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Eisenbahn-Historiker Niklas Weber - Kreuzzug eines Radikalinskis

Der Eisenbahn-Forscher und Stipendiat der Rosa-Luxemburg-Stiftung Niklas Weber streitet gegen alles, was ihm zu rechts ist. Besonders perfide ist sein Kreuzzug gegen den Theologen und Historiker Benjamin Hasselhorn. Ausgerechnet die FAZ hat ihm dafür nun eine Bühne geboten.

Autoreninfo

Etienne-Fabrice Hees ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neueste Geschichte der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. 

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Niklas Weber hat es schon wieder getan. Jetzt hat die Frankfurter Allgemeine Weber den roten Teppich ausgerollt, um eine weitere Attacke auf einen Historiker zu reiten, der anders als Weber eine bis jetzt glänzende wissenschaftliche Karriere vorweisen kann und für den Niklas Weber eine regelrechte Obsession entwickelt hat, nämlich Benjamin Hasselhorn

Der Eisenbahn-Forscher Weber arbeitet seit 2018, also mittlerweile fast sieben Jahren, an seiner Promotion. Fertig ist er anscheinend nicht, Weber trägt nach wie vor keinen Doktor-Titel und hat keine Monographie publiziert. Man könnte zunächst vermuten, das läge daran, daß sich der Experte für allerlei Eisenbahn-Geschichten mit einer Vielzahl von wissenschaftlichen Veröffentlichungen profiliert hätte. Das allerdings ist nicht der Fall. Webers Publikationsverzeichnis auf der Website der HU Berlin ist dürftig, umfaßt gerade einmal zwei Aufsätze im Merkur und eine Veröffentlichung auf einer Schweizer populärwissenschaftlichen Website, daneben eine Anzahl Zeitungsartikel.

Bei näherer Betrachtung fällt schnell auf, wofür Weber seine Zeit aufwendet, anstatt ordentlich zu promovieren. Er ist geradezu besessen von der Neuen Rechten und allem, was er dafür hält. Der Kreuzritter gegen die Dunkelheit von rechts streitet seit Jahren tapfer gegen diejenigen, die in seiner Welt eine Bedrohung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu sein scheinen. 

Autor des Neuen Deutschland

Bereits 2019 tat sich Weber mit Beiträgen in der taz und im Neuen Deutschland hervor. Er ist offenbar mit einer grundsätzlichen Abneigung gegen alles, was bei Schwarz-Rot-Gold nicht den eigenen Brechreiz bekämpfen muss, und einem erschreckenden Hass auf Deutschland generell ausgestattet. Im Rahmen der Tour de France 2019 wünschte er sich (hoffentlich scherzhaft gemeint) – wie er im Neuen Deutschland schrieb –, der deutsche Radrennfahrer Emmanuel Buchmann möge unter den Besenwagen geraten. 

Grund: Einen Patriotismus, wie ihn die Kommentatoren der ARD unnötigerweise in die Sportberichterstattung hineinbrächten, brauche es nicht. In Webers besonders progressiver Umgebung mag das Mitfiebern mit den Sportlern der eigenen Nationalität anstößig sein. Der Großteil der Rundfunkbeitragszahler dagegen begeistert und interessiert sich aber nun einmal für deutsche Sportler mehr als für den kolumbianischen Radfahrer, mit dem Weber mitfieberte, weil der „ein knuddeliger Typ“ sei.

Konservativ ist gleich rechts ist gleich böse

Webers obsessive Verfolgung Rechter und Konservativer begann ebenfalls 2019. In der taz ging es Götz Kubitschek und seiner Gesprächsrunde in Schnellroda an den Kragen, im Neuen Deutschland entblödete man sich nicht, einen Weber-Kommentar (der offensichtlich lustig sein sollte?) zu drucken, der die bekennende grüne Historikerin Hedwig Richter (!) in die rechte Ecke stellte, weil diese sich zu der ungeheuerlichen Behauptung verstiegen hatte, das Deutsche Kaiserreich habe auch seine positiven Seiten gehabt. Weber griff auch Peter Hoeres, Inhaber des Lehrstuhls für Neueste Geschichte in Würzburg, an und warf ihn, ohne sich um irgendwelche inhaltlichen Differenzierungen zu scheren, mit Götz Kubitschek, David Engels und Karlheinz Weißmann in einen Topf. Alles kein Problem, für Weber gilt: Konservativ ist gleich rechts ist gleich böse. 

