- Cicero Podcast Politik: „Ohne die Zivilgesellschaft wäre die Demokratie tot“
Thilo Bode ist eine Art Nestor der deutschen NGO-Szene. Nun fordert der einstige Greenpeace-Chef und Foodwatch-Gründer, der Staat solle weniger Geld an politische Organisationen geben.
Nach Meinung von Thilo Bode braucht die Demokratie eine lebendige und kritische Zivilgesellschaft. Nur durch bürgerschaftliches Engagement werde politischer Fortschritt erreicht, so der promovierte Wirtschaftswissenschaftler. Doch wer Einfluss auf die Politik nehmen wollen, dürfe sich nicht durch die Politik bezahlen lassen, so Bode. „Wir sollen draußen bleiben, wir sollen von draußen Druck aus üben, damit die richtig was machen“, schreibt er den Nichtregierungsorganisationen ins Stammbuch.
In Europa würden manche Organisationen sich zu über 50 Prozent von der europäischen Kommission bezahlen lassen, diese Abhängigkeiten schwäche die Wirksamkeit. Das gelte unter anderem auch im Bereich Entwicklungszusammenarbeit. „Ohne die Zivilgesellschaft wäre die Demokratie tot“, erklärt Bode, Viele Fortschritte in den zurückliegenden Jahrzehnten etwa bei Themen wie Rassismus, Frauenrechte und Umweltpolitik seien nur durch zivile Aktivität und Widerstand erreicht worden. Zuletzt ist von Thilo Bode das Buch erschienen: „Resist. Aufruf zum Widerstand“.
Das Gespräch wurde am 30. Januar 2026 in der Cicero-Redaktion aufgezeichnet.
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... der meiner Meinung nach für fast alles gebraucht und vor allem missbraucht werden kann.
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Herr Bode meint, die Demokratie benötige eine lebendige und kritische Zivilgesellschaft (ZG).
Meiner Meinung nach wird jedoch die heutige Demokratie durch die ZG-Organisationen und deren besoldete Funktionäre mindestens ebenso gefährdet wie durch die politischen Altparteien und deren besoldete Funktionäre.
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Partei- und ZG-Funktionäre unterscheiden sich nur dadurch, dass NGO-Funktionäre noch weniger fachliche Qualifikationen besitzen müssen als Parteifunktionäre.
Um ein ZG-Funktionär werden zu können, braucht man nur folgende Fähigkeiten:
(1) intensives Networking (auch im politischen und medialen Bereich),
(2) medial wirksame Rhetorik und
(3) überdurchschnittliche Begabung zur Akquise von Geld bei staatlichen Institutionen und bei Privatpersonen
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ZG- und Partei-Funktionäre sehen sich im Übrigen als Betreuer und Vormünder des dummen Volkes, das sie stets als Bedrohung empfinden.
Herr Bühler.
Ich nehme Ihre Befürchtungen sehr ernst, denn ich will z.B. auch keinen Intellektuellen-, Wirtschafts-, keinen Gewerkschafts-Staat und keine governmentale Zivilgesellschaft.
Das kann aber leicht geschehen, wenn solche Netzwerke oder NGOs vom Staat mitfinanziert werden?
Wie war das in der DDR?
Ich bin für steuerliche "Begünstigung" und das, sofern diese Gruppen nicht gegen unsere Verfasste Demokratie verstoßen.
Es ist auch weniger eine Begünstigung, als ein Belassen, eben weil die zivile Gesellschaft m.E. in der Tat die Grundlage unserer Demokratie ist.
Aber Finanzieren ist etwas anderes.
Diese Gruppen können auch dafür arbeiten, die Zivilgesellschaft stärker politisch zu beteiligen, der Staat kann darauf zugehen, aber wie gesagt, das Finanzieren sehe ich kritisch, selbst wenn es die Demokratie selbst betrifft.
Dann sind wir evtl. nicht mehr weit von Bürgerwehren, "Schattenorganisationen" etc.?
Ich habe aber keinen Überblick, inwieweit das nicht schon längst existiert...
zugreift, dann muss er natürlich bezahlen für deren Dienste, aber "Blancoschecks"?
Das betrifft auch Institutionen der Parteien oder kulturelle Institutionen, wie z.B. das Goethe-Institut.
