Schachfiguren
Der schwarze König siegt – weil die anderen die Regeln kennen / Illustration: Canva

Linke Meinungswächter - Kulturkampf mit dem Trick der Doppelmaßstäbe

Die Fälle Collien Fernandes und Buchhandlungspreis zeigen, wie das unfaire Spiel der linken Meinungswächter funktioniert – und warum Kulturstaatsminister Weimer bisher jedes Mal als Verlierer dasteht.

Bernd Stegemann

Autoreninfo

Bernd Stegemann ist Dramaturg und Professor an der Hochschule für Schauspielkunst (HfS) Ernst Busch. Zuletzt ist von ihm erschienen: „Was vom Glauben bleibt. Wege aus der atheistischen Apokalypse“ bei Klett-Cotta (2024) und „In falschen Händen. Wie grüne Eliten eine ökologische Politik verhindern“ bei Westend (2025).

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Wer als Nichtlinker in die Kulturkampf-­Arena einsteigen will, riskiert viel. Seit 1968 wurde die linke Seilschaft von dem Top-Coach Jürgen Habermas trainiert. Mit einem Heer von Assistenzkräften und Trainingsstützpunkten an jeder Hochschule und Kultureinrichtung sind die Habermas-Mannschaften breit aufgestellt. Der Erfolg ihrer seit Jahrzehnten ungebrochenen Meinungshoheit besteht aber nicht nur in der schieren Masse ihrer Kulturkämpfer, sondern vor allem in der raffinierten Methode „Habermas“.

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Brigitte Miller | Mo., 11. Mai 2026 - 09:24

Ihr Text sollte Pflichtlektüre sein für alle Politiker , die sich als Bürgerliche sehen.
Auch in der Schweiz sehen wir seit vielen Jahren, wie Bürgerliche hilflos in die Fallen der Habermas-Schüler tappen.

hanno Woitek | Mo., 11. Mai 2026 - 09:42

dass die Mehrheit endlich merkt, dass von den Linken- SPD-Teile, Bündnis 90/De Grünen und Die Linken, die größte Gefahr für unsere liberale Demokratie ausgeht. Umso wichtiger sind Artikel wie diese.

Eine verbeamtete Lehrerin oder Angestellte im öffentlichen Dienst generell haben doch bisher gar keinen wirklichen Grund an der Wahrheitskompetenz von Linksgrünwoke zu zweifeln..., so sie nicht in einem Brennpunktviertel leben (müssen), was in diesen Kreisen eher selten vorkommen dürfte...

Die steigenden Preise bekommen 'sie' doch regelmäßig weitestgehend ausgeglichen... ... - und eine Beamtenpension in der Aussicht >> da glaubt keine ernsthaft daran, dass das angetastet werden wird... - zu Recht vermutlich.

>> Alles bestens also...👍 /Ironie

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo., 11. Mai 2026 - 10:10

bin ich nicht informiert, ansonsten aber von meiner Seite aus NEIN.
Ich "dulde" keine und wenn auch nur entfernte evtl. Kritik "ad hominem" an einem der bedeutendsten Sozialphilosophen der Welt.
"Top-Coach, raffinierte Methode", nennen wir es doch bei seinem Namen "Wissenschaftliche Denken at its best"!
Da ich mittlerweile in einigen gesellschaftlichen Bereichen gelesen habe, im konservativen zuletzt, würde ich vermuten, dass man schon auch mal links gewesen sein muss, um die Argumentation linker Gruppen zu verstehen statt zu verdammen.
Ich dachte zuerst auch, dass ich von Ihnen monierten Satz nicht stehen lassen könnte.
Ich habe mich bei linken Demonstrationen zumindest immer mal umgeschaut, vor welchen Spruchbändern ich lief, aber der Spruch soll sich beziehen auf "Deutschland, wir weben dein Leichentuch" "Die Weber" von Heine.
Wenn der Satz stattdessen dort stünde...?
Es heisst zum Schluss "bitte" und nutzt einen Nazi-Spruch als "Vorlage"...
Das versteht jede/r Linke sofort.
Nu

warum ich, vielleicht in einem Leserbrief, Habermas in seiner Abwehr französischer "Strukturalisten" kritisieren konnte?
Vielleicht brachte gar ich ihn dazu, Foucault zu schätzen, statt "Irrationalismus" bzw. einen "Angriff auf die Vernunft" dahinter zu vermuten?
Vielleicht dadurch, dass ich die Nietzsche-Rezeption "umdrehte"?
Zuviel der Ehre, aber das wäre sicher eines meiner literaturwissenschaftlichen Standbeine geworden, wenn nicht ...
Im roten Buchladen(Göttingen) sah ich eines meiner Lieblingsplakate "Du musst noch genug Chaos in dir haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können". "Zarathustra".
"Quantenphysik"?
Der Buchladen hatte auch viele französische Denker im Merve-Verlag. Toller Verlag. Sucht seinesgleichen.
Ich sage nicht, dass auch nur ein politisches Lager in der Lage wäre, andere vorurteilsfrei zu begreifen und dann gerne zu kritisieren.
Davon gehe ich nämlich nicht aus.
Herr Weimer braucht für Bereiche, die er nicht selbst abdecken kann BERATER*

"das Leben passiert wäre", vor allem aber ZWEI TANZENDE STERNE mein Leben bereichert hätten.
Etwa breiter gefasst , "Ich bete an die Macht der Liebe". Gerhard Tersteegen 1757, Pietist.
Viele schaffen unendlich viel mehr.
Respekt

Thomas Veit | Mo., 11. Mai 2026 - 10:33

Die mobile und schlagkräftige Linke kann im Kulturkampf nur so weit gewinnen, wie die Rechtskonservative träge und unentschlossen ist.

