Hannah Arendt
Hanna Arendt (* 14. Oktober 1906 in Linden, heute Hannover; † 4. Dezember 1975 in New York City) / Fotos: Imago / dpa

Zum 120. Geburtstag von Hannah Arendt - Die öffentliche Frau

Die Philosophin Hannah Arendt hat mit ihrem oft eigensinnigen Denkstil die Großen Debatten des 20. Jahrhundert geprägt. Ihre wichtigste Leistung aber bleiben das „Wagnis der Öffentlichkeit“ und der Glaube an das Menschliche im Menschen.

Ralf Hanselle / Antje Berghäuser

Autoreninfo

Ralf Hanselle ist stellvertretender Chefredakteur von Cicero. Im Verlag zu Klampen erschien von ihm zuletzt das Buch „Homo digitalis. Obdachlose im Cyberspace“.

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Damit ein Anfang sei, erreichte Hannah Arendt im Mai 1941 New York. Es war ein holpriger, ein nicht gerade ungefährlicher Weg bis hierher. Bis heute ist er von Mythen und Widersprüchen gepflastert. Vermutlich war die damals 36-jährige Philosophin zusammen mit ihrem zweiten Ehemann, dem geläuterten Kommunisten Heinrich Blücher, von Frankreich aus mit dem Zug nach Lissabon gefahren – über Argelès-sur-Mer und Portbou, einem gottverlassenen Grenzort in den spanischen Pyrenäen, in dem wenige Monate zuvor ihr enger Freund Walter Benjamin seinen Verfolgern ein letztes Schnippchen geschlagen hatte: Mit einer Überdosis Morphium war der Autor des unvoll­endet gebliebenen „Passagen-Werks“ über eine wohl letzte Grenze gegangen. Und das ausgerechnet hier, an dieser steinigen Demarkation im so unwirklich daliegenden Bergland zwischen Frankreich und Spanien.

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Dorothee Sehrt-Irrek | So., 21. Dezember 2025 - 08:27

würdige Zeilen zu Ehren von Frau Arendt zu schreiben, also nur soviel:
Sie war eine schöne Frau.
Alles andere reiht sich nahtlos in/aneinander und es wird vielleicht damit auch deutlich, was ich meine, wenn ich von Schönheit bei Menschen etc. spreche.
RIP

Ich würde bei Hannah Arendts Befund der "Banalität des Bösen" bleiben.
Das sogenannte "Böse" ist geradezu der Mangel an Intelligenz und diesem dadurch aufzuhelfen.
Toller Text, Herr Hanselle

Chris Groll | So., 21. Dezember 2025 - 10:02

Habe diesen Kommentar schon einmal geschrieben.
Hannah Arendt war eine bewundernswerte Frau, und ich schätze sie sehr.
Sie war mutig. Sie schätzte Freundschaften, hatte aber den Mut, ihre eigene Meinung stets auch gegen Widerstände zu vertreten.
Nur ein Zitat von ihr:
"Totalitarismus, einmal an der Macht, ersetzt immer alle erstklassigen Talente - unabhängig von ihren Sympathien - durch jene Spinner und Trottel, deren Mangel an Intelligenz und Kreativität immer noch die beste Loyalitätsgarantie ist."

IH | So., 21. Dezember 2025 - 19:24

Dann wäre sie ein Gewinn für unsere Gesellschaft. Andererseits liefe sie als Querdenkerin Gefahr, wegen verfassungsrelevanter Deligitimitation des Staates angegriffen und mit Hausdurchsuchungen heimgesucht zu werden.