Hausgrillen in Lebensmitteln - Insektenverzehr wird das neue vegan

Ab kommendem Dienstag darf Pulver aus Hausgrillen einer Großzahl von Lebensmitteln zugesetzt werden. Doch man darf sicher sein: Bald werden Lebensmittel aus Insekten der neue Trend unter den Achtsamen und Nachhaltigen.

Alexander Grau

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“. Im Januar erschien von ihm „Entfremdet. Zwischen Realitätsverlust und Identitätsfalle“ bei zu Klampen.

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Machen wir uns nichts vor: Brot, Nudeln, Kekse oder anderes Gebäck sind nicht immer so vegetarisch, wie sie sein sollten. Da verirrt sich schon einmal ein Mehlwurm, eine Larve oder irgendein Krabbeltier in den Verarbeitungsprozess und wird mitgemahlen und mitgebacken. Die kleine Eiweißportion extra. Und für die ganz Hartgesottenen gibt es seit einigen Jahren Insektenburger im Tiefkühlregal. Die bestehen in der Regel aus Buffalowürmern. Jeder nach seinem Geschmack.

Doch das war nur der Anfang. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass ausgerechnet in den Wochen, in denen RTL sein Dschungelcamp in deutsche Wohnzimmer sendet, eine EU-Verordnung in Kraft tritt, nach der es erlaubt ist, Mehl aus Hausgrillen einer Reihe von Lebensmitteln beizugeben. Genauer: Mehrkornbrot, Crackern, Brotstangen, Getreideriegeln, Trockenbackmischungen, Keksen, Soßen, Pizzen, Suppen, Suppenkonzentrat, Schokoladenerzeugnissen und so weiter und so fort. Kurz: dem halben Supermarkt-Sortiment.

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Hans Jürgen Wienroth | Sa., 21. Januar 2023 - 14:58

Da stellt sich die Frage: Qui bono? Erinnert das nicht auch ein wenig an die Vorgänge um Qatar im EU-Parlament oder wo besteht sonst der Grund für dieses Handeln? Ist es zum Vorteil der EU-Bürger, wenn Insektenmehl, insbesondere aus vermutlich nicht zertifizierter Herstellung, in Speisen jeglicher Art beigemengt werden dürfen? Dann auch noch mit Exklusivrecht? Wer stellt all die Anforderungen beim vietnamesischen Lieferanten (und Erzeuger??) sicher, auf welche EU-Parlament und Kommission, sowie die Bundesregierung sonst so viel Wert legen?
Beim Fleisch legt unser Agrarminister Wert auf artgerechte Haltung und entsprechende Kennzeichnung. Dabei werden uns an vielen anderen Stellen Lebensmittel ohne Kennzeichnung (z. B. Obstkonserven aus China) „untergeschoben“, bei denen niemand Herkunft, Herstellung oder Verpackung nachvollziehen kann. Die nun freigegebenen Insekten sind da nur ein weiterer Baustein von dem, was wir alles nicht wissen und daher auch nicht wählen dürfen.

Ernst-Günther Konrad | Sa., 21. Januar 2023 - 15:11

Die werden immer verrückter in der EU. Völlig wider die Essgewohnheiten der meisten Völker in der EU wird uns jetzt versteckt dieses Zeug beigemengt werden. Ja, ich weiß, das wird man erstmal nicht schmecken oder riechen. Vielleicht mit lat. oder asiatischen Begriffen dargestellt auf den Klebezetteln des Produktes, von den Verbrauchern nicht mal erkannt und wenn es eine gewisse Menge nicht überschreitet, braucht es wahrscheinlich nicht mal auf der Beschreibung stehen. Grundsätzlich sollen diejenigen, die das Zeug futtern wollen, es tun und aus die Maus. Dann aber für jeden erkennbar nur in entsprechend speziellen Produkte, die unzweifelhaft das Essen als da bezeichnen. Insekten..... was weiß ich alles. . Und wieder wird uns von den Vegan Hysterikern etwas aufgezwungen, weil wahrscheinlich das Insektenmehl billiger ist und von den Lebensmittelherstellern für ihre Produkte mehr Gewinn abwerfen wird. Mal sehen, wann die ersten Kakerlaken gesammelt Geld bringen, abzugeben beim Discounter