Leider ist die Rechtskonservative träge und unentschlossen... 🤔

PS: das ist KEIN direkter! Vorwurf an irgendjemanden...

Walter Buehler | Mo., 11. Mai 2026 - 11:14

Keine echte Wissenschaft ist eine fertige Gesamtheit von unumstößlichen Wahrheiten. Das zeigt ihre Geschichte.

Vielmehr vollzieht sich - wenn es gut läuft - in jeder Wissenschaft ein stetiger Lern-Prozess, eine fortlaufende Annäherung an jene Realität, mit der sie sich beschäftigt. Es wird keinen Zeitpunkt geben, an dem eine Wissenschaft für alle Ewigkeit "fertig" ist.

Gleich bleibt aber der Ablauf dieses Prozesses. Meistens entstehen neue Theorien im Dialog der Wissenschaftler, und zwar in der Abfolge von These, Antithese und Synthese. Dieses Schema nennt man „Dialektik“.

Plato, Hegel und Marx machen die Dialektik selbst zum Gegenstand einer Meta-Theorie. Marx bezeichnet seine -Theorie als „wissenschaftlich“, spricht ihr aber in Verbindung mit dem Materialismus die ewige Gültigkeit in der Realität zu.

Marxistische Dialektik ist daher von Beginn an keine Wissenschaft, sondern eine dogmatische Theorie, wie jede andere Heilslehre oder wie jede Religion.

Walter Buehler | Mo., 11. Mai 2026 - 11:26

Ursprüngliches dialektisches Denken (etwa bei Platon und Hegel) rechnet durchaus mit unbekannten Widersprüchen, wie sie im Wissenschaftsprozess und in echten Dialogen typisch sind. Darauf beruht auch der Satz von Habermas „Der ‚zwanglose Zwang des besseren Arguments‘ soll den Gegner gewaltlos niederstrecken.“

Habermas und die ihm hörigen „Meinungsführer“ im Kulturbereich haben in dieser Weise schon immer einen gewissen Abstand zu den linken (und ziemlich dümmlichen) vulgärmarxistischen Theorien betont, haben aber dennoch ihre marxistischen Wurzeln nie völlig aufgegeben.

Da die Ausbildung in den Kultur- und Geisteswissenschaften in Schulen und Hochschulen stattfindet, in denen der Marxismus der 68er-Jahre immer noch dominiert, findet sich überall dieser „Doppelstandard“, den Herr Stegemann bei unseren Kulturträgern beschreibt.

Diese Leute sehen gar keinen Widerspruch, wenn sie einen „gewaltfreien Dialog“ und gleichzeitig die Verfolgung anderer Meinungen durch die Behörden fordern.

wie bei standard-online und auch TE ff?
So muss man extra etwas schreiben, wenn man loben oder kritisieren will.
Habermas war Linken gegenüber meiner Erinnerung nach ausgesprochen mutig.
Ich weiss gar nicht, ob er nur der SPD nahstand.
Wie auch immer, Ihr letzter Satz, Herr Buehler, ALLE ACHTUNG
Die Meinung sollte aber auch in sich gewaltfrei sein, womit sicher auch linke Gruppen so ihre Schwierigkeiten haben?
Wenn ich das schon, wo auch immer lese, "Kampf".
Das ist nicht mein Ding.
Las im Wiki-Beitrag von einer Nähe Tersteegens zu Russland?
Tja, "Mütterchen Russland" und "Väterchen Zar".
Das hat das DDR-Fernsehen tief in mich gepflanzt.
DANKE dafür.
Nach den vielen chinesischen Serien bin ich auch für das Joint-Venture zwischen VW und China.
Man muss das Rad nicht jedesmal neu erfinden...
Noch eine interessante evtl. "Wende" für mich.
Früher hiess es immer, Frau Merkel und ihr Mann seien Atomphysiker?
Jetzt lese ich "Quantenphysiker".
Das macht doch einen Unterschied?
Bin Laie*

Markus Michaelis | Mo., 11. Mai 2026 - 12:42

Naja, ganz so ist es nicht. Die ganz große Hegemonie ist vorbei, die Verunsicherung auf allen Seiten groß. Die großen Triumphe und die Einigkeit im eigenen Lager sind dadurch erkauft, dass dieses Lager zwar in staatstragenden Positionen mehrheitlich ist, aber auch nicht mehr unangefochten, gesamtgesellschaftlich aber in einem Tempo kleiner wird, dass auch diese Kreise ängstigt.