Da finanziert der Staat aber doch mit?
Dann kann man das Prinzip nicht nur auf diese herausgehobenen Gruppen begrenzen...
Darüber wird ja immer mal im Cicero diskutiert, also dann doch zum Interview.
... ist mMn ein (halb-)staatlicher Betrieb der Bundesrepublik Deutschland, der wie die Deutsche Bahn, die Stiftung Preussischer Kulturbesitz oder die BSR nach dem Willen des Parlaments eine bestimmte wirtschaftliche Eigenständigkeit besitzen soll oder muss.
Parteienstiftungen sind keine staatlichen Betriebe, sondern Betriebe der Parteien, die nach dem Willen des Parlaments zwar vollständig von allen Steuerzahlern finanziert werden, aber ganz ausschließlich von der jeweiligen Partei abhängig sind. In Parteistiftungen wird zwar viel über "Zivilgesellschaft" geschwafelt, aber sie gehören mMn in keiner Weise dazu.
(1) zur DDR: im marxistisch-bolschewistischen Denken bildet mMn die ganze Gesellschaft eine Einheit, die - geführt von der allwissenden Partei - geschlossen in die leuchtende Zukunft zu marschieren hat. Insofern kümmert sich jede bolschewistische Partei auch um die Finanzierung von Eigenaktivitäten der Bürger - natürlich nur im Rahmen dessen, was der Staat wirtschaftlich leisten kann.
(2) In einer Demokratie sollte es eine Möglichkeit geben, dass die Meinungen der gewöhnlichen Bürger auch dann politisch beachtet werden, wenn diese Meinungen nicht von den gewählten Parteifunktionären geteilt werden.
Dazu gibt es Bürgerinitiativen, und natürlich sollte ein demokratischer Staat diese Initiativen erleichtern und unterstützen.
(3) Wenn sich aber eine Initiative in eine Institution mit fest besoldeten Mitarbeitern verwandelt, dann kann die staatliche Finanzierung leicht zur Abhängigkeit der Initiative von einer "begreundeten" Partei führen.
Bürgerinitiativen.
Ich war immer Mainstream ausgerichtet, also Richtung Parteiarbeit, da dachte ich nicht daran.
Dann macht es doch aber Sinn, der Zivilgesellschaft konkreten Verfassungsrang zuzugestehen und nicht nur als politischer Zusammenhang, sondern eben auch als ziviler und kultureller, wie evtl.. das Goethe-Institut?
Sozusagen öffentlich-rechtlich, aber bei Finanzierungen kontrolliert vom Parlament?
???
Ich habe immer eine positive Grundhaltung zu Greenpeace gehabt, gerade, als ich erfuhr, dass eine ehemalige Bekannte aus Schülerzeiten immerhin die erste weibliche Vorsitzende von Greenpeace International, war, aber was Herr Bode(Respekt) so erzählt vom "Vorführen" der Chinesen, damit kann er bei mir keinen Blumentopf gewinnen, auch wenn mir seine Russlandhaltung nahesteht.
Wenn man sich unter ein Bild von Mao stellt, dann ist das evtl. doch ein "Angriff" auf China?
Aber so wirken auch die Proteste der jungen Generation auf mich:
Wie können wir uns am besten in Szene setzen und vorher schauen wir, wie wir uns wieder aus der Affäre ziehen?
So habe ich das Bild von dem jungen Mann interpretiert, der eine Soße auf ein berühmtes Gemälde warf:
Mein Gott, dachte ich, der hat das geübt wie im "Kriegseinsatz".
Man kann nicht einfach "Widerstand ausrufen", man kann in einer Gesellschaft "mitarbeiten"?
DAS IST m.E. KEIN POLITISCHES NIVEAU.
Das war m.E. aber auch kein Gespräch, Herr Resing..
... habe ich den Eindruck einer ungewöhnlich offenen Diskussion gewonnen.
Sowohl Herr Resing wie Herr Bode haben ihre Standpunkte offen verteidigt, Bode den grünen und Resing etwa (?) den (konservativeren) CDU-Standpunkt.
So zugleich leidenschaftlich wie vernünftig sollte es bei den Koalitionsverhandlungen in Baden-Württemberg eigentlich auch zugehen.