Wolfgang Tröbner | Sa., 21. Januar 2023 - 15:23

Wenn die grün-rote Politik aus unser aller Leben ein einziges Dschungelcamp gestalten und uns allen weismachen will, es gehöre zum neuen Lifestyle, Würmer zu essen, dann dürfen diese Politiker gerne mit gutem Beispiel vorangehen. Ich allerdings lasse mir nicht gern von der Politik vorschreiben, was und wie ich esse. Es mag sein, dass die sich rasant vermehrende Weltbevölkerung erfordert, neue Nahrungsquellen zu erschließen. Dann sollte man diese Nahrungsquellen bitteschön aber auch dort anbieten oder nutzen, wo eine solche Bevölkerungsexplosion stattfindet. Aber nicht in Ländern, wo eher das Gegenteil zutrifft. Europa hat weder das Problem der Überbevölkerung noch das Problem von Nahrungsmittelknappheit. Länder, die diese Probleme haben, sollten doch zunächst selber versuchen, ihre teilweise hausgemachten Probleme selber zu lösen. Wie wäre es beispielsweise mit Verhütung, um Bevölkerungsexplosionen zu verhindern?

Bernd Windisch | Sa., 21. Januar 2023 - 16:42

„Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. “ Der Spruch wird König Friedrich II. zugeschrieben, als er die Kartoffel in Preußen heimisch machte.

Forelle blau ist auch nicht jedermanns Sache. Sicherlich sollte man dem ungefragten Untermischen ein Riegel vorschieben. Ansonsten Bon Appetit allen die es mögen.

Elfriede Puhvogel | Sa., 21. Januar 2023 - 16:51

Wer unbedingt will kann das ja futtern. Wenn es irgendwo untergemischt wird muß es deklariert werden. Ansonsten kann mich das alles mal.

Walter Bühler | Sa., 21. Januar 2023 - 17:09

Ich verwende den Begriff "vegan" in folgendem Sinn: "Bei einer veganen Ernährung werden keinerlei tierische Produkte konsumiert." (z. B. https://www.alnatura.de/de-de/rezepte/rezeptkategorien/ernaehrungsform/…)

Nun sind Grillen, so sehr sie einem auf die Nerven gehen können, doch auch Tiere, genau so wie Schweine, Kühe, Fische und Hühner.

Demnach hat Hausgrillen-Mehl bei der veganen Ernährung nichts zu suchen. Oder wo liegt da mein Denk-Fehler?

Außerdem (und das ist noch wichtiger!) stellt sich auch bei diesem neuen Nutztier die Frage nach der artgerechten Haltung. Hat die EU daran gedacht, die Massentierhaltung von Grillen zu verbieten? Wieviel Platz braucht eine Grille mindestens, wenn sie auf einem Bauernhof in einem Grillen-Stall gezüchtet wird? Wie muss der Stall aussehen?

Und überhaupt: kann Grillen-Mehl halal sein? Das ist in unserer bunten Gesellschaft doch nicht unwichtig!

Fragen über Fragen, Herr Grau, die beantwortet werden sollten!

U.Sprenger | Sa., 21. Januar 2023 - 17:18

Das entfette Mehl der Hausgrille ist das neue vegan? Aber nur wenn dieses Narrativ oft genug vom Mainstream wiederholt wird. Dass sowas gelingt sieht man daran, dass die m-RNA Medikation heute als Impfung bezeichnet wird.

Zur Mehlproduktion lässt man die lebenden Insekten 2 Tage hungern, dann werden sie getrocknet und vermahlen. Wird dann das Fett abgepresst, oder wie in der Tierkörperbeseitigung mit Perchlor - Essigsäure ausgefällt? Was passiert mit dem abgetrennten Fett? Ist das dann das neue Olivenöl?

