Russell Crowe
Russell Crowe als Hermann Göring / Scott Garfield/Sony Pictures Classics

Film der Woche: „Nürnberg“ - Hochmut kommt vor der Kapsel

Mal wieder will Hollywood das Dritte Reich profitabel melken. Kurz vor den Nürnberger Prozessen erliegt US-Militärpsychiater Douglas M. Kelley dem Charisma Hermann Görings. Doch „Nürnberg“ scheitert an historischer Unschärfe, narrativem Wirrwarr und Klischees.

Ursula Kähler

Autoreninfo

Ursula Kähler ist promovierte Filmwissenschaftlerin und arbeitete unter anderem am Deutschen Filminstitut & Filmmuseum in Frankfurt am Main. Sie veröffentlichte „Der Filmproduzent Ludwig Waldleitner“ (2007) und „Franz Schnyder. Regisseur der Nation“ (2020).

 

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7. Mai 1945. Auf einem kargen Feld dampfen die gängigen Autowracks. Daneben schleppt sich ein Flüchtlingsstrom über eine Landstraße. Geschmeidig senkt sich die Kamera aus luftiger Höhe zu einem rostigen Schild am Wegesrand. Ein Hakenkreuz prangt darauf. Plötzlich schießt ein kräftiger Urinstrahl auf das Blech. Er stammt von einem US-Soldaten. Nach dem Erleichtern gesellt er sich lässig zu seiner Kompanie. Dann rollt ein Mercedes mit Standartenhaltern langsam durch die Menschenmenge. Mit Gewehren im Anschlag bringen die nervösen Amerikaner den Wagen zum Stehen. Ein korpulenter Herr in reich verzierter Uniform steigt aus. „Jesus Christ! It’s Hermann Göring!“, murmelt jemand. „Who?“, will ein Kamerad wissen. „Hitler’s second man.“ So beginnt James Vanderbilts „Nürnberg“. Kino in einfacher Sprache.  

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Dorothee Sehrt-Irrek | Mi., 6. Mai 2026 - 18:08

und es führt auch bei mir zu großen Schwierigkeiten.
Das "Normale" des 3. Reiches ist vor dem Hintergrund der Schrecken einfach nicht wirklich aufrechtzuerhalten.
Es sei denn, man veranschlagt für Göring seine wohl "Drogenabhängigkeit"
Das gilt teils doch auch für Hitler?
Jedenfalls konnte ich mir Bruno Ganz als Adolf Hitler nicht anschauen.
Seine LORBEEREN sprachen für mich dagegen.
Ähnlich bei Russel Crowe.
Das kann ich nicht, weil ich den Gladiator gesehen habe.
Ergebnis:
Einstweilen Turbulenzen von Gewißheiten.
So schnell werden wir Deutschen mit dem 3. Reich wohl nicht fertig und dessen und überhaupt Opfer unter ihnen schon gar nicht.

Urban Will | Do., 7. Mai 2026 - 10:19

Kelley sehen würde, v.a.wie und warum er an seiner Arbeit mit Göring und anderen zerbrach. Die Hauptperson in „Nürnberg“ ist nach Intention der Produzenten aber Göring, denke ich. Daher nahm man wohl auch denjenigen Schauspieler, den man sich am besten für diese Rolle vorstellen konnte. Das Crowe anscheinend keine Lust hatte, abzunehmen oder Deutsch so gut zu lernen, dass er es akzentfrei vom Blatt ablesen konnte, nimmt dem Film zwar etwas an historischer Authentizität, aber ich denke, dies ist zu akzeptieren.
Kelley verzweifelte daran, dass Göring kein Monster, sonder ein offensichtlich hochintelligenter, „normaler“, von seiner Sache überzeugter Mann war. Nachvollziehbar.
Was hätte es gebracht, Kelleys Zerfall bis zum Suizid auch noch ausführlich in den Film zu packen? Dann wäre seine Länge wohl um einige Stunden gestiegen.
Aber darum soll es im Film doch gar nicht gehen, oder? Es geht um eben die Tatsache, dass Göring (und andere) keine Geisteskranken, sondern Überzeugte waren.