Webers publizistische Stilübungen verloren ihren unangenehmen humoristischen Charakter allerdings in dem Moment, als er zum Angriff auf Benjamin Hasselhorn blies. Anlass war dessen Tätigkeit als Sachverständiger in der Frage der Entschädigungsforderungen des Hauses Hohenzollern im Kulturausschuss des Bundestags, die Unions-Fraktion hatte ihn eingeladen. Das war 2020, also zu einem Zeitpunkt, als Weber, vom deutschen Steuerzahler alimentiert, eigentlich an seiner Dissertation hätte arbeiten sollen. 

Er tat es nicht und raunte stattdessen von Hasselhorns düsterer Vergangenheit, um aus dem – im Gegensatz zu Weber – doppelt promovierten Wissenschaftler einen sinistren Herold einer im neuen Gewande wiederauferstandenen, menschen- und demokratieverachtenden Rechten zu machen. Auf Hasselhorns Vergangenheit – etwa Texte aus einer Schülerzeitung – musste sich Weber stützen, da Hasselhorns – im Gegensatz zu Webers – umfassendes Publikationsverzeichnis nichts hergab, was für Webers Schnüffelei verwertbar gewesen wäre. 2021 trat Weber dann in der taz noch einmal nach; promoviert war er noch immer nicht.

Webers schärfstes Schwert: die Kontaktschuld

Webers Texten gegen Hasselhorn ist eigen, dass sie sich mit einer – zugegebenermaßen – enormen Akribie der Analyse eines jeden einzelnen Wortes widmen. Diese muss er ohne inhaltlichen Zusammenhang aus unterschiedlichen Texten neu zusammenbasteln, um irgendetwas insinuieren zu können. Aus Webers Analyse lassen sich so wenig belastbare Aussagen gegen Hasselhorn gewinnen (im Grunde genommen gar keine), dass Weber noch eine zweite Strategie fährt, die er mittlerweile meisterhaft beherrscht. 

Da er Hasselhorn inhaltlich nicht beikommt, ist Webers schärfstes Schwert die Kontaktschuld. Wer die falschen Leute kennt, ist grundsätzlich verdächtig. Wer dann auch noch in Organen veröffentlicht, die in Webers paranoider Welt die Axt an die Wurzel der demokratischen Ordnung der Bundesrepublik legen, ist der Feind und gehört bis zur persönlichen und wissenschaftlichen Vernichtung gnadenlos bekämpft. 

Dass ausgerechnet ein Stipendiat der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der die Hälfte seiner Publikationen in der linken taz und dem linksradikalen Neuen Deutschland platziert hat, und sich dafür so wenig schämt, dass diese Artikel nach wie vor seine dünne Publikationsliste etwas weniger dünn machen, sollte mit Argumenten der Kontaktschuld vorsichtig sein. Wer ehemaliger Stipendiat einer Stiftung ist, die Veranstaltungen mitträgt, auf denen wie selbstverständlich Alternativen zur parlamentarischen Demokratie diskutiert werden, täte gut daran, sich nicht allzu weit aus dem Fenster zu lehnen. Dasselbe gilt für einen Autor, der im ehemaligen Zentralorgan der SED veröffentlicht. Weber ist beides.

Auf dem sinkenden Schiff der woken Radikalinskis

Nachdem Weber zwischenzeitlich in der Versenkung verschwunden war (vielleicht, um endlich seine Dissertation zu beenden, dafür hatte er 2023 immerhin wieder Geld erhalten, dieses Mal von der Eutiner Landesbibliothek), ist er seit einigen Wochen wieder da. Pünktlich zum Start der Hetzkampagne des Würzburger Studentenparlaments trat Weber wieder in die Öffentlichkeit. Auf seinem Bluesky-Account – gute Menschen haben kein X! – multiplizierte er sogleich Meldungen und Artikel, die sich mit dem Fall Hasselhorn befassten. 