Klar ist, die internationalen Lebensmittelkonzerne haben ganze Lobbyarbeit geleistet. Das Insektenmehl ist der neue Billigmacher für zahlreiche Produkte um den Benefit zu erhöhen. Gerade in Pasta und Teigwaren kann dann eiweißärmeres Mehl verwendet werden. Genau das passt in den Green Deal der EU: 20 % weniger Mineraldünger auf Hochertragsböden bringt weniger Eiweiß ins Weizenkorn. Das fehlende Klebereiweiß wird dann mit Insektenmehl aus Vietnam kompensiert.

Guten Appetit!

Frieda Frey | Sa., 21. Januar 2023 - 17:46

Dass es eine Frage der Zeit ist (und nun war), dass Insekten industriell gefertigten Lebensmitteln zugesetzt werden, vermute ich schon seit einigen Jahren.
Der Rohstoff, also das Insekt, verbraucht in der Produktion wenige Ressourcen, Platz und Zeit. Ich wette, dass die Insektenzugabe auch noch als klimafreundliche Weltrettung vermarktet wird.
Die Lebensmittelindustrie freut sich immer, wenn man günstig strecken und teuer verkaufen kann. Die "Erdbeeren" z. B. im Joghurt sind größtenteils Bakterienkulturen (natürliches Aroma - Bakterien kommen ja aus der Natur) mit ein wenig Erdbeere. Andere legale Tricks gibt's zuhauf - oft zu erkennen am Wort "Zubereitung".
Inhaltsstoffe studieren (je weniger, desto besser) und selber kochen/zubereiten - dann gibt's keine unangenehmen Überraschungen und es ist oft günstiger sowie gesünder.

Peter Sommerhalder | Sa., 21. Januar 2023 - 17:52

ich etwas gerne esse oder trinke ist es mir eigentlich egal was da alles noch dazugemischt wird. Ich darf es einfach nicht sehen und bewegen sollte es sich schon gar nicht...
Bin mir eigentlich sicher, dass z.B bei Fertigprodukten, Chips und Süssgetränken noch gezielt Suchtstoffe beigemischt werden.

Also bei Zigaretten bin ich mir jedenfalls ganz sicher, dass da gezielt Suchtstoffe hinzugefügt werden. Bin also nicht nur nikotinsüchtig...

Thomas Hechinger | Sa., 21. Januar 2023 - 17:56

Im Markus-Evangelium lesen wir in 1,6: „Johannes trug ein Gewand aus Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Hüften und er lebte von Heuschrecken und wildem Honig.“
Ich selbst habe kein Problem damit, wenn das Insektenmehl in unsere Gerichte kommt, sofern gesichert ist, daß es gesundheitlich unbedenklich ist. Warum auch nicht. Wenn's die Vietnamesen vertragen, wird es uns Europäern auch nicht schaden. Ich kann mir aber nur schwer vorstellen, Würmer auf dem Teller zu essen, wie es das Bild zum Artikel vermittelt. Da bin ich eben doch kulturell zu sehr europäisch vorgeprägt. Aber vielleicht läßt sich der eigene Ekel hier auch überwinden.
Worin ich dem Autor zustimme, ist, daß es keinesfalls zugelassen werden darf, daß der Insektenfraß aus Klimaschutz- oder anderen edlen Gründen unser gutes Fleisch verdrängen soll. Da müssen wir aufpassen. Den Achtsamen und Nachhaltigen ist alles zuzutrauen.

Rainer Balcerowiak | Sa., 21. Januar 2023 - 18:52

Undeklarierte oder verschleierte Zusatzstoffe gehören längst zum Alltag der deutschen Lebensmittelindustrie. Viele Aromen , die in unzähligen alltäglichen Lebensmitteln (wie z.B. Erdbeerjoghurt) eingesetzt. werden basieren - ganz legal - auf Schimmelpilzen. Scheint niemanden zu stören, ist auch gesundheitlich unbedenklich. Warum soll das nicht auch für verarbeitete Hausgrillen als Proteinlieferanten gelten? Das Problem ist die mangelnde, eindeutige Kennzeichnung aber nicht die Verwendung .