Denn zwei verschiedene Überzeugungen, die ihre Gründe mit großer Leidenschaftlichkeit verteidigen, müssen jede für sich den Punkt der Toleranz finden, die es ihnen erlaubt, irgendwann mit dem Gegner zusammenzuarbeiten.
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Allerdings habe ich doch den Eindruck gewonnen, dass Herr Bode dem bolschewistisch-revolutionärem Größenwahn sehr viel näher steht als Herr Resing.
Denn Herr Bode ist nach meinem Eindruck viel zu oft wirklich davon überzeugt, dass NUR SEINE Meinung den richtigen Weg in die strahlende Zukunft zeigen würde. Insofern ist er kein lupenreiner Demokrat.
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Nix für ungut.
unter den NGO Entscheidern. Patrick Moore hat es aber tatsächlich verstanden, dass seine früheren Aktivitäten Mist waren. Immerhin.
Die wenigsten NGO machen Sinn. Der Rest ist Links bis Extremistisch & besonders vollmundig finanziert vom Staat oder der EU. Ekelhaft! Das gleiche gilt auch für Rechts!
Diese Interview ist ein sehr erhellendes Zeitdokument. Es führt vor Augen, wie wirkmächtig NGOs die wirtschaftliche Entwicklung des Landes blockiert haben. Die Sturheit und Uneinsichtigkeit mit der AKWs immer noch komplett abgelehnt werden ist frappierend, und das bei der derzeitigen, niederschmetternden Befundlage. Die sog. Energiewende ist komplett gescheitert!
Natürlich erlebt die Kernkraft weltweit eine Renaissance. Dass sie derzeit in Europa so teuer ist, liegt allein an der Lobbyarbeit dieser NGOs, die eine kostenintensive Überregulierung durchgesetzt haben. In China klappt es,mit Serienbau.
Es war erstaunlich zu hören, wie nonchalant und völlig unbeeindruckt von Fakten Herr Bode seine vor über 50 Jahren erworbene Haltung verteidigt hat.
Selbstgerechtigkeit, Selbstgewissheit, die Überzeugung, man ganz allein sei im Besitz von Wahrheit und Erkenntnis sind die Kennzeichen dieser linken NGOs.
Herr Resing hat sich tapfer geschlagen. Aber manchmal kämpfen Götter selbst vergebens….
durchgehalten.
Die verbleibenden AKWs hätte ich auch nicht angesichts der Weltlage und nicht gegebenen Versorgungssicherheit abgeschaltet.
Als langfristige Perspektive geht mir die Kernkraft jedoch gegen den Strich.
Ich hoffe also sehr auf andere Möglichkeiten, nicht aber, überspitzt, "fundamental-religiös" und jedenfalls ohne zu große Abhängigkeiten von "Global Playern".
Das hörte und sah ich wohl in einem Vortrag von Prof. Fichtner, das Verhältnis von Bereitstellungskosten und Ertrag, z.B. für Ölschlamm oder Uran ff.
Die Folgekosten müssen schliesslich auch bedacht werden.
Keine leichte Aufgabe für unsere Energieministerin...überhaupt für uns ALLE
Es ist eine steile These zu behaupten, ohne NGOs wäre die Demokratie tot. Nimmt man z.B. die „trusted flagger“ ist eher das Gegenteil der Fall: NGOs können zu Totengräbern der Meinungsfreiheit und damit der Demokratie werden- weil sie nur ihre Meinung gelten lassen.
Zivilgesellschaft sind eben nicht NGOs mit Verbandsklagerecht, die hauptamtlich von Politologen mit halbgaren Abschlüssen oder blauhaarigen Absolventinnen irgendwelcher Queerstudiengänge betrieben werden. Zivilgesellschaft sind Freiwillige Feuerwehr, DLRG, ehrenamtliche Trainer der E- Jugend, ältere Herrschaften, die sonntags an der Kasse im
Museum des Heimatvereins sitzen.
Die NGOs, die Herr Bode meint, allen voran die Anti-Atombewegung, sind und waren Veranstaltungen von linken Agitprop- Aktivisten, die immer antikapitalistisch, kollektivistisch und antiimperialistisch geprägt waren. Wobei der Antiimperialismus letztlich nur Antiamerikanismus war und ist. Gern mit einer Prise Antisemitismus.
