- Cicero Podcast Politik: „Es wird am laufenden Band gelogen“
Parlament oder reiner Abnickverein? Im Cicero-Podcast Wirtschaft erhebt Ex-Abgeordnete Joana Cotar schwere Vorwürfe gegen den deutschen Politikbetrieb. Sie stellt die Systemfrage: Ist unsere Demokratie noch intakt oder längst nur noch Fassade?
In den vergangenen Jahren hat der Politikverdruss in der Bundesrepublik zugenommen. Immer mehr Menschen fühlen sich nicht mehr ausreichend repräsentiert. Woher kommt dieses langsame Auseinanderdriften zwischen Politik und Bürger? Joana Cotar hat darauf eine Antwort. Und im Cicero Podcast Wirtschaft spricht sie sie mit einer Klarheit aus, die im politischen Berlin eine Seltenheit ist: Die Entfremdung hat einen systemischen Grund, nämlich einen Politikbetrieb, der sich selbst ernährt und seinen eigenen inneren Zwängen folgt. Die Bürger spielten in diesem Apparat kaum eine Rolle. Somit seien nicht einzelne Parteien, einzelne Politiker problematisch, sondern das gesamte System.
Joana Cotar weiß, wovon sie spricht. Sie saß acht Jahre lang im Deutschen Bundestag, erst für die AfD und nach ihrem Austritt als parteilose Abgeordnete. Cotar beschreibt einen politischen Betrieb, der mit der öffentlichen Vorstellung von parlamentarischer Demokratie nur noch wenig gemein hat. „Das Parlament soll ja eigentlich die Regierung kontrollieren“, sagt sie. „Tatsache ist aber: Das ist ein reiner Abnickverein, das ist ein reiner Showverein.“ Abstimmungen seien von vornherein geplant, Mehrheiten organisiert, Abweichler unter Druck. Für Cotar ist das freie Mandat eine Fiktion: „Was Sie im Plenum sehen, ist Show für die Bürger und Show für die Presse“. Parteien, so ihre Diagnose, hätten sich finanziell und strukturell so eingerichtet, dass sie kaum noch korrigierbar seien. Wer sich anpasst, bleibt versorgt. Wer ausschert, riskiert seine politische Existenz. Wie könnte ein solches System reformiert werden? Und was bedeutet das alles, für die Demokratie, für die Gesellschaft, die Bürger?
Das Gespräch wurde am 16. Februar 2026 in der Cicero-Redaktion aufgezeichnet.
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von Joana Cotar!
Ohne eine komplette Neu-Ordnung des politischen Systems wird sich an dem elenden Zustand, den Frau Cotar beschreibt, nichts ändern.
Es gibt längst gute Reformvorschläge, aber natürlich interessieren sich die jetzigen Nutznießer des bestehenden Systems nicht im geringsten dafür.
Eher fahren sie den deutschen Staat an die Wand, als daß die jetzt Herrschenden ihre
egoistischen Motive (= an der Macht und an den "Fleischtöpfen" bleiben!) hintanstellen!
Man kann ihr kaum genug danken! Ich hoffe sehr, dass ihr Einfluss auf das politische Geschehen wächst.
Ein sehr interessantes Gespräch mit einer mutigen und intelligenten Frau. Es war spannend, zuzuhören und dranzubleiben. Aber hat sich gelohnt! Schade, dass Frau Cotar nicht mehr im Bundestag ist. Aber als Einzelne mit einer solchen Einstellung hat man leider keine Chance bei den übrigen farblosen Politikdarstellern. Danke an Herrn Korfmacher!
Formal ist Demokratie die Herrschaft des Volkes.
Aber will das Volk überhaupt in einer Demokratie leben?
Will es überhaupt diese Herrschaft ausüben? Will es nicht lieber - wie in einem Altersheim - ungestört chillen, in einem gut betreuten Volksheim leben, wo es sich um nichts kümmern muss, und wo das Essen immer fertig gekocht auf den Tisch kommt?
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In einer derartigen Lage inszenieren sich Politiker fast zwangsweise als fürsorgliche Profi-Betreuer, in deren liebevollen Armen das Volk selig schlummern darf.
Das Volk hat so seinen Herrschaftsanspruch gegen ein Linsengericht an die Parteien verkauft.
Wir Deutschen leben deshalb seit Jahrzehnten nicht mehr in einer Demokratie, sondern nur noch in einer Parteiendemokratie, die Frau Cotar klar beschreibt.
Aber ob dieses staatlich betreute Chillen noch lange möglich sein wird?
Ich persönlich glaube nicht, dass dieser wohlige Traum vom Schlaraffenland in alle Ewigkeit geträumt werden kann.