Hans Jürgen Wienroth | So., 22. Januar 2023 - 10:35

Antwort auf von Rainer Balcerowiak

Alles richtig, was Sie schreiben. Wer Hausgrillen, Maden oder Würmer essen will, der soll das dürfen. Das Problem ist das "Unterschieben" all dieser "Lebensmittel" aus Ländern, deren Lebensmittelgesetze und damit auch die entspr. Kontrollen bei weitem nicht mit unseren vergleichbar sind.
Insbesondere die im EU-Parlament sonst so mächtigen Grünen, die uns sonst so gerne vorschreiben, was wir alles nicht an Speisen zu uns nehmen sollen, stimmen diesen Regelungen zu, bei denen wir nicht wissen dürfen, was in unseren Speisen enthalten ist und wo es herkommt. Wer verfolgt bei der Mandarinenkonserve (und da gab es einen TV Bericht) wo die Mandarine angebaut, wie diese (vorw. in China) enthäutet wird und mit welchen Konservierungsstoffen sie in die Dose kommt?
Der Blutdrucksenker, der durch eine Herstell-Prozessänderung krebserregend wurde, zeigt die Bedeutung der Prozessführung und -kontrolle.
Wo bleibt die Fürsorgepflicht des ansonsten so dirigistischen Staates?

Ingo Frank | So., 22. Januar 2023 - 00:21

komme ich zur Überzeugung meinen Fleischkonsum wieder hoch zu fahren. Notfalls auf Eigenproduktion umstellen und selber zu füttern. Hühner, Gänse, Enten, einige Karnickel & Schafe. Vielleicht reicht unser Land noch zur Fütterung für ein Kalb . Alles frei laufend und im Herbst schlachten. Da können die, die diesen Angriff auf unsere Lebensmittel fahren, ihre Insekten alleine fre …… n ……. vertilgen!
Morgen gibts Eisbein mit Schlachtkraut (Sauerkraut mit Fleischbrühe) Kartoffel aus Eigenanbau und Meerrettich. passend dazu ein gut gekühltes Pils. Und Montag gibts aus der entfetteten Fleischbrühe noch eine Kartoffelsuppe mit dem Restfleisch.
Allseits schönen Sonntag mit freundlichen Grüßen aus der Erfurter Republik

Brigitte Simon | So., 22. Januar 2023 - 11:01

Allein in D gibt es gut 30.000 %. Insektenarten. .Sie sind unersätzlich für unser Ökosystem. 80 % der Wilpflanzen sind abhänig von der Insektenbestäubung. 60 % der Vögel und unzählige weiterer Tiere ernähren sich hauptsächlich von den sechsbeinigen Gliederfüßern. Es gibt viele Ursachen für das In-sektensterben.

Die vegane Eßkultur entdeckte eine exclusive Marktlücke für Deutschland. In Vietnam entstanden für D viele Clans, Mafiadynastien unter Geheimhaltung der Firmen. Ein sehr beliebtes und preisgünstiges Menu: "Vietnam 1965 Schädliche Insekten 379/84, ungebraucht o.G., ohne Gummierung.

Etwas Ironie: Ein echtes Aktivistenfutter für Thunberg, Neubauer, Habeck, Baerbock usw.
Ein schönes Filet aus Algen ist nicht zu verachten aus anarchistischem Braunkohletagewerk könnten ein queer-feministisches Festessen auf der Grünen Wiese sein. Die junge und letzte Generation braucht keine alte Energie. Sie klebt unter Strom und wird naturgeschützte neue Geschäftsfelder erschließen.

Alfred Simon | So., 22. Januar 2023 - 12:42

Warum schützt unsere " Lebensmittelkontrolle "
nicht uns zivilisierte Bevölkerung vor Ekel erregen-
de, zum Kotzen führende "Zutaten"?
Die Sammlung "Brot für die Welt" stellt sogar Re-
zepte für das beste Brot der Welt ins Internet!
Für die Gourmets bonne appetit, für uns Pfui Teufel!