Bis zum 30. März postete er ausschließlich Artikel mit Bezug auf die Rufmordkampagne gegen Hoeres und Hasselhorn. Unter seinen wenigen Followern befindet sich auch Patrick Bahners von der FAZ. In Frankfurt fühlte man sich von Webers vorwurfsvollem Ton gegen die „Zeitung für Deutschland“ offenbar beschämt und beschloss, keinesfalls als Blatt der bürgerlichen Werte gelten zu wollen, sondern auf dem sinkenden Schiff der woken Radikalinskis fröhlich mitzusegeln. Anders ist der ganzseitige Artikel, der am 30. April in der FAZ erschien, begleitet von einem Kommentar von Bahners, nicht zu erklären. 

Weber bringt hierin eigentlich einmal mehr nichts Neues, sondern versucht wiederum, durch Kontaktschuld – natürlich Weißmann –, böswillige Andeutungen, wilde Verdrehungen und mangelnde Differenzierung alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen. Das beginnt bereits am Anfang des Artikels, wo er Hasselhorn implizit eine geistige Verwandtschaft zum Nationalsozialismus unterschiebt, wenn er behauptet, Hasselhorn wolle „Blut und Boden“-Mythen als identitätsstiftende Erzählungen neu etablieren. 

Das setzt sich fort, wenn er den Verweis auf Friedrich Meinecke als Beweis für eine systemfeindliche Gesinnung Hasselhorns hernimmt. Denselben Meinecke, der Friedrich Naumann nahestand, der den uneingeschränkten U-Boot-Krieg ablehnte, die linksliberale DDP mitgründete und ihr bis zum Ende angehörte und der den Nationalsozialismus von Anfang an entschieden ablehnte. (Weber sei an dieser Stelle der immer noch hervorragende Aufsatz von Waldemar Besson zu Meinecke und der Weimarer Republik ans Herz gelegt. Aber Obacht: Besson war CDU-Mitglied und damit Quasi-Faschist!) Und es endet damit, dass Weber in dem ihm eigenen finsteren Raunen meint, das Verhältnis zwischen Konservativen und Nationalsozialisten sei eine „sehr aktuelle Problemkonstellation“. Er reiht sich damit ein in die Riege derjenigen Geschichtsvergessenen, die den Nationalsozialismus und seine zwölf Jahre währende Terrorherrschaft damit verharmlosen, dass sie alles rechts der CDU als „Nazi“ beschimpfen.

Besessene Konservativen-Fresser

Die fast 700 von Weber wegen ihrer Unterstützung Hasselhorns attackierten Akademiker – er weiß es natürlich besser als sie alle – haben recht. Extremisten wie der Rosa-Luxemburg-geförderte, für die „unabhängige sozialistische Tageszeitung“ schreibende, dauerpromovierende Eisenbahnhistoriker Niklas Weber sind die eigentliche Gefahr für die Demokratie. Sie behaupten, für diese zu streiten, aber halten deren wichtigste Spielregel nicht aus. Dass das Grundgesetz Meinungen weit jenseits der eigenen zulässt, ist keine Zumutung, sondern ein Segen. 

Die schlimmsten Feinde der freiheitlich-demokratischen Ordnung sind diejenigen, die all die Stimmen zum Verstummen bringen wollen, die für diese eintreten, aber dafür andere Wege beschreiten wollen. Und diese Feinde der Demokratie besitzen dann obendrein noch die Frechheit, sich in Orwellscher Manier als die eigentlichen Hüter der Demokratie aufzuspielen. Konservative täten gut daran, dieses perfide Spiel endlich beim Namen zu nennen und sich nicht länger darauf einzulassen, denn sie können es nicht gewinnen.

Egal wie oft sie sich für Demokratie und Republik aussprechen, besessene Konservativen-Fresser wie Weber werden ihr „Wolf im Schafspelz!“-Geheul nicht einstellen und weiter aus jedem Debattenbeitrag von rechts einen Angriff auf die Verfassung herbeifabulieren. Dass sich ausgerechnet die FAZ dafür hergibt, Weber diesen perfiden Angriff auf Hasselhorn zu ermöglichen, ist besorgniserregend.

