washington eine schlechte Bilanz, wenn es darum geht, in Länder einzumarschieren, um seine Ziele durchzusetzen. Zweitens sind die Revolutionsgarden kein leichter Gegner. Sie würde ihr Heimatland und ihre Ideologie verteidigen, sodass es keine Garantie dafür gibt, dass die Amerikaner den Iran militärisch besiegen könnten.

Die Ereignisse in der Ukraine verdeutlichen, dass sich die Natur des Krieges dahingehend verändert hat, dass Drohnen und Raketen konventionelle Bodenangriffe leicht lahmlegen können. Der Iran verfügt nicht über die erforderlichen Satellitenaufklärungsdaten für die Zielerfassung – obwohl er diese von anderen Ländern beziehen könnte. Gleichzeitig bedeutet die Streuung der Bodentruppen der Revolutionsgarden, dass es auch für die US-Streitkräfte schwierig wäre, die Garden ins Visier zu nehmen.

Schwieriger Prozess der Isolierung

Die Alternative wären also intensive Luftangriffe, um die Fähigkeit des Iran zum Bau von Drohnen zu zerstören, sowie um die Kontrolle über das Umfeld des Landes zu erlangen, um andere Länder, insbesondere Russland, daran zu hindern, eigene Drohnen zur Unterstützung des Iran zu entsenden. Dies würde erfordern, den Iran vor dem Start der Hauptoffensive zu isolieren. Allein der Prozess der Isolierung wäre schwierig und würde bereits vor Beginn der Invasion massive militärische Kräfte erfordern. In der Zwischenzeit würde der Ölpreis die Volkswirtschaften weltweit schwächen, einschließlich der amerikanischen, was Trumps Popularität mindern und seine Position schwächen würde.

Die andere Option wäre ein äußerst massiver Einsatz von US-Drohnen in Verbindung mit massiven Luft- und Bodenangriffen, um das iranische Militär lahmzulegen. Die bemannten Bomber des Zweiten Weltkriegs und des Vietnamkriegs schwächten den Feind, brachen ihn jedoch nicht. Heute liefern sich die Bomben selbst aus, doch die Wirkungsbereiche konventioneller Waffen sind dennoch begrenzt, und die Anzahl der Drohnen und Raketen, die nötig wären, um den Iran zu brechen, wäre enorm.

Ein kritischer Moment

Bei der Frage nach einem Krieg geht es nicht darum, ob er geführt werden sollte, sondern ob er zu dem Preis geführt werden kann, den eine Nation zu zahlen bereit und in der Lage ist. Der Krieg im Iran scheint diese Kriterien nicht zu erfüllen. Dennoch ist dies ein kritischer Moment. Ob meine Analyse nun richtig ist oder nicht: Es scheint, als würde der Iran es den USA überlassen, den Krieg zu eskalieren. Sollte dies geschehen, würde es dem Iran zugutekommen. Er würde lange andauern, und ein langer Krieg würde nicht nur Trump innenpolitisch schaden, sondern auch der Weltwirtschaft, zumindest solange die Straße von Hormus gesperrt ist.

Mir ist nicht klar, wie sich Trump entscheiden wird, aber jede Entscheidung birgt Gefahren sowie politische und wirtschaftliche Risiken. Geopolitische Analysen sagen zwar nicht voraus, wie ein Krieg endet, aber sie zeigen einigermaßen deutlich, dass die USA ein Ende dieses Krieges brauchen. Die Frage nach den nuklearen Fähigkeiten des Iran müsste dann wohl später geklärt werden.

In Kooperation mit:

GPF

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Thomas Veit | Mi., 27. Mai 2026 - 08:20

den Iran bereits zweimal haushoch besiegt haben - mit Gottes Hilfe - verstehe ich garnicht wo das Problem ist...?

Das Atomprogramm des Iran wurde auch schon vollständig zerstört, übrigens... /Ironie und Sarkasmus

>> In was für einer Welt leben wir eigentlich... ..., mit solchen Pappnasen als 'Leader'..., und da meine ich nicht Frau Ursula von der Leyen...?