Ein Haupt-Unbehagen kommt mit dadurch, dass ein Hauptpunkt zur abgrenzenden Selbstdefinition gegen Rechts darin besteht, dass man offen für die Menschheit stünde, nicht wie Rechte immer nur für sich selber.

Die Tatsache, dass Migranten hier wie in anderen EU-Ländern, wie auch die Welt sich nicht einheitlich in dieses Bild fügen, belastet.

Die "Habermas-Linke" (oder Mitte) vertritt Millionen Menschen und auch wichtige Ziele, aber der ganz große Triumph ist es gerade eher nicht. Eher das Unbehagen eben doch nicht die Menschheit zu vertreten.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo., 11. Mai 2026 - 13:08

Antwort auf von Markus Michaelis

"rechtskonservativen" Denker nähme, dann stimmte "Ihre" These nicht?
Nietzsche steht nicht nur für sich selbst, aber auch für sich und diejenigen, die er liebte, Lou Andreas-Salomé, seine Mutter, seine Schwester, den verstorbenen Vater und verstorbenen jüngeren Bruder ff.
Nietzsche führt einen PERSÖNLICHEN DIALOG mit Gott und Ewigkeit und die wären für ihn nicht austauschbar gewesen.
Von da kommt er aber wohl auf das perspektivische Sehen und die Menschheit war ihm sicher nicht fremd.
Wollte er sich oder Gott* vor seinen Thesen schützen?
Vor allem wollte er Gott und Ewigkeit "stark" machen, damit sie für ihn weiter-leben.
Da wäre ihm Heine ganz und gar nicht fremd, war er ja auch nicht, wenn es bei Heine heisst, "Unter jedem Grabstein liegt eine Weltgeschichte".
Die Emanzipation der sogenannten Arbeiterklasse kann sicher nicht darin liegen, die Solidarität dranzugeben, aber darin und darüber hinaus, Selbstbewußte zu werden.
Das haben Marx und Engels geschafft.
Russland/China ehren SIE

Gott und Ewigkeit werden niemals stark sein, weil sie nämlich lieben.
Dies ist fast gleichbedeutend mit "Selbstaufgabe", sich drangeben an die geliebte Person...
Das wirkliche Wunder unseres Universums scheint mir, darin zu finden und gefunden zu werden.
Prof. Ganteför scheint mir durchaus auch ergriffen...
Ich bestehe auf gar nichts, denn Liebe schenkt auch Freiheit und Frieden.

Nietzsche kannte noch keine Quantenphysik.
Es könnte sein, dass wir uns gar keinen Gott* hinzudenken müssen, um dennoch getrost auf das Leben zu schauen.
Jede/r, so wie er/sie es braucht, wenn wir nur ausreichend staunen über das Wunder Leben.

S. Kaiser | Mo., 11. Mai 2026 - 16:16

Egal ob Merz oder sein 'best buddy' Weimer, keiner der beiden wird jemals gegen links einen Stich machen können.
Was für Weimer gilt, gilt auch für Merz – sie sind Gegner, wie Linke sie sich nicht schöner hätten wünschen können. Beide machen sich zum Watschenmann und merken es nicht einmal.
Es stimmt, diese bürgerlichen Konservativen verstehen im Ansatz nicht, mit wem sie es da zu tun haben. Da setzt sich ein Weimer auf die Bühne und möchte gemeinsam mit den Linken „gegen die rechten Brüder“ (O-Ton) kämpfen, und verliert den Kampf in alle Richtungen, bevor er ihn überhaupt begonnen hat.
Links ist vorbei? Links dreht nun richtig auf ….

Uwe Lorenz | Mo., 11. Mai 2026 - 21:50

Warum führen wir in der Gesellschaft und in den Medien einen Kulturkampf?
Alles nur Rechthaberei und Besserwisserei.
Der "Kulturkampf" ist das schlechteste mediale Mittel, weil es Gesellschaft, Kultur und Identität vernichtet.

soistes | Di., 12. Mai 2026 - 14:48

Der Rücktritt der Berliner Kultursenatorin.
Ich hoffe das in den staatlichen Behörden der eisenharte Besen gekehrt wird.

Was speziell in diesem Fall abgelaufen ist, zeigt das die Verfassungsfeinde selbst vom eigenen Staat bezahlt werden. Und dazu noch Arbeitsverweigerung praktizieren.

Oder der Skandal der Documenta 2022. Übel

Oder die Kulturförderhilfen der vorletzten Koalition. Wer hat diese zum damaligen Zeitpunkt geführt?

Warum liegt die Kulturbranche derzeit so dermaßen am Boden?

Richtig, weil damit jetzt Schluss sein muss, dass diese Verfassungsfeinde weiterhin vom Staat vergütet werden. Irgendwann ist dieses Spiel halt mal zu Ende. Gut so & hoffentlich sehr nachhaltig.

Herr Stegemann hat mit seiner Argumentation recht.