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Ernst-Günther Konrad | So., 11. Mai 2025 - 12:11

... der ihm die Doktorarbeit schreibt. Oder er wartet darauf, dass die Promotionsordnung geändert wird und es reicht gegen rechts zu sein, um sich irgendwann -Doktor-, nennen zu können. Ich hoffe sehr, das sich Herr Hasselhorn juristisch wehren kann. Und das dieser Schmierfink Weber fachlich nichts drauf zu haben scheint, belegt er durch sein Verhalten selbst. Wäre ich jemals Abonnent der FAZ wäre es spätestens jetzt ein Grund das Abo zu kündigen. Wer weiß, was die Stiftung der FAZ zahlt, damit die diesen Wirrkopf veröffentlichen? Egal. Wir wissen doch alle, dass sich solche Autoren wie Weber nahtlos in die von der Politik bevorzugte Vita-Welt eingliedert. Lange ohne Abschluss studieren, auf Staatskosten mit Unterstützung von NGOS/Parteistiftungen und dann das Gesicht werden, das angeblich gegen rechte Umtriebe kämpft. Da braucht man eben keine Bildung/Wissen und Anstand. Man braucht eben nur Zeit. Und die hat er ja zur Genüge. Weber ist halt gesichert linksextrem. Und jetzt?

Christoph Schnörr | So., 11. Mai 2025 - 12:40

... am betroffenen Lehrstuhl in Würzburg gegenüber diesem bemühten Hobby- Hassprediger Weber, der sonst offenbar nichts Rechtes :) auf die Reihe bekommt, registriere ich mit Genugtuung. Die allgemeine Situation hierzulande, die solche Gestalten an die Öffentlichkeit spült, hat Herr Grau in seinen Artikeln sehr gut beschrieben. Herr Hees sollte seinen Beitrag oben auch bei der FAZ einreichen.

Hans Süßenguth-Großmann | So., 11. Mai 2025 - 13:26

werden immer unerträglicher. Die roten Inquisitoren ich kenne sie gut genug.

Hätte im Neuen Deutschland zu Zeiten der DDR gestanden, Manfred Krug und Ute Freudenberg seien Feinde des Sozialismus, wäre die sogenannte Wende wegen offensichtlicher Blödheit der DDR-Staatsorgane früher erfolgt.

Christa Wallau | So., 11. Mai 2025 - 13:36

Keine Offenheit mehr für einen geistigen Diskurs!

Das ist bitter.

Wenn die "alten Herren", welche diese Zeitung einst groß gemacht haben (Ich denke da u. a. an Joachim Fest), wiederkämen, so würden sie ihren Augen nicht trauen, wenn sie feststellten, was da in "ihrem" Blatt alles veröffentlicht wird.

Man kann an diesem Vorgang erkennen, wie sich eine Ideologie, die lange genug Herrschaft ausübt, überall einnistet - sie durchdringt letztlich alles. Es bedarf großer Anstrengungen hellwacher Köpfe, um eine ganze Gesellschaft aus dieser Verbohrtheit wieder herauszuführen.
Aber der Tag wird kommen! Das lehrt die Geschichte.

Ich kann allen tapferen Kämpfern für geistige Freiheit in Forschung und Lehre nur raten:
Bleiben Sie stark! Weichen
Sie dem Druck nicht!
Auf ewig läßt sich keine Herrschaftsideologie aufrecht erhalten.
Letztlich holt die Realität alle ideologisch Vernagelten ein, und ein neues, freies Denken beginnt.
Niklas Weber ist dann nur noch eine alberne Randfigur.

Jochen Burghardt | Mo., 12. Mai 2025 - 08:50

... ist seit Jahren eine stramm linke Zeitung. Der Abstieg begann mit der Entlassung von Holger Steltzner, direkt nach der Veröffentlichung eines Merkel-kritischen Kommentars von ihm.
Damals bereits war klar, in welche Richtung die verbliebenen Herausgeber die FAZ lenken wollten.