Giftschrank
Ein „Giftschrank“ (hier im Institut für Zeitgeschichte in München) / picture alliance / SZ Photo | Catherina Hess

Universität Würzburg „schützt“ Leser - Wenn ein toter Konservativer im Giftschrank landet

Die Universität Würzburg glaubte, den Nutzern ihrer Bibliothek „Schutz“ vor einer Doktorarbeit über den konservativen Publizisten Caspar von Schrenck-Notzing bieten zu müssen. Dahinter steckt einmal mehr ein grotesker Übereifer im „Kampf gegen rechts“.

Ferdinand Knauß

Autoreninfo

Ferdinand Knauß ist Cicero-Redakteur. Im März erscheint sein Buch „Der gelähmte Westen. Chronik einer Selbstaufgabe“. 2018 erschien „Merkel am Ende“.

 

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Das Grundgesetz stellt in Artikel 5 knapp und eindeutig fest: „Zensur findet nicht statt“. Aber völlig uneingeschränkt stimmt das nicht. Der Zugang zu manchen literarischen Erzeugnissen kann durch staatliche Stellen zumindest einem breiten Publikum erschwert werden. Wie das funktioniert, exerzierte die Universitätsbibliothek in Würzburg vor. Die Doktorarbeit des Historikers Alexander Eiber sollte offenbar besonders wenig gelesen werden. Womöglich erreicht sie damit nun aber dank öffentlicher Aufmerksamkeit eher das Gegenteil.

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Wolfgang Borchardt | Fr., 12. Dezember 2025 - 10:37

gern als "mündig" deklarierten Bürger schützen zu müssen glauben. Das, was für "unsere Demokratie" gut sein mag, ist es für die grundgesetzliche nicht. Gut ist wiederum, dass das Gewünschte nicht erreicht wird, denn dieser Angriff erregt Aufmerksamkeit für das, was man gern versteckt hätte.

Ralf Straube | Fr., 12. Dezember 2025 - 11:15

In den Unibibliotheken gab es damals in der DDR ja viele westliche technische Zeitschriften - und zuweilen waren dort Seiten herausgetrennt mit der Bemerkung "Vom Referat Marxismus-Leninismus entfernt". Die Gründe waren nicht aufgeführt - aber offensichtlich: Entweder politischer Inhalt, oder der Artikel befasste sich mit dem Ostblock oder aber es ging um Gehälter im Westen o.ä..
Die große Begründung (wenn es überhaupt eine gab) war dann natürlich auch der Schutz der Leser vor subversiver Imperialismus-Propaganda. Man war sogar der Ansicht, dass solche Artikel mit voller Absicht lanciert worden waren, um dem Sozialismus zu schaden (also aus Klassenkampfgründen - sic!).
Heute ist man anscheinend wieder auf dem Weg. Verniedlicht als "Nanny-Staat" und auch so verschrien, ist es doch nichts anderes als die Entmündigung des Lesers - Basis dafür ist ein katastrophales Menschenbild (schlechthin das Markenzeichen von Ideologen und Demagogen) – damals wie heute.

Thomas Veit | Fr., 12. Dezember 2025 - 11:17

geführt werden - im gesamten öffentlichen Raum auf jeden Fall..., und an Bildungseinrichtungen verstärkt, dort kommen unsere zukünftigen (mehr-oder-weniger...) intellektuellen Eliten her..., (Rundfunkräte, Verfassingsrichter*innen, Politiker*innen und ähnliches... ... 🤔)

Das war schon zu Ost-Zeiten so... - die Uni als Ort der politischen Bildung... - auf jedem Fall. 👍

Maria Arenz | Fr., 12. Dezember 2025 - 11:20

" Eine Zensur findet nicht statt"- es sei denn, daß der Staat sie nötig hat.

Achim Koester | Fr., 12. Dezember 2025 - 12:44

als Ironie kennzeichnen, denn in der Realität wird so viel zensiert, dass man das kaum noch überblicken kann. Sogar die Kirche ist da einsichtiger als die Universitäten, sie hat m.W. den Index aufgehoben.

Sprache' - analog der gleichheißenden Tagesschauausgabe..., für nicht-linksgrünwoke Gebildete und Nicht-Studierte..., garniert mit Emojys als 'Fachkommentare': 'Ironie' 😉, 'ist nur Spaß' 😁, 'Denken Sie drüber nach' 🤔, 'ist leider so!' ☹..., und einem 'stammt von Rotgrünwoke' 🐞🌻🧱 (letzteres ist die Brandmauer...)

C. Schnörr | Fr., 12. Dezember 2025 - 13:39

sei gedankt für das Publikmachen solcher Auswüchse ideologischer Verblendung.

S. Kaiser | Fr., 12. Dezember 2025 - 15:15

Da ist er wieder – der zuvoreilende Gehorsam, der Wille ein perfekter Untertan zu sein. Der Wunsch zu antizipieren, was von einem erwartet werden könnte. Brav dem Zeitgeist folgend, Reflexion unerwünscht. Alle Augen nach links gerichtet und schön im Gleichschritt marschieren.
Nichts entblößt die aktuelle Bildungsmisere deutlicher, als wenn sich Bibliothekare von Universitätsbibliotheken als Bewacher und Hüter des freien Denkens gerieren.
Danke für Offenbarung dieser Kleingeistigkeit im akademischen Umfeld.
ps. Der Historiker Alexander Eiber hat am 5.11.2025 seine Biographie über Caspar von Schrenck-Notzing in der Bibliothek des Konservatismus vorgestellt. Auf YT zu finden. Unzensiert.