Urban Will | Do., 7. Mai 2026 - 10:33

gewonnen habt – nicht weil ihr moralisch überlegen seid.“
Das wohl bekannteste Zitat aus Görings Zeit in der Haft, zeigt mM nach die ganze Problematik.
Und wird wohl auch im Film zu hören sein.

Wie groß ist denn aus moralischer Sicht, der Unterschied zwischen dem industriellen, ideologisch unterfütterten, staatlich organisierten Massenmord einerseits und den von Politikern/Militärs angeordneten Massenbombardements und der Atombombe auf Zivilisten andererseits? Wer kann diese Frage neutral beantworten?

Stalin war kein geringerer Massenmörder als Hitler. Nur die ideologischen Hintergründe waren andere. Hätte Hitler den Krieg gewonnen, würde man nicht nur in Deutschland, auch anderswo anders über den Holocaust reden. So schrecklich diese Sätze, so realistisch sind sie wohl.

Und wenn ich mir anschauen muss, wie Juden auch heute wieder verfolgt und Opfer von Gewalt werden, bloß weil sie Juden sind, dann... muss ich jetzt aufhören.

Klaus Funke | Do., 7. Mai 2026 - 14:01

Russel Crowe - der Allesspieler wie der Depardieu oder etwas früher Jean Marais. Aber nicht jeder Schauspieler ist für alle Rollen gleichermaßen geeignet, auch wenn er ein guter oder überragender Mime ist. Wer den Herrmann Göring am besten und vor allem glaubhaft hätte darstellen können, weiß ich nicht, denn diese bauernschlaue Gerissenheit, die rücksichtslose Brutalität, gepaart mit diesem Anflug von Weltmann und Bodenständigkeit, das haben nur ganz wenige drauf. Vielleicht Mario Adorf oder Ulrich Thukur. Jedenfalls, Crowe passt nicht. mMn

Dorothee Sehrt-Irrek | Do., 7. Mai 2026 - 16:48

Antwort auf von Klaus Funke

Aber der ist doch eine Seele von Mensch!
Das geht gar nicht.
Kann ihn mir nicht als "Überzeugten " vorstellen und Russel Crowe nicht brutal, nicht mal als Gladiator.
Hätte Gert Fröbe gepasst, weil vielseitig in seinen Rollen?

Urban Will | Do., 7. Mai 2026 - 17:47

Antwort auf von Dorothee Sehrt-Irrek

Aber die sind tot oder zu alt. Gerd Fröbe auf jeden Fall. Oder Klaus Maria Brandauer.
Ich verstehe nicht, Frau Sehrt-Irrek, warum sie sich Tukur deshalb nicht vorstellen können, weil er eine "Seele von Mensch" ist?
Ja, das mag er sein, aber er ist auch ein topp Schauspieler. Spielte bspw. einst Erwin Rommel sehr überzeugend und überragend.
Aber es stimmt. Als Göring könnte ich ihn auch nicht vorstellen.

Robert de Niro... Von dem man mal sagte, er könne ein Schnitzel spielen.
Why not.
Seine Rolle als Al Capone in "The Untouchables" spielte er genial. Besser als Capone es selbst gekonnt hätte.

das fällt doch sofort ins Auge.
Die feinen Gesichtszüge ... passt.
Was genau hatte der zutun mit der Endlösung?
Ich nehme an GAR NICHTS.
Herr Will, Churchill soll gesagt haben, nachdem er die Bekanntschaft von Stalin gemacht hatte "We killed the wrong pig"?
Hitler hat er aber nie getroffen?
So wie Herr Funke Göring beschreibt, erinnerte ich mich an den Roman von Klaus Mann und der wußte wovon er schrieb, nehme ich mal an.
Und als ob Bruno Ganz solche Reden hätte schwingen können wie Hitler.
Nein, Nein, es ist dieser alte Mythos vom sogenannten "intelligenten Mörder".
Meiner Meinung nach gibt es den nicht, weshalb ich immer nach etwas anderem schaue und dann besser auf Dokumentarfilme.
Aber so schreiben Sie es ja auch "Besser als Capone es selbst gekonnt hätte."
Eigentlich wünsche ich jedem noch so guten Schauspieler, dass er an solchen Rollen scheitert.
Deshalb wäre wirklich ein Film über den betreuenden Psychologen Görings eine großartige Idee.
Andererseits kommt Göring aus einer

warum Sie Schauspieler und deren Rolle so in Bezug setzen. Warum sollen sie an ihren Rollen scheitern, bloß weil sie Verbrecher, etc. spielen?
Natürlich hatte Rommel nichts mit der Endlösung zu tun, auch wenn er wohl ein absolut loyaler (und genialer) Offizier und Vorgesetzter war und auch Hitler militärisch bis zum Letzten diente und gedient hätte, hätte man ihn nicht zum Selbstmord genötigt aufgrund seiner evtl. Verbindungen zur Walküre-Truppe. Ich bin mir sicher: Hätte Rommel Mann und Material gehabt, hätte er die Alliierten in den Atlantik zurück getrieben nach der Invasion.
Und das hätte man ihm nicht mal ankreiden können. Er war durch und durch Soldat, hatte einen Eid geleistet, er war kein Mörder.

Und nun zu Göring. Ich werde mir den Film anschauen und bin sehr gespannt auf Crowe.
So ganz verstehe ich Ihre Andeutung auf Görings Flieger-Karriere nicht. Und ein Curd Jürgens in der Rolle Görings wäre in etwa so „trefflich“ wie ein Heinz Rühmann.

Wenn gute Schauspieler "Bösewichte" spielen, dann lieber in Form eines "epischen Theaters" oder Dokumentation im Film oder aber, was immer mehr greift, die vielen Facetten von "Bösewichten", ihre immer auch menschliche Seite.
Wem habe ich z.B. den "Bösewicht" abgenommen und ihn dann nicht mehr gerne gesehen? Klaus Kinski in dem grandiosen Film "Leichen pflastern seinen Weg".
Der "Ziehvater", Patenonkel, wieso eigentlich nicht auch Vater von Göring, war ein von Epenstein?
Auf dessen Burgen wuchs er "quasi" auf?
Was sollte dann der Massenmord an jüdischer europäischer Bevölkerung?
Es gibt verschiedene Formen des Krieges, die gegen Teile der Bevölkerung sind meist völlig ungleichgewichtet und geraten nicht selten zu "Abschlachten"?
Wo kommt der "Herrenmensch" her?
Sicher nicht von Nietzsche, denn da heisst es "ALLE WESEN sind getauft am Born der Ewigkeit".
Aber er kann missverstanden werden.
Seine Texte würde ich frühestens in der Oberstufe behandeln, um eine "Faszination" zu verhindern..

Aber auch nur, weil er auf einem Theaterstück von Carl Zuckmayer fußt. Nein Göring ist eine geniale Mischung (Gottes) aus Volkstribun und rücksichtslosem Machtmenschen. Auf alle Fälle war er kein Dummer. Und seine Interviews in Nürnberg wie auch die Gespräche mit seinem Therapeuten und Psychologen belegen ein erstaunlich hohes Niveau. Natürlich hat sein Tod - mit der beim Kuss mit seiner Frau ausgetauschten Zyankalikapsel -auch etwas von Theaterpose. Aber damit waren ja viele der NS-Größen infiziert. Alles musste immer auch Pose haben. Deshalb ist eine schauspielerische Umsetzung der letzten Tage und Stunden von Göring eine schwierige Sache und eine Herausforderung. Gewiss, ein Heinz Rühmann hätte da nicht gepasst. Vielleicht aber der leider verstorbene DDR-Mime Rolf Hoppe. Genial seine Umsetzung Görings in dem Film nach Klaus Mann´ s "Mephisto". Gewiss Gert Fröbe hätte auch gut gepasst. Thukur ist ein genialer Schauspieler. Wie er Rommel verkörperte, könnte er auch Göring darstellen.