Venezuela Protest
In New York wird gegen die Verschärfung der US-amerikanischen Venezuela-Strategie demonstriert / picture alliance / NurPhoto | Neil Constantine

Venezuela-Strategie der Amerikaner - Warum die USA ihren Kurs gegen Venezuela verschärfen

Die USA verschärfen ihren Kurs gegen Venezuela. Hinter Anti-Drogen-Einsätzen in der Karibik steckt eine umfassende Strategie zum Regimewechsel, die auf wirtschaftlichen Druck und verdeckte Aktionen setzt.

Autoreninfo

Allison Fedirka arbeitet als Analystin für die Denkfabrik Geopolitical Futures. Sie hat mehrere Jahre in Südamerika gelebt. 

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Mittlerweile ist klar, dass es bei den Militäreinsätzen in der Karibik nicht nur darum geht, den Drogenhandel und die damit verbundenen Gefahren für die Vereinigten Staaten einzudämmen. Anfang vergangener Woche haben die Vereinigten Staaten das Kartell der Sonnen, eine Gruppe, die laut Washington von der venezolanischen Regierung geführt wird, offiziell als terroristische Organisation eingestuft. US-Präsident Donald Trump erklärte kürzlich, er schließe eine Bodeninvasion in Venezuela nicht aus und erwäge direkte Gespräche mit Präsident Nicolas Maduro.

Trotz des Drogenhandels auch in anderen Regionen der Karibik liegt der Fokus der USA weiterhin ausschließlich auf Venezuela. Diese Priorisierung der Sicherheit auf der Hemisphäre verändert die Risiko-Ertrags-Kalkulation für strategische Fragen in der Region dramatisch, insbesondere die Frage, wie mit der venezolanischen Regierung umzugehen ist. Die USA wollen letztlich einen Regimewechsel, aber sie wollen auch ihre Interessen und Vermögenswerte schützen. Die Militäreinsätze sind daher nur ein Teil einer größeren politischen und wirtschaftlichen Strategie, um Maduro zu stürzen.

Geopolitische Rivalen und der lange Schatten von Chávez

Die strategische Lage Venezuelas im Süden der Karibik macht das Land für die Sicherheit der USA unverzichtbar. Aus diesem Grund unterstützen die USA seit mehr als zwei Jahrzehnten einen Regimewechsel. Der Machtantritt von Hugo Chávez im Jahr 1998 bedrohte die langjährigen Geschäftsinteressen der USA, insbesondere im Hinblick auf die Ölversorgung, da er die Macht zentralisierte und die staatliche Kontrolle über die Wirtschaft verstärkte. Chávez war ein stolzer Gegner der USA und wurde so zu einem natürlichen Verbündeten Chinas, Russlands und des Irans, die alle schließlich Waffenlieferverträge mit Caracas abschlossen.

Washington interpretierte diese Vereinbarungen als Sicherheitsbedrohung, aber erst nach dem Tod von Chávez im Jahr 2013 schien ein Regimewechsel in greifbare Nähe zu rücken. Die Ölpreise brachen 2014 ein und entzogen der Regierung die Mittel, die sie zur Unterstützung ihrer populistischen Politik benötigte. Chávez’ Nachfolger, Nicolás Maduro, erbte zudem eine Wirtschaft, die durch staatliche Eingriffe, Manipulationen und Korruption fast vollständig zerstört war.

Von 2015 bis 2019 übten die USA politischen Druck aus und unterstützten die venezolanische Opposition, um ihre Pläne für einen Regimewechsel voranzutreiben. Diese Bemühungen scheiterten jedoch letztendlich, da die Opposition zu unorganisiert war und die Regierungspartei zu viel Kontrolle über die politischen Institutionen Venezuelas hatte. Da das Regime weiterhin intakt war, begannen die USA, zunehmend wirtschaftlichen Druck auf Venezuela auszuüben (durch Sanktionen), um ihre Ziele zu erreichen. Die jüngsten Militäreinsätze in der Karibik sind lediglich eine weitere Entwicklung.

Warum direkte Lösungen scheitern

Theoretisch werden die Maßnahmen zur Drogenbekämpfung genügend wirtschaftlichen und politischen Druck ausüben, um die Grundlagen des Maduro-Regimes zu zerstören. Der Handel mit illegalen Gütern – nicht nur Drogen, sondern auch Waffen, Treibstoff, Schwarzmarktöl und Gold – verschafft der Regierung nicht unerhebliche Einnahmen, sodass Störungen mit Sicherheit zu wirtschaftlichen Verlusten für Caracas führen werden. Störungen werden zu Spannungen zwischen Maduro und wichtigen Machtunterstützern führen, deren Beziehungen stark davon abhängen, dass sie von Schwarzmarktgeschäften profitieren, die das Regime am Leben erhalten. Die strategische Logik dahinter ist, dass die USA, wenn sie einen Regimewechsel nicht von außen herbeiführen können, dies vielleicht durch die Schürung von Unzufriedenheit unter den Machthabern erreichen können.

Dies muss jedoch mit direkteren Bemühungen zur Absetzung Maduros einhergehen, wobei Washington drei Optionen zur Verfügung stehen. Die erste ist eine Verhandlungslösung, bei der Maduro im Austausch für bestimmte Sicherheits- und Finanzgarantien zurücktritt und Venezuela verlässt. Die zweite ist eine Art direkter militärischer Aktion der USA gegen Ziele auf venezolanischem Boden. Die dritte ist die Unterstützung verdeckter Aktivitäten, um eine zivil-militärische Bewegung ins Leben zu rufen, die in der Lage ist, Maduro zu stürzen.

Eine Verhandlungslösung ist im Grunde genommen von vornherein zum Scheitern verurteilt. Sie mag zwar die attraktivste und politisch sinnvollste Option sein, aber ähnliche Versuche in der Vergangenheit sind ausnahmslos gescheitert. Am nächsten kam die Maduro-Regierung einer Einigung mit den Barbados-Abkommen von 2023, die trotz anfänglicher Erfolge während der Wahlen im folgenden Jahr scheiterten, da beide Seiten sich gegenseitig vorwarfen, ihre Verpflichtungen aus dem Abkommen nicht eingehalten zu haben. Die Gespräche werden weiterhin stocken, solange die Regierung ihren institutionellen Einfluss behält, die politische Opposition schwach bleibt und Washington und Caracas einander misstrauen.

Von all diesen Hindernissen ist der anhaltende Einfluss der Regierungspartei das größte. Maduro spricht nicht für die gesamte Regierung. Andere Akteure – etwa Vladimir Padrino López, der das Militär kontrolliert, Innen- und Justizminister Diosdado Cabello, der die Sicherheits- und Repressionskräfte kontrolliert, sowie die Regierung Kubas, die die venezolanischen Geheimdienste kontrolliert – haben ebenfalls Einfluss auf Exekutiventscheidungen. Washington kann nicht allen diesen Interessengruppen günstige Ausstiegsstrategien anbieten, daher ist es unwahrscheinlich, dass sie den Vorschlägen Washingtons folgen werden. Würde Maduro dies einseitig tun, würde er selbst zum Ziel von Vergeltungsmaßnahmen. All dies macht einen geordneten, ausgehandelten Übergang unwahrscheinlich.

Warum eine US-Invasion unattraktiv ist

Eine vollständige US-Invasion ist ebenfalls weit hergeholt. Eine direkte militärische Intervention im großen Stil wäre im eigenen Land äußerst unpopulär und würde im Ausland weitgehend verurteilt. Laut einer von CBS veröffentlichten Umfrage lehnten rund 70 Prozent der Befragten ein militärisches Vorgehen gegen Venezuela ab. Eine am 14. November veröffentlichte Ipsos-Umfrage ergab, dass fünfundfünfzig Prozent der Amerikaner glauben, dass die Risiken eines Militäreinsatzes in Venezuela die potenziellen Vorteile überwiegen. 

Trumps Zustimmungswerte sind seit März rückläufig, sodass die Regierung vermutlich zweimal darüber nachdenken wird, ob sie solches politisches Kapital einsetzen will. (Die politische Gegenreaktion in Lateinamerika wäre gemischt. Einige Länder – Nachbarn Venezuelas wie Trinidad und Tobago, die Dominikanische Republik, Guyana und Panama sowie US-Verbündete wie El Salvador, Argentinien, Ecuador und Panama – haben Unterstützung für ein US-Vorgehen signalisiert. Andere wie Mexiko und Kuba sind strikt dagegen, während Brasilien und Kolumbien neutral geblieben sind.)

Dass die USA ein grundlegendes Interesse daran haben, natürliche Ressourcen und die damit verbundene Infrastruktur zu schützen, verkompliziert ein militärisches Vorgehen zusätzlich. Die Opposition gegen das Regime hat Washington nicht davon abgehalten, Sondergenehmigungen zum Schutz von Chevron zu erteilen und die Öleinfuhren aus Venezuela wieder aufzunehmen. Die Ölindustrie des Landes müsste eine zentrale Rolle bei der Finanzierung des Wiederaufbaus und bei der Schaffung von Investitionsmöglichkeiten für US-Unternehmen spielen, die ihren Einfluss in der Region ausweiten wollen. 

Es ist auch erwähnenswert, dass venezolanisches Öl dem russischen Öl ähnelt. Sollte Maduro gestürzt werden, könnte Venezuela sich als alternativer Lieferant für Käufer russischen Öls anbieten – ein Schritt, der breitere strategische Interessen der USA ergänzen würde. Venezuela verfügt zudem über kritische Mineralien- und Goldvorkommen, sodass militärische Aktionen den zukünftigen Rohstoffhandel gefährden würden.

Verdeckte Operationen als Katalysator des Umsturzes

Die jüngsten militärischen Verlegungen sollten zumindest teilweise als Machtdemonstration und als Erinnerung daran verstanden werden, dass die USA jederzeit eine Blockade verhängen können. Die B-52-Bomber, die kürzlich den Luftwaffenstützpunkt Minot verließen, taten dies beispielsweise mit eingeschalteten Trackern und waren somit eine angekündigte Bewegung. Zudem ist Venezuela mit S-300-Luftabwehrsystemen ausgerüstet, die die Bomber abschießen könnten, wenn sie in Reichweite kämen; wollte Washington Caracas überraschend angreifen, hätte es andere, schwerer erkennbare Mittel in der Region eingesetzt, nicht leicht ortbare B-52-Bomber. 

Die Marineangriffe auf Drogenschiffe sind derweil Teil der US-Kampagne, ökonomischen Druck, nicht militärischen Druck, auf die Regierung auszuüben. Ähnliche Operationen könnten auch gegen Schiffe durchgeführt werden, die venezolanisches Öl transportieren, sowie gegen Schiffe, die Güter nach Venezuela bringen. An diesem Punkt bleibt ein direkter Militäreinsatz die Rückfalloption der USA, falls sich das dritte Szenario als schwer umsetzbar erweist.

Das wahrscheinlichste Szenario für einen Regimewechsel ist der Einsatz verdeckter Aktionen zur Unterstützung einer zivil-militärischen Umstrukturierung der Regierung. Dieses Szenario reduziert die politischen Folgen für die USA, hilft dabei, physische Güter und Infrastruktur zu bewahren, schafft günstigere Bedingungen für eine Übergangsregierung und entspricht früheren US-Operationen in der Region. Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass die USA diese Strategie bereits verfolgen. Neben öffentlichkeitswirksamen CIA-Operationen in Venezuela warnte Außenminister Marco Rubio das venezolanische Militär davor, Maduro zu unterstützen. Unterdessen deuten ein verdächtiges Feuer in einem petrochemischen Komplex in Anzoátegui und Festnahmen von Militär- und Oppositionsmitgliedern auf Sabotage und andere verdeckte Aktivitäten hin.

Dieses Szenario lässt auch Raum für einen einmaligen, isolierten kinetischen Schlag der USA. Die aktuellen Truppenstationierungen in der Karibik dienen schließlich nicht nur der Schau. Ziele wären wahrscheinlich symbolischer und militärischer Natur – etwa ein russisches S-300-Luftabwehrsystem oder ein iranischer Drohnenstützpunkt. Ein spektakulärer Schlag würde signalisieren, dass die USA den Regimewechsel ernst meinen, während er Oppositionskräften neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet – allerdings müssten kooperierende Zivilisten und Militärangehörige bereit sein, die potenziell tödlichen Risiken solcher Aktivitäten auf sich zu nehmen.

Es ist offensichtlich, dass Maduros Tage gezählt sind. Die USA haben sich in eine Ecke manövriert, und nun wäre es peinlich, als gescheitert dazustehen. Die Frage ist, wie und wann der Wandel eintritt.

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Michael Kaufmann | Mi., 3. Dezember 2025 - 11:13

Die strategische Lage Venezuelas ist für die USA unverzichtbar? Damit ist die Grundhaltung schon mal klar gestellt.
Ein Land das so reich an Bodenschätzen ist das theoretisch, kein Volk benötigt, sollten sich die einig werden wieder sie bedient, ist also nun die nächste Beute.

Walter Buehler | Mi., 3. Dezember 2025 - 12:24

... beschreibt der Artikel schnörkellos die Weltmachtpolitik der USA.

All diese faulen "Westbindungsanhänger" und NATO-Freunde unter den deutschen Parteifunktionären, alle Berufspolitiker müssen sehr bald nicht nur ihre Logik, sondern auch ihre Rhetorik umstellen und sich sprachlich unserer zynisch gewordenen Vormacht anpassen.

Blinde Verherrlichung der US-Politik durch eurropäischen Politiker verträgt sich weder logisch noch rhetorisch mit der fortgesetzten pauschalen Verteufelung Putins.

DEUTSCHE Politik MUSS wieder diplomatisch werden. Sie MUSS lernen, selbst zu DENKEN und wieder mit ALLEN Akteuren zu REDEN! Sonst taumeln wir an unzähligen Fronten blind in Konflikte, die völlig unkontrollierbar sind.

Die faulen und bequemen Zeiten deutscher Außenpolitik sind vorbei.

Ernst-Günther Konrad | Mi., 3. Dezember 2025 - 12:58

Kampf gegen den Drogenhandel, da bin ich 100 % bei ihm. Mit aller Härte und Konsequenzen. Aber durch militärische Intervention Einfluss auf einen Regierungssturz nehmen, das lehne ich ab. Denn auch hier würde Trump so argumentieren, wie die vermeintlich moralisch linken woken Spinner, man wäre auf der *richtigen* Seite. Das Volk muss sich selbst befreien, so hart das klingt, Und wenn die Wirtschaft dort zusammen bricht, denen das Geld aus dem Drogenhandel fehlt, hat das Volk auch Möglichkeiten, die Regierung zu stürzen und was neues zu machen. Nur Intervention von außen - wieder einmal von der USA -, das ist abzulehnen, auch wenn Trump dafür durchaus nachvollziehbare Gründe hat. Die USA hat in Venezuela nichts verloren.

Christa Wallau | Mi., 3. Dezember 2025 - 13:59

genau so sichtbar wie in der Ukraine.
Er ist d e r Vertreter einer Ansicht, daß sich die Starken u. Erfolgreichen auf der Welt die Einfluß-Sphären bzw. Geschäftsfelder möglichst gewaltfrei untereinander aufteilen sollten.
Trump achtet alle Mächtigen auf der Welt. Das bedeutet für ihn: Mit diesen Leuten (z.B. Putin) kann er nur Geschäfte machen, die für beide Seiten Gewinne versprechen.
Schwache Staatslenker, die zudem den USA feindlich gegenüberstehen bzw. schaden, versucht er zu entmachten (mit möglichst geringem finanziellen u. militärischen Einsatz), um sich dann der Ressourcen dieses Landes zu bedienen, wobei er sogar mit einem gewissen Recht behaupten kann, daß sein Handeln letztlich dem Wohle des Volkes in diesem Lande besser dient als alles vorher.
Trump hält nichts von Kriegen, weil sie Geld kosten und nicht einbringen. Ich nehme ihm auch ab, daß er die Menschenopfer, die jeder lange Krieg fordert, wirklich schrecklich findet.

Es wird spannend im Hinblick auf Venezuela!

Jens Böhme | Mi., 3. Dezember 2025 - 18:02

... unser aller Friedenstifter. Ein verkannter Friedensnobelpreiskandidat. Lobpreiset Ihn für seinen Friedenskrieg in Venezuela!

Peter William | Mi., 3. Dezember 2025 - 20:37

könnte nur funktionieren wenn auch dem Führungsstab und/oder weiter darunter liegenden Ebenen ein Angebot unterbreitet wird.

Venezuela hat große Teile seiner Privatwirtschaft, insbesondere die Ölfördernde und viele Millionen Einwohner eingebüßt. Die militärische Situation vor Ort kenne ich nicht gut genug um über Invasion oder sowas zu schwadronieren.

Vielleicht und diese Option wurde nicht einmal angeführt, könnte auch eine diplomatische Lösung erreicht werden. Ölabnahmegarantien oder Ölbohrrechte mit freien Wahlen inklusive der Garantie die Wahlergebnisse diesmal auch zu respektieren. Dies könnte sowohl die Migranten zur Rückkehr, Öl aus einer naheliegenden Region, eine weitere Demokratie am Golf von Amerika und einen gesichtswahrenden Ausweg für Maduro bedeuten. Mit ausreichend Druck hält er sich vielleicht daran. Wer weiß